Gesegnete Widerwärtigkeit
Der folgende Artikel zeigt, wie Hudson Taylor Ruhe im Herzen fand, auch in den schlimmsten Umständen, in persönlichem Leid und Ausbrüchen von Hass und Feindschaft. Die Gedanken sind ein Trost für den Leser, auch wenn es manchen schwer fallen wird Taylors Sicht in allen Lebensumständen anzuwenden.
Der Gläubige, der den Herrn als seinen Hirten angenommen hat, kann mit den Worten aus Psalm 23 überzeugt sagen: „Fürwahr, Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens und ich werde wohnen im Haus des Herrn auf immer.“ Oder, wie es eine andere Übersetzung ausdrückt: „Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens…“ (rev. Elberfelder, 1985). Dadurch können wir sicher sein, dass Tage der Widerwärtigkeit genauso voller Segen sind, wie Tage, wo es uns gut geht. Der Gläubige kann sofort Ruhe finden und muss nicht warten, bis er den Grund von Gottes züchtigendem Vorgehen mit ihm versteht. Er weiß, dass „alle Dinge zum Guten mitwirken für die, die Gott lieben“. Er weiß, dass alles Tun Gottes das Handeln eines liebenden Vaters ist, der nur das zulässt, was nötig ist, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Einiges ist zwar vorläufig schwer zu ertragen, aber es kann auf eine weniger schmerzhafte Weise nicht erreicht werden. Das weise und vertrauende Kind Gottes freut sich in den Drangsalen, da es weiß, „dass Drangsale Ausharren bewirken, das Ausharren Hoffnung, und dass die Hoffnung nicht enttäuscht, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist“ (Röm 5,3-5).
Die Geschichte Hiobs ist sehr lehrreich und birgt interessante und gewinnbringende Lehren. Der Vorhang zur unsichtbaren Welt wird gelüftet, und wir lernen viel über die Macht unseres großen Widersachers, aber auch über seine Machtlosigkeit, wenn unser Gott und Vater ihm nicht erlaubt zu handeln.
Der Herr selbst sagt über Hiob: „Denn seinesgleichen ist kein Mann auf Erden, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend“ (Hi 1,8). Das wiederholt er in Hiob 2,3 und fügt hinzu: „…und noch hält er fest an seiner Vollkommenheit, wiewohl du mich wider ihn gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verschlingen.“ Man kann sich kein größeres Lob vorstellen, als das, welches der Herr über das Leben Hiobs aussprach. Es wird eindeutig gesagt, dass die Züchtigung, die auf Hiob kam, ohne Ursache war, sein Leben und seine Einstellung waren rein. Hiob hat vor langer Zeit so gelebt, wie es Gott gefallen hat, so dass Gott ihn mehrmals gelobt hat. Er wurde durch Gnade dazu befähigt. Wir können Gott danken, dass dieselbe Gnade auch uns heute fähig macht, so zu leben, wie es Gott gefällt.
Satan möchte dem Gläubigen in Zeiten der Trauer und Versuchung gerne einreden, dass Gott auf ihn zornig ist, dass er für eine Sünde bestraft wird, die ihm nicht bewusst ist. Auf diese Weise verliert er viel Trost und Ermutigung, die er sonst erlebt hätte. Dabei sehen wir aus dem Wort Gottes unseren Gott wie einen Vater, der froh ist, einen gesunden und kräftigen Sohn zu ermutigen, sich auf einen Wettkampf vorzubereiten, der sorgfältiges und anstrengendes Training erfordert; oder wie einen Vater, der seinen Sohn anstachelt, sich auf eine schwere Prüfung vorzubereiten, auch wenn ihr lange und mühevolle Studienjahre vorangehen – weil er weiß, dass der Sohn Ehre und bleibende Vorteile aus diesen Errungenschaften ernten wird. Genauso vertraut der himmlische Vater einem treuen Kind in einer schweren Zeit, in der es Gott wunderbar ehren kann, durch die sein Herz erweitert wird, und in der es Segen für sich und andere erlebt. Nehmen wir zum Beispiel Abraham: Gott konnte sich so auf ihn verlassen, dass er sich nicht davor fürchtete, seinem Knecht aufzutragen, seinen geliebten Sohn zu opfern. Bei Hiob hat nicht Satan Gott herausgefordert, sondern Gott hat den Feind herausgefordert, den Verkläger der Brüder. Er sollte irgendeinen Mangel in Hiobs Charakter oder ein Versagen in seinem Leben finden. Aber in beiden Fällen hat die Gnade gesiegt, und in beiden Fällen wurden Ausharren und Treue großzügig belohnt.
