Gemeinde & Mission

Evangelisation im Home Office

von Zikeli Timo

Wenn die Pandemie etwas Positives hervorgebracht hat, ist es für viele das Home Office. Ob in der Arbeit oder auf der Uni – die Jogginghose symbolisiert nun einen Luxus, den wir nicht gerne wieder hergeben. Zu Hause ist es ja doch am schönsten! Wie gut, dass sich sogar Evangelisation bequem vom Sofa aus erledigen lässt. Wenn es der Kalender zulässt und sich eine gute Gelegenheit ergibt, teilen wir das Evangelium im Rahmen der Freundschaftsevangelisation gerne mit Bekannten. Und wenn dafür die Zeit fehlt, können wir dennoch aufatmen: ein Bibelvers im Status ist schnell gepostet und beruhigt das Gewissen. Mehr braucht es nicht.

Wenn Jesus das bloß geahnt hätte, wäre er vermutlich erst jetzt auf die Welt gekommen! Diese ungeahnten Möglichkeiten hätten das Evangelium binnen kürzester Zeit bis an die Enden der Erde getragen. Die Menschen würden bei ihren WLAN-Netzen bleiben und ihm nachfolgen – auf Instagram. 

Ich werde jedoch das leise Gefühl nicht los, dass er doch gewusst hat, was er tut, dass er den idealen Zeitpunkt und die optimalen Methoden gewählt hat, um die Welt mit Nachfolgern zu füllen. Das heißt nicht, dass ich gegen moderne Methoden bin: Ich arbeite selbst im Home Office, mag meine Jogginghose und liege gerne am Sofa. Ich teile Verse und andere Botschaften in meinem Status und befürworte Freundschaftsevangelisation. Nur manchmal… manchmal, wenn ich mir sehnlich wünsche mehr Freunde zu haben, die ich evangelisieren könnte und die sich auch dafür interessieren, schießen mir drei Wörter in den Kopf. Ich will sie verdrängen, aber es ist schon zu spät. Unüberhörbar ruft eine lange weggesperrte Stimme in mir: „Geht nun hin!“

Zum Glück kenne ich aber auch den Ausweg, um diese Versuchung ertragen zu können: Es ist nicht so gemeint. Wo sollte ich denn hingehen? Wenn man mir die christliche „Gretchenfrage“ stellt: „Nun sag’, wie hast du’s mit der Evangelisation?“, dann antworte ich: „Ich bin ein herzlich guter Mann, aber kein Straßenprediger. Ich habe nicht die Gabe des Evangelisten, also betrifft mich der Befehl auch nicht.“ Nochmal Glück gehabt!

Doch dann, irgendwann: Feuer. Feuer! Mein Herz brennt. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, aber aus irgendeinem Grund flammt in mir eine neue Begeisterung über das Evangelium auf. Vielleicht hatte ich eine besonders gute Stille Zeit, weil ich mir tatsächlich genug Zeit in der Stille genommen und Gottes Angesicht gesucht habe, anstatt nur den ersten To-do-Punkt meines Tages abzuhaken. Jedenfalls bin ich durch und durch fasziniert von einem Gott, der Mensch geworden ist und die schlimmsten Strapazen auf sich genommen hat; der sein Leben für nichts geachtet hat, um meines zu retten. Ich bin bestürzt, dass all die Menschen da draußen schnurstracks auf die Hölle zulaufen, wo sie Tag für Tag für Tag Qualen erleiden werden, ohne Ende. Aber hier ist sie – die Lösung! Ich halte sie in meinen Händen. Ich kann nicht anders als aufzustehen und hinzugehen. „Denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“ (Apg 4,20)

Handy-Umfragen: Ein neuer Weg zu tiefen Gesprächen

Hier stehe ich also. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal auf der Straße landen würde. Ich, der introvertierte und schüchterne Timo. Aber was jetzt? Die Tafel für die Straßenpredigt habe ich nicht dabei und auf die Mülltonne will ich mich nicht stellen. „What would Jesus do?“ Das ist es! Er hat in den Evangelien 307 Fragen gestellt und nur drei direkt beantwortet. Er wollte in persönlichen Gesprächen erreichen, dass die Leute selbst draufkommen. Natürlich hat er ihnen dann auch einiges auf den Kopf zugesagt, aber er hat die nicht-invasive Möglichkeit des Fragenstellens genutzt, um tiefgehende Gespräche anzukurbeln. Aber ich? Ich kann ja nicht einfach wildfremden Menschen irgendwelche Fragen stellen. Oder doch?

Da greife ich zu meinem Handy, das ich ja sowieso dabeihabe. Ich öffne WERSGLAUBT/U, die neue Webseite für evangelistische Umfragen. Schnell rufe ich noch einen Freund an, weil es zu zweit doch schöner ist. „Könnten Sie uns kurz helfen?“, fragen wir einen Mann. „Wir machen eine Umfrage zum Thema ‘Hoffnung’ und es würde uns interessieren, was Sie dazu denken.“ – „Aha, worum geht’s da genau?“ – „Also die erste Frage wäre: Wie wichtig ist es, Ihrer Meinung nach, eine Hoffnung im Leben zu haben?“ Schon ist die Umfrage begonnen und innerhalb der nächsten fünf Minuten erzählt er uns, was er über das Leben, den Tod und das Leben danach denkt. Alles was wir gemacht haben, war die Fragen vom Handy vorzulesen. Dazwischen kann man noch eigene Fragen einstreuen. „Schlussendlich steht und fällt Jesu Botschaft über das Leben nach dem Tod mit seiner Auferstehung. Wenn er auferstanden ist, weiß er, wovon er spricht – wenn nicht, ist er ein Betrüger. Haben Sie sich schon mal mit den Belegen für die Auferstehung beschäftigt?“ – „Nein.“ – „Meinen Sie, dass das ewige Leben eine Sache ist, die es wert ist, sich damit zu beschäftigen?“ – „Ja, eigentlich schon.“ – „Dann bedanke ich mich herzlich fürs Mitmachen und möchte Ihnen zum Abschluss gerne dieses Buch schenken, worin es um die historische Glaubwürdigkeit der Auferstehung von Jesus und seiner Hoffnungsbotschaft geht.“ Einige Tage später schreibt er mir, dass er das Buch schon gelesen hat und es eigentlich überzeugend findet, dass die Auferstehung stattgefunden hat – obwohl er Moslem ist. Er würde sich auch gerne mit mir treffen. 

