Gemeinde & Mission

Kinder-Patenschaften: Hemmende Wohlfahrt oder lebensbefähigende Veränderung?

von Martin Jonathan

(Auszug aus dem Buch „Giving Wisely?“, mit Genehmigung des Autors)

„Wenn ich meine Hand über eine Waise geschwungen habe, weil ich im Tor meine Hilfe sah, so falle meine Schulter aus ihrem Blatt, und mein Arm werde abgebrochen von der Röhre!“ (Hiob 31, 21-22)

„Wer aber irgendeinem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoß gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ (Mt 18, 6)

Programme für Kinder-Patenschaften sind extrem beliebt und schaffen für Hilfsorganisationen ein Einkommen wie kein anderes Programm. Daher springen viele Hilfsorganisationen und Entwicklungshilfsorganisationen auf den fahrenden Zug auf und starten ihre eigenen Patenschaftsprogramme. Andere gütige Menschen, die keine Erfahrung in der Hilfeleistung und Entwicklungshilfe haben, starten ihre eigenen Programme von Grund auf.

Einige dieser bewährten Programme sind exzellent. Aber viele stören – in ihrem Bemühen Gutes zu tun – das Gefüge unserer Gesellschaft, indem sie ein Sozialhilfesystem exportieren, das dem sehr gleicht, welches in den Vereinigten Staaten kläglich gescheitert ist. Damit für eine Gesellschaft langfristig nachhaltiger Gewinn entstehen kann, müssen sich diese Programme an die vier Punkte halten, die wir in der letzten Folge besprochen haben: Beziehungen, Verantwortlichkeit, Eigenständigkeit und Gleichheit. Manche tun das. Viele tun es nicht. Alle diese Organisationen können und sollten Verbesserungen anstreben.

Beziehungen

Die größte Stärke von Kinder-Patenschaftsprogrammen sind wahrscheinlich die Beziehungen, die dadurch entstehen. Wir im materialistischen Westen sind plötzlich durch eine Beziehung mit jemandem aus einem wirklich bedürftigen Teil der Welt verbunden. Diese Beziehung kostet Geld und daran ist nichts auszusetzen. Nur durch Beziehungen wird die Liebe Christi leibhaftig; das passiert nicht, wenn einfach nur Geld für ein Problem verwendet wird.

Kinder-Patenschaftsprogramme verbinden Kulturen auf eine Art, die in jeder anderen Form des Gebens sehr selten geschieht. Bedenke den großen Unterschied dieser beiden folgenden Gebete, ein allgemeines, und eines, das auf einer persönlichen Beziehung basiert:

  1. Lieber Herr, ich weiß, dass es da draußen hungrige Menschen gibt. Also nimm meine Gabe – diesen Scheck, den ich schreibe – und benutze sie irgendwo für irgendjemanden, der sie braucht. Ich vertraue deinem Willen. Amen.
  • Lieber Herr, ich bete für Marium. Danke, dass sie jetzt in die Schule gehen kann und danke für die Rolle, die ich dabei spielen durfte. Danke, dass sie abends nicht mehr hungrig ist und dafür, dass sie nicht ins Krankenhaus eingewiesen werden musste in den zwei Jahren, in denen ich in ihr Leben involviert sein durfte. Danke, Gott, für dieses schöne Bild auf meinem Kühlschrank, das sie selbst gemalt hat und für die lieben Dankesworte. Gott, danke, dass du mich ein Teil ihres Lebens sein lässt. Danke, dass ich die Möglichkeit habe diesen Scheck und diesen Brief diesen Monat zu schreiben. Amen.

Und auf Mariums Seite ist es dasselbe. Sie sieht, dass das Geld nicht von einer Organisation kommt, sondern von einer Person, die schreibt, betet und für ihre Bedürfnisse im Namen Christi gibt.

Es ist wahr, ein großer Anteil der 30 Dollar im Monat wird dazu verwendet, dass die Beziehung aufrechterhalten werden kann. Aber es ist es wert für die Beziehung zu zahlen.

Verantwortlichkeit

Die meisten bekannten Organisationen, die in Patenschaftsprogramme involviert sind, geben Geld in einer verantwortlichen Art und Weise. Eine gute Organisation sollte bezüglich der Kostenaufschlüsselung offen sein und dir mitteilen, wie viel deiner 30 Dollar pro Monat für Essen, Bildung, Entwicklung der Gemeinde und Gesundheitsversorgung verwendet werden und sie sollte dich fortlaufend darüber informieren.