Die Antwort Satans ist erstaunlich. Er braucht nicht zu fragen: „Welcher Hiob?“ oder „Wo wohnt er?“ Er hatte den Knecht Gottes schon genau beobachtet und wusste offensichtlich alles über ihn. Wieso war er so gut mit diesem treuen Mann Gottes vertraut? Vielleicht ist es so dazu gekommen: Die Dämonen, die offenbar unter der Herrschaft Satans sind, hatten vergebens versucht, Hiob mit normalen Versuchungen zu Fall zu bringen. Wahrscheinlich haben sie ihren Misserfolg an höhere Fürsten der Finsternis berichtet, die dann auch ihre teuflischen Künste probierten, um Hiob auf ihre Weise zu versuchen. Aber er wich nicht von seiner Gerechtigkeit. Zuletzt musste der Erzfeind selbst entdecken, dass er Hiob mit all seinen Anstrengungen nicht in Versuchung führen konnte. Er fand eine Mauer um Hiob, um seine Kinder, um seine Knechte und seinen Besitz, eine Mauer, die so stark war, dass er sie nicht durchbrechen konnte. Diese Mauer war so hoch, dass er sie auch nicht überspringen konnte, wenn er als brüllender Löwe umherging. Er konnte kein Unglück in den Kreis bringen, den Gott unter seinen Schutz genommen hatte.
Wie gesegnet muss das gewesen sein, so sicher zu wohnen! Hiobs Arbeit gelang, seine Herden vermehrten sich und sein Land brachte viel Frucht. Er wurde zum reichsten und gerechtesten Mann des Ostens. Damals hat Gott sein Wohlgefallen hauptsächlich dadurch ausgedrückt, dass er irdische Segnungen verschenkt hat.
Gibt es für heute nicht entsprechende geistliche Segnungen? Gott sei Dank, ja! Jeder Gläubige kann genauso sicher bewahrt werden und genauso reich gesegnet werden wie Hiob, aber vielleicht nicht mit demselben Segen. Der Gläubige kann von der Macht des Feindes gerettet, und in einem Kreis vollkommenen Friedens beschützt werden. Die Bedingungen dazu sind einfach, und werden uns von Paulus in Phil 4,4-7 erklärt: „Freut euch in dem Herrn allezeit! … Lasst eure Nachgiebigkeit (Milde) kundwerden allen Menschen; der Herr ist nahe.“ Es geht nicht um „unsere Kraft, um dem Bösen zu widerstehen“ oder um „unser Beharren auf unseren Rechten“, sondern um unser Nachgeben im Vertrauen darauf, dass der Herr alles bewahren und durchsetzen wird, was gut für uns ist; dass er auf jeden Fall nahe ist und unsere Treue und unseren Gehorsam bald reich belohnen wird. Weiter sagt Paulus: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn (eure Gedanken) bewahren in Christo Jesu.“
Wie kommt es, dass Gläubige den versprochenen Segen oft nicht genießen können? Wir versagen wahrscheinlich in diesem Punkt: „Seid um nichts besorgt, und bringt alle Anliegen in Gebet und Dank vor Gott.“ Wir bringen vielleicht neun von zehn Schwierigkeiten vor den Herrn und versuchen, mit der zehnten selbst zurechtzukommen. Diese zehnte kleine Schwierigkeit ist ein Loch, durch das der ganze Friede entweicht, und alles ist leer. Wie durch einen Spalt in der Stadtmauer kann der Feind eindringen und Verwüstung anrichten. Aber wenn wir die Bedingung erfüllen, ist Gott sicher treu. Anstatt dass wir unsere Herzen und Gedanken rein halten müssen, merken wir, dass er sie schützt. Der Frieden, den wir nicht herstellen noch bewahren können, wird unsere Herzen und Gedanken bewahren wie eine Festungsmauer. Alle Sorgen und Ängste werden umsonst versuchen dort einzudringen.
