Familienandacht in Theorie und Praxis
Die Familienandacht ist, obwohl sie fast immer grundsätzlich bejaht wird, ein schwieriges Thema in den Familien. Es gibt überraschend wenige christliche Familien, bei denen die Familienandacht zum festen Programm gehört.
Dieser Artikel wird versuchen im ersten Teil die biblische Grundlage zu legen und im zweiten Teil praktische Hilfen zu geben.
In allen Bereichen des christlichen Lebens sollte die Bibel Grundlage und Maßstab unseres Handelns sein. Wir müssen uns immer wieder als Einzelne, als Eheleute, als Familie, aber auch als Gemeinde fragen: Ist das, wie wir leben, was wir lehren, was wir von uns oder anderen fordern, biblisch begründet? Das gilt auch für so scheinbar selbstverständliche Dinge wie eine Familienandacht: Wo steht eigentlich in der Bibel, dass wir als Familie gemeinsam die Bibel lesen sollen? Reicht es nicht, wenn wir als Eltern „Stille Zeit“ machen? Reicht es nicht, wenn unsere Kinder – so ab dem Alter von 7 bis 8 Jahren – selbstständig zu lesen anfangen? Nun, „Stille Zeit“ ist nicht das Thema dieses Artikels, aber eines sei vorab gesagt: Keine noch so gute Familienandacht kann die persönliche Zeit des Bibellesens, des Gebets, des Gesprächs mit Gott ersetzen, weder bei uns Eltern noch – auf Dauer – bei unseren Kindern. „Stille Zeit“ und Familienandacht sind keine Alternativen, sondern Ergänzungen.
Biblische Grundsätze: 5. Mose 6, 1-9, 20-22
Ich will nun anhand eines Bibeltextes versuchen herauszufinden, welche Grundsätze die Bibel für Familienandachten bereitstellt:
„Dies sind die Gesetze und Gebote und Rechte, die der HERR, euer Gott, geboten hat, dass ihr sie lernen und tun sollt in dem Lande, in das ihr zieht, es einzunehmen, damit du dein Leben lang den HERRN, deinen Gott, fürchtest und alle seine Rechte und Gebote hältst, die ich dir gebiete, du und deine Kinder und deine Kindeskinder, auf dass du lange lebst. Israel, du sollst es hören und festhalten, dass du es tust, auf dass es dir wohl ergehe und du groß an Zahl werdest, wie der HERR, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat, in dem Lande, darin Milch und Honig fließt. Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore…
Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird: Was sind das für Ermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der HERR, unser Gott, geboten hat?, so sollst du deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten, und der HERR führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand; und der HERR tat große und furchtbare Zeichen und Wunder an Ägypten und am Pharao und an seinem ganzen Hause vor unsern Augen.“ (5. Mose 6,1-9 und 20-22)
Warum Andachten?: Verse 1-3
In den ersten drei Versen gibt uns Gott vier Begründungen, warum wir als Familie Andachten halten sollen:
-Zum Lernen
Die erste Begründung ist, dass wir Gottes Gebote und Rechte lernen sollen.
-Zum Tun
Die zweite Begründung ist, dass wir das, was wir gelernt haben auch ausführen sollen. Wir sollen also nicht nur theoretisches Kopfwissen ansammeln, sondern das Erlernte auch praktisch in unserem Alltag anwenden.
-Mein Leben lang
Die dritte Begründung ist, dass ich das mein Leben lang tun soll und den Herrn, unseren Gott, fürchten soll. Wir müssen hierbei zwischen Furcht und Angst unterscheiden. Wir sollen vor Gott keine Angst haben, ihm aber sehr wohl mit Ehrfurcht begegnen und uns davor fürchten seinen Geboten zuwider zu leben.
-Damit es mir wohl gehe
Die letzte Begründung ist, dass es mir „wohl ergehe“. Wenn wir nach Gottes Willen leben, so wird unser Leben nicht immer leicht, nicht immer problemlos sein. Aber wir wissen, dass unser Vater im Himmel über unser Leben wacht und dass, wie es in Römer 8,28 heißt: „… denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“
Zielsetzung der Andachten: Verse 4-5
Das Ziel unserer Andachten ist es, uns und unseren Kindern immer wieder drei Dinge vor Augen zu führen:
- Wir sollen erkennen, dass der Herr unser Gott ist, der Herr allein.