Du solltest dich nach diesen Dingen erkundigen. Du bist der Verwalter deines Geldes. Wenn eine Organisation deine Fragen nicht beantworten will oder kann, solltest du ihr nichts geben. Es könnte sein, dass sie verlegen oder beschämt darüber sind, wie das Geld verwendet wird, oder es kann einfach bedeuten, dass sie nicht gut genug organisiert sind, um zu wissen, wie das Geld verwendet wird. In jedem Fall ist es wahrscheinlich keine gute Investition. Kümmere dich darum und überzeuge dich, ob du mit der Art einverstanden bist, wie dein Geld verteilt wird.

Eigenständigkeit

Ich habe festgestellt, dass viele Partnerschaftsprogramme in diesem Bereich keine gute Arbeit leisten. Erinnere dich daran, dass wir ein System der Abhängigkeit schaffen, wenn es nicht das Ziel ist finanzielle Eigenständigkeit zu fördern und dieses Kind zu befähigen, dass es im Kontext seiner lokalen Gemeinschaft versorgt werden kann. Wir müssen uns erinnern, dass es keine Garantie gibt, dass die Organisation, durch die du entscheidest zu geben, fähig sein wird unbegrenzt lange zu geben. Sie könnte aufgefordert werden, das Land morgen zu verlassen. Wenn das der Fall ist und wenn das Geld, das du gegeben hast, keine nachhaltige Veränderung gebracht hat, geht es dem Kind danach nicht besser als es ihm ging, bevor du angefangen hast zu geben.

Vor kurzem habe ich mit einem Mann über genau diese Sache geredet. Der politische Wind drehte und ein Patenschaftsprogramm musste abrupt beendet werden. Die Familien hatten sich daran gewöhnt sich völlig auf diese Hilfe von außen zu verlassen und daher waren sie schlechter darauf vorbereitet das Leben zu bewältigen (eigene Lebensmittel anzubauen und eigenes Geld zu verdienen) als die, die keine Hilfe erhalten hatten. Ist das die beste Verwaltung des Geldes, dass die, die es erhalten haben schlechter ausgerüstet waren, das Leben zu bewältigen als die, die kein Geld erhalten haben?

Auf der anderen Seite gibt es Patenschaftsprogramme, die jene fördern und ausbilden, denen es an den Grundlagen fehlt sich selbst zu versorgen. Diese Patenschaftsprogramme stellen eine Infrastruktur zur Verfügung, die helfen kann die Belastung der Gesellschaft ganzheitlich zu unterstützen – auch nachdem die Quelle des Geldes von außen versiegt. Das einzige Problem mit dieser stärkenden und nachhaltigen Art von Aufbau ist, dass es von Seiten der Organisation erheblich mehr Arbeit und Nachdenken braucht. Es ist viel einfacher sich zu beteiligen, indem man für Nahrung sorgt und für die Schule zahlt, als dass man es wirklich schafft, dass die lokale Gemeinschaft zusammenarbeitet, sodass sie ihr eigenes Gewicht tragen kann.

Die Kosten können groß sein, wenn man das nicht in richtiger Weise macht. Sich einfach einzuschalten und alles für sie zu machen, indem man alles finanziell sichert, wird ziemlich sicher garantieren, dass sie nie lernen werden alle diese Dinge selbst zu bewältigen.

Wenn wir wirklich nicht solch ein lähmendes Verhalten fördern wollen, das schlechte Systeme kreiert, die eine Abhängigkeit von unserer Großzügigkeit schaffen, , müssen wir diesen Organisationen folgende direkte Fragen stellen:

  • Wie will dieses Programm den Kindern helfen aus einem Kreislauf der Abhängigkeit herauszukommen?
  • Wie will es Arbeit fördern?
  • Wie wahrt es die Verantwortung der Eltern, sich um ihre Familie zu kümmern und die Verantwortung der Gesellschaft?
  • Welchen Zeitrahmen veranschlagt die Organisation, dass die lokale Gemeinschaft auf ihren eigenen Füßen stehen kann, sodass in dem bestimmten Dorf keine Unterstützung mehr benötigt wird?

