Gemeinde & Mission

Gott will Dich gebrauchen! Gaben in der Gemeinde

von Prock Helmut

Teil 1: Voraussetzungen für die Entfaltung unserer Gaben

Wir wollen die nächsten Male darüber nachdenken, welche Gaben Gott in Seiner Gemeinde gegeben hat, um uns zum Dienst für Ihn und aneinander zu gebrauchen. Dabei verfolge ich nicht das Ziel, eine erschöpfende theologische Abhandlung dieses wichtigen Themas abzuliefern, sondern ich will mich und Euch ermutigen, die „ …Werke, welche Gott zuvor bereitet hat, damit wir in Ihnen wandeln sollen „ auch wirklich zu erbringen. Deshalb möchte ich mich fast ausschließlich auf die grundlegenden Gaben, die in Römer 12 beschrieben sind, konzentrieren und das Thema der umstrittenen Wundergaben umgehen.

Gott hat Werke für jedes einzelne Seiner Kinder bereit

Mit dem Wort Werke verbinden wir automatisch Werksgerechtigkeit, jeden Tag ein gutes Werk = Selbstgerechtigkeit, eine Waage, in der die Werke aufgewogen werden usw.. Durch die Begegnung mit Christus wissen wir, dass uns nicht unsere eigenen Werke für die Erlösung angerechnet werden, sondern nur das, was Christus für uns am Kreuz getan hat. Auch kommen wir als Christen nicht gut ans Ziel, weil wir so gut sind, sondern weil Christus sich jetzt für uns im Himmel einsetzt und unser Hohepriester ist. Die Verantwortung als Christ ist zwar sehr groß („Habt acht auf euch selbst“), aber ich könnte niemals von mir behaupten, dass ich es bin, der es als Christ bis hierher geschafft hat. Spätestens wenn wir in Phasen des Zerbruchs erkennen müssen, wer wir wirklich sind, erkennen wir gleichzeitig Christus als den, von dem wir in allem auf unserem Christenweg vollkommen abhängig sind. Trotzdem finden wir im Titusbrief zum Thema gute Werke sehr wichtige und aufschlussreiche Verse:

Tit 2,14                                                                                          Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, <das> eifrig <sei> in guten Werken.

Tit 3,8                                                                                          Das Wort ist gewiß; und ich will, daß du auf diesen Dingen fest bestehst, damit die, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich um gute Werke zu bemühen. Dies ist gut und nützlich für die Menschen.

Das Wort Werk oder Werke kommt in diesem Brief 8 x vor und 5 x davon in Verbindung mit dem Wort gut. Gute Werke sind also nicht etwas für selbstgerechte Katholiken sondern für Dich und mich. Es kann kein Christsein geben ohne konkrete Taten, die wir für Gott und die Menschen tun. Eine Glaube ohne Werke ist kraftlos, ein Selbstbetrug, eine einzige Lüge und führt sich selbst ad absurdum. Ein Glaube ohne ein Leben, das auch bereit ist, ans Eingemachte zu gehen, ist genau das, was das westliche Christentum in seiner Lauheit und Verweltlichung ausmacht. Bis in die biblischsten Gemeinden hinein begegnen wir heute einer Oberflächlichkeit in der ganzen Ausrichtung als Christen und einer Übernahme von weltlichen Trends und Anschauungen (wenn auch im christlichen Kleid verpackt), die zutiefst bestürzend ist. Nur die Hingabe an Gott und das Dürsten nach Seinem Willen und Seinen Werken, die Er für uns bestimmt hat, kann uns dabei fähig machen, diesem Strom entgegen zu schwimmen.

Es geht mir nicht um die so genannte christliche Aktivitis, also dem rastlosen Tun von christlichen Werken, das – gerade wenn man noch unreif ist – sehr oft auch aus dem Eigenen kommt. Es geht mir vielmehr darum, dass wir nicht zurückbleiben hinter dem, was Gott für uns bestimmt hat. Zwei Verse sollen uns zeigen, dass das durchaus möglich ist.

Kol 4,17                                                                                      und sagt Archippus: Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst!

2Tim 1,6                                                                                  Um dieser Ursache willen erinnere ich dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen, ….

Wenn auch ein Timotheus Ermutigung braucht, seine Gnadengabe anzufachen, wie viel mehr dann wir! Du sollst Dir bewusst sein, dass es Werke gibt, die Gott gerade für Dich und nur für Dich vorgesehen hat. Damit Er diese Werke durch Dich vollbringen kann, hat Er dich mit natürlichen Gaben und geistlichen Gaben ausgestattet. Manche von uns (unter anderem ich), die schon länger im Glauben stehen, sehen auch viele Versäumnisse, wenn nicht gar viel Versagen im eigenen Glaubensleben. Aber: Gott hat unser Versagen, unsere Versäumnisse und unsere Minusphasen in Seinem Neuen Bund und in Seinen Absichten mit uns, der auf die Gnade aufbaut, mit eingeplant! Nichts kann uns also davon abhalten, am Herrn dranzubleiben und uns von Ihm verwenden zu lassen.

Auf einer Christusstatue, der durch eine Explosion die Arme ab gerissen wurden finden sich die erschütternden Worte: Ich habe keine Hände außer die deinen!

Zuerst das kleine Einmaleins und dann erst das Große!

Noch immer kann ich Eurem Durst nach verstandesmäßiger Belehrung über die Geistesgaben nicht nachkommen. Zuerst müssen wir uns mit den Voraussetzungen beschäftigen, die für einen Dienst gemäß unserer persönlichen Geistesgabe gelten. Sind diese Voraussetzungen gegeben, geht auch alles andere wie von selbst, d. h. wir werden wie von selbst von Gott im Dienst weitergeführt werden. Samen von Pflanzen und Bäumen, durch die Natur oder Menschen an „Wasserbächen“ eingesetzt wurden, entwickeln sich wie von selbst und werden zu einem schönen Exemplar der eigenen Art. Genauso ist es auch bei uns. Deshalb möchte ich, bevor ich über die Gaben im Einzelnen etwas schreibe, auf die Voraussetzungen eingehen, ohne die sich die Gaben nicht entfalten können.

1)       Hingabe an Gott: Wir unterschreiben unten blanko – Er schreibt oben, was immer Er will und für richtig hält

Spr 23,26                                                                                    Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und deine Augen lass an meinen Wegen Gefallen haben!

In unserem Leben soll es zuerst um Gott gehen und um Seine Ehre und um Seine Ziele. Er steht an erster Stelle, Er ist die „Quelle lebendigen Wassers“ und nur Er kann uns vollkommen erfüllen. Stellen wir uns selbst in den Mittelpunkt und unsere Vorstellungen und Absichten, unser Glück und Wohlergehen in dieser Welt, dann werden wir als Christen letztlich nur wenig Wasser finden aus „rissigen Zisternen“. Das kann aber in keinster Weise mit dem guten, reinen und lebendigen Wasser Gottes verglichen werden. Spätestens am Richterstuhl Christi werden wir uns das tief beschämt eingestehen müssen!

Ein hingegebenes Herz zeigt sich darin, dass es innerlich unbeirrbar auf Gott ausgerichtet ist und von selbst Sein Wort und die Gemeinschaft mit Ihm sucht. Es meidet nicht den schmalen Weg, sondern will auf ihm bleiben bzw. findet immer wieder darauf zurück.

2)       Bereitwilligkeit für Sein Werk

Die Bereitwilligkeit der Führer und des Volkes, für den Tempelbau zu geben, war die Voraussetzung dafür, dass dieses große Werk letztlich vollendet werden konnte. Lies dazu 1. Chronika 29 und zähle, wie oft dieses Wort dort vorkommt. Alle wurden durch die Bereitwilligkeit des anderen ermutigt. Genauso ist es beim Bau des Reiches Gottes heute!

