Gemeinde & Mission

Evangelisation praktisch –Teil 2

von Mauerhofer Walter

Begeisterung für die wichtigste Sache der Welt
Die richtige Motivation kann zur Begeisterung führen. Ein für das Werk des Herrn begeisterter Mensch kann Wunder vollbringen. Er ist nicht allein begeistert, sondern er zieht andere Menschen mit sich in seine Visionen hinein.

Begeisterte Menschen haben meistens ein Ziel vor Augen. Sie wollen etwas leisten, was sich in ihrem Leben lohnt. Es sind Menschen, die gern Neues wagen. Sie wollen nicht bei altbewährten Methoden stehen bleiben. Wenn keine Begeisterung vorhanden ist, wird jede Aufgabe schwer, jede Arbeit mühsam und man bewegt sich nicht vorwärts.

Hier folgt ein Beispiel aus meiner Jugendzeit, das zeigen soll, was Begeisterung bei einem Kind bewirken kann:

Ich war in der 5. und 6. Schulklasse. Mein Lehrer damals war ein Mensch voller Visionen und voll Begeisterung. Er konnte uns Kinder im Biologieunterricht begeistern bis zum „Gehtnichtmehr“. Niemand kannte die vielen Singvögel an ihren Stimmen so gut wie mein Lehrer. Jeder Schulausflug und jede Wanderung in der Natur waren einfach ein Hit.

Als im Frühling ein Schwalbenpaar in unserem Haus im Dachstuhl ein Nest baute, nahm ich mir vor, nach dem Schlüpfen der Schwalben genaue Aufzeichnungen über das Füttern der Jungtiere und die Kotentfernung durch die Schwalbeneltern zu machen. Bis die jungen Schwalben ihr Nest verließen, lag ich jede freie Minute auf dem Bretterboden des Dachbodens und machte meine Aufzeichnungen. Ich war so begeistert über alles was ich beobachtete, dass ich manches Mal alles andere um mich herum vergaß. Meinem Lehrer erzählte ich fast jeden Tag die Einzelheiten meiner Beobachtungen. Dann waren wir beide sehr begeistert. Heute, nach bald 60 Jahren, denke ich gern an diese Erfahrung, die ich damals machen durfte. In meinem Leben lernte ich das Staunen über die Macht der Begeisterung. Wenn sich die persönliche Begeisterung auf andere Menschen überträgt, dann kann wirklich Großes erreicht werden.

Hudson Taylor sagte einmal: „Der größte Dienst verlangt das größte Opfer, aber er empfängt den größten Segen.“ Denken wir nur, wie die kleinen Kinder begeistert sein können, wenn ihnen ein Wunsch erfüllt wird. Die Stimme überschlägt sich, die Augen funkeln, Körper und Gefühle drücken Freude aus. In diesem Augenblick interessieren sie sich für nichts anderes auf dieser Welt.
Eine berechtige Frage: Wann waren wir das letzte Mal so total begeistert?

Ein junger Fotograf war mit mir in einem abgelegenen Winkel eines Waldes im Kamptal unterwegs. Zum ersten Mal hielt er meine Großbildkamera in seinen Händen. Unvergesslich bleibt mir die Begeisterung dieses jungen Mannes in Erinnerung. Als er nämlich durch den Sucher der Kamera den Waldboden betrachtete, war ein lautes Stöhnen seiner übermäßigen Begeisterung zu vernehmen. Später durfte ich dann erleben, dass dieser junge Mann eine tiefe Begeisterung in der Nachfolge des Herrn empfand.

Ein weiteres Beispiel aus meiner Jugendzeit: Leo und Hildor Janz evangelisierten in der Festhalle in Bern. Einige tausend Besucher waren zu den Veranstaltungen gekommen. Für mich als 12-jähriger Teenager war diese Evangelisation eine große Motivation für meinen späteren Dienst in der Mission. Ich hatte damals den Wunsch verspürt, später in meinem Leben vom Herrn als Sein Werkzeug gebraucht zu werden.

Begeisterung motiviert zur Nachahmung

Begeisterung gibt Mut sich an Aufgaben heranzuwagen, die man im Blick auf das eigene Unvermögen für undurchführbar hält.

