Gemeinde & Mission

Das Mahl des Herrn

von Lewis Johnson

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DAS MAHL DES HERRN

Von S. Lewis Johnson Jr.

Dr. S. Lewis Johnson ist ein begabter Bibellehrer in der Believers Bible Chapel in Dallas, Texas.

Das erste Passah

Bibeltext: 2. Mose 12,1-13
Einführung
Der Herr hat der Gemeinde zwei Rituale anvertraut, die sie bis zu seiner Wiederkunft beobachten soll. Zum einen hat er die christliche Taufe angeordnet. Sie betont den Anfang der Zugehörigkeit zur Gemeinde, dem Leib Christi (vgl. 1Kor 12,12-13). Zum anderen setzte er das Herrenmahl ein, wodurch das andauernde Leben im Leib betont wird.

Beides sind Symbole, die wichtige Tatsachen des christlichen Glaubens verdeutlichen, und die überall für die Gläubigen verpflichtend sind. Sie könnten auch von anderen kaum verstanden werden. Wenn jemand, der niemals etwas vom Glauben wusste, zufällig zu einer Taufe kommt, besonders wenn sie an einem Fluss oder See stattfindet, würde er wohl schwer etwas anderes darin sehen als ein Schwimmfest oder ein Spiel. Und wenn jemand der keine Ahnung vom christlichen Glauben hat zu einem Abendmahl kommt, würde er es für nichts anderes halten als ein gemeinsames Essen. Wahrscheinlich würde er sich aber wundern, wie wenig die einzelnen Leute dabei Essen und Trinken. Die Symbole werden aber von denen verstanden, die eine Vorstellung vom Glauben haben, also hauptsächlich von Gläubigen. Die volle Bedeutung ist nur den Gläubigen klar.

Die römisch katholische Kirche behauptet, dass es fünf weitere Sakramente gibt: Ordination, Firmung, Ehe, Krankensalbung und Beichte. Aber die Evangelikalen haben sich geweigert diese Sakramente anzunehmen, weil sie nicht aus der Bibel begründet sind.

Im Neuen Testament und im allgemeinen Sprachgebrauch werden verschiedene Ausdrücke benutzt, um das Mahl des Herrn zu bezeichnen. Dazu gehören „Gemeinschaft“ (vgl. 1Kor 10,16), „Tisch des Herrn“ (1Kor 10, 21), „Abendmahl“ (vgl. 1Kor 11,23), „Gedächtnismahl“ (1Kor 11,24) oder „Brotbrechen“ (Apg 2,42). Vielleicht ist der verbreitetste Ausdruck „Mahl des Herrn“. Damit wird betont, dass der Herr der Gastgeber ist, und wir, die Gläubigen als Gäste eingeladen sind.

Das Mahl des Herrn sollte der Höhepunkt des gemeinsamen Gottesdienstes sein. Wenn Lukas über die Zusammenkunft in Troas auf der dritten Missionsreise spricht, sagt er: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren um Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, indem er am folgenden Tag abreisen wollte, und er verzog das Wort bis Mitternacht“ (Apg 20,7). Aus diesem Abschnitt wird deutlich, dass der Hauptzweck der Zusammenkunft nicht die Predigt von Paulus war, obwohl sie wichtig war. Das wichtigste war das Mahl des Herrn. Heute neigen wir dazu, das umzudrehen und die Predigt zum wichtigsten Teil des Gottesdienstes zu machen. Wir sollten auch beachten, dass Paulus und seine Freunde sieben Tage in Troas warteten, um mit den Geschwistern das Mahl zu feiern. Offensichtlich hielt Paulus das für wichtig. Das ist auch ganz anders als in der heutigen Gemeindepraxis, wo das Mahl des Herrn nur monatlich oder vierteljährlich gehalten wird. Aber es ist der einzige Teil des Gottesdienstes, wozu der Herr konkrete Anweisungen gegeben hat. Er hält es für eine wichtige Angelegenheit, und wir können es nur bedauern, dass es in unseren Gemeinden vernachlässigt wird.