Kehren wir nun zu Hiob zurück. Der große Ankläger kann keine Fehler in Hiobs Charakter finden und behauptet dann, dass Hiobs Verhalten nur auf Egoismus beruht. Hiob tut das doch nicht ohne Gegenleistung! (vgl. Hi 1,9). Natürlich nicht, wie Satan wohl wusste. Auch vor oder nach Hiob hat niemand Gott umsonst gedient. Es gibt überhaupt keinen Dienst, der so gut belohnt wird wie die Arbeit für unseren himmlischen Herrn; niemand wird so königlich belohnt. Satan machte eine wahre Beobachtung, aber die Andeutung, die er damit verband, stimmte überhaupt nicht. Hiob diente nicht nur wegen der Belohnung. Um Hiobs Charakter vor den Engeln Gottes und vor den Dämonen aufzuzeigen, wird Satan erlaubt, Hiob zu versuchen. Er durfte all die Schätze wegnehmen, die Hiob angeblich dazu brachten, Gott zu dienen. Gott sagte: „Alles, was er hat, ist in deiner Macht. Nur an ihn selbst darfst du nicht Hand anlegen.“
Bald zeigte Satan seine Bosheit, indem er eine Katastrophe nach der anderen über den heiligen Mann kommen ließ. Durch seine Boten verleitete er die Sabäer, über die Herden Hiobs herzufallen und die Hirten umzubringen. Nur einer entkam, nicht aus Mitleid, sondern nur um Hiob die Nachricht von dem Verlust seiner Knechte und seines Besitzes mitzuteilen. Dann scheint der Böse Macht zu haben, durch Blitze vom Himmel weitere Herden zu zerstören, und nur ein Knecht entkam, um durch seinen Bericht die Drangsal und Trauer von Gottes Knecht zu vergrößern. Außerdem bewirkte er, dass die Chaldäer in drei Banden über die Kamelherden herfielen und die Hirten umbrachten. Wieder entkam nur einer, der die schlimmen Nachrichten überbrachte. Als ob das nicht genug wäre, kam das nächste Unheil über Hiobs Kinder, seine sieben Söhne und drei Töchter, für die er so viel gebetet hatte. Sie wurden durch einen heftigen Wirbelsturm aus der Wüste getötet, der das Haus zum Einsturz brachte, in dem sie feierten. Nur ein Knecht entkam um die traurige Botschaft zu überbringen.
Es sieht so aus, als ob nur ein Familienmitglied überlebt hat, Hiobs Frau. Aber sie war in diesen schweren Stunden auch keine geistliche Hilfe für Hiob, auch sie war verführt. Später, als Hiob ganz wund war, in heftigem körperlichem Schmerz, wurde seine Situation durch ihre Worte noch verschlimmert. Sie riet ihm: „Fluche Gott und stirb.“ Wir sehen, dass der Feind Hiob seine Frau nicht aus Barmherzigkeit gelassen hatte, sondern um sein Leid in dieser schweren Stunde voll zu machen. Aber der, der das Leid gesandt hatte, gab auch die nötige Gnade, und dadurch konnte Hiob sagen: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“
War das nicht ein Irrtum? Hätte Hiob nicht sagen sollen: „Der Herr hat gegeben, Satan hat genommen?