Für mich war die Vision Garten- und Evangelisationsvorträge zu halten eine festgelegte Sache. Wenn ich heute nach 35 Jahren Vortragsarbeit zurückschaue, erkenne ich, dass ich angesichts meines Unvermögens und der körperlichen Kräfte fast Menschenunmögliches wagen musste, um diese Vision realisieren zu können. Aber die Begeisterung etwas Besonderes zu tun war stärker als mein Unvermögen.

Begeisterung hilft durchzuhalten

Begeisterung hilft Schwierigkeiten zu überwinden und Durststrecken zu bewältigen, weil sie Kraft und Ausdauer gibt. Als ich meine Gärtnerlehre beendet hatte, war für mich klar, den elterlichen Betrieb zu übernehmen und lebenslang Gärtner zu sein. Für den Dienst als Missionar im Reich Gottes hielt ich mich trotz aller inneren Sehnsüchte dem Herrn dienen zu dürfen nicht für geeignet. Aber alle persönlichen Durststrecken, die ich in meinem Leben verspürte, wurden letztlich abgeschwächt durch Menschen, die mich mit ihrer Begeisterung regelrecht ansteckten.

Begeisterung ist wie ein Schlüssel, der Türen öffnet

Begeisterung offenbart unsere Persönlichkeit

In den vielen Jahren unseres missionarischen Dienstes bot sich für uns die Gelegenheit, viele junge Männer und Frauen in ihrer Praktikumszeit bei uns zu beherbergen. Durch die vielen gemeinsamen Dienste konnte ich bei den einzelnen Praktikanten wertvolle Charaktereigenschaften entdecken, die gefördert werden konnten.
Mein Wunsch ist, dass alle überzeugten Jesus-Nachfolger neu für das Werk der Evangelisation begeistert werden.

Wie behandeln wir Menschen richtig?
Jeder von uns sollte bemüht sein stets Neues zu lernen. Es ist eine Kunst mit Menschen in rechter Weise umzugehen. Warum sprechen so viele Menschen fast ausschließlich über ihre eigenen Wünsche? Im Allgemeinen sind die Menschen damit beschäftigt, was sie haben möchten. Für mich war es eine Bereicherung das Buch von Dale Carnegie „Wie man Freunde gewinnt“ zu lesen. Darum will ich daraus nun einiges zitieren, was für den gewinnenden Umgang mit Menschen wichtig ist: „Warum studieren wir nicht mal den kompetenteren Sachverständigen auf diesem Gebiet? Wer das wohl ist? Wir könnten ihm morgen schon auf der Straße begegnen. Sobald wir ihm auf 5 Meter nahe sind, beginnt er mit dem Schwanz zu wedeln. Wenn wir stehen bleiben und ihn streicheln, fährt er beinahe aus der Haut um uns zu zeigen, wie er uns mag. Dabei wissen wir genau, dass sich hinter seinen Sympathiebekundungen keine Nebenabsichten verbergen. Er will uns kein Grundstück verkaufen. Haben wir schon mal daran gedacht, dass der Hund das einzige Tier ist, das sich seinen Lebensunterhalt nicht verdienen muss? Ein Huhn muss Eier legen. Ein Kanarienvogel muss singen. Ein Hund verdient sein Leben einzig und allein damit, dass er uns gern hat….

Wir kennen Menschen, die ihr ganzes Leben lang versuchen, andere Menschen für sich selbst zu interessieren. Dieses Vorhaben klappt nicht. Die Leute sind nicht an uns interessiert. Sie interessieren sich ausschließlich für sich selbst, am Morgen, am Mittag und am Abend. Die New Yorker Telefongesellschaft stellte eine genaue Untersuchung darüber an, welches Wort in den Telefongesprächen am häufigsten genannt wird. Es war das Wort: „Ich“. Wenn wir ein Gruppenbild anschauen, auf dem wir abgebildet sind, wen suchen wir zuerst darauf? …
Folgendes ist also wichtig: Wenn wir Freunde gewinnen wollen, dann müssen wir für die anderen etwas tun, etwas das von uns Zeit, Mühe und Selbstlosigkeit, vielleicht auch Geld für Blumen und Aufmerksamkeit fordert.
… Wenn wir Freunde gewinnen wollen, dann müssen wir die Menschen mit Freude und Begeisterung begrüßen. Diese Regel gilt auch am Telefon. Legen wir in unseren Gruß einen Ton, der erkennen lässt, wie erfreut wir über diesen Anruf sind…