Die Wurzeln des Abendmahls gehen zurück bis ins Alte Testament, wo wir im Passah eine ähnliche Feier finden. Das Passah war eine Gedächtnisfeier für eine physische Rettung durch ein Opfer. Die Kinder Israel wurden aus der Sklaverei in Ägypten gerettet, durch das Passahlamm, dessen Blut an ihre Türpfosten gestrichen wurde. So entgingen ihre erstgeborenen Söhne dem Tod durch den Racheengel. Das Mahl des Herrn kann wirklich mit dem Passah verglichen werden, denn es ist eine Gedächtnisfeier für eine geistliche Rettung durch das Lamm Gottes. Wir wurden aus der Sklaverei der Sünde gerettet, durch den Herrn Jesus Christus, der für uns am Kreuz von Golgatha starb. Das Passah drückte auch die Erwartung aus, dass in der Zukunft das Lamm Gottes, der Herr Jesus, kommen würde, und das Passah erfüllt. Es wurde gehalten „bis er kommt“. Auch das Mahl des Herrn erwartet eine zukünftige Erfüllung, wenn der Herr Jesus wieder kommt und sein Reich aufrichtet. Es wird auch gefeiert „bis er kommt.“ Die Parallele ist deutlich, und wir können erkennen, wie passend es ist, eine Betrachtung über das Mahl des Herrn mit einem Rückblick auf das Passah in Israel zu beginnen. Wir wollen zuerst den Hintergrund ansehen.
Die Vorbereitung eines Retters
Die Geburt von Mose: übernatürliche Bewahrung (2Mo 2,1-10). Die Parallele im Leben von Mose mit dem Leben des Herrn Jesus wird von Stephanus in seiner Rede vor dem Hohen Rat herausgestellt (Apg 7,35-37). Beide waren Retter, und Stephanus erkennt deutlich, dass Mose einiges mit dem größten Erlöser, dem Herrn selbst, gemeinsam hat. Die Geburt und übernatürliche Bewahrung von Mose wird in 2Mo 2,1-10 beschrieben. Dort sehen wir auch den Glauben seiner Eltern (vgl Heb 11,23). Es ist ein ermutigender Bericht, wie unwichtige Sklaven in Ägypten zu wichtigen Personen werden (vgl. 2Mo 6,20; 1Kor 12,12-27). Auf dem Kind Mose ruht die göttliche Gunst und durch Gottes Vorsehung wird Mose um Hof des großen Weltherrschers, des Pharao, erzogen. Auf diese Weise erhielt er eine wertvolle Ausbildung, die Vorbereitung für sein Lebenswerk. Es ist wirklich ein großartiges Beispiel von Gottes Vorsehung, dass Mose in der Familie des reichen und mächtigen Königs erzogen wird, wo er die beste Ausbildung erhielt und Erfahrung als Leiter machen konnte. Dabei wurde er von seiner eigenen Mutter gepflegt, ganz anders als es der Herrscher befohlen hatte (2Mo 1,22). Auch das war ein Wunder und zeigt Gottes Macht.

Die Vorbereitung von Mose (2Mo 2,11-15). Es gab zwei Abschnitte von Mose Vorbereitung für seine Aufgabe als Retter. Der erste könnte die Vorbereitung in Ägypten genannt werden, denn Mose wurde im Haus des Pharao erzogen. „Und Moses wurde unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter; er war aber mächtig in seinen Worten und Werken“ (Apg 7,22). Es scheint deshalb, dass Mose hervorragend ausgebildet war in Philosophie, Naturwissenschaft, Politik und Staatsführung. Einige meinen sogar, dass der Ausdruck „mächtig in … Werken“ auf militärischen Ruhm hindeutet. Josephus schreibt, dass die Äthiopier in Ägypten einmarschierten, als Mose noch ein relativ junger Mann war. Sie vernichteten die ägyptische Armee, die gegen sie entsandt wurde. Dann bedrohten sie Memphis, und in der folgenden Panik befragten die Generäle die Orakel. Auf ihre Empfehlung wurde Mose mit dem Oberbefehl über die königlichen Truppen betraut. Er zog in den Kampf, überraschte die Äthiopier, schlug sie und nahm ihre Hauptstadt Meroe ein. Er kam als Held nach Ägypten zurück, beladen mit der Siegesbeute.

Aber all das gab Mose auf, um sich zum Volk Gottes zu stellen. Im Hebräerbrief wird es so ausgedrückt: „Durch Glauben weigerte sich Moses, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, und wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“ (Heb 11,24-26). Was er zurück lies war weit mehr und viel bedeutender als das, was wir hinter uns lassen.

