Gemeinde & Mission

Gescheiterte Missionare – Teil 2

von Kosin Fred

 

Vor vielen Jahren hatten wir uns einander verpflichtet und uns das Ja-Wort gegeben. Aber jetzt versäumten wir, auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen und wir fanden beide ein offenes Ohr bei jemand anderem. Der Gärtner lernte Englisch und ich (die Frau) lernte seine Sprache. Wir (jetzt verwenden wir zum ersten Mal das Wort „wir“ wenn es um jemand anderen geht als um unseren Ehepartner) tauschten uns über die Probleme des Lebens aus, über das Familienleben im Dorf, über die Probleme eines Ausländers im fremden Land und über eine Menge Dinge, die das Leben unbefriedigend machen. Während dieser Zeit war es bequem, die Fehler von anderen als Grund für die Probleme in unserer Ehebeziehung zu sehen.

 

Ich (der Mann) fand in meiner Sekretärin eine gute Zuhörerin. So verbrachte ich immer mehr Zeit im Büro um dringende Aufgaben zu erledigen, anstatt zuhause die wachsenden Probleme zu lösen. Die Kluft wurde immer größer. Wir versagten beide und gingen nicht richtig mit unseren Gefühlen und Gedanken um. Sie schienen zu persönlich zu sein um darüber zu reden, weil wir auch sonst nicht viel miteinander redeten. Es ergaben sich Gelegenheiten als ich (der Mann) im Büro war und ich (die Frau) Bibelstunden hielt.

 

Ja, wir haben Ehebruch begangen! Wer von uns? Diese Frage scheint jeden zu interessieren. In den Augen der Welt und vieler Christen gibt es einen Schuldigen. Aber wir sind beide schuldig. So sehen wir es und auch die Bibel und der Herr. Wir haben beide Ehebruch begangen, nicht zwangsläufig den körperlichen Akt, aber die Hingabe aneinander war nicht mehr da, die wir einander vor dem Herrn und unseren Trauzeugen versprochen hatten. Wir wissen, dass diese Antwort für die meisten Gläubigen nicht zufriedenstellend ist, weil alle den verantwortlichen Partner beschuldigen wollen. Wir beide sind verantwortlich. Wenn wir einen von uns als den Schuldigen bezeichnen, dann darf der andere in den Augen der Welt und vieler Gläubiger die Ehe verlassen, eine andere Partnerschaft eingehen und aus dem Leben des Schuldigen verschwinden, der allein in seiner eigenen Schuld untergeht.

 

Natürlich waren wir schockiert, als der Ehebruch voneinander, von der Gemeinde und von unseren Kindern entdeckt wurde. Unser Leben wurde ein Tumult von Zorn, Schuld, Frustration, Schande, Demütigung, Peinlichkeit und vielen anderen Emotionen und Versuchungen um die eigene Verletzung zu mildern. Der Schock traf unsere Heimatgemeinde, unsere Freunde und viele andere Gemeinden nah und fern. Der Tod eines Ehepartners ist oft leichter zu ertragen als Untreue und die Folgen. Die anschließenden Wochen redeten wir, schrien, erklärten es unseren Kindern, weinten, bekannten unsere Sünden, beteten und wünschten uns, wir wären tot.

 

Eine der ersten Entscheidungen war, das Missionsfeld zu verlassen. Somit mussten wir vieles wegwerfen, anderes verpacken, verkaufen oder verschenken. Wir mussten verschiedene Dienste übertragen, Mitarbeiter ausstellen, Tickets besorgen. Es war nicht leicht, den Abschied von einer Gemeinschaft von Gläubigen zu planen, die wir tief verletzt und gegenüber denen wir versagt hatten. Das alles überforderte uns manchmal und brachte uns näher zusammen. Dann wieder trieb es einen Keil zwischen uns und wir fragten uns, ob wir einander überhaupt kannten.

 

Die Kinder waren unschuldig, aber sehr verletzt. Sie mussten es ihren Freunden erklären, die Schule verlassen, ein paar Dinge als Andenken aussuchen, ihre Sachen packen und sich von wertvollen Bekannten verabschieden. Die Verletzung hinterlässt Narben, die in bestimmten Lebensumständen wieder schmerzen werden. Für sie war es leichter, einen von uns zu beschuldigen statt uns beide. Wir mussten ihnen beibringen, dass wir Gläubige die Vergangenheit hinter uns lassen müssen und dass es keine Alternative gibt als vorwärts zu gehen und Heilung zu suchen. Das ist für sie fast so schwer zu lernen wie für uns.

