Gemeinde & Mission

Jüngerschaft als Lebensstil

von Lindner Andreas

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Als der Herr Jesus Petrus, Johannes und die anderen Jünger berief, verließen sie ihre Arbeit und folgten ihm (Mk 1,20). Die Jünger verbrachten nun fast ihre ganze Zeit mit dem Herrn, sie beobachteten ihn bei seiner Arbeit und lernten auf diese Weise von ihm. Ihr Charakter wurde geformt und Fähigkeiten wurden eingeübt. Sie beteiligten sich an seinem Werk, indem sie ausgingen, um zu predigen. Das alles trug dazu bei, sie für ihre zukünftigen Dienst vorzubereiten.
Die meisten von uns verlassen ihre Arbeit und Familien nicht auf dieselbe Weise. Bedeutet das, dass unsere Jüngerschaft eingeschränkt ist auf die freie Zeit an den Abenden oder am Wochenende? Nein! Auch wir können in den täglichen Lebensumständen wertvolle Erfahrungen sammeln.
Wie können wir vom Herrn lernen und auf größere Aufgaben vorbereitet werden?


Eines Tages benutzte der Herr Jesus das Boot von Petrus als Kanzel, um zur Volksmenge zu predigen. Danach sagte er zu Petrus: „Fahre hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zu einem Fang hinab“ (Lk 5,4). Petrus versprach sich nicht viel davon: „Meister, wir haben uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz hinablassen.“ Dies war das erstemal, dass Petrus seine tägliche Arbeit aufnahm, weil der Herr ihn darum gebeten hatte. Als Petrus das tat, geschahen bestimmte Dinge mit ihm. Und wir werden dasselbe erleben, wenn wir unserer tägliche Arbeit als Dienst für den Herrn erledigen.
1. Die Mannschaft von Petrus fing eine Menge Fische. Der Herr hat Petrus belohnt. Jeder von uns sollte sein Leben dem Herrn übergeben und ihn fragen: Herr, was soll ich tun? Dann sollten wir das für ihn tun. Zu unserem Dienst für den Herrn werden Dinge gehören wie für unseren Lebensunterhalt arbeiten (2. Thess 3,12) und unseren Haushalt führen (1. Tim 5,14). Wenn ein Jünger seine tägliche Arbeit für den Herrn macht, wird der Herr ihn belohnen. Die Belohnung wird nicht immer ein so hoher Ertrag sein wie für Petrus an jenem Tag. Aber wir werden auf jeden Fall einen ewigen Lohn bekommen für alles, was wir als Dienst für den Herrn getan haben (Kol 3,24).
2. Petrus fiel zu den Füßen des Herrn nieder, weil er erkannte, wer der Herr ist. Petrus sah die Macht des Schöpfers, als der Herr alle Fische in das Netz kommandierte. Petrus erkannte die Heiligkeit Gottes und sagte deshalb: „Geh von mir hinaus.“ Der Herr zeigte auch seine Liebe und Fürsorge für Petrus, indem er für Nahrung sorgte und ihn mit den Worten tröstete: „Fürchte dich nicht.“
Den Herrn tiefer und besser zu erkennen war das Lebensziel des Apostel Paulus (Phil 3,10). Das wäre auch für uns ein gutes Ziel. Den Herrn kennen zu lernen ist nicht beschränkt auf die Zeit, die wir in der Bibel oder im Gottesdienst verbringen. Wie in anderen Beziehungen ist es auch hier: Wir lernen ihn tiefer kennen, wenn wir „auf allen Wegen“ Zeit mit ihm verbringen. „Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn, und er wird gerade machen deine Pfade“ (Spr 3,6).
3. Petrus lernte über sich selbst, nämlich, dass er ein Sünder war. Ist es nicht bemerkenswert, dass er das nicht erkannte, während er der Predigt lauschte, sondern als er auf die Anordnung des Herrn hin arbeitete? Je mehr wir verstehen, wer wir sind, desto mehr werden wir auf den Herrn vertrauen, und nicht auf uns selbst.