Den zweiten Abschnitt von Mose Ausbildung könnten wir die Ausbildung in der Wüste nennen. Denn Mose musste später auf die andere Seite der Wüste fliehen und vierzig Jahre dort bleiben, bis er seine Aufgabe als Retter beginnen konnte. Bibellehrer haben oft darauf hingewiesen, dass Mose Leben von 120 Jahren in drei Perioden zerfällt. An den ersten vierzig Jahren lernen wir, dass Gott nichts bewirken kann durch einen Mann, der versucht etwas zu sein. In den zweiten vierzig Jahren, in der Wüste, lernen wir, dass Gott nichts tun kann für einen Mann, der versucht, ein Niemand zu sein. In den letzten vierzig Jahren lernen wir, was Gott durch einen Mann bewirken kann, der die ersten beiden Lektionen gelernt hat.

Die Berufung von Mose (2Mo 3,1-4,31). Der Bericht von Mose Berufung durch den Herrn, als er im Dornbusch erschien, ist gut bekannt. Ihm wird gesagt: „Gehe hin und versammle die Ältesten Israels und sprich zu ihnen: Der Herr, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und hat gesagt: Angesehen habe ich euch und was euch in Ägypten geschehen ist, und ich habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägyptens heraufführen in das Land der Kanaaniter und der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter, in ein Land, das von Milch und Honig fließt. Und sie werden auf deine Stimme hören; und du sollst hineingehen, du und die Ältesten Israels, zu dem König von Ägypten, und ihr sollt zu ihm sagen: Der Herr, der Gott der Hebräer, ist uns begegnet; und nun lass uns doch drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen, dass wir dem Herrn, unserem Gott, opfern“ (2Mo 3,16-18).
Die Kampf mit dem Pharao
So begann der Kampf. Wir haben hier nicht den Platz, um den Kampf zu erläutern, den Mose mit dem Pharao für die Isareliten führte. Wir wissen, dass Mose den Pharao besiegte, indem er durch die Kraft Gottes 13 Wunder vollbrachte. Diese Wunder waren Gerichte, die über die Ägypter hereinbrachen.

Dieser Kampf ist eine biblische Illustration von dem Sieg des Herrn Jesus Christus über das Reich Satans. Pharao ist dabei ein Beispiel von Satans Wiederstand gegen den Willen Gottes um sein Volk zu retten. Man wird an all die Abschnitte im Neuen Testament erinnert, die von dem Kampf zwischen dem Herrn Jesus und dem Teufel handeln (vgl Kol 2,15; Heb 2,14-15; 1Joh 3,8; Mk 12,29). Durch seinen Tod am Kreuz befreite der Herr die Menschen, die von Satan durch Sünde und Todesfurcht in Knechtschaft gehalten wurden. Dabei wurde der Starke gebunden, und das Volk Gottes wurde befreit.

Der Höhepunkt der Gerichte trat ein, als das Passah gefeiert wurde und die Erstgeborenen Söhne in den Familien starben, die nicht durch das Blut an den Türpfosten vor dem Engel des Verderbens geschützt wurden. Als Ergebnis beschlossen die Ägypter schließlich, dass die Isareliten ziehen dürfen. Der Pharao sagte: „Macht euch auf, zieht weg aus der Mitte meines Volkes, sowohl ihr als auch die Kinder Israel, und geht hin, dient dem Herrn, wie ihr geredet habt; auch euer Kleinvieh und eure Rinder nehmt mit, so wie ihr geredet habt, und geht hin und segnet mich auch!“ Als Mose das später aufschrieb, fügte er hinzu: „Und die Ägypter drängten das Volk, sie eilends aus dem Lande ziehen zu lassen; denn sie sagten: Wir alle sind des Todes!“ (2Mo 12,31-33).

Das Ritual zu Israels Rettung

Die Beschreibung des Lammes (2. Mo 12,1-10)

Die Worte über das Passahlamm entwerfen ein wunderbares Bild vom Herrn Jesus als Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt. Oder, wie Paulus es beschreibt: „…. auch Christus, unser Passah, ist geschlachtet“ (1. Kor 5,7). Diese Zeremonie war für Israel der Beginn des Jahres, so wie die Erlösung durch ein Lamm für uns der Beginn des neuen Lebens ist. Auf diesem großartigen Vorbild für die Leiden des Messias und der folgenden Rettung basieren alle biblischen Bilder des Lammes als Tier für die Rettung durch ein Opfer (vgl. Jes 52,13 – 53,12; Joh 1,29; 1. Petr 1,18-19; Offb 5,1-4 u.v.a.).