“ Nein, es war kein Irrtum. Dieselbe Gnade, die ihn befähigt hatte, Segnungen aus der Hand Gottes zu empfangen, half ihm, die Hand Gottes in den Katastrophen zu sehen, die über ihn kamen. Satan nahm es sich nicht heraus, Gott um Erlaubnis zu fragen, dass er selbst Hiob angreifen dürfe. Er sagt stattdessen: „Aber strecke dein Hand aus und taste alles an was er hat, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird“ (1,11). Und später noch einmal: „Aber strecke einmal deine Hand aus und rühre sein Fleisch und sein Gebein an, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird“ (2,5). Satan wusste, dass niemand außer Gott Hiob anrühren konnte. Und als Satan erlaubt wurde, Hiob Leid zuzufügen, lag Hiob ganz richtig, den Herrn als den Handelnden hinter den Dingen zu erkennen, die er zugelassen hatte. Wir werden oft Segen und Hilfe erfahren, wenn wir uns daran erinnern: Satan ist ein Knecht, und nicht der Herr unseres Schicksals. Er und böse Menschen, die er anstachelt, können nur das tun, was Gott ihnen erlaubt und was er durch seinen Ratschluss und seine Vorkenntnis schon vorher beschlossen hat. Seien es Freude oder Leid, wir können alles aus der Hand Gottes annehmen. Judas verriet seinen Herrn mit einem Kuss. Der Herr hat aber nicht nur Judas gesehen oder den großen Feind unserer Seelen, der das Herz von Judas erfüllt hatte, sondern der Herr sagte: „Sollte ich den Kelch, den mein Vater mir gibt, nicht trinken?“ Wenn wir eine Verletzung aus der Hand unseres liebenden Vaters annehmen würden, anstatt hauptsächlich auf die Person zu sehen, die uns verletzt, dann würden wir Widerspenstigkeit und falsche Gefühle viel leichter überwinden. Egal, wer der Bote ist, Gottes Kinder haben es direkt mit Gott zu tun.
Wir schließen daraus, dass Hiob sich nicht irrte, und dass wir uns nicht irren, wenn wir all die Dinge aus Gottes Hand annehmen, die er in seiner Vorsehung zulässt. Wir können sicher sein, dass das zu großem Segen führt, weil Gott Gott ist, und deshalb alle Dinge zum Guten mitwirken lässt für die, die Gott lieben.
Doch Hiobs Drangsale waren noch nicht zu Ende, als er seinen Besitz verlor. Der Herr fordert zum zweiten Mal Satan mit den Worten heraus: „Hast du Acht gehabt auf meinen Knecht Hiob?“ Satan hat kein Wort des Lobes für Hiob, sondern eine weitere gemeine Behauptung: „Haut für Haut, ja alles, was ein Mann hat, gibt er um sein Leben. Aber strecke einmal deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird“ (2,4.5). Satan bekam die Erlaubnis Hiob anzugreifen, aber mit der Auflage, sein Leben zu schonen. Satan ging von Gottes Gegenwart aus und übersäte Hiob mit Eiterbeulen vom Scheitel bis zur Sohle. Der Schmerz der Krankheit und der Ekel vor dem Eiter müssen furchtbar gewesen sein. Als seine Freunde ihn besuchten, erkannten sie ihn nicht. Seine Haut war offen und stank, sein Fleisch war bedeckt mir Würmern, Maden und Schmutz. Schlimme Tage und furchtbare Nächte folgten aufeinander. Sein Schlaf war voller Alpträume und grausamer Visionen, und er fand gar keine Erleichterung oder Ruhe. Der Tod wäre für ihn eine Erlösung gewesen. Aber er war nicht in Todesgefahr, denn Satan hatte den Befehl erhalten, sein Leben nicht anzurühren. Seine Verwandten verließen ihn und seine Bekannten vergaßen ihn. Seine Mitbewohner behandelten ihn als Fremden und seine Diener halfen ihm nicht, als er rief. Sogar seine eigene Frau wandte sich von ihm ab, und in seinem Schmerz rief er aus: „Mein Atem ist meiner Frau zuwider, und mein übler Geruch den Kindern meiner Mutter“ (Hi 19,17). Kein Wunder, dass die Leute dachten, dass Gott selbst Hiobs Feind geworden war.