4. Schließlich lernte Petrus etwas über andere Aufgaben, die der Herr ihm geben wollte. „Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lk 5,10). Während Petrus seiner täglichen Arbeit nachging und sie für den Herrn tat, wurde er zu einer anderen Aufgabe berufen. Und viele Dinge, die Petrus als Fischer gelernt hat, würde er als Menschenfischer dringend brauchen. Zum Beispiel muss ein Fischer dorthin gehen, wo die Fische sind, und ein Evangelist muss dorthin gehen, wo die Menschen sind (Mt 28,19). Sowohl der Fischer als auch der Evangelist braucht Geduld, muss hart arbeiten, sein Ziel beharrlich verfolgen und ganz verschiedene Methoden benutzen, um die Fische zu fangen.
In der selben Weise wird der Herr unsere tägliche Arbeit benutzen, um uns auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten. Der Herr bildet uns für andere Aufgaben aus, die wir für ihn auf der Erde tun sollen, und für die Aufgaben, die er seinen treuen Knechten in der Herrlichkeit geben wird (Lk 19,17). Als David die Schafe hütete, war ihm wohl kaum bewusst, dass er dadurch auf seine Aufgabe als Hirtenkönig von Israel vorbereitet wurde. Er lernte aber viele Lektionen, die ein König braucht, während er die Schafe seines Vaters hütete. „Wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen“ (2. Tim 2,12).Fischen ist eine harte und eintönige Arbeit. Petrus ging oft Fischen, aus verschiedenen Gründen. Aber diesmal fischte er aus Gehorsam zum Herrn, und in der Folge sandte der Herr ihn aus, um ihm zu dienen. Erledige deine tägliche Arbeit für den Herrn, im Gehorsam ihm gegenüber. Das ist der Lebensstil eines Jüngers.
Petrus war davon so beeindruckt, dass er einen großen Teil seines Briefes diesem Thema widmete. Er teilte den Gläubigen mit, dass sie alle Priester sind, Teil einer königlichen Priesterschaft (1. Petr 2,9). Wie sollen die Gläubigen denn ihren Priesterdienst ausüben? Sollen sie ihre Beschäftigung aufgeben? Nein, der Herr wollte, dass sie blieben, wo sie waren, zum Beispiel als Diener oder Hausfrauen. Sogar dann, wenn sie grausame Herren oder ungläubige Ehemänner hatten. Sie erhielten Anweisungen, wie sie sich als Priester in dieser Stellung verhalten sollten (1. Petr 2,18-3,6).
Wenn wir den Herrn lieben und an die erste Stelle in unserem Leben setzen, wird unser Leben nicht verschwendet. Es ist nicht sinnlos. Der Herr wird dann alle Dinge zu unserm Guten benutzen (Röm 8,28). Wir können lernen, unsere normale Arbeit, sogar solche einfachen Dinge wie Essen und Trinken, zur Ehre des Herrn zu tun (1. Kor 10,31).
Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess ist, den Herrn an die erste Stelle zu setzen: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden“ (Mt 6,33).
Einige Christen mögen denken: 2Meine tägliche Arbeit ist nur dazu da, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Was wirklich zählt, ist der Dienst für den Herrn, den ich mache, wenn ich aus dem Büro komme – Traktate verteilen, eine Bibelstunde leiten usw.“ Die Ungläubigen gehen in die Arbeit um Geld zu verdienen (Mt 6,31.32). Aber wir sollten eine andere Einstellung zur Arbeit haben. Natürlich ist es gut, wenn wir dem Herrn nach der Arbeit dienen. Aber warum sollten wir ihm nicht auch in der Arbeit dienen, indem wir unsere tägliche Arbeit zu seiner Freude tun?