3)       Habt acht auf euch selbst! (… und auf die Herde!)

Hier geht es vor allem um das Thema falsche Einstellungen, Charakterfehler, Bürden und Sünden, die uns am Lauf hindern. Je näher wir einen Menschen kennen lernen, umso mehr werden wir auch große Schwächen finden. Der eine neigt zu dieser Schwachstelle, der andere zu jener. Die Frage ist: Hat Gott trotz dieser Einschränkungen genug Raum in uns, um uns gebrauchen zu können oder sind wir durch diese Dinge mehr oder weniger dienstunfähig geworden. Leben wir also mehr nach dem Fleisch oder mehr nach dem Geist! Sind wir ein Gefäß Seiner Gnade oder ein verstopftes Rohr, das solange nicht gebraucht werden kann, bis es eben nicht mehr verstopft ist.

Hebr 12,1                                                                                  Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,

Hebr 12,2                                                                                  indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

4)       Die Gemeinde innerlich mittragen erbaut und hilft, Rebellion und Kritikgeist zerstören

Der Konsumentenchrist sieht schnell das, was nicht stimmt. Ebenso tut dies der sehr kritische Christ oder auch der, der sich innerlich gegen die Leitung oder die Ausrichtung der Gemeinde auflehnt. Auch haben wir viel zu viele Lieblingsideen, die uns zu wichtig sind, und Schwerpunktverschiebungen, die die Mitte des Glaubens eben aus dieser verdrängen. Gottes Lieblingsidee dagegen ist eine einige, hingegebene Gemeinde, die an einem Strang zieht. Dabei ist das Zentrum = das, was Ihm wichtig ist, im Zentrum und nicht das, was uns wichtig ist. Glaube mit Liebe verbunden ist konstruktiv auf das ausgerichtet, was erbaut und hilft. Auflehnung, ungesunde Lehrbetonungen oder ein kritischer Abstand zur Gemeinde sind hingegen kontraproduktiv und helfen nicht weiter.

Gal 5,6                                                                                    Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern <der> durch Liebe wirksame Glaube.

5)       Regelmäßiges Gebet

für die Gemeinde, die einzelnen Gemeindeglieder, die Gemeindeleitung, aktuelle Probleme und Nöte, offene Türen für das Evangelium, die Missionare auf dem Missionsfeld usw.

Kol 4,2                                                                                      Haltet fest am Gebet, und wacht darin mit Danksagung;

6)       Die Geschwister auferbauen, ermutigen, aufrichten und auch ermahnen

Kol 3,16                                                                                      Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!

Wir brauchen nicht die Gabe der Barmherzigkeit (siehe später), damit uns die Geschwister ein Anliegen sind. Der geistliche, dienstbereite Gläubige ist interessiert für die Anliegen der Geschwister und will dazu beitragen, ihnen zu helfen – nicht nur mit Worten, sondern genauso mit Taten. Alles soll dabei in Liebe geschehen, auch die Ermahnung oder gar eine Konfrontation, die sich nicht vermeiden lässt.

7)    Beten für offene Menschen

Genau so wenig müssen wir die Gabe eines Evangelisten haben, um starkes Interesse daran zu zeigen, dass der Glaube verbreitet wird und neue Menschen sich bekehren und zur Gemeinde finden. Christus war innerlich zutiefst bewegt über die hirtenlose Volksmenge. Genauso sollen wir bewegt sein über die Menschenmassen, die ohne Gott, ohne Christus und ohne Hoffnung in dieser Welt leben. Gott will uns gebrauchen als Licht in der Dunkelheit! Wir sollen beten, dass Gott Türen öffnet für das Evangelium.

Kol 4,3                                                                                      und betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür des Wortes öffne, das Geheimnis des Christus zu reden, dessentwegen ich auch gebunden bin,

Zur Ehre des Herrn möchte ich zum Abschluss erzählen, wie konkret Gott hier wirkt, wenn wir dafür offen sind:

Mit meiner Frau gemeinsam durfte ich einen Urlaub genießen auf einem riesigen Kreuzfahrtsschiff. Knapp 4. 000 Passagiere waren an Bord und dazu ca. 1. 900 Personen Besatzung. Durch verschiedene „Zufälle“ überkreuzten sich unsere Wege mit einer Frau, die zutiefst traurig und sogar depressiv war. Sie hatte aufgrund ihrer Lebensumstände momentan einfach keine Hoffnung und keine Vision mehr für ihre Zukunft. Als wir so am ersten Tag zusammen saßen, schenkte mir Gott die Freimütigkeit, ihr auf den Kopf zuzusagen, wie es in ihr innerlich ausschaut. Schnell entstand zwischen ihr und uns als Ehepaar ein tiefes Vertrauen. Als wir dann nachfragten, wo sie denn untergebracht sei und wo ihr Tisch zum Essen ist, stellte sich heraus, dass sie genau an unserem Tisch sitzt (bei den vielen Tischen!) und direkt in der Kabine neben uns untergebracht ist (bei den vielen Kabinen!) … . Wir konnten sie in dieser Woche nicht zum Herrn führen, genauer gesagt ist sie weit weg davon, aber wir durften ein Licht für sie sein und zusehen, wie es jeden Tag weiter mit ihr aufwärts ging. Auch meine Frau und ich wurden durch die so deutlichen Führungen Gottes sehr ermutigt!


Gott will Dich gebrauchen! Gaben in der Gemeinde

Teil 2: Die Gaben im Einzelnen, Epheserbrief – grundlegende Gaben

Der Grundgedanke vom letzten Mal war der, dass nicht unser Wissen über die Gaben darüber entscheidet, ob wir Frucht bringen im Reich Gottes, sondern unsere Hingabe an den Herrn. Wenn Er in uns regieren kann, werden sich unsere Gaben und Fähigkeiten recht entwickeln und Gott kann uns für das Werk verwenden, das Er für uns vorgesehen hat.

Trotzdem ist es für uns sehr wertvoll, wenn wir über die verschiedenen Gaben nachdenken. Es soll uns dadurch bewusst werden, wie Gott in Seiner Gemeinde wirken will, und welche Rolle wir dabei spielen können. Wir werden sehen, dass in der Gemeinde verschiedene Dienste notwendig sind und vorhanden sein sollen, damit das geistliche Leben der Gemeinde nicht schlagseitig und unausgewogen abläuft, und die verschiedenen geistlichen Bedürfnisse gestillt werden können. Betrachten wir nun gemeinsam Leitfäden bezüglich dieser Gaben und die Gaben im Einzelnen!

1) Jeder hat eine Gnadengabe!

1Petr 4,10                                                                                        Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes!

1Petr 4,11                                                                                        Wenn jemand redet, <so rede er es> als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, <so sei es> als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Aus dieser Stelle lernen wir:

a)       Gott hat bei unserer geistlichen Wiedergeburt Seinen Heiligen in uns gegeben. Damit verbunden hat jeder Christ eine geistliche Gabe empfangen (nicht zu verwechseln mit natürlichen Gaben und Fähigkeiten). Diese Gaben werden Gnadengaben genannt, um anzudeuten, das es ein Geschenk Gottes ist. Sowie wir unverdient ewiges Leben bekommen haben, dürfen wir auch unverdient dem dienen, der uns dieses Geschenk gemacht hat. Durch die neuen geistliche Befähigungen und Ausrüstungen, die Gott uns gibt, kommt ein völlig neuer Aspekt in unser Leben. Wir dürfen durch Seine Gnade Ewigkeitsfrucht bringen! Das macht unser Leben viel wertvoller und sinnvoller als alles Trachten nach weltlichem Erfolg und Anerkennung von Menschen.

b)       Die Gaben sind uns dafür gegeben, dass wir einander dienen können. Dadurch wird Gott verherrlicht. Mit dem Dienst an Menschen wird also Gott geehrt und groß gemacht. Das ist sein Wille und Wohlgefallen.

c)       Für den geistlichen Dienst gibt es 2 Möglichkeiten: Den Glauben begründen und stärken durch Reden der Worte Gottes oder den Geschwistern dienen durch praktische Dienste und Hilfe!