- Das Ziel unseres Lebens ist: Gott zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft …
- … und unseren Nächsten wie uns selbst. (Mt 22,34-40)
Alles was wir lernen, alles was wir lesen, alles was wir begreifen dient diesem Oberziel, dient dazu unser Leben mehr auszurichten auf dieses „Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst“. Natürlich lernen wir viele andere Dinge bei der Familienandacht: Wir lernen die Geschichte des Volkes Israel und der ersten Gemeinden kennen. Wir lernen die Grundsätze und Regeln eines Lebens mit Gott kennen. Wir lernen Verheißungen und Tröstungen, aber auch Warnungen und Verfluchungen kennen. Vor allen Dingen begreifen wir im Laufe der Zeit, wie Gott ist und wie Jesus ist, was ihm gefällt und was ihm missfällt. Das ist aber die Voraussetzung für das Lieben: Dass man den, den man liebt, kennen lernt. Mit Gott ist es wie in einer Ehe: Man lernt nie aus. Wer meint, dass er seinen Ehepartner in- und auswendig kennt, der wird trotzdem immer wieder Überraschungen erleben, Seiten kennen lernen, die er bisher noch nicht kannte. Bei Gott ist das in noch viel größerem Maße der Fall.
Wann Andachten?: Verse 6-7
Eigentlich ist der Begriff der Andacht falsch, wenn wir damit besondere Zeiten im Sinne von „fromme Zeiten“ meinen. Wenn wir diesen Text wörtlich nehmen, so sollen wir eigentlich immer vom Wort Gottes reden: zu Hause und unterwegs, beim Hinlegen und beim Aufstehen: immer. Vielleicht ist aber ein Hinweis auf den Termin nützlich: Vor dem Hinlegen bedeutet abends, nach dem Aufstehen bedeutet morgens. Wir als Familie machen unsere Andacht beispielsweise abends nach dem Abendessen. Das ist der einzige Zeitpunkt, wo die ganze Familie zusammen ist. Morgens gehen wir zu verschiedenen Zeiten aus dem Haus. Außerdem haben viele keine Zeit und Ruhe um gemeinsam am Tisch zu sitzen: Die einen kommen schwer aus den Federn heraus, die anderen wollen zeitig weg oder haben noch einiges zu tun. Morgens ist in unserer Familie die Zeit für die persönliche „Stille Zeit“. Außerdem lesen meine Frau und ich morgens gemeinsam und fortlaufend in der Bibel. Anschließend beten wir zusammen – vor allen Dingen für unsere Kinder. Aber den richtigen Zeitpunkt muss jede Familie selbst herausfinden. Ich könnte mir vorstellen, dass ein anderes Ehepaar die Familienandacht am Morgen nach dem Frühstück macht, bevor der Tag so richtig losgeht. Eine andere Familie macht sie vielleicht nach dem gemeinsamen Mittagessen. Es ist wichtig, einen Zeitpunkt festzulegen, denn mal so, mal so, das geht in den meisten Fällen schief. Da wird die Andacht dann mehr versäumt als gehalten.
Methoden der Andacht: Verse 8-9
Die nächsten Verse beschreiben die didaktischen Methoden unserer Andachten, wie wir sie praktisch durchführen können.
Es soll nicht nur gelesen und darüber „meditiert“, also nachgedacht werden, sondern es sind auch praktische, didaktische Methoden angebracht: Dieses „Zeichen auf der Hand“, dieses „Merkzeichen zwischen unseren Augen“, dieses „Schreiben auf die Pfosten und Tore“ in dem Bibeltext sind doch visuelle Hilfsmittel, die uns an das Wort Gottes erinnern sollen. Wie sehen diese Hilfsmittel heute in unserer Wohnung aus? Welche Bilder haben wir da hängen? Welche Zeitschriften liegen herum? Welche Bücher stehen offen im Bücherschrank? Es ist durchaus nicht völlig egal und harmlos, welche Poster im Kinderzimmer hängen. Ihr kennt wahrscheinlich alle diese Poster mit bösen Bildern. Glaubt doch nicht, dass es ohne Einfluss auf eure Kinder bleibt, wenn sie die tagtäglich vor Augen haben. Da sollte man durchaus kritisch schauen, allerdings auch nicht das „Kind mit dem Bade ausschütten“: Es muss nicht das altbekannte Bild von Schnoor von Carolsfeld sein: „Der breite und der schmale Weg“, obwohl man auch den Einfluss dieser guten Bilder nicht unterschätzen darf. Ich kann mich heute noch, nach ca. 60 Jahren an ein kleines Bild erinnern, auf dem stand: „Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle“. Wenn aber unsere Kinder diese Tierposter aus der Apotheke so lieben: Lasst sie doch. Wenn ihnen dieses tolle Rennauto gefällt: Lasst es doch hängen. Bei einem Poster aus der Fantasy-Welt sollte ich aber genauer hinschauen und überlegen, ob der Geist, den dieses Bild atmet, meinem Kind gut tut. Wir sollten immer gute Literatur im Hause haben. Es gibt so viele gute Kinderbücher, so viele gute Kinderkassetten. Es muss nicht „Bibi Blocksberg“ oder „Pumuckl“ sein. Es muss nicht „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ sein.