Wir werden uns nur mit einigen der deutlichsten Einzelheiten dieses Vorbilds auseinander setzen. Zuerst einmal sollte das Lamm Gottes „ohne Fehl“ sein. Dieser Ausdruck wird später benutzt, um die Sündlosigkeit des Herrn Jesus zu betonen (vgl. 1. Petr 1,18.19).

Nur der sündlose Sohn Gottes kann ein wirkungsvolles Opfer für andere Menschen sein. Sonst hätte er ja für seine eigenen Sünden sterben müssen. Aber der Herr Jesus war ohne Sünde und deswegen auf menschlicher Ebene geeignet, für unsere Sünden zu sterben. Außerdem muss sein Opfer einen unermesslichen Wert haben, der daher rührt, dass er nicht nur wirklich Mensch war, sondern auch wirklich Gott.

Das Lamm sollte vom Tag seiner Auswahl an bei der Familie gehalten werden, vom zehnten bis zum vierzehnten Tag. Offensichtlich konnte diese dadurch sicher sein, dass es wirklich ohne Fehl war. Diese Zeitspanne erinnert uns an das Leben des Herrn auf der Erde, wodurch seine Sündlosigkeit und seine Qualifikation für sein Werk als Retter deutlich wurden. Bei seiner Taufe wurde er von Gott bestätigt, dessen Stimme vom Himmel gehört wurde: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Außerdem haben Menschen bestätigt, dass er charakterlich ohne Fehl war. Pilatus sagte: „Ich finde keine Schuld an ihm“ (Joh 18,38). Der sterbende Verbrecher sagte über ihn zu seinem Kumpanen: „Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan“ (Lk 23,40-41). Sogar Judas sagte: „Ich habe gesündigt, indem ich schuldloses Blut überliefert habe“ (Mt 27,4). Und um das Maß voll zu machen, schrien die Dämonen: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.“ (Mk 1,24).

Und schließlich wollen wir noch einen Punkt festhalten. Die Kinder Israels sollten das Lamm am Abend „töten“ (vgl. Mt 16,21). Man wird nicht durch das vorbildliche Leben Jesu gerettet, sondern durch seinen Tod. Ohne Blutvergießen können wir kein geistliches Leben erhalten (vgl. Hebr 9,22).

Die Rettung durch den Herrn (2. Mo 12,12-13).

In Vers zwölf und dreizehn erfährt Mose vom Herrn, was dieser zur Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei unternehmen würde. Er informierte Mose, dass er durch Ägypten gehen und dabei alle Erstgeburt des Landes töten würde, Menschen und Vieh. Das würde ein Gericht sein gegen alle Götter Ägyptens und gegen das Volk. In jeder Familie würde es Tote geben (Vers 30) – entweder den Tod des Erstgeborenen oder den Tod eines Lammes. Was für eine bedeutungsvolle Tatsache! Das geistliche Gegenstück von diesem Ereignis ist deutlich. Wegen der Sünde müssen alle sterben. Und es sterben tatsächlich alle. Entweder sterben sie in ihren Sünden unter dem Gericht Gottes, oder sie sterben in der Person ihres Stellvertreters, des Herrn Jesus Christus. Die Verlorenen sterben in ihren Sünden, die Geretteten sterben in ihrem Stellvertreter. Und weil sie in ihrem Stellvertreter gestorben sind, liegt keine weitere Anklage des Himmels gegen sie vor. Sie sind für immer frei. Welch wunderbare Rettung wir erleben, die Gnade sorgte für einen Stellvertreter! Ihm soll unsere Dankbarkeit und unser Liebesdienst für immer gelten.

Im Vers 13 erinnert Gott Mose daran, was er tun wird, nachdem das Blut an die Pfosten gestrichen wurde: „Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage.“ Das Wort „Vorübergehen“ bedeutet nicht, dass etwas ausgelassen wird, sondern dass jemand unter Schutz gestellt wird. Es ist nicht so, dass der Herr die Häuser auslässt, die das Blut haben und die anderen nicht. Das hebräische Wort Pasach ist nicht leicht zu erklären, weil es selten benutzt wird. Manchmal wurde es mit hinken übersetzt (1. Kö 18,21) oder mit überspringen. Ich denke, dass der Schlüssel für die Bedeutung in Jesaja 31,5 zu finden ist. Dort geht es um den Schutz Gottes für Jerusalem. Er wird mit einem Vogel verglichen, der schützend und mit ausgebreiteten Flügeln über dem Nest seiner Jungen steht. Dieser Gedanke wird in Vers 23 noch deutlicher, wo wir lesen: „Und der Herr wird hindurchgehen, die Ägypter zu schlagen; und sieht er das Blut an der Oberschwelle und an den beiden Pfosten, so wird Jehova an der Tür vorübergehen und wird dem Verderber nicht erlauben, in eure Häuser zu kommen, um zu schlagen.“ Weil der Verderber unter Gottes Macht steht, konnte er nicht in die Häuser eintreten, die unter der schützenden Hand Gottes waren. Das erinnert uns an die Worte von Petrus im selben Kapitel, in dem er auch über das Lamm ohne Fehl schreibt. Er redet zu uns, „die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden“ (1. Petr 1,5). 1