So einfach geht es! Während ich diese Zeilen schreibe, steht das Treffen mit Murat noch aus, genau wie die Rückmeldung von einigen anderen Leuten, die in letzter Zeit ein Buch mit meinen Kontaktdaten mitgenommen haben, das sie hoffentlich lesen werden. Diesbezüglich freue ich mich natürlich über Gebet, aber in erster Linie geht es mir um etwas noch Größeres.

Seit vielen Jahren werden evangelistische Umfragen (u.a. beim TMG) gemacht, wodurch sich unzählige gute Gespräche mit Leuten ergeben haben. Ich staune immer, wie ein paar Minuten Überwindung dazu führen, dass eine Person, die sich sonst vielleicht jahrzehntelang nicht mit dem Glauben beschäftigt hat, sich plötzlich tiefgehende Fragen stellt, ein Buch mitnimmt und es vermutlich auch liest. Manchmal dient die Umfrage – wie bei Murat – sogar als Sprungbrett zum längerfristigen Kontakt. Damit die Umfragen jedoch nicht nur Mittel zum Zweck sind, hatten Stefan Hasewend und Günter Neumayer eine geniale Idee, welche zum Projekt ‘WERSGLAUBT/U’ wurde („U“ steht für „You“ – das Gegenüber bei den Umfragen). Mithilfe dieser Webseite werden die Umfragen tatsächlich statistisch ausgewertet. Gemeinsam mit evangelistischen Impulsen zum Thema sind die Ergebnisse dann über den Link WERSGLAUBT.AT/U aufrufbar, den man nach den Umfragen per Visitenkarte mit QR-Code ebenfalls mitgeben kann. 

Das ist nicht nur etwas für junge Leute. Volkmar Schitter berichtet: „Als älteres Semester wollte ich auch mal die Erfahrung machen, was man bei Umfragen erlebt – und das war äußerst positiv. Jede einzelne Begegnung wäre eine Erwähnung wert. Diese Befragungen bewirken, ohne Aufdringlichkeit, dass Menschen zum Nachdenken angeregt werden, wo bzw. wie sie einmal die Ewigkeit verbringen werden.“

Wer die Umfragen gerne selber mal ausprobieren möchte, kann mir einfach eine Mail an u@wersglaubt.at schreiben und bekommt dann den Link zum internen Bereich für Geschwister. Dort können die Befragungen dann über das Handy durchgeführt werden. Alternativ gibt es auf Anfrage auch eine Papierversion, bei der die Antworten später zwecks Auswertung am Computer nachgetragen werden können. Auch die Visitenkarten für die Auswertungs-Webseite können per Mail angefordert werden – wir verschicken alle nötigen Materialien gerne kostenlos nach ganz Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Was uns dazu motiviert?

Wir haben eine Vision. Wir wünschen uns eine neue Generation von Christen, die hingehen, die ihre Ängste überwinden, die dem Befehl des Herrn Jesus nachkommen und persönlichen Gesprächen über das Evangelium nicht aus dem Weg gehen, sondern sie gezielt suchen. Eine gute Möglichkeit, die wir sehr schätzen gelernt haben, sind die evangelistischen Umfragen. Dabei brauchen wir uns nicht zu fürchten, ob wir genügend Antworten haben, um unseren Glauben zu verteidigen, sondern wir sind diejenigen, welche die Fragen stellen. Das Beste ist: es braucht dafür auch keine besondere Begabung. Im Gegenteil: Ich bin von Natur aus eigentlich sehr scheu und nicht redegewandt. Aber in den letzten Jahren habe ich mich bewusst immer und immer wieder überwunden, sodass mir Gespräche bei Umfragen mittlerweile sehr leicht fallen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals jemanden getroffen zu haben, der von sich meinte, er sei der oder die Richtige, um Umfragen zu machen. Aber ich kenne unzählige Leute, die jedes Mal froh sind, sie gemacht zu haben, weil es sich so auszahlt.

Daher lade ich dich ein es schlicht und einfach mal auszuprobieren. Nachdem du schon bis hierher gelesen hast, ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Handy zu greifen und einen Freund oder eine Freundin zu fragen, ob ihr gemeinsam hingehen wollt. Ihr könnt euch auch anderen Geschwistern anschließen, die regelmäßig Umfrage-Einsätze veranstalten (melde dich zwecks Vernetzung oder beim Wunsch einer Einschulung gerne bei mir). Für den Anfang kann man die Umfragen mit ungläubigen Familienmitgliedern oder Freunden machen. Wäre das nicht eine gute Möglichkeit mit ihnen in ein gutes Gespräch zu kommen, wenn du sie fragst, ob sie dir bei einer Umfrage helfen können?  

Timo Zikeli 

u@wersglaubt.at