2) Die Gemeinde ist aufgebaut auf grundlegenden Gaben

Eph 2,20                                                                                 <Ihr seid> aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist.

Eph 2,21                                                                                 In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn,

Eph 4,11                                                                                 Und {er} hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

So wie die Urgemeinde durch den vollmächtigen Dienst der Apostel entstanden ist, sind seitdem immer wieder Gemeinden und Bewegungen durch vollmächtige Gesandte (=Apostel) und sprachgewaltige Menschen entstanden.

Apostel Der Apostel ist ein Pionier und sehr oft ein „Allroundler“, der fähig ist, sowohl Ungläubige zum Herrn zu führen als auch Bekehrte im Glauben weiterzubringen. Er ist von Gott für diesen Gründungsdienst berufen und oft von einer Gemeinde genau zu diesem Zweck ausgesandt. Der Apostel oder Missionar sollte ein reifer Christ sein, der nicht mehr Grundlegendes bezüglich dem geistlichen Leben und Führen lernen muss, sondern sich darin schon bewährt hat. Auch Lebenserfahrung, Weisheit, Einblick in die Menschenherzen und Breite des eigenen Herzens spielen eine große Rolle.

Der Missionar brennt darauf, dass Neues entsteht. Seine ausgeprägte Persönlichkeit fühlt sich nicht wohl am heimeligen Kaminfeuer einer gut funktionierenden Gemeinde (und manchmal auch umgekehrt), sondern er will eine neue Arbeit entstehen sehen. Gleichwohl ist seine Autorität und Weisheit für bereits entstandene Gemeinden und Werke ganz, ganz wichtig. Er ist es, der in Krisen wieder gerufen wird, oder der Leiter und Älteste in der Gemeinde einsetzt

Ein Idealbeispiel finden wir im Neuen Testament in der Person des Paulus, der alle unten angeführten Gaben in seiner Person vereinigte.

Propheten Der Prophet ist besonders dazu befähigt, Situationen geistlich zu durchschauen und dann auch sprachlich das auszudrücken, was von Gott her dran ist. Vollmacht, Führung durch den Geist Gottes und die ernstliche Absicht, die Menschen durch Erbauung und Ermahnung näher zu Gott zu bringen und in ihnen Busse und Neuausrichtung zu bewirken sind mit diesen Dienst verbunden. Direktes Hineinreden in eine bestimmte Situation mit ganz deutlichen Anwendungen auf das konkrete Leben sind also das Markenzeichen des Propheten. Sehr oft ist mit dieser Gabe auch eine besondere Ausrichtung auf Gott und die ewigen Dinge verbunden. Die Ehre des unsichtbaren Gottes, Sein Reich und Seine Interessen lassen das Herz des Propheten brennen, die sichtbaren und unsichtbaren Hindernisse im Leben der Menschen, diesem Gott näher zu kommen, sind ihm klar vor Augen, sodass er sie auch klar ansprechen kann. Wortgewaltige Propheten sind oft auch sehr begabte und sensible Menschen, die sehr leiden können am Elend dieser Welt und der Widerspenstigkeit des Menschen gegen Gott.

Ich denke, dass ein Apollos und auch wieder ein Paulus ein gutes Beispiel für diesen Dienst abgegeben haben.

Evangelisten William Mac Donald beschreibt diese Gabe wunderbar in seinem Kommentar zu

Zu Eph4,11: „Sie sind von Gott ausgerüstet, verlorene Menschen für Christus zu gewinnen. Sie haben die besondere Gabe, den Zustand eines Sünders zu diagnostizieren, sein Gewissen zu wecken, Einwände zu beantworten, Entscheidungen für Christus zu ermutigen (sic!) und den Bekehrten zu helfen, im Wort gegründet zu sein.“

Der Evangelist brennt mehr für die Ungläubigen als für die Gläubigen. Deshalb braucht seine Gabe eine Ergänzung, nämlich die des Hirten und Lehrers. Dass seine Bedeutung grundlegend wichtig ist, liegt auf der Hand, da es ohne Bekehrte keine Gemeinde geben kann. Evangelistisch begabte Menschen sind oft sehr begeisterungsfähig und wollen auch die anderen für ihr wichtiges Anliegen ermutigen. Sie nehmen die Menschen so wie sie sind und versuchen, den Köder so auszulegen, dass die Fische auch anbeißen wollen und können. Paulus redet zum Beispiel zu den Juden ganz anders als zu den Heiden! Sie gehen auf die Menschen zu und scheuen auch die Konfrontation nicht, die natürlich bei diesem Dienst nicht ausbleiben kann. Ein wunderbares Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 8 mit dem Evangelisten Phillipus.

Hirten und Die beiden nächsten Gaben sind meiner Meinung nach die 2 Seiten ein und derselben Medaille. Paulus redet davon, dass er die Thessalonicher wie ein Mutter und wie ein Vater behandelt hat. Beides ist notwendig und ergänzt sich. Beide Gaben haben vor allem das Wohl und das Gedeihen des Gläubigen im Visier und sind selten (wie bei Paulus) in einer Person vereinigt. Ein gutes Beispiel für diesen Dienst findet sich in Apg. 18, 24 – 28, wo Aquila und Priscilla den überaus begabten Apollos bei sich aufnehmen, korrigieren und unterweisen. Wie anders wäre sein Leben ohne diesen Dienst verlaufen. Wie anders wäre unser Leben verlaufen, wenn nicht liebe Geschwister uns in dieser Art und Weise gedient hätten.

wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt (1 Thess. 2,7)

Sowie eine Mutter – vor allem bei einem Baby und Kleinkind – ganz besonders darauf ausgerichtet ist, was dieses Baby gerade jetzt braucht, so ist der Hirte der, der ganz auf die momentanen Bedürfnisse der Herde und der einzelnen Schafe ausgerichtet ist. Er will, dass es der Herde gut geht und führt sie deshalb zu Futter und Wasser und gibt ihr Schutz und Geborgenheit. Der Hirte ist ein warmherziger Mensch und brennt besonders auch für das Angeschlagene, Schwache und Kranke. Er liebt die Schafe so wie sie sind und hat viel Verständnis für ihre Schwächen und Nöte. Gerade in unserer immer kaputteren Gesellschaft ist der Hirte für das Gedeihen vor allem der jungen und schwachen Schafe ganz besonders wichtig. So wie eine liebende Mutter über vieles hinwegsieht, sieht auch der Hirte über vieles hinweg. Das ist seine Stärke, aber auch seine Schwäche, und deshalb braucht diese Gabe eine Ergänzung durch andere Gaben. Der Hirte brennt besonders für die Gläubigen und hier wieder – wie schon gesagt – für die, die gerade Hilfe brauchen. Das ist sehr schön, aber eine Gemeinde, die zu sehr die Seelsorge und das Wohlbefinden der Gläubigen betont, ist auch in Gefahr, Evangelisation und Mission beziehungsweise die klaren Prinzipien der Jüngerschaft zu vernachlässigen.