Wenn unsere Kinder nach Lesestoff fragen, müssen wir immer einwandfreie Literatur zur Verfügung haben. Wenn die Jüngeren nach Kassetten oder CDs fragen: Könnt ihr ihnen solche geben, die gut sind?
Lasst uns doch in unserer Familienandacht Phantasie entwickeln! Lasst uns überlegen: Wie kann ich das Wort Gottes ansprechend gestalten und interessant darbringen? Diejenigen unter uns, die in einer Kinderstunde, in einer Sonntagsschule, in einem Kindergottesdienst mitarbeiten, sind da im Vorteil. Sie haben Erfahrung im ansprechenden Gestalten von Bibeltexten, sie können durch die Arbeitsmaterialien auf die Erfahrungen vieler anderer Mitarbeiter zurückgreifen. Ich hoffe sie tun es auch, denn unsere eigenen Kinder sollten uns mindestens genauso viel wert sein wie die Kinder der anderen Leute. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Die Methode darf nicht den Inhalt verdecken! Die äußere Form muss den biblischen Inhalt wiedergeben und wir müssen mit Aussagen, die nicht in der Bibel stehen, vorsichtig sein. Sonst setzen sich Dinge fest, welche die Bibel gar nicht so sagt.
Unseren Kindern Rechenschaft geben: Verse 20-21
Eine ganz wichtige Sache: „Wenn dein Sohn dich künftig fragt: Was soll das alles?“
Jeder, der Kinder hat, weiß: Diese Fragen kommen unweigerlich. Und wenn wir diese Fragen beantworten wollen, wenn wir sie richtig beantworten wollen, müssen wir uns selbst vorher die Antwort gegeben haben. Wir müssen selbst wissen, warum wir dieses oder jenes tun. Warum gehen wir in den Gottesdienst, in die Versammlung? Warum beten wir vor dem Essen? Warum graben wir am Sonntag nicht den Garten um? Warum sitzen in manchen Versammlungen die Männer vorne und die Frauen hinten? Wir brauchen Antworten auf Fragen wie: „Mama, warum betest du nie im Gottesdienst?“, oder – noch peinlicher: „Papa, warum liest du nie aus der Bibel vor?“ Wir sollten uns vor folgender Antwort hüten: „Weil man das eben so macht“. Was man „eben so macht“ werden meine Kinder später eben „anders machen“. Die Antwort, „weil man das eben so macht“ zeigt nur, dass ich selbst nicht weiß, warum ich dieses oder jenes tue. Das heißt nicht, dass ich alle Fragen sofort beantworten kann. Ich bin nicht allwissend und muss über manche Dinge eben erst nachdenken oder nachlesen. Mir passiert das ab und zu in der Gemeinde, dass mir Fragen gestellt werden, die ich auf Anhieb nicht beantworten kann. Nun, dann sage ich eben: „Das muss ich nachlesen“, und das tue ich dann auch und liefere in absehbarer Zeit (hoffentlich) eine biblische Erklärung. Dasselbe bin ich meinen Kindern schuldig.
Das Nächste in unserem Text ist das persönliche Zeugnis. Wissen unsere Kinder eigentlich, wie Papa oder Mama zum Glauben gekommen sind? Kennen sie unsere Vorgeschichte? Oder waren wir alle nur immer brav und sind in den Augen unserer Kinder als kleine „Heilige“ zur Welt gekommen? Sind unsere „Jugendsünden“ nur Streiche gewesen, über die wir heute noch lächeln können oder waren das Sünden, die uns heute noch leid tun? Wir sollen uns vor unseren Kindern nicht „geistlich ausziehen“, aber wir sollen uns auch nicht verherrlichen. Ihr solltet übrigens mal sehen, wie mucksmäuschenstill die Kinder werden, wenn die Eltern aus ihrer Vergangenheit erzählen!
