Evangelisation praktisch –Teil 1
Wie kann ein harter Herzensboden für das Evangelium aufnahmefähig gemacht werden?
In der Evangelisation macht der Evangelist die Erfahrung, dass durch die zunehmende Verweltlichung unserer Gesellschaft die Zuhörer das Wort Gottes nicht mehr kennen. Er benötigt einen längeren Zeitraum als noch vor 10 bis 20 Jahren um dem Hörer das Evangelium so zu erklären, dass er es verstehen kann. Der Botschafter muss sich heute besonders bemühen, das Evangelium für die Leute in unserer Zeit verständlich zu machen. Eine interessante Beobachtung meinerseits ist, dass Männer, die Kinderstunden gehalten haben, ein gutes Gefühl dafür entfalten, wie man das Evangelium auch den Erwachsenen verständlich erklären kann.
Wir sollten bei der Weitergabe des Evangeliums LIEBE zum Ausdruck bringen!
Wie ist diese Aussage zu verstehen?
In unseren Wohnungen gingen viele Gäste ein und aus. Viele von ihnen saßen mit uns in einer gemütlichen Atmosphäre zusammen. Während des gemeinsamen Austauschens über Fragen und Probleme des Alltags erwähnten einige Gäste, dass sie sich bei uns einfach wohl fühlen würden. Einige sagten sogar, dass sie den Frieden in unserem Haus spüren. „Was ist bei euch so anders als bei uns zu Hause?“, wurde nicht selten gefragt. Wenn die Gäste sagten: „Es ist eine Wohltat bei euch zu sein“, war für uns klar, dass diese Besucher unsere aufrichtige Liebe ihnen gegenüber spürten und darüber sichtlich ergriffen waren.
In einer Atmosphäre der Annahme und Liebe öffnen sich die Gäste auf ungezwungene Weise für das Evangelium.
Unsere Häuser und Wohnungen sollten Oasen der Liebe und Freundlichkeit sein. Das beginnt bereits beim Empfang und bei der Begrüßung der Gäste. Wir betrachten zuerst bei einem freundlichen Händedruck zum Willkommensgruß das Gesicht der Gäste und nicht ihre Schuhe.
Einfühlsam sein
„Tut alles ohne Murren und Zweifel, damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet als Himmelslichter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens festhaltet.“ (Philipper 2,15)
„Ihr seid das Licht der Welt, eine Stadt die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter einen Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist verherrlichen.“ (Matthäus 5,14 ff)
Ein Christ, der ein Licht sein will, lebt mit seinem ganzen Sein, so wie er ist und sich gibt, als ein einfühlsamer, liebevoller und rücksichtsvoller Mensch, der sich durch den Heiligen Geist geleitet weiß, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die gute Saat des Evangeliums auszustreuen.
Nehmen wir an, dass ein „ungläubiger Besucher“ zu einem evangelistischen Vortrag kommt. Sofort nach Beendigung des Vortrags begeben sich ein oder zwei Brüder aus der Gemeinde auf den ungläubigen Gast zu und innerhalb weniger Minuten verwickeln sie ihn in ein „ super“ geistliches Gespräch. Der neue Besucher fühlt sich bedrängt und wünscht sich Befreiung aus dieser Situation. Wenn er dann die Befreiung erlangt hat, wird man diesen Menschen wohl nie mehr bei weiteren Vorträgen sehen.
Der „Einfühlsame“ macht es anders. Er geht zu dem hin, der das erste Mal gekommen ist und beginnt ein ungezwungenes Gespräch. Er drückt seine Freude mit wohlwollenden Worten aus und wenn diese auf freundliche Weise erwidert werden, versucht der „Einfühlsame“ einen kurzen Austausch über alltägliche Dinge einzufädeln. Der Besucher kann jederzeit das Gespräch beenden und den Veranstaltungsort verlassen, wenn er möchte. Sollte er nach einer weiteren Einladung wiederkommen, dürfen wir wissen, dass dem Besucher der Vortrag das letzte Mal gefallen hat. Bei weiteren Besuchen lernt diese Person einige Leute aus der Gemeinde kennen und langsam ergeben sich Möglichkeiten über Glaubensfragen auszutauschen. Auf diese Weise entsteht eine Situation, die zu einem positiven Ende führen kann.
„Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind, kauft die rechte Zeit aus! Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt!“ (Kolosser 4,5)
Wie verkündigen wir das Evangelium?
Die Verkündigung des Evangeliums darf nicht eine Drohbotschaft sein. Das Evangelium bleibt ein Angebot der herrlichsten Botschaft aller Zeiten an die Hörer. Das „Wie“ spielt eine wichtige Rolle. Wie ist die Verkündigung? Spürt der Hörer, dass die Botschaft, die er hört, als Liebesangebot an ihn geschieht? Wichtig ist für den Botschafter, dass er sich bewusst ist, dass nicht er es ist, der die Herzen öffnen kann, sondern allein der Heilige Geist. Zur Verkündigung des Evangeliums braucht es viel Weisheit. Der Verkündiger sollte die Zeit, in der wir leben, kennen und darüber Bescheid wissen, was die Hörer beschäftigt.
Motivation und Begeisterung
Begeisterung für die wichtigste Sache der Welt
Die richtige Motivation kann zur Begeisterung führen. Ein für das Werk des Herrn begeisterter Mensch kann Wunder vollbringen. Er ist nicht allein begeistert, sondern er zieht andere Menschen mit sich in seine Visionen hinein.