Lehrer wie ein Vater seine Kinder ermahnt und getröstet (1 Thess. 2,11-12)

Sowie die Mutter in ihrer Erziehung eine Ergänzung braucht, nämlich den Vater, so braucht der Hirte eine Ergänzung durch den Lehrer und Unterweiser. Ein guter Vater hat ein Ziel für seine Kinder, er will sie wohin führen, und er wird dieses Ziel mit Strenge und Liebe (ermahnen und trösten) verfolgen. Ein guter Vater wird viel Wert darauf legen, dass seine Kinder wissen, was gut und recht ist, und dass sich die Kinder auch dementsprechend entwickeln. Genauso wird ein guter Lehrer Zusammenhänge der Schrift aufzeigen und die Schrift lehren, um in den Gläubigen Überzeugungen zu „produzieren“, die sie im Glauben stehen und weiterkommen lassen. Ohne das Wort und den Dienst am Wort kann es keinen Tiefgang im Glaubensleben geben.

Sowie die großen Lehrbriefe des Neuen Testaments auch immer wieder ganz konkrete Anwendungen geben, was das jetzt für unser Leben bedeutet, wendet der Lehrer das biblische Wissen auf das Leben der Gläubigen an. Lehre und Praxis sind also kein Widerspruch, sondern bedingen einander. Trotzdem kann bei Lehrern ein gewisser Hang zur Kopflastigkeit vorkommen, was wiederum eine Ergänzung durch andere Gaben notwendig macht. Eine Vernachlässigung der Lehre führt aber unweigerlich zu einem oberflächlichen, gaben- und bedürfnisorientiertem Christentum.

Der Lehrer brennt für das Wort Gottes, er liest die Bibel gerne und will dabei in die Tiefe gehen. Es ist ihm wichtig, dass auch andere Gläubige das verstehen und wissen dürfen, was Gott ihm gezeigt und was er aus dem Wort erarbeitet und verstanden hat.

Die Apostel und Propheten gründen also die Gemeinden, die Evangelisten lassen sie äußerlich wachsen und die Hirten und Lehrer sind notwendig für das innere Wachstum und die Erhaltung der Gemeinde. Als solches sind diese Gaben Führungsgaben, die besonders bei Männern in Schlüsselpositionen anzutreffen sind.

Daher sind diese Gaben gegeben, damit die Heiligen ausgerüstet werden, um das eigentliche Werk in der Erbauung des Leibes zu tun. Eine Schlacht kann ja nicht nur mit den Befehlshabern und Offizieren gewonnen werden, sondern vor allem durch das gut ausgerüstete Fußvolk! So heißt es denn auch in Epheser 4,12:

… zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi,

Andererseits wird jeder Gläubige, also auch genauso jede Frau, in seiner Begabung in irgendeine dieser Richtungen tendieren. Wenn Du spürst, wofür Dein Herz besonders brennt, dann weißt Du auch schon, welche Gabe oder Gaben für Dich persönlich „passen“ könnten. Um hier weiter zu kommen, wollen wir uns nächstes Mal die verschiedenen Gaben in Römer 12 anschauen.


Gott will Dich gebrauchen! Gaben in der Gemeinde

Teil 3: Die Gaben für die Gemeinde im Einzelnen in Römer 12, 1-8

Bevor wir uns näher mit den Gaben für die Gemeinde auseinandersetzen zeigen uns die Verse, die vor der Auflistung dieser Gaben stehen, wichtige Voraussetzungen für die Entfaltung dieser Gaben in unserem Leben und in unserer Gemeinde.

Röm 12,1 Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.

Röm 12,2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Röm 12,3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher <von sich> zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, daß er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.

Röm 12,4 Denn wie wir in {einem} Leib viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben,

Röm 12,5 so sind wir, die vielen, {ein} Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander.

1) Unser Leib und somit unser tägliches Leben ist das Werkzeug, durch das Gott in dieser Welt wirkt!

Die Hingabe unseres Lebens an Gott und dass wir uns Ihm ganz zur Verfügung stellen, ist das Opfer, das wir Gott darbringen können. Unsere Bereitschaft, uns für Ihn ganz einzusetzen, ist Ihm ein lieblicher Wohlgeruch über den Er sich freut. Gleichzeitig ist genau hier die Wegscheide zwischen einem christlichen Leben und einer echten Nachfolge. Stellen wir uns Ihm ganz zur Verfügung!

2) Wir können nicht gleichzeitig die Welt lieben und Gott lieben. Die Welt ist gott-los, daher all ihr Trachten und Sinnen, all ihr Tun funktioniert ohne Gott und Seinen Sohn Jesus Christus. Wir müssen zu Ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend (Hebr. 13, 13). Hingegebene Christen sind von der Welt geschieden, wie Wasser von Öl, sie sind ein Fremdkörper in dieser Welt und Pilger in dieser Welt. Unsere Werte und Anschauungen sollen allein von der Schrift geprägt sein und nicht von weltlichen Meinungen und Anschauungen. Konkret heißen diese Verse für unser Leben:

a) Trennung von der Welt und einem weltlichen, lauen Lebensstil. Wir suchen nicht unsere Erfüllung in dieser Welt, sondern die Ehre Gottes und finden genau so wiederum unsere Erfüllung als Christen.

b) Leben in der Heiligung und im Gehorsam trotz all unserer Unvollkommenheit. Hat Gott soviel Raum in unserem Leben, dass Er uns gebrauchen kann. Leben wir in einem geistlichen Wachstum oder eher im Gegenteil?

c) Innere Erneuerung und Führung und kein Leben aus Geboten und Verboten. Ein konsequentes Christentum ist nicht dadurch gekennzeichnet, dass wir eine Fülle von Vorgaben und Regeln genau einhalten, sondern von einer tiefen Gemeinschaft mit Christus und einer inneren Führung durch den Heiligen Geist, sodass wir von selbst den Drang haben, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun und in beidem zu wachsen.

d) Festhalten an Gottes Wort und Seinen Vorgaben und nicht Übernahme weltlicher Lehren und Vorstellungen von Gott und dem Menschen. Die Welt hat diesbezüglich unheimlich viel anzubieten und wir dürfen auch manches davon lernen und zu unserem Nutzen gebrauchen. Wir müssen aber erkennen, dass letztlich Satan der Gott dieser Welt ist und hinter diesem reichen und verlockenden Angebot steht. Vieles von unserer Lauheit hängt damit zusammen, dass wir als Kinder der Zeit und als von Natur aus rebellische Wesen vieles davon bewusst und unbewusst übernehmen und auch sehr viel Zeit verbringen mit gottlosen Medien und Zeitvertreib. Wir müssen um so mehr an Gott dran bleiben und in seinem Wort prüfen, „ob es sich so verhält“ (Apg. 17,11).

e) Die Zeit auskaufen und nicht vergeuden für weltliche Betätigungen. Täglich sollten wir den Herrn um Führung darin bitten, dass Er uns Gelegenheiten öffnet, an Seinem Haus zu arbeiten und unsere Gaben für Ihn und andere Menschen einzusetzen.