Ein Wort an die Väter, bevor wir zur Praxis kommen: Familienandacht ist in erster Linie die Aufgabe des Familienoberhauptes! Das sind nach biblischem Maßstab die Väter. Ich weiß, wie schwer das ist: Da kommt man müde und gestresst von der Arbeit nach Hause und soll dann noch geistliche Leistungen vollbringen. Aber das gehört zu unserer Aufgabe. Nicht, dass die Mutter das nicht auch machen kann, aber wenn wir zu Hause sind, ist das in erster Linie die Aufgabe des Vaters. Wenn wir als Väter dieser Aufgabe nicht nachkommen, wenn wir das dauernd unseren Frauen überlassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich bei unseren Söhnen der Eindruck festsetzt: „Religion ist Frauensache“. „Bibellesen zu Hause, das macht Mutter. Ja, in der Gemeinde, da führt Vater das große Wort, aber zu Hause ist Mutter für Glauben und Lehren verantwortlich.“
Wer sich so aus seiner Verantwortung stiehlt, der darf sich nicht wundern, wenn seine Söhne Ähnliches machen.
Aber nur Mut: Es ist gar nicht so schwierig, wie es sich anhört! Wer sich ein paar Gedanken macht und seinen „inneren Schweinehund“ überwindet, dem gelingt es auch eine gute Andacht zu halten. Ich kenne das von mir selber: wie oft wehre ich mich innerlich gegen diesen Anspruch! Wenn ich mich dann aber überwunden habe, dann macht es mir selbst auch Freude. Ich lerne ja auch von dem Bibeltext und die Fragen der Kinder helfen mir beim Nachdenken. Ich muss meinen Verstand anstrengen, muss über Selbstverständlichkeiten nachdenken und lerne dabei. Wer von uns Vätern die Familienandacht immer seiner Frau überlässt, schadet sich selbst.
Andachtsformen
Nachdem wir uns nun die biblische Grundlage für die Familienandacht angesehen haben, möchte ich einige praktische Tipps geben. Die jetzt folgende Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Manches wird sich in eurer Familie nicht durchführen lassen. Dafür werdet ihr andere Ideen haben, auf die ich noch nicht gekommen bin. Es gibt keine allgemein gültige Form, wie eine Familienandacht auszusehen hat. Jede Familie wird die für sie gültige Form finden müssen. Wenn ihr sie dann gefunden habt, so werdet ihr nach nicht allzu langer Zeit merken, dass sie falsch ist, nicht mehr passt, angepasst werden muss, modifiziert werden muss, variiert werden muss. Aber Vorsicht, Familienandacht ist für die ganze Familie und nicht nur für die Kinder!
Häufig wechseln: Jeder Stil, und sei er noch so gut, führt zur Gewöhnung und beinhaltet die Gefahr der Langeweile. Also müssen wir häufiger mal den Stil und die Methode der Andacht wechseln.
Alle nach Möglichkeit beteiligen: Nach Möglichkeit soll sich die ganze Familie beteiligen:
– Lasst den Bibeltext nicht nur vorlesen, sondern gebt auch Raum für Fragen. (Passt auf, dass ihr nicht zu sehr abschweift!)
– Achtet darauf, dass das Gelesene verstanden wird.
– Vertieft am Schluss durch Sach- und Sinnfragen das Gehörte.
-Evtl. könnte auch mal eines eurer Kinder die Andacht halten (nach vorheriger Absprache).
Gemeinsame Auswahl des zu lesenden Buches: Gebt den Kindern ein Mitspracherecht, welches Buch der Bibel als Nächstes gelesen wird. Versucht dann aber dieses Buch vollständig zu lesen, bzw. eine zusammenhängende Folge von Büchern durchzunehmen (z.B. Josua, Richter, Ruth, Samuel, Könige). Damit das Interesse nicht verloren geht, verweilt nicht zu lange bei einem Buch.
Jahreszeitenthemen: Man kann auch zu den Jahreszeiten oder Festen (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) passende Themen dazwischenschieben.
Verschiedene Bibelübersetzungen: Es kann mit den Bibelübersetzungen variiert werden. Achtet darauf, dass die Sprache nicht zu alt und zu unverständlich ist. Nehmt vielleicht die revidierten Fassungen der Luther, Schlachter oder Elberfelder Bibel. Ob ihr eine moderne Übersetzung (z.B. Hoffnung für alle) verwendet, müsst ihr selber entscheiden. Der Vorteil ist die gute Verständlichkeit des Textes. Nachteile sind, dass der Bibeltext teilweise verfälscht ist, dass das Sprachverständnis unserer Kinder nicht weitergebildet wird und dass die Kinder so nicht an den „puren Bibeltext“ herangeführt werden. (Ein positiver Nebeneffekt beim Lesen des „puren Bibeltextes“ ist, dass die Lesefähigkeit, der Wortschatz und das Sprachverständnis unserer Kinder erweitert werden. Das hilft dann auch in der Schule.)