In den Vereinigten Staaten hat die Sozialhilfe Geld für arbeitslose ledige Mütter zur Verfügung gestellt. An der Oberfläche wirkte das gut, denn sie brauchten Hilfe. Aber dieses Vorgehen verkündete folgende Botschaft: Wir, die Regierung, werden dich bezahlen, wenn du Kinder ohne einen Ehemann hast, aber wir werden nicht zahlen, wenn du einen Ehemann hast. Wir werden zahlen, wenn du nicht arbeitest, aber wir werden nicht zahlen, wenn du arbeitest.

Diese Politik vermittelt eine Botschaft, die die Macht hat zu zerstören. Frauen werden genau genommen dafür bezahlt ihre Männer zu verlassen, andere, um ihre Arbeit zu verlassen. Das war die Botschaft, die gehört wurde.

Infolgedessen haben viele Frauen ihre Männer weggeschickt und sich von ihnen scheiden lassen, damit sie Geld erhalten. Weil die Regierung diese Rolle einnahm, wurde der Ehemann für die Versorgung nicht mehr benötigt. Frauen waren nicht mehr motiviert zu arbeiten, weil sie ihre Unterstützung verloren, sobald sie zu arbeiten begannen.

Der gesellschaftliche Schaden, der in den Vereinigten Staaten durch das Bestärken des „fehlenden Vaters“ und durch das Bestärken einer lustlosen Arbeitsmoral angerichtet wurde, ist um vieles größer, als wir wahrscheinlich je wissen werden. Diese Regelung hat an den Grundfesten unserer Gesellschaft gerüttelt und hat ein soziales Schlamassel hinterlassen.

Ich habe Christen gehört, die gegen das Sozialsystem hier in den Vereinigten Staaten schimpfen und darüber, wie es ein System geschaffen hat, das schlechtes und die Gesellschaft schädigendes Verhalten belohnt. Ich habe noch keinen Christen getroffen, der auch nur angedeutet hätte, dass das eine gute Sache ist. Sogar die, die einst Befürworter dieses Sozialsystems waren, haben jetzt versucht es zu reformieren. Aber tragischerweise folgen viele Patenschaftsprogramme demselben unbewährten Muster.

Stell dir folgendes Szenario für ein Patenschaftsprogramm vor, dessen Zielgruppe Witwen und Waisen sind. Die Botschaft, die hinausgeht, ist diese: Wenn du eine Witwe bist, kann dein Kind gesponsert werden; wenn du einen Mann hast, ist das für dein Kind nicht möglich. Die, die einen Mann haben, sehen wie die Kinder der Witwe gesund sind und mit ausländischen Dollars gut genährt werden und der Ehemann sieht dasselbe. Kann man dem Mann einen Vorwurf machen, wenn er die Familie verlässt, oder der Frau, wenn sie ihn fortschickt?

Du magst denken, dass das nicht passiert, aber es geschieht immer wieder und das auf vielen Ebenen. Wenn ein „Gratis-Mahlzeit-Ticket“ kommt und in irgendeiner Form weitergeführt wird, wird es die lokale Kultur viel kosten. Es wird an ihren elementaren Grundfesten rütteln, genau an dem, was sie in den härtesten Zeiten zusammengehalten hat.

Kürzlich saß ich auf einer Hilfskonferenz gegenüber von Samuel aus Simbabwe. Er sagte: „Ich habe Patenschaftsprogramme kommen sehen und gehört, wie sie Vätern sagten, dass sie nicht länger gebraucht würden.“ Er war wütend.

Als Christen müssen so wir geben, dass die guten kulturellen Grundfesten intakt bleiben und wir müssen so geben, dass das ganze Dorf zusammengeführt wird, damit es auf eigenen Füßen stehen kann. Wir müssen auch christliche Elemente in die Grundfesten einbauen, sodass das Dorf stabil ist und fest zusammenstehen kann. Viele Patenschaftsprogramme schneiden hierbei schlecht ab und schaffen langfristige Schäden. Auch die besten Programme können lernen hierbei besser zu werden, und es ist deine Aufgabe als Geber informiert zu sein und Verbesserungen anzuregen.

