Evangelisation praktisch – Teil 3
Welche Vorstellung haben wir vom Wert einer Seele?
Jeder überzeugte Christ sollte bestrebt sein den unschätzbaren Wert einer Seele richtig zu begreifen. Sind wir dazu überhaupt in der Lage? Ein Bergarbeiter wird mit größerer Begeisterung arbeiten, wenn es um Gold oder Diamanten geht, anstatt um Kies. Warum? Weil Gold und Diamanten unendlich viel wertvoller sind als Kies. Der Herr Jesus achtete die Menschen für so wertvoll, dass er gern die Herrlichkeit des Himmels gegen irdische Armut, Leiden und Schande eintauschte, um unsere Seelen vor der Verdammnis zu retten.
Ich zitiere Oswald Sanders: „Es gibt viele Christen, die nie eine Seele für Christus gewonnen haben. Sie kennen die Freude dieses Dienstes nicht. Nie in meinem Leben hatte ich ein vollkommeneres, inneres und unaussprechlicheres Glücksgefühl erlebt, als an dem Tag, an dem ich erleben durfte, wie ein Mensch sich von ganzem Herzen bekehrt hat. Die Leidenschaft Menschen für Christus zu gewinnen ist unter Christen leider heute selten geworden. Es fehlt an der Erkenntnis und Überzeugung, dass jede verstockte und bußfertige Seele gänzlich verloren ist. Matthäus 16,26: „Denn was wird es einen Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüßte.“ Mangelnde Anteilnahme am Schicksal der Verlorenen lähmt uns. Christus nahm Anteil am Einzelnen und an der Masse. Jesus weinte über Jerusalem. Paulus flehte die Menschen Tag und Nacht unter Tränen an, sich mit Gott zu versöhnen. Viele Christen haben keinerlei Vorstellung vom Wert einer einzigen Seele. Von unserer Kenntnis des Wertes des zu gewinnenden Menschen hängt der Eifer unseres Dienstes ab. Wir fragen uns: Ist die Rettung von Seelen es wirklich wert, dass wir uns selbst so viele Unannehmlichkeiten bereiten und unser eigenes Vergnügen hintanstellen?“
Wenn wir unser Leben im missionarischen Dienst betrachten, stimmt es wirklich, dass man auf vieles verzichten muss, was sich andere, die ein gesichertes Einkommen haben, leisten und gönnen können. Wie oft hätten wir auch gern einen größeren Monatslohn gehabt und die vielen Sorgen der mancherlei Anfeindungen nicht erlebt. Doch letztlich dürfen wir sagen, dass es keine größere Freude gibt als das eigene Leben in den Dienst des Herrn Jesus zu stellen.
Es ist wichtig, dass wir als Christen eine Vision, also ein Lebensziel haben. Unser Lebensziel zeigt die Richtung unseres Lebens auf. Was ist uns wichtig und was nicht? Das persönliche Niederschreiben unserer Lebensziele wird uns helfen, konkreter über unseren Lebensweg nachzudenken. Folgende Fragen können uns dabei nützen:
1. Was ist der Mittelpunkt meines Lebens?
2. Welche Kennzeichen soll mein Leben haben?
3. Welchen Beitrag leiste ich mit meinem Leben für den Aufbau des Reiches Gottes?
4. Was ist die Aussage meines Lebens?
Das Christentum hatte von Anfang an ein klar umrissenes Ziel, wie es in Apostelgeschichte 1,8 beschrieben ist: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“
„Am Pfingstsonntag wurde eine Kraft und eine Erweckungsbewegung vom Himmel her ausgelöst in der Person des Heiligen Geistes. Das geschriebene Wort Gottes war hauptsächlich sein Mittel um die lebendige Gemeinde Jesu Christi als sein Werkzeug zu gebrauchen. Das ist die hohe und heilige Berufung der Gemeinde. Zeugendienst oder mündliche Verkündigung ist das eigentliche Mittel zur Erreichung des göttlichen Vorhabens.“ (G.W. Peters) Jesus Christus selbst ist der Inhalt der christlichen Botschaft.
„Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Das eigentliche Ziel des Heiligen Geistes ist es über den Sohn Zeugnis zu geben.
„Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.“ (Johannes 15,26) „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen.“ (Johannes 16,14)
„Im vergangenen Jahrhundert hielten es Christen im Westen für ihre Pflicht, bis in die entlegensten Orte der Erde zu gehen, um den Namen Jesu Christi zu verkündigen und Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Sie brachten große Opfer, gerieten in große Gefahren und verloren oft genug ihr Leben. Das ursprüngliche Ziel des Apostels Paulus war zweifellos das Gewinnen von Seelen. Der nächste Schritt war die Gründung von Gemeinden. Dafür ist gerade die Apostelgeschichte die einzigartige Geschichte der urgemeindlichen Arbeitsweise. Die neu gegründeten Gemeinden wurden unterwiesen, wie sie selbst Ausgangspunkt weiterer Evangelisation und spontaner Ausbreitung werden konnten. Die örtliche Gemeinde ist ein strategisch wichtiger Faktor in der Ausführung des Planes Gottes. Eine Gemeinde, die nicht zur Mission führt, hat gewöhnlich die richtige Schau verloren.“ (L. Lyall)
„Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen.“ (1.Thes 1,8) Das ist das unveränderliche strategische Hauptkonzept, das treffend in dem Satz zusammengefasst werden kann: „Eine Gemeinde an jedem Ort macht jeden Menschen für das Evangelium erreichbar.“
Die Gemeinde sollte immer Ansteckungsherd, eine Art „Plage“ sein, wie es in der Urgemeinde war. „Denn wir haben diesen Mann als eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer.“ (Apostelgeschichte 24,5)
Was dürfen wir bezeugen?: „Gott hat nur EINEN Weg der Erlösung.“
Paulus, der unerschrockene Zeuge, schämte sich dieser Botschaft nicht. Viele überzeugte Christen in unserer Zeit schämen sich des Evangeliums. Diese Scham ist gleichsam zur Zeitkrankheit geworden. Vor 100 Jahren, in der Zeit der Erweckung hörte man immer wieder: „Hängt den Schild hinaus ans Licht, schämt euch seines Namens nicht.“ Unsere Zeit braucht Zeugen der Gnade Jesu, die sich des Bekenntnisses nicht schämen, die mit ihrem Leben hinter der Botschaft stehen. Wir alle sind auf ein Missionsfeld gestellt.