Der erste Eindruck ist entscheidend. Ein gutes Gedächtnis ist Gold wert. Jemand entdeckte schon früh, dass der Durchschnittsmensch an seinem eigenen Namen mehr interessiert ist, als an allen anderen Namen der Welt zusammen. Wir sollten nie vergessen, dass ein Name etwas Wunderbares ist und ausschließlich zu jenem Menschen gehört, mit dem wir es gerade zu tun haben. Sein Name zeichnet ihn aus und macht ihn einmalig. Der Name wirkt Wunder, vom einfachsten bis zum gebildeten Menschen; vergessen wir nicht, dass für jeden Menschen sein Name das schönste und wichtigste Wort ist.“

Aus diesen Gedanken von Carnegie konnte ich viel Wertvolles über den richtigen Umgang mit Menschen lernen, um sie so zunächst als Freunde und dann fürs Evangelium gewinnen zu können.

Darum gebe ich mir seit vielen Jahren viel Mühe, die Namen meiner Vortragsbesucher auswendig zu lernen. Bei den Gartenvorträgen ist es nicht möglich einige 100 Personen mit ihrem Namen zu kennen. Wenn aber gewisse Leute immer wieder kommen, ist es für mich wichtig, diese Leute mit ihrem Namen anzusprechen. Die Leute, welche wir mit ihrem Namen ansprechen, fühlen sich geehrt und geben ihrer Freude Ausdruck. Dies erfordert eine enorme Disziplin, weil sich nicht jeder Name gleichermaßen gut einprägen lässt. Oft sind Eselsbrücken eine gute Hilfe, zum Beispiel: Eine liebe Familie trägt den Namen „Maigl“. Wenn ich ein Mitglied dieser Familie gesehen habe, kamen mir sofort die „Maiglöckchen“ (eine Frühlingsblume) in den Sinn. Und schon konnte ich den richtigen Namen „Maigl“ nennen.

Wie kann man das Interesse der anderen gewinnen?
Der direkte Weg zum Herzen eines Menschen führt über jene Dinge, die dem Betreffenden besonders am Herzen liegen. Dies erfordert von uns, dass wir aufmerksame Zuhörer sind. Die Aufmerksamkeit, die wir dem Nächsten widmen und das Verständnis für alles, was ihm wichtig ist, wird ihn beeindrucken.

Welche Möglichkeiten besitzen wir, die Menschen zu überzeugen?
Wir müssen damit rechnen, dass das viel Zeit und Mühe kosten wird. Was will der Mensch von heute denn wirklich? Er will Gesundheit und ein langes Leben, Schönheit, gutes Essen, Sport und Spaß. Deshalb ist wichtig, dass wir unser ehrliches Interesse gegenüber unseren Mitmenschen bekunden.

Bei meinen Heilkräutervorträgen war es offensichtlich, dass die Zuhörer auf alles achteten, was für ihre körperliche Gesundheit wichtig ist. Wenn ich nach Beendigung der evangelistischen Schlussgedanken noch Fragen über den gesamten Vortrag beantwortete, war den meisten Besuchern die Heilung ihrer körperlichen Leiden das Wichtigste. Wenn wir bedenken, wie wichtig es für viele Menschen ist ihr Körpergewicht im Griff zu haben, und wie viel Aufwand und Mühe einzelne Menschen dafür investieren, stimmt mich das im Blick auf ihr seelisches Wohl doch sehr nachdenklich.

Lasst uns jedoch nie das seelische Wohl unserer Mitmenschen aus den Augen verlieren und zeigen wir echtes Interesse an ihnen und an dem, was ihnen wichtig ist.