 

Es war eine Erleichterung für uns im Flugzeug zu sitzen, wo keiner wusste, was passiert war. Aber das war nur eine kurze Verschnaufpause, denn am Flugplatz zu Hause erwartete uns eine Menge von Freunden und Angehörigen, die Bescheid wussten. Wir erwarteten verschiedene emotionale Reaktionen wie Anklagen, Lösungsvorschläge und Anweisungen für jeden von uns.

 

Viele kamen auf uns zu und bedauerten uns, weil der Teufel unsere Beziehung zerstört hatte. Das erzeugte Verwirrung und bot uns Ausreden, wo doch Gottes Wort klar über die „Lust des Fleisches“ als Quelle spricht. Sogar „Christen“ wollten das nicht wahrhaben. Die Bibel sagt deutlich, dass die Sünde, die wir begangen haben, aus uns selbst kommt: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Irret euch nicht, meine geliebten Brüder!“ (Jakobus 1, 13-16).

 

Es ist lehrreich, dass Jakobus den Ursprung dieser Sünde nennt und dann mit den Worten fortfährt: „Irret euch nicht…“. Es ist viel einfacher einander zu beschuldigen, weil wir versagt und die Bedürfnisse des anderen nicht erfüllt haben. Damit betrügt man sich selbst. Es ist ein Trick des Teufels uns glauben zu machen, dass er für die Sünde verantwortlich ist, die aus uns selbst kommt. Wenn einer den anderen beschuldigt, entschuldigt er damit das eigene Versagen und fühlt sich frei, den Partner zu verlassen, weil er eben der unschuldige Teil ist. Wenn wir den Teufel für unsere Sünde anklagen, unternehmen wir den Versuch, uns beide von Schuld freizusprechen. Wir waren manchmal richtig durcheinander wegen der vielen sich widersprechenden Ratschläge der wohlmeinenden Geschwister. Andere Freunde redeten einfach nicht mehr mit uns, und das war schmerzhaft. Der seelsorgerliche Rat war zu einfach und zu unrealistisch für die ersehnte Heilung. Wir entschlossen uns für die Heilung, weil unser Gott ein heilender Gott ist. Wir sind davon überzeugt, dass der Herr viel mehr durch unsere Versöhnung geehrt wird als durch eine eigensinnige Suche nach menschlichem Glück in einer neuen Beziehung.

 

Wir entschlossen uns für die Heilung unserer Ehe, weil wir Gottes Treue in den Umständen des Lebens beweisen wollten. Wir lernen, was die Worte des Herrn bedeuten, wenn er in 2. Mose 15,26 sagt: „..denn ich bin der Herr, der dich heilt.“ „Der da vergibt all deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten.“ (Psalm 103,3). „Er sandte sein Wort und heilte sie, er rettete sie aus ihren Gruben.“ (Psalm 107,20). „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden.“ (Psalm 147,3).

 

Wir wurden stark daran erinnert, dass Gott uns mit sich versöhnen wollte, statt mit einer neuen Menschheit zu beginnen. Er bringt auch seinen Kindern Versöhnung, wenn sie ihm glauben und seinem Wort gehorchen. Es wäre ja ein großer Widerspruch, wenn Gott die ganze Menschheit mit sich selbst versöhnt, und keinen Weg hat, wie seine Kinder sich untereinander versöhnen können. Kann es sein, dass zwischenmenschliche Versöhnung seine Macht übersteigt? Oder kann es sein, dass seine Kinder seine heilende Kraft nicht beanspruchen und stattdessen ihre eigenen egoistischen Wege gehen? Der Preis, die Welt mit sich zu versöhnen, war sein Sohn. Der Preis für unsere Versöhnung miteinander ist derselbe. Wir haben uns für Versöhnung entschieden!

 

Natürlich dauert der Heilungsprozess lang und ist schmerzhaft. Aber die Zeit der Verletzung dauerte auch lang und war ebenso schmerzhaft. „Freunde“ haben uns verlassen, während wir uns auf der Suche nach Heilung durch Gottes Wort arbeiteten. Wir fanden neue Freunde, die uns in sozialer und geistlicher Hinsicht enorm geholfen haben. Manche Geschwister haben uns auf dem Weg zur Normalität in unserer Gemeinschaft miteinander, mit dem Herrn, mit der Gemeinde und der Welt ermutigt und unterstützt.

 

Manche „christlichen“ Freunde rieten uns zur Scheidung, damit wir das endlich hinter uns lassen. Aber aus der Schrift lernten wir: „… ich hasse Scheidung, spricht der Herr, der Gott Israels …“ (Maleachi 2,16). Gleichermaßen wurde uns klar, dass die Wiederheirat ein großes Problem darstellt: „So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.“ (Römer 7,3). „Wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann – und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse …. Eine Frau ist gebunden solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will, nur im Herrn muss es geschehen.“ (1. Korinther 7,11.39).

