Vorwort 77
„Siehe, du bist schön, mein Geliebter!“ (Hl 1,15)
Na, das ist ein Kompliment! Im Hohelied redet die verliebte Sulamit ihren Freund oft mit den Worten an: „Du, den meine Seele liebt“ (z. B. in Hl 1,7). Von ganzem Herzen liebt sie ihn, weil sie von ihm und von seiner Schönheit hingerissen ist. Sie sucht ihn, sie will Zeit mit ihm verbringen, sie will, dass ihre Beziehung zu ihm tiefer wird und schließlich ruft sie voller Begeisterung: „Da fand ich ihn, den meine Seele liebt“ (Hl 3,4).
Wer ist eigentlich der oder die Schönste? Die Frage plagt viele Menschen, die sich miteinander vergleichen und einander übertreffen wollen. Diese Frage wird auch im Märchen gestellt: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Ich weiß nicht, wer die Schönste ist. Aber ich weiß, dass die Schönheit meines Geliebten, des Herrn Jesus, sie bei weitem übertrifft.
Außerdem weiß ich, dass ihre Schönheit abnimmt und verblasst wie der untergehende Mond, oder die Blume, die verwelkt.
Aber Seine Schönheit wird nie verblassen. Im Gegenteil, sie wird immer heller hervorstrahlen, und wir werden sie immer mehr verstehen und erfassen und bewundern.
Sulamit konnte über ihren Freund sagen: „Mein Geliebter ist … ausgezeichnet vor Zehntausenden“ (Hl 5,10). Wir können über den Herrn Jesus sagen: Er ist ausgezeichnet vor allen Wesen im ganzen Universum. In einem Lied heißt es:
„Schönster Herr Jesus,
Herrscher aller Enden,
Gottes und Marien Sohn…
Nichts soll mir werden,
lieber auf Erden,
als du, der schönste Jesus mein.“
Lasst mich sagen, worin seine Schönheit besteht. Am wichtigsten ist sein wunderbarer Charakter. Seine Einstellung gegenüber Gott und uns Menschen machen ihn so liebenswert. Seine herrlichen Eigenschaften sind völlig ausgewogen, voller Licht und Liebe. In allen seinen Wesenszügen ist er vollkommen und unendlich, seine Liebe ist ewig, sein Erbarmen ist ohne Grenzen. Seine Freude ist unerschöpflich.
Deswegen ist es vollkommen in Ordnung, wenn wir ihm gegenüber unsere Liebe ausdrücken, ihn voller Begeisterung anbeten und mit Eifer von seiner Schönheit Zeugnis geben.
Andreas Lindner