Hier werden einige wichtige geistliche Wahrheiten illustriert. Zuerst einmal ist es klar, dass die Sicherheit der Israeliten vom Blut abhängig war, das vergossen und an die Pfosten gestrichen worden war. Sie hing nicht von dem Bewusstsein ihrer Schuld ab, auch nicht von ihrem Charakter und auch nicht von irgendwelchen geistlichen Erfahrungen. Es kam auf das Blut an. Wenn das Blut am richtigen Platz war, waren sie sicher. Auch unsere geistliche Rettung hängt allein vom Blut am Kreuz ab. Wenn dieses Blut auf die Pfosten unserer Herzen gestrichen ist, sind wir so sicher wie ein Prophet oder ein Apostel. Das Blut am Kreuz ist die Grundlage unserer Rettung.

Außerdem gründete sich die Gewissheit ihrer Rettung auf Gottes Wort. Denn Gott hatte versprochen, dass er an ihnen vorübergehen würde, wenn sie das Blut an die Türen streichen würden. Also beruhte ihre Rettung auf dem Blut, und die Gewissheit ihrer Rettung beruhte auf der Treue Gottes, dass er zu seinem Wort stehen würde. Durch Vertrauen hatten sie Gewissheit. Natürlich ist es möglich, dass einige zwar das Blut an die Türen gestrichen hatten, aber immer noch voller Angst waren. Aber ihre Sicherheit hing nicht von ihren Gefühlen ab, sondern einfach von dem Blut, das auf den Pfosten war. Genauso ist es bei unserer Rettung. Unsere Rettung beruht auf dem Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde. Aber die Gewissheit unserer Rettung hängt davon ab, ob wir dem Wort Gottes vertrauen.

Die Pflicht des Volkes (2. Mo 12,21-23)

Die Pflicht des Volkes ist in den Worten von Vers 22 zusammengefasst: „…streicht von dem Blut, das in dem Becken ist, an die Oberschwelle und an die beiden Pfosten.“ Diese Handlung entspricht dem Glaubensschritt bei der Rettung im Neuen Testament. Dadurch wird das Blut auf unsere Herzen angewendet.

Zusammenfassung

Das ist also der Ursprung vom Mahl des Herrn, denn es kam aus dem Passahmahl. Das Passah war die Feier zur großen Rettung vor dem Pharao und Ägypten. Das Mahl des Herrn ist die Feier zur großen Rettung vor Satan und der Sklaverei der Sünde, vor Schuld und Bestrafung.

Für die Rettung waren zwei Dinge wichtig. Zum einen brauchte man eine Botschaft von Gott. Es war die Botschaft von der Rettung durch Blut. Das Blut war das Mittel, das Gott zu Rettung bereitstellte. Zu unserer Zeit ist das die Botschaft über den Herrn Jesus Christus, dass er sein Blut zur Erlösung am Kreuz vergossen hat.

Außerdem musste diese Botschaft geglaubt und angewendet werden. Die Israeliten mussten Mose glauben und das Blut auf ihre Türpfosten streichen. Die Rettung kam nicht durch das Lamm, auch nicht durch das Blut des Lammes. Das Blut musste auf die Türpfosten gestrichen werden. So ist es heute möglich, dass jemand glaubt, dass der Herr Jesus der Erlöser ist, aber das rettet ihn noch nicht. Es ist möglich, dass man glaubt, dass sein Blut zur Rettung vergossen wurde, aber das rettet auch nicht. Der rettende Glaube beinhaltet die Tatsachen, dass der Herr das Lamm Gottes ist, dass sein Blut für Sünder vergossen wurde und dass sein Blut für mich vergossen wurde. Dieser Glaube beruht auf dem Vertrauen auf die Rettung durch den Verdienst von Gottes Opferlamm und nicht auf irgendwelchen menschlichen Leistungen. Möge der Herr uns die Augen öffnen und helfen zu erkennen, was das bedeutet:

Es floss für mich, dies teure Blut,

das glaub´ und fasse ich!