Begeisterte Menschen haben meistens ein Ziel vor Augen. Sie wollen etwas leisten, das sich in ihrem Leben lohnt. Es sind Menschen, die gern Neues wagen. Sie wollen nicht bei altbewährten Methoden stehen bleiben. Wenn keine Begeisterung vorhanden ist, wird jede Aufgabe schwer, jede Arbeit mühsam und man bewegt sich nicht vorwärts.
Hier folgt ein Beispiel aus meiner Jugendzeit, das zeigen soll, was Begeisterung bei einem Kind bewirken kann:
Ich war in der 5. und 6. Schulklasse. Mein Lehrer damals war ein Mensch voller Visionen und Begeisterung. Er konnte uns Kinder im Biologieunterricht begeistern bis zum „Geht-nicht-mehr“. Niemand kannte die vielen Singvögel an ihren Stimmen wie mein Lehrer. Jeder Schulausflug und jede Wanderung in der Natur war einfach ein Hit.
Als im Frühling ein Schwalbenpaar in unserem Haus im Dachstuhl ein Nest baute, nahm ich mir vor, nach dem Schlüpfen der Schwalben genaue Aufzeichnungen über das Füttern der Jungtiere und die Kotentfernung durch die Schwalbeneltern zu machen. Bis die jungen Schwalben ihr Nest verließen, lag ich jede freie Minute auf dem Bretterboden des Dachbodens und machte meine Aufzeichnungen. Ich war so sehr begeistert über alles was ich beobachtete, dass ich manches Mal alles andere um mich herum vergaß. Meinem Lehrer erzählte ich fast jeden Tag die Einzelheiten meiner Beobachtungen. Dann waren wir beide sehr begeistert. Heute, nach bald 60 Jahren, denke ich gern an diese Erfahrung, die ich damals machen durfte. In meinem Leben lernte ich das Staunen über die Macht der Begeisterung. Wenn sich die persönliche Begeisterung auf andere Menschen überträgt, dann kann wirklich Großes erreicht werden.
Hudson Taylor sagte einmal: „Der größte Dienst verlangt das größte Opfer, aber er empfängt den größten Segen.“ Denken wir nur, wie die kleinen Kinder begeistert sein können, wenn ihnen ein Wunsch erfüllt wird. Die Stimme überschlägt sich, die Augen funkeln, Körper und Gefühle drücken Freude aus. In diesem Augenblick interessieren sie sich für nichts anderes auf dieser Welt.
Eine berechtige Frage: Wann waren wir das letzte Mal so total begeistert?
Ein junger Fotograf war mit mir unterwegs in einem abgelegenen Winkel eines Waldes im Kamptal zum Fotografieren. Zum ersten Mal hielt er meine Großbildkamera in seinen Händen. Unvergesslich bleibt mir die Begeisterung dieses jungen Mannes in Erinnerung. Als er nämlich durch den Sucher der Kamera den Waldboden betrachtete war ein lautes Stöhnen seiner übermäßigen Begeisterung zu vernehmen. Später durfte ich dann erleben, dass dieser junge Mann eine tiefe Begeisterung in der Nachfolge des Herrn empfand.
Ein weiteres Beispiel aus meiner Jugendzeit: Leo und Hildor Janz evangelisierten in der Festhalle in Bern. Einige tausend Besucher waren zu den Veranstaltungen gekommen. Für mich als 12-jähriger Teenager war diese Evangelisation eine große Motivation für meinen späteren Dienst in der Mission. Ich hatte damals den Wunsch verspürt, später in meinem Leben vom Herrn als Sein Werkzeug gebraucht zu werden.
Begeisterung motiviert zur Nachahmung
Begeisterung gibt Mut sich an Aufgaben heranzuwagen, die man im Blick auf das eigene Unvermögen für undurchführbar hält.
Für mich war die Vision Garten- und Evangelisationsvorträge zu halten eine festgelegte Sache. Wenn ich heute nach 35 Jahren Vortragsarbeit zurückschaue, erkenne ich, dass ich angesichts meines Unvermögens und der körperlichen Kräfte fast Menschenunmögliches wagen musste, um diese Vision realisieren zu können. Aber die Begeisterung etwas Besonderes zu tun war stärker als mein Unvermögen.
Begeisterung hilft durchzuhalten
Begeisterung hilft Schwierigkeiten zu überwinden und Durststrecken zu bewältigen, weil sie Kraft und Ausdauer gibt. Als ich meine Gärtnerlehre beendet hatte, war für mich klar, den elterlichen Betrieb zu übernehmen und lebenslang Gärtner zu sein. Für den Dienst als Missionar im Reich Gottes hielt ich mich trotz aller inneren Sehnsüchte dem Herrn dienen zu dürfen nicht für geeignet. Aber alle persönlichen Durststrecken, die ich in meinem Leben verspürte, wurden letztlich abgeschwächt durch Menschen, die mich mit ihrer Begeisterung regelrecht ansteckten.
Begeisterung ist wie ein Schlüssel, der Türen öffnet
Begeisterung offenbart unsere Persönlichkeit
In den vielen Jahren unseres missionarischen Dienstes bot sich für uns die Gelegenheit, viele junge Männer und Frauen in ihrer Praktikumszeit bei uns zu beherbergen. Durch die vielen gemeinsamen Dienste konnte ich bei den einzelnen Praktikanten wertvolle Charaktereigenschaften entdecken, die gefördert werden konnten.
Mein Wunsch ist, dass alle überzeugten Jesus-Nachfolger neu begeistert werden für das Werk der Evangelisation.