 

Manche, die bereits geschieden und wieder verheiratet waren, kamen mit ganz anderem Rat zu uns. Wir fragten uns: Wie kann der Herr gleich „hingegebene“ Gläubige in so verschiedene Richtungen führen? Diesem menschlichen Rat zu folgen würde bedeuten, dass Gott nicht ein Gott der Heilung ist, sondern ein Helfer, um einen neuen Partner zu finden, ein neues „Schiff“, das in eine andere Richtung fährt. Davon waren wir nicht überzeugt. Manche sagten, dass es himmlisch sei, miteinander einen Neuanfang zu machen. Andere sagten es sei die Hölle. Der Herr gab uns den Vers: „Lasst ab von Menschen, in dessen Nase nur ein Hauch ist! Denn wofür ist er zu achten?“ (Jesaja 2,22).

 

Gottes Wort sagt immer wieder: „Gott ist imstande…“. Scheidung bedeutet: „Ich gebe auf. Gott kann nicht helfen und ich werde Gott nicht in mir wirken lassen.“ Wir glauben, dass bei ihm alle Dinge möglich sind!

 

Wir erleben die Heilung. Der Herr alleine genügt uns in dieser Tragödie unseres Lebens. Wir wissen, dass wir uns für manche Aufgaben disqualifiziert haben. Warum sollen wir also diesen Brief schreiben, den sonst niemand schreiben würde? Weil der Gott des Trostes „uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.“ Das ist ein Dienst, den der Herr uns gegeben hat: eine Hilfe im Heilungsprozess von anderen Gläubigen zu sein, die versucht sind zu denken, dass Gott mehr daran interessiert ist, dass sie glücklich sind, als dass sie geheilt werden. Wir haben gelernt, dass die Menschen, die ihr persönliches Glück suchen, keine Heilung erfahren. Aber diejenigen, die Heilung suchen, finden Glück.

 

Unser neues Heim ist in der Nähe des Hauses, wo wir wohnten, bevor wir in die Mission gerufen worden waren. Unsere Familie ist dabei, ihren Platz in einer Nachbarschaft zu finden, die wirklich das Licht von Gottes Gnade braucht. Wir sind in einer Gemeinde, in der wir uns geliebt wissen und wir fangen an uns im Dienst nützlich zu machen. An unserem 15. Hochzeitstag haben wir einander erneut die Treue versprochen. Wir geben uns gegenseitig den ersten Platz im Leben, so wie 1. Korinther 7,32-33 uns lehrt: „Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; der Verheiratete aber ist um die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge.“

 

Viele wissen, wer von uns Ehebruch begangen hat. Aber aus der Sicht Gottes und aus unserer Sicht sind wir beide schuldig. Weil wir das zugeben, erleben wir Heilung. Ich (der Mann) habe Gott sei Dank eine Arbeit, mit der wir unsere finanziellen Bedürfnisse abdecken können. Ich (die Frau) finde es eine große Herausforderung und gleichzeitig eine große Freude Mutter zu sein. Die Kinder brauchen uns jetzt mehr als je zuvor. Sie bekommen ein gesundes Bild von Ehe und Familie, während wir alle zusammen lernen. „Er gibt aber desto größere Gnade. Deshalb spricht er: `Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.´ Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen!“ (Jakobus 4,6-8).

 

Heilung ist immer ein langer Prozess. Es juckt und schmerzt wie eine Wunde, wenn sie heilt. Der Drang, die Kruste abzuziehen und die Wunde zu öffnen, ist stark. Aber das würde den Heilungsprozess verlangsamen. Nach einem Beinbruch muss man wieder neu lernen zu gehen. Man braucht einen starken Willen, einen gebrochenen Knochen wieder zu belasten. Aber Heilung ist möglich.

 

Bei einem Schiffbruch ist es ein Wunder, wenn nicht alle das Schiff verlassen um sich selbst zu retten. Wir haben ein Wunder erlebt, denn wir sind fast mit dem Schiff untergegangen in dem Wissen, dass darunter ewige Arme sind, die das Wrack heben, reparieren und wieder im Dienst benutzen werden. Über unseren großen Gott wird auch gesagt: „Und er vertrieb vor dir den Feind…“ (5. Mose 33, 27).

 

Dankt unserem Gott mit uns für seine Heilung und für den Mut zu glauben, dass er ein Gott der Versöhnung und der Erneuerung ist.

Glücklich und bei der Gesundung

Eure …

 

PS: Wir haben jetzt ein schmales Bett!