Gemeinde & Mission
Vorwort

Gnade, damit ihr nicht sündigt

von Lindner Andreas

Hört ihr den Widerspruch der Theologen? Als der Herr Jesus sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“, bäumt sich alles in ihnen auf (Mk 2,5). Das ist Lästerung, denn nur Gott kann Sünden vergeben! Außerdem denkt der Religiöse: „Die Angst vor der Strafe hält die Menschen im Zaum. Wenn sie wüssten, dass alle ihre Sünden vergeben sind, würden sie das ausnutzen. Das wäre ein Freibrief zum Sündigen. Deswegen kann und darf niemand auf der Erde wissen, dass er Vergebung hat.“Aber der Sohn des Menschen hat Gewalt, auf der Erde Sünden zu vergeben (Mk 2,10). Das heißt, man muss nicht bis nach dem Tod warten, um herauszufinden, wie das Gericht ausgehen wird. Es ist möglich, lange vor dem Tod, auf der Erde zu wissen: Ich werde mit ihm im Paradies sein (Lk 23,43). Die Theologen haben ganz recht: nur Gott kann Sünden vergeben. Der Herr Jesus vergibt und stellt damit die Behauptung auf: Ich bin Gott, ich bin der Richter über Lebende und Tote. Deswegen ist es wunderbar aus seinem Mund zu hören: Deine Sünden sind dir vergeben. Wir haben es nicht verdient, es ist reine Gnade!

Auch die zweite Frage ist berechtigt: Kann diese Gnade nicht ausgenutzt werden? Natürlich! Die Vergebung ist so groß und so sicher, dass es Leute gibt, welche die Gnade Gottes in Ausschweifung verkehren (Judas 4). Sie beweisen damit, dass sie den Herrn nicht kennen, und die Gnade nicht verstanden haben. Ihr Gericht ist gerecht (Judas 4). Ich habe aufgehört, auf sie herunterzuschauen, weil ich denselben Gedanken in meinem Herzen finde. Wenn ich in Versuchung komme, denke ich manchmal: „Es macht ja nichts, wenn ich sündige. Ich brauche die Sünde ja nur zu bekennen, und schon wird sie mir vergeben. Der Herr ist gnädig.“ Wenn ich das schreibe, erschrecke ich vor diesen Gedanken. Weil es das Denken eines Mannes ist, der den Herrn nicht kennt. Ich habe seine Einstellung zur Sünde übernommen! Das will ich nicht.

Wir sollen alle Sünden, die uns bewusst sind, bekennen (1.Joh 1,9). Dann steht nichts zwischen uns und dem Vater. Die Gemeinschaft ist ungetrübt und voller Freude (1.Joh 1,4). Wenn Johannes darüber schreibt, stellt er keinen Freibrief zur Sünde aus. Im Gegenteil: „Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr nicht sündigt …“ (1. Joh 2,1). Wie meint er das? Im Alten Testament musste ein Sünder seine Sünde bekennen, indem er seine Hand auf das Opfertier legte, und musste es dann töten. Ein unschuldiges Tier starb. Sünde bringt den Tod. Sünde ist teuer. Diese Erfahrung half ihm, Sünde zu vermeiden. Im Neuen Testament beobachten wir, wie der Herr Jesus am Kreuz für Sünden bezahlt. Wenn ich meine Sünden bekenne, lege ich sozusagen meine Hand auf sein Haupt, und weiß: diese Sünde ist so schlimm, dass er dafür sterben musste. Er war von Gott verlassen, damit ich bei Gott sein kann. Selbst ein sündiger Gedanke würde mich auf ewig von Gott trennen (Mt 5,28-29). Wenn ich daran denke, dass der Gerechte für die Ungerechten starb, ist das ein gutes Mittel gegen Sünde.

Deswegen sagt Johannes: „Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr nicht sündigt.“ Wenn wir die Gnade richtig verstehen, ist sie kein Freibrief zur Sünde. Sie erhöht die Widerstandskraft gegen Sünde. Wir sollten durch die Gnade in der Lage sein, der Sünde bis aufs Blut zu widerstehen (Heb 12,4; 13,9). Die Gnade und Vergebung, die wir durch das Kreuz erfahren, führt zur Ehrfurcht vor Gott. „Denn bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest“ (Ps 130,4).