3) Der Dienst in der Gemeinde soll nicht dazu führen, dass wir uns letztlich selbst dienen, sondern wirklich dem anderen. Wir sollen nicht hoch von uns denken, wenn wir auch noch so viele natürliche und geistliche Gaben vom Herrn mitbekommen haben. Nur dann, wenn wir diese Gaben ganz dem Herrn weihen, kann Er diese auch zu echter Ewigkeitsfrucht vermehren. Nur dann, wenn wir mit Hilfe Seines Heiligen Geistes die Gesinnung Christi (Phil2, 5) in uns entwickeln, können wir auch dem Herrn so dienen, dass es Ihm wohlgefällig ist. Im Verborgenen treu sein und dienen heißt auch dazu bereit zu sein, ohne Dank und Anerkennung von seiten der Menschen zu arbeiten. Wir sind nur kleine Rädchen in Seinem weltweiten Werk. Unsere Erfüllung und Anerkennung finden wir darin, dass der allmächtige Gott uns dazu gebrauchen will, Ewigkeitsfrucht zu erbringen.

4) Wir sollen nicht hoch von uns und nicht niedrig von den Gaben anderer denken. Alle sind wir verschiedene Glieder an ein und demselben Leib. William Mc. Donald schreibt: Keine Gabe ist sich selbst genug und keine ist unnötig. Wenn wir das erkennen, dann denken wir besonnen.

Die Gaben im Einzelnen

Haben wir letztes Mal grundlegende und die Gemeinde begründete Gaben näher kennen gelernt, so wollen wir uns dieses Mal mit den Gaben beschäftigen, die im Alltag der Gemeinde im Großen und Kleinen unabdingbar sind. Bei dieser Aufzählung der Gaben spielt weniger das äußere Wachstum die große Rolle (der Evangelist wird nicht erwähnt), sondern die Erhaltung und das innere Wachstum der Gemeinde. Beides führt ja letztlich auch zu einem äußeren Wachstum. Schauen wir uns den Text genauer an:

Röm 12,6 Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns gegebenen Gnade, <so laßt sie uns gebrauchen>: es sei Weissagung, in der Entsprechung zum Glauben;

Röm 12,7 es sei Dienst, im Dienen; es sei, der lehrt, in der Lehre:

Röm 12,8 es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiß; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.

Paulus ermutigt uns, unsere Gnadengaben auch zu gebrauchen! Wir sollen aktiv sein, Ausschau halten nach Möglichkeiten für den jeweiligen Dienst und diesen dann auch tun. Sowie nur ein fahrendes Auto sich leicht lenken lässt, sind auch wir nur im geistlichen Dienst vom Herrn zu lenken, wenn wir in Bewegung sind und anpacken. Wir sollen nicht zaghaft sein, sondern aus der Ruhe und aus der Gemeinschaft mit dem Herrn heraus den Geschwistern dienen.

Weissagung, Prophetie:

Wie schon letztes Mal erwähnt, sind das Durchschauen von Situationen und die Fähigkeit Bedürfnisse, aber auch Nöte der Gemeinde zu erkennen und das Wort Gottes in Vollmacht darauf anzuwenden in dieser Gabe enthalten. Paulus hat bei dieser Gabe wohl eher die ganze Gemeinde im Auge, die von lebendigen und vollmächtigen Predigten und Beiträgen die entscheidenden Impulse für ihr Leben erhält. Dabei ist zu bedenken, dass echte und hilfreiche Weissagung niemals dem Wort Gottes widerspricht und auch keine neue Offenbarung mehr enthält. Wir haben in der Bibel alles, was wir brauchen, aber wir brauchen vollmächtige Anwendung des Wortes Gottes und eine ständige und immer wiederkehrende Hinführung des Volkes Gottes zu seinem Gott.

Die nächsten 3 Gaben bilden 3 Säulen des praktischen und alltäglichen Gemeindelebens. Es sind:

a) die Diakonie = der praktische Dienst in der Gemeinde

b) die Lehre = der theoretische Dienst an der Gemeinde

c) die Seelsorge = Ermahnen und Ermutigen, eher an Einzelnen

Dienen

Schon gleich am Anfang der Geschichte der Gemeinde finden wir diese Unterscheidung. In Apg. 6 sollen nicht die Apostel, die ganz „im Gebet und im Dienst des Wortes verharren“ wollen, die praktischen Probleme lösen, sondern Männer „von gutem Zeugnis, voll Geist und Weisheit“. Später wird unterschieden zwischen Ältesten und Diakonen. Beide Dienste ergänzen sich und erfordern auch ein hohes Maß an geistlicher Qualifikation.

Das müssen wir im Auge behalten, wenn wir die Wichtigkeit des praktischen Dienstes richtig beurteilen wollen. Der Gemeindealltag kann ohne diesen Dienst überhaupt nicht stattfinden! Was beinhaltet dieser Dienst:

a) Organisieren (Gemeindeveranstaltungen, praktische Abläufe, Anschaffungen etc.)

b) Lösungen suchen und umsetzen bei praktischen Problemen (siehe Apg. 6)

c) das unendliche Feld der praktischen Hilfe und Liebesdienste an den Geschwistern; wenn man Leute braucht z. B. für einen Umzug oder um Alleinstehenden oder Kranken Hilfe zu erweisen, dann ist die Bereitschaft dazu oft merkwürdig gering. Die Bereitschaft, anderen zu dienen – wie auch immer – und konkrete Taten diesbezüglich zu setzen, ist ein Thermometer für unser eigenes persönliches Glaubensleben sowie für die Gemeinde als gesamtes.

Lehren

Durch die Lehre werden wir nicht nur im Wissen bereichert, sondern Gott benutzt diese Gabe, um in uns tiefe biblischen Überzeugungen zu pflanzen, die uns helfen im Alltag das Glaubensleben richtig auszuleben. Wir brauchen grundlegend, vertiefend und sich immer wieder wiederholend Lehre zu folgenden Themen:

a) Wer ist Gott?

b) Wer ist der Mensch?

c) Wer ist Jesus Christus?

d) Wie ist der Heilsweg Gottes mit den Menschen?

e) Wer ist die Gemeinde und was ist ihre Aufgabe in dieser Welt?

f) Was will Gott von uns und was sagt die Bibel zu konkreten Lebensbereichen wie Ehe, Kindererziehung, Arbeit usw.?

Diese Punkte müssen aus der Schrift und anhand einzelner Bücher der Schrift der Gemeinde immer wieder vor Augen gestellt werden. Ohne Lehre wird unser Leben oberflächlich und lau, ohne tiefe biblische Überzeugungen können wir den Versuchungen und Anfechtungen nicht widerstehen, und ohne klare Vorgaben weiß eine Gemeinde nicht, für was sie steht und was sie tun soll.

Ermutigen und Ermahnen

Wir sind dazu aufgerufen, uns gegenseitig zu lehren und zu ermahnen (Kol 3,16) und aufeinander achtzuhaben (Hebr. 10,24). Vieles also, was sich im Bereich der persönlichen Nöte abspielt, sollte sich in einer lebendigen Gemeinde sozusagen von selbst lösen durch die liebevolle Anteilnahme aneinander. Ermutigen und Ermahnen gehören dabei zusammen, beides ist für uns gleich wichtig.

Nichtsdestotrotz schenkt Gott in der Gemeinde Menschen mit einem besonderen Hirtenherz, die ein spezielles Anliegen dafür haben, Geschwistern auf ihrem Weg mit dem Herrn weiterzuhelfen durch Beistand und Ermutigung.

Die nächsten 3 Gaben sind ebenfalls fundamental für die Gemeinde. Wir finden jeweils einen Zusatz, der auf die besondere Gefahr hinweist, die mit der jeweiligen Gabe verbunden ist:

Mitteilen (in Einfalt)

Wieder haben wir alle die Pflicht, die Gemeinde und das Werk Gottes finanziell mit zu tragen. Leider ist es eine Unsitte in vielen unserer Gemeinden, nicht über das Geld zu reden und die Kassa irgendwo versteckt und verstohlen aufzustellen. Einmal im Jahr gibt es dann einen Kassabericht und vielleicht alle 1 bis 2 Jahre eine Predigt über das Geben. Das führt dazu, dass zuwenig gegeben und die Wichtigkeit dieses Dienstes vernachlässigt wird.