Es macht auch meinen Schaden gut;

Denn Christus starb für mich!

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Fußnote 1: Vgl. R. Alan Cole, Exodus: An Introduction and Commentary, London: The Tyndale Press, 1973, Seiten 108, 110; Edward J. Young, The Book of Isaiah, Grand Rapids: William B. Eerdmans Publishing Company, 1969, II 378-379.


Das letzte Passah
Bibeltext: Markus 14,12-21
Einleitung
Der Apostel Paulus schrieb: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet.“ Damit hat er für immer die letztendliche Bedeutung der vielen Passahfeste festgelegt, die in Israel in all den Jahrhunderten gefeiert wurden. Es waren geistliche Zeremonien, die auf das Lamm Gottes hinweisen sollten, das die Sünde der Welt wegnimmt. Eine Abhandlung über das Passah, die das übersieht, zeigt nicht die tiefe Wahrheit hinter der alten Zeremonie. Das sollten wir im Auge behalten, wenn wir unser Studium über das Mahl des Herrn fortsetzen.

In unserer letzten Betrachtung haben wir das erste Passah angesehen, und heute wollen wir das letzte (gültige) Passah behandeln. Es ist klar, dass dies das letzte von Gott angeordnete Passah war, denn die Zeremonie wurde im Tod des Herrn Jesus erfüllt. Das ist die Bedeutung der Worte des Paulus aus 1Kor 5,7, die oben zitiert wurden.

In Verbindung mit dem Zeitpunkt, zu dem das letzte Passah gefeiert wurde, gibt es eine interessante Frage. Viele Gelehrte behaupten, dass die Chronologie der ersten drei Evangelien und die von Johannes nicht übereinstimmen. Die Synoptiker betrachten das letzte Passah als ein Passahmahl, während Johannes anscheinend meint, dass die Kreuzigung an dem Tag stattfand, an welchem das Passah gegessen wurde. Es sind viele Versuche unternommen worden, um beide Berichte in Einklang zu bringen, und wahrscheinlich ist keiner davon befriedigend. Dabei ist es gar nicht sicher, ob es zwischen den Berichten überhaupt einen Widerspruch gibt, wie Tasker gezeigt hat.[i] Es gibt verschiedene Hinweise, dass es zur Zeit des Herrn Jesus einen Streit gab, an welchem Tag das Passah gefeiert werden sollte. Nach dieser Ansicht feierten die Pharisäer das Passah zu Recht am Donnerstagabend, während die Sadduzäer ihr Passah am Freitag, dem Tag der Kreuzigung feierten. Die offiziellen Führer sollen das Letztere befürwortet haben. Es gibt viele Schwierigkeiten und Fragen zu diesem Problem, und eine Vielzahl von Erklärungen wurde angeboten. Vor kurzem hat I. Howard Marshall in einem Buch zuerst eine lange Darlegung der Argumente gebracht, und dann fasste er das Ergebnis folgendermaßen zusammen: „Wir kommen zu dem Schluss, dass Jesus das Passah vor dem offiziellem jüdischen Termin gefeiert hat. Das war durch die Streitigkeiten über den Kalender möglich, die es unter den Juden gab.“[ii] Wenn das wirklich mit den Ereignissen übereinstimmt, gäbe es eine bemerkenswerte Erfüllung der alttestamentlichen Anweisung. Denn genau zu der Zeit, als das Passahlamm geschlachtet werden sollte, wurde der Herr gekreuzigt. Auf diese Weise war er in seinem Tod das Passahlamm, und die Führer erfüllten ironischerweise die Schrift, als sie ihn umbrachten! Darin erfüllte sich auch das Wort „Denn selbst der Grimm des Menschen wird dich preisen“ (Ps 76,11).[iii]

Die beiden Hauptpersonen am Anfang des Berichtes sind Jesus und Judas. Dabei äußert der Herr in der Unterhaltung mit Judas einen seiner bedeutungsvollsten Sätze, als er ernst erklärt: „Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre“ (Mt 26,24; vgl. Mk 14,21). Diese Aussage ist von tiefer theologischer Bedeutung, denn sie bestätigt die Souveränität Gottes, die Verantwortung des Menschen und die ewige Verdammnis für die, die niemals Buße tun. Das ist in unserer Zeit wichtig, denn die Lehre von der Souveränität Gottes und von der ewigen Strafe werden verwässert, sogar unter