Kinderbibel: Lest den Kindern eine Zeit lang aus der Kinderbibel vor! Kinderbibeln helfen vor allen Dingen kleineren Kindern den Bibeltext zu verstehen. Auch dort könnt ihr verschiedene Bibeln verwenden.
Wenn man sich gut vorbereitet hat, ist es sogar möglich, dass man eine Geschichte einfach mal frei erzählt.
„Du kannst die Welt verändern“: Als Abwechslung zur Bibellese kann man zwischendurch auch mal die Kinderversion des Buches „Gebet für die Welt“ verwenden. (Dieses Buch ist in vielen Teilen brauchbar, einiges ist aber mit Vorsicht zu genießen.) In kindgerechter Weise stellt es ein Land und dessen Menschen vor und gibt Gebetsanliegen aus diesem Land weiter. Das ist echt spannend („Hast Du schon mal von den Drusen gehört?“) und anschließend kann dafür gemeinsam gebetet werden. So lernen eure Kinder andere Kulturen kennen, ihren eigenen Glauben schätzen und bekommen ein Anliegen für Weltmission.
Auswendiglernen: Kinder können noch hervorragend auswendig lernen. Nutzt das und lernt mit ihnen Bibelverse oder Psalmen auswendig! Wir haben z.B. in der Weihnachtszeit immer die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 mit den Kindern gelernt. Vor allem für kleinere Kinder sind Gesten beim Auswendiglernen eine sinnvolle Hilfe. Sprecht mit euren Kindern über den Inhalt dessen, was sie auswendig lernen. Erklärt ihnen z.B. das Bild aus Psalm 91: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt…“ Es ist wichtig beim Auswendiglernen immer die Bibelstelle mitzulernen. Das hilft in späteren Zeiten die Bibelstelle wiederzufinden.
Evtl. könnt ihr fürs Auswendiglernen auch einen Preis aussetzen. Aber Vorsicht: Der Preis soll keine Bezahlung für eine Leistung an die Eltern sein!
Gebet
Betet zum Abschluss der Familienandacht immer gemeinsam. Tut das möglichst auch dann, wenn Gäste da sind. Dabei können Gebetsordnungen hilfreich sein (z.B. aufsteigend nach dem Alter). Das vermeidet Rivalitäten und Unsicherheiten der Kinder. Jeder darf beten, aber keiner muss beten!
Hilfsmittel fürs gemeinsame Gebet: Benutzt Hilfsmittel, wie z.B. eine Wandtafel (Weltkarte), Kalender oder Karteikarten mit Missionaren: Anhand von Fotos und den Namen der Missionare könnt ihr regelmäßig mit eurer Familie für Geschwister in der Außenmission beten. Schön wäre es, wenn die Kinder diese Missionare auch schon kennengelernt haben oder ihr ihnen regelmäßig neue Informationen weitergebt. Dabei könntet ihr ihnen z.B. (auszugsweise) den aktuellen Gebetsbrief dieser Geschwister vorlesen.
Gebetsthemen: Beim gemeinsamen Gebet kann man das Thema variieren. Man kann z.B. jeden Sonntag danken und loben, an den anderen Tagen für Missionare, Freunde, Schulkollegen, Verwandte etc. bitten und danken.
Disziplin bei den Familienandachten
Die Teilnahme an der Andacht soll kein Zwang sein. Wenn sich Kinder aber immer häufiger „ausklinken“, ist nach der Ursache zu forschen:
– Sind die Andachten zu langweilig?
– Sind sie zu schwierig oder zu leicht?
– Gibt es persönliche Probleme im Leben des Kindes?
– Entspricht das, was wir lehren, nicht der Realität unseres Lebens?
Es wird sich auszahlen, wenn ihr als gesamte Familie gewinnbringende Zeiten mit Gott und seinem Wort habt. Nehmt euch die Zeit und macht euch Gedanken, wie ihr euren Kindern das Wort Gottes lieb machen könnt.
Einmal wird es eine Zeit geben, wo Familienandachten nicht mehr erforderlich sein werden. Wann ist das?
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmer mehr gedenken.“ (Jeremia 31, 31-34)
„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (1. Korinther 13, 12)
Bis dahin wünsche ich uns viel Kraft, Freude und Ausdauer bei der wichtigen Aufgabe unsere Kinder im Wort Gottes zu unterweisen.
Volker Seel