Hier finden wir aber das materielle Mitteilen aufgelistet als wichtige geistliche Gabe in der Gemeinde. Gott legt es manchen ganz besonders aufs Herz, freimütig und freudig zu geben. Menschlich gesehen: Wie anders wäre die Geschichte der Gemeinde Jesu und der Mission in der ganzen Welt verlaufen, wenn es nicht im Hintergrund Menschen gegeben hätte, die mit ihren finanziellen Gaben die Dinge erst möglich gemacht haben! Das kann man aber auch negativ umlegen: Wie viel passierte und passiert nicht, weil einfach das Geld dazu fehlt! Der Bau des Tempels durch Salomo war nur möglich, weil sein Vater David vorher dazu die Mittel vom Volk und den Fürsten eingefordert und bekommen hat! Genauso ist es heute: Neben den menschlichen Werkzeugen für den Dienst brauchen wir auch die Mittel für den Dienst! Das ist eine heilige Verpflichtung für alle, manche kommen dem ganz besonders nach, weil Gott ihnen diese Aufgabe übertragen hat. Ich kenne einen Bruder, der sonst geistlich nicht so herausragt. Aber in diesem Bereich überragt er alle. Mit Freude und großem Anliegen kommt er jedem speziellem Ruf mehr nach wie alle anderen und hat so schon in mancher Notsituation gerettet.

In Einfalt: Die Gefahr ist, dass man dafür Anerkennung, Dankbarkeit und Achtung von den Geschwistern erfahren will. Echter geistlicher Dienst geschieht aber in erster Linie für Gott und sollte in aller Schlichtheit und im Verborgenen geschehen.

Vorstehen, Leiten (mit Fleiß)

Wie in der Bibel an anderer Stelle zu sehen, ist die Leitung der Gemeinde mehreren Männern als Älteste vorbehalten. Dieser Ausdruck kann sich aber auch auf organisatorische Dinge beziehen oder auf Teilbereiche der Gemeinde und Einzelveranstaltungen. Verantwortung übernehmen, Leiten und Organisieren benötigt viel Energie, zumal Dinge auch misslingen können und Kritik vorprogrammiert ist. Dies und andauernde Letztverantwortung kann ermüden und entmutigen, sodass man versucht ist, das Werk zu lässig zu betreiben. Leiter sollten sich also ganz besonders bemühen, Vorbild zu sein und das selbst zu leben, was sie den anderen sagen.

Barmherzigkeit (mit Freudigkeit)

Die letzte der angeführten Gaben meint besonders die Fähigkeit, schwachen und verzweifelten Geschwistern geistlich beizustehen. Das ist eine schwere Aufgabe und kann nicht von jedem wahrgenommen werden. Man kann auch viel Schaden dabei anrichten, besonders bei psychisch kaputten oder gar kranken Menschen. Dass diese Gabe in dieser Liste aufscheint zeigt, dass in der Gemeinde Jesu eine offene Tür und Platz für die Schwachen vorhanden sein muss. Neben einer allgemeinen Atmosphäre der Liebe und Offenheit, die in einer Gemeinde vorherrschen sollte, schenkt uns Gott besonders Begabte, deren Herz für diese oft undankbare Aufgabe brennt. Ich selbst kenne und bewundere einige Brüder und Schwestern, die sich ganz besonders zu den sehr angeschlagenen Geschwistern hingezogen fühlen und auch gesucht werden. Hier braucht es viel Feingefühl und Reife. Die besondere Gefahr ist, dass einem dabei sozusagen die Luft ausgeht, zumal bei sehr viel Input oft wenig Output, also sichtbarer Erfolg, zu sehen ist. Daher ermutigt Paulus dazu, selbst ganz eng mit dem Herrn zu leben, damit man nicht verdrießlich dieses Werk des Herrn tut, sondern eben mit Freudigkeit diesen anstrengenden Dienst versieht.

Wie Ihr aus meiner schwachen Beschreibung entnehmen könnt, kann eine Gemeinde eigentlich auf gar keine dieser Gaben verzichten. Alle sind notwendig und werden in einer Gemeinde gebraucht. Daher möchte ich Dich ermutigen, dass Du Dich von Gott hinführen lässt zu Deinem speziellen Dienst, den Er für Dich bereit hält. Gott will Dich gebrauchen!

Gleichzeitig will ich die Leiter und Ältesten der Gemeinden dazu ermutigen, darauf zu schauen, dass diese Dienste auch wirklich in der jeweiligen Gemeinde ausgeübt werden. Dies geschieht durch die Lehre darüber und auch dadurch, dass bestimmte Geschwister zu bestimmten Aufgaben ermutigt werden.


Gott will Dich gebrauchen! Gaben in der Gemeinde

Teil 4: Die Wundergaben – oder: Müssen wir charismatisch werden?

Es war vor ca. 20 Jahren: Sdravko war nach Bulgarien gegangen und ich stand als 25 jähriger Gemeindeleiter mit einer (damals) eher schwierigen Gemeinde alleine da. Viele Fragen konnte ich nicht beantworten, viele Geschehnisse nicht einordnen. Gott schien manches Mal so weit weg und die Sehnsucht, Ihn in den Problemen unseres Lebens oder einfach in unserem Alltag mehr zu erleben wurde immer größer. Die Frage: Ist das alles, was wir den Menschen anzubieten haben stellte sich mir immer mehr. Liebe Geschwister aus der Gemeinde (eine war sogar sehr lieb und wurde später meine Frau!) hatten Kontakt zu charismatischen Kreisen, die mich ebenfalls immer mehr anzogen. Ich begann Bücher über z. B. innere Heilung zu lesen und dachte mir: „Mensch, das ist ja genau die Antwort, die ich jetzt brauche! Deshalb kommen wir da nicht weiter, weil wir das bis jetzt übersehen haben!“

Andererseits schüttelte ich nicht einfach meine geistlichen Wurzeln ab, sondern las auch viele Bücher aus „unserem Lager“ (z. B. Bücher vom CLV). Es begann ein Hin und Her, ein wirklicher Kampf von Argument und Gegenargument. Die Frage drehte und dreht sich im Letzten darum: Auf was bauen wir unser geistliches Leben auf? Was bedeutet geistliche Reife? Wir können wir Gott wirklich erleben? Der Besuch einer Veranstaltung der Vineyard-Bewegung führten dann für mich persönlich zur Lösung dieser Frage. Als irgendwann der Prediger auf den Knien lag und durchgerüttelt wurde, jeder jeden segnete und umarmte, vorne die Leute herumtanzten und rückwärts fielen, schaute ich als Unbeteiligter nur mehr von der Seite aus zu und schämte mich vor den (wahrscheinlich) nicht bekehrten Saalwärtern für das, was hier im Namen Jesu abging!

Zwanzig Jahre an Erfahrungen reicher halte ich immer noch an dem fest, was mir damals klar wurde: Es geht gar nicht darum, ob es Wunder heute noch gibt, sondern worauf wir unser Leben als Christen aufbauen und wonach wir trachten sollen? Dass im Neuen Testament sehr wohl viel über Wundern steht, ist ja nicht zu leugnen, und dass es damals Wundergaben gab, die sich vor allem in Heilungen und der übernatürlichen Fähigkeit, andere Sprachen zu sprechen, ohne sie vorher gelernt zu haben, ebenso wenig. Diese Gaben finden wir in 1. Kor. 12 erwähnt, Berichte von Heilungen und Wunderwirkungen finden wir vor allem in den Evangelien und der Apostelgeschichte.