Wenn wir den Lebensstil eines Jüngers annehmen und unsere tägliche Arbeit für den Herrn erledigen, werden wir ganz bewusst nach seiner Gerechtigkeit trachten (Mt 6,33). Der Herr ist gerecht. Er will uns in sein Bild umgestalten (Röm 8,29). Wir können in unserer täglichen Arbeit lernen, gerecht zu sein. Mit all den Schwierigkeiten und Versuchungen kann genau das ein ideales Trainingscamp sein. Dort können wir auch die anderen Charaktereigenschaften erlangen, die der Herr in uns durch den Heiligen Geist hervorbringen will (Gal 5,22). An der Werkbank lernen wir Geduld. Unsere Freundlichkeit könnte geübt werden, wenn wir schwierige Kunden haben, oder wir lernen gehorsam und sanftmütig zu sein, wenn wir mit unseren Vorgesetzen zu tun haben. Wir können lernen, auf Rat zu hören, unsere Sünden zu bekennen und andere höher zu achten als uns selbst.
Jemand könnte der Meinung sein: Um dem Herrn zu dienen, muss ich meinen Beruf aufgeben, ich komme mir hier vor wie ein Sklave. Der Apostel Paulus schrieb an Sklaven und sagte zu ihnen: „Ein jeder bleibe in dem Beruf, in welchem er berufen worden ist. Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern (1. Kor 7,20.21). Von uns ist niemand wirklich ein Sklave, aber wir können in Situationen sein, die momentan nicht geändert werden können. Unsere gegenwärtigen Umstände könnten uns als Hindernis für unseren Dienst für den Herrn vorkommen. Eine Mutter mit kleinen Kinder ist ans Haus gebunden, ein Ehemann ist an seinen Schreibtisch gekettet, und ein Student ist begrenzt durch sein Labor und seinen Computer. Trotzdem können wir unser Leben täglich dem Herrn übergeben, und unsere Arbeit für ihn tun, wie Petrus es machte, als er sich entschloss: „Auf dein Wort will ich das Netz hinablassen.“
Es kann sein, dass wir die Gelegenheit bekommen, mehr Zeit zu verwenden, um dem Herrn auf andere Weise zu dienen. „… wenn du aber auch frei werden kannst, so benutze es vielmehr“ (1. Kor 7,21). Andere brauchen Hilfe, und sie brauchen das Evangelium. Wir können das Wort verbreiten, indem wir es predigen oder andere unterstützen, die das tun. Die Jünger verließen ihre Arbeit mit den Netzen und dienten dem Herrn auf andere Weise, als er sie zur vollzeitlichen Arbeit an seine Seite rief. Wenn wir als Mütter oder Hausfrauen arbeiten, in einem Geschäft oder auf der Baustelle, so können wir das für den Herrn tun. Wenn wir von dieser Verpflichtung befreit werden, sollten wir die Freiheit für den Herrn und sein Reich benutzen.
Der Herr Jesus lebte immer im Willen Gottes: Bei der Arbeit als Zimmermann und beim öffentlichen Predigen. Er war genauso geistlich und heilig vor seinem öffentlichen Dienst wie dann, als er ihn ausübte. Daran wollen wir denken, wenn wir unseren täglichen Aufgaben nachgehen.
Die Frau eines Missionars war ganz frustriert, weil ihr Mann herumreiste und predigte, und sie scheinbar kaum Gelegenheit hatte, etwas für den Herrn zu tun. Sie musste daheim bei den Kindern sein, und all die Mahlzeiten herrichten und wegräumen für die vielen Gäste, die vorbeischauten. Eines Tages verstand sie, dass der Herr wollte, dass sie diese Dinge tat. Sie begann, die Aufgaben als Dienst für den Herrn zu tun, nicht nur einmal, sondern es wurde ein Lebensstil für sie. Und über ihr Spülbecken hängte sie ein Schild: „Hier findet dreimal täglich Gottesdienst statt.“

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