Gleichheit und Gerechtigkeit

Ein vielleicht sogar größeres Problem als die Eigenständigkeit der Einheimischen zu erreichen sind die Ungerechtigkeiten, die entstehen können, wenn Zeit, Gedanken und sorgfältige Bemühungen nicht investiert werden, um solche Ungerechtigkeiten zu verhindern, die an den Grundfesten einer Gesellschaft rütteln.

Ein junger Mann von einer Bibelschule bewarb seine neue Organisation und die Arbeit, die sie durch Patenschaftsprogramme machen. Er zeigte ein paar Folien und sagte: „Ihr könnt hier den Unterschied zwischen den Kindern in dem Dorf sehen. Die, die gesponsert werden, sind gesund und die, die nicht gefördert werden, sind dünn und kränklich.“

Auf der einen Seite können diese Worte bedeuten: „Sieh das Gute, das wir tun.“ Aber auf der anderen Seite bedeuten sie gleichzeitig: „Sieh die Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die wir in diesem Dorf schaffen.“

Wir müssen uns mit dieser Frage beschäftigen: „Welcher Schaden wird den Grundfesten dieser Dorfgemeinschaft durch solche Patenschaften zugefügt, die ein Kind auswählen und das andere nicht? Was werden die Langzeitauswirkungen davon sein?“

Wie es hier in den Vereinigten Staaten vor unseren Augen geschah, kann der Schaden auf lange Sicht tatsächlich größer sein als das Gute. Wenn diese Frage nicht beantwortet wurde und kein Versuch der Beantwortung stattzufinden scheint, wenn alles, was du zur Antwort bekommst, ist: „Wir müssen warten und mal sehen!“, dann solltest du wahrscheinlich über diese Organisation kein Kind fördern.

Ein besserer Weg der Unterstützung

Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu vermeiden ist keine einfache Aufgabe, aber es ist keine Frage, dass es das Beste ist mit der Gemeinschaft als Ganzes zu arbeiten, als Einzelne für eine Förderung herauszugreifen.

Leider ist es nicht so persönlich ein ganzes Dorf zu fördern als ein Kind. Es fühlt sich nicht gleich an. Vor kurzem war ich bei einem Treffen mit einer Hilfsorganisation, die mit unserer Gemeinde zusammenarbeitet, weil wir einige sehr bedürftige Orte in Afrika unterstützen. In ihrer Geschichte hat diese Organisation keine Patenschaftsprogramme durchgeführt wegen der Ungerechtigkeit, die diese fast immer schaffen und wegen den sozialen Problemen, die daraus folgen. Aber diese Organisation erkennt auch die Möglichkeiten an, die solche Programme im Herbeiführen von Beziehungen zwischen Kulturen haben.

Wir haben Ideen für mögliche Lösungskonzepte gesammelt. Eine Idee ist, ein komplettes Dorf und Projekte, die Gesundheit und Bildungsverbesserungen beinhalten, finanziell zu unterstützen. Aber dann fördert man zusätzlich eine Familie in diesem Dorf mit Gebet und Ermutigung. Während das ganze Dorf lernt zusammenzuarbeiten, um füreinander zu sorgen, sind sie alle in Kontakt mit einer Familie, die individuell für sie betet, indem sie Briefe schreiben und Bilder schicken. Diese Lösung arbeitet auf Eigenständigkeit hin und macht Gleichheit zur Priorität.

Alle Patenschaftsprogramme müssen verantwortlich handeln und sollten nicht einfach in eine Kultur hineinplatzen und diese auseinanderreißen, indem sie dasselbe Sozialsystem exportieren, von dem wir wissen, dass es in den Vereinigten Staaten nicht funktioniert. Wir müssen es richtig machen. Wir haben eine Pflicht vor Gott Gemeinschaften und Familien zu helfen, dass sie zusammenbleiben und näher zueinander wachsen. Wenn wir als Christen fortfahren, dieselbe unverantwortliche Praxis in andere Kulturen zu übertragen, werden wir dann nicht zur Verantwortung dafür gezogen werden?

Damit wir weise investieren, müssen wir diese Patenschaftsprogramme gut unter die Lupe nehmen. Stelle die Fragen. Gib dein Geld an Organisationen, die verantwortlich arbeiten. Gib dich nicht mit weniger zufrieden. Schließlich investierst du ja Sein Geld.