Summarisch möchte ich nun zu diesem Thema einige Hilfestellungen geben:

1)       Wir können es – meiner Meinung nach – aus der Schrift nicht beweisen, dass es keine Wunder mehr gibt. Wir brauchen auch nicht aus Angst vor falschen Lehren oder Praktiken diesen Extremstandpunkt einnehmen. Wer sind wir denn, dass wir Gott vorschreiben können, ob Er ein Wunder tun darf oder nicht.

2)       Wunder und wunderbare Führungen traten und treten besonders in wichtigen Anfangs- und Gründerzeiten bzw. in Zeiten der Erweckung auf; gerade gestern haben wir in Ried in der Predigt gehört, wie unser Herr Jesus auf wunderbare Weise im Iran Menschen anspricht und Tausende sich bekehren. Ich selbst habe in zwei Gründungen (eine Gemeinde und eine Missionsarbeit) gewaltige Führungen erlebt, die ich als Wunder bezeichnen würde, auch wenn es sich nicht um eine Heilung oder eine Sprachenrede gehandelt hat. In der Schrift finden wir dieses Prinzip ganz deutlich:

a) Gott beginnt seine eigentlich Geschichte mit dem Volk Israel durch Mose und mit vielen Wundern; dann

liest man allerdings immer weniger von Wundern (Richterzeit und Samuel)

b) Gott bezeugt sich in Zeiten furchtbaren Niedergangs durch die Propheten (besonders Elia und Elisa) und

wieder durch Wunder; dann lesen wir wieder wenig von direkten Wundern

c) Dasselbe finden wir zur Zeit Jesu und der Apostel: Mit dem Nahekommen des Reiches Gottes in Jesus Christus trat auch Satan mit seinem Heer an Dämonen vermehrt auf; deshalb finden wir in dieser Zeit ganz besonders viele Dämonenaustreibungen und auch Heilungen und andere Wunder. Gott bezeugte sich in dieser Anfangszeit ganz besonders auf diese Weise; das lesen wir in Hebräerbrief (beachte die Zeitform):

Hebr 2,4 wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen.

3)    Wunder wirken nicht automatisch echten Glauben und Hingabe an Gott! Das Erstaunlichste in den Mosebüchern und den Evangelien ist für mich immer wieder, wie hartnäckig die Menschen an ihrer Widerspenstigkeit und ihrem Unglauben festhalten, obwohl ständig Wunder passieren und dies direkt vor ihren Augen. Besondere Erlebnisse führen also nicht automatisch zu besonders großem Glauben! Schon der Herr Jesus zeigt uns das ganz deutlich auf mit folgenden zwei Versen:

Joh 7,17 Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede.

Lk 16,31 Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.

Gott spricht auch heute noch Menschen durch übernatürliche Führungen und Fügungen an, aber auf Dauer entscheidet nicht das, was sie dabei erlebt habt haben, sondern wieweit sie bereit sind, sich hinzugeben und eine positive Entwicklung hin zu Reife, Jüngerschaft und Wachstum zuzulassen. Einmal vor vielen Jahren kam ich in eine Glaubenskrise: Immer wieder führte es Gott, dass ich offenen Menschen begegnete und diese zunächst sehr wohlwollend waren. Später wendeten sie sich dann wieder von Gott ab. Ich fragte mich, warum denn der ganze Aufwand nötig sei, wenn viele dann sowieso wieder in die Welt zurückfallen (trotz Betreuung und Nacharbeit). Mit der Zeit verstand ich, dass wir Christen Werkzeuge für Gott sind, um anderen Menschen Zeugnis von Ihm abzulegen. Mit anderen Worten: Gott gibt durch uns seinen menschlichen Geschöpfen die Chance, sich zu Ihm zu bekehren. Dabei kann es durchaus übernatürlich zugehen mit „Zufällen“ und wunderbaren Fügungen, aber das heißt noch lange nicht, dass das Ergebnis dann auch dauerhaft sein wird, auch wenn wir Gott dabei direkt erlebt haben. Er gibt den Menschen eben Chancen, entscheiden müssen sie sich aber selber und dazu ist viel mehr notwendig als nur ein Erlebnis.

4)    Durch Betonung der Wundergaben und dem sich Ausstrecken nach dem Erleben von Wundern kommt es zu einer verhängnisvollen Schwerpunktverschiebung. Es geht im Christenleben nicht darum, dass es uns gut geht und Gott alles scheinbar Schlechte aus unserem Leben nehmen muss, sondern es geht darum, dass wir uns in Hingabe und Gehorsam zur Verfügung stellen, egal, was dabei herauskommt und was es für uns bedeutet. Diese Schwerpunktverschiebung hin zu den Gaben und weg vom Geber ist eine der traurigsten Beobachtungen bei Christen aus der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung. Der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Problemen und Nöten rückt in den Mittelpunkt. Das wird zusätzlich noch durch den humanistischen Zeitgeist unterstützt. Demgegenüber sehen wir in der Schrift durchgehend Menschen, die durch Leiden, Trübsal, Krankheit und Not „gezwungen“ werden, ihren Glaube, ihre Hoffnung und ihre Liebe anzuwenden, auszuleben und so zu wachsen. Wenn uns z. B. Krankheit trifft, dann heißt das nicht automatisch, dass etwas nicht stimmen kann in unserem Leben, sondern dass Gott das zugelassen hat und wir mit Seiner Hilfe und im Vertrauen auf Sein Wort und Seinen guten Willen da jetzt durch müssen. Paulus ermutigt uns, uns der Trübsale zu rühmen (5,3-5), da eine Vertiefung des Glaubens anders fast nicht möglich ist. Ist nicht gerade das so wunderbar, dass wir zwar mittendrin sind in einer gefallenen Schöpfung, aber alle Schläge und Probleme, die sich daraus ergeben, mit unserem Gott durchleben dürfen? Die Behauptung, dass Christen nie krank sein sollen, nie Probleme haben dürfen und womöglich noch über möglichst viel Geld verfügen sollten, stellt das Evangelium und die Botschaft der Nachfolge geradezu auf den Kopf und ist deshalb eine gefährliche und sehr verwerfliche Irreführung! Dadurch kommt es zu vielen geistlichen Fehlgeburten und, falls echte Bekehrung und Wiedergeburt stattfindet, bleiben viele dieser Geschwister trotzdem ein Leben lang in einem oberflächlichem Glauben haften mit einem ganz falschen Bild von Gott und dem Leben mit Ihm.

Jakob war ganz am Anfang seiner „geistliche Karriere“, als er folgendes betete:

1Mo 28,20 Und Jakob legte ein Gelübde ab und sagte: Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen und Kleidung anzuziehen gibt

1Mo 28,21 und ich in Frieden zurückkehre zum Haus meines Vaters, dann soll der HERR mein Gott sein.

Der unreife Gläubige erwartet immer etwas von Gott zu seinen Gunsten. Alles ist davon abhängig, ob man etwas erlebt hat oder etwas bekommen hat. Der geistliche Gläubige stellt nicht sich und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt, sondern Gott und Seinen Willen und Sein Reich! Angewandter Glaube, angewandte Hoffnung, angewandte Liebe, ein tiefes Verankertsein in Gottes Wort und ein Herz, das sich ganz Gott hingibt, schaffen ein geistliches Fundament, das immer weiter wächst und immer mehr tragen kann.

5)    Das Ausstrecken nach Wundererlebnissen und übernatürlichen Erfahrungen um jeden Preis führt in seelisch-gruppendynamische Erlebnisse hinein oder gar in die Begegnung mit dämonischen Kräften. Vieles, was in pfingstlerischen oder charismatischen Zusammenkünften abgeht, führt nicht unbedingt zum Erleben des Heiligen Geistes, sondern eher zu Gefühlserlebnissen, die man genauso ohne eine religiöse Botschaft machen könnte. Die Gefahr ist, dass man sich dabei in was hineinsteigert oder sich selbst betrügt, da unbedingt ein Ergebnis her muss. Je extremer allerdings auf unerlaubte Weise die unsichtbare Welt herausgefordert wird, desto größer ist die Gefahr, dass diese dann auch tatsächlich antwortet, aber nicht von Gottes Seite her, sondern von Satans Seite aus. Gott lässt sich nicht vorschreiben, was Er zu tun hat und was nicht. Gleichzeitig ist es uns nicht erlaubt, in ungeziemender und fordernder Weise mit der unsichtbaren Welt Kontakt aufzunehmen. Irregeleitete Religiösität und menschliches Herausfordern Gottes kann sehr wohl in eine Begegnung mit teuflischen Mächten hineinführen, auch wenn es im Namen Jesu geschieht. Dass daraus dann großer Schaden entsteht, versteht sich von selbst! Der Herr wird das letzte Urteil sprechen, aber wir müssen es einfach so sagen: Was teilweise in seinem Namen geschieht, ist eine Schande für Seinen Namen! Deshalb warnt Paulus so sehr davor, den Verstand über Bord zu schmeißen und sich wie Kinder am Verstand aufzuführen. Ebenso wird auch die Gefahr angesprochen, dass Ungläubige meinen, wir wären von Sinnen! Und dies gerade der Gemeinde gegenüber, die am meisten für diese Dinge interessiert war und sich ausstreckte nach besonderen Erlebnissen!

1Kor 14,20 Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene!

1Kor 14,23 Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid?

Unser Herr sagt zudem ausdrücklich, dass vieles, was scheinbar so gewaltig und wunderbar ausschaut, in Seinen Augen gar nichts ist, zumindest keine Garantie dafür, dass man ein geretteter Christ ist. Viel mehr wird zählen, ob man in Gehorsam und Hingabe Seinen Willen gesucht und getan hat.

Mt 7,21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.

Mt 7,22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch {deinen} Namen geweissagt und durch {deinen} Namen Dämonen ausgetrieben und durch {deinen} Namen viele Wunderwerke getan?

Mt 7,23 Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

Auch die Gemeinde in Philadelphia wird nicht ihrer großen Kraft wegen gerühmt, sondern ihrer Treue wegen! Seine Augen sind wie eine Feuerflamme (Offb1,14) und durchschauen die menschliche Fassade falscher Frömmigkeit, welcher Ausprägung auch immer!

Offb 3,8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.

6)    Es gibt keine Abkürzung zu geistlicher Vollmacht, auch nicht durch eine angebliche Geisttaufe nach der Bekehrung! Ein Schnellsiedekurs ist uns allemal lieber als eine jahrelange Lehre. Jemand legt uns die Hände auf und von dem Zeitpunkt an ist alles mit Gott in Ordnung und wir sind seine vollmächtigen Diener! Wieder ein tragischer Trugschluss, der in ein unreifes Christentum hineinführt. Ganz abgesehen davon, dass jeder Christ geistgetauft ist, weil er sonst gar kein Christ ist, ist die Erfüllung mit dem Geist kein punktuelles Erlebnis, das dann ein für allemal anhält, sondern davon abhängig, wie sehr ich Gott hingegeben und gehorsam bin und wie sehr Seine Prioritäten auch die meinen sind! Der Weg der Jüngerschaft ist immer noch ein schmaler Weg, der uns alles abverlangt! Beständige Hingabe und Ergebung an Gott und Sein Wort sind die Bedingung dafür, um den Kampfpreis vor dem Richterstuhl Christ zu bekommen! Der Erziehungsprozess, den Gott mit unserer Bekehrung beginnt, dauert bis zu unserem Tod und erfordert die ständige Unterordnung unseres Willens unter Seinen Willen. Ständige Wachsamkeit tut not, ständiges Werfen auf die Gnade, weil wir auch wieder versagen. Das Zurückstellen der eigenen Interessen und Wünsche zum Wohle der anderen führt uns auch nicht immer in gefühlsmäßige Glückserlebnisse, sondern schneidet in unser Fleisch und erfordert beständige Ausrichtung nach der Gesinnung Christi (Phil2).

7)    Wir dürfen alles von Gott erwarten, was nicht Seinem geoffenbarten Willen widerspricht, wir dürfen Ihm aber nichts vorschreiben! Er ist der souveräne Herr und Gott, wir sind nur Seine Diener, wenn auch Söhne und Töchter. Wir alle kennen ja das große Zeugnis des Georg Müller, wie viele tausende Gebetserhörungen er erlebt hat. Warum sollen nicht auch wir Gebetserhörungen, übernatürliche Führungen und Ähnliches erleben. Ich kann persönlich bezeugen, dass ich in den letzten Jahren vieles mit meinem Gott erleben durfte und dass ich keinen Zweifel daran habe, dass Er mein Leben in Seiner Hand hält. Andererseits waren viele Segnungen, die Gott mir schenkte, auch abhängig vom Ausharren und selber Mitanpacken. Es kann sein, dass Gott uns durch eine übernatürliche Führung z. B. Geld zukommen lässt. Andererseits wäre es falsch, das immer zu erwarten, sondern Gott wird uns die harte Arbeit, durch die wir zu Geld kommen, meistens nicht ersparen. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber nicht die Regel! Jemand hat in diesem Zusammenhang gesagt: … wir bräuchten zwei Bekehrungen: zuerst vom Natürlichen zum Übernatürlichen und dann zurück vom Übernatürlichen zum Natürlichen. Gerade diese realistische Art des Wirkens Gottes ist für mich besonders ermutigend.

Gott hat auch Zeit, das dürfen wir ebenfalls nicht vergessen. Abraham z. B. hat wirklich Wunderbares mit Gott erlebt, aber zwischen diesen Erlebnissen vergingen oft Jahre, in denen nichts Großartiges passierte, und trotzdem war Gott so unheimlich real und hat alles geführt. Gott benutzt die Naturgesetze und das Gesetz von Ursache und Wirkung, um in unserem Leben zu wirken und sich darin zu verherrlichen! Gerade darin treu auszuharren und auf Ihn und Sein Wort zu bauen, liegt unsere Stärke. Andererseits werden wir immer wieder auch direkte Gebetserhörungen und Führungen erleben, die Gott uns schenkt, um unseren Glauben und unsere Überzeugungen zu unterstützen.

8)    Eine ehrliche und offene Atmosphäre in unseren Gemeinden wird unser Ausstrecken nach Gott unterstützen und auch unsere Gefühle nähren. Eine lebendige Anbetung aus tiefstem Inneren, Lieder, die das ausdrücken, was wir Gott sagen wollen, Wortbeiträge, die unsere Herzen zu Jesus führen, Predigten, die gut aufzunehmen sind und uns nähren (also kein trockenes Stroh) und ein eigenes echtes Leben mit Gott werden uns so ermutigen und in der Nähe Gottes halten, dass wir Ihn wirklich erleben dürfen und Er zu uns eines Tages sagen kann:

Mt 25,21 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.