Aber so war es nicht. Gott bewachte ihn die ganze Zeit mit der zarten Liebe eines Vaters. Die Leiden wurden sofort genommen, als die Macht von Gottes Gnade bewiesen war. Sie hörten auf, sobald der Knecht Gottes gewachsen war, um einen größeren Segen zu empfangen. An die Stelle der „schnell vorübergehenden Drangsal“ traten Lieder der Erlösung.
Der Segen, den Hiob empfing, war unermesslich. In der Zeit der Leiden, die nicht sehr lange dauerte, lernte Hiob wichtige Dinge, die er in all den Jahren des Reichtums und der Gesundheit nicht lernen konnte. Die Fehler, die er in der Hast seiner Seele machte, wurden korrigiert. Seine Erkenntnis Gottes wurde vertieft und erweitert. Er lernte ihn besser kennen, als es in irgendeiner anderen Weise möglich gewesen wäre. Er rief aus, dass er vorher von Gott gehört hatte, dass er ihn nur vom Hörensagen kannte. Aber jetzt hatte er ihn mit eigenen Augen gesehen, seine Erkenntnis Gottes war nun das Ergebnis einer persönlichen Beziehung, und stammte nicht nur aus Berichten. All seine Selbstgerechtigkeit war verschwunden, er verabscheute sich selbst und bereute „in Staub und Asche“. Nachdem er für seine Freunde gebetet hatte, nahm der Herr Leid und Trauer weg und stellte die Liebe und Freundschaft zu denen wieder her, die ihm für eine Zeit so fremd geworden waren. Der Herr segnete Hiobs Ende mehr als seinen Anfang. Seine Schafe, Kamele, Rinder und Esel wurden verdoppelt. Ihm wurden noch einmal sieben Söhne und drei Töchter geschenkt, und so wurde auch die Zahl seiner Kinder verdoppelt. Denn die Kinder, die gestorben waren, waren nicht verloren – sie waren ihm nur vorangegangen. Danach lebte Hiob noch 140 Jahre, erlebte seine Kinder und Enkel bis in die vierte Generation, und starb schließlich „alt und der Tage satt“.
Wir sagen, dass Hiobs Reichtum und Gesundheit eine gesegnete Zeit war. Können wir nicht genauso sagen, dass Hiobs Leid und Krankheit eine gesegnete Widerwärtigkeit war? „Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude“ (Ps 30,6; Luther). So eine Nacht des Weinens kann reichere und bleibendere Frucht hervorbringen als eine Zeit der Freude. „Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten“ (2. Kor 4,6). Das ist Gottes Reihenfolge. Wir müssen die Drangsal durch die Gnade annehmen. Wenn der himmlische Vater uns manchmal zutraut, durch eine dunkle Zeit zu gehen, dann wird er uns ganz sicher bald einen Segen anvertrauen.
Gerade heute, wo wir uns so viel mit den materiellen Ursachen von etwas beschäftigen, besteht die Gefahr, dass wir die unsichtbaren Ursachen vergessen. Unsere unsichtbaren geistlichen Feinde sind real. Viele Kinder Gottes wissen, was es heißt, mit anderen Menschen im Konflikt zu stehen. Trotzdem sagt der Apostel: „Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, … sondern gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.“ Es wäre vergleichsweise einfach, mit sichtbaren Gegnern zu kämpfen, wenn die unsichtbaren Gegner nicht hinter ihnen ständen. Die Feinde sind so mächtig und, ohne Gottes Schutz, so unbesiegbar, dass wir wirklich hilflos ausgeliefert wären, wenn wir ungeschützt und unbewaffnet wären. Wir müssen die ganze Waffenrüstung Gottes anziehen, und wir sollen Satans Listen kennen (Eph 6,11; 2. Kor 2,11). Auf der anderen Seite wollen wir nicht aus dem Auge verlieren, dass Gott unser Helfer ist, unser Schutz, unser Schild, und unser sehr großer Lohn. „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ (Röm 8,31). Lasst uns immer auf seiner Seite stehen, und nach seinem Reich trachten! Dann wird die Macht Gottes immer für uns wirken, und wir werden „mehr als Überwinder sein durch den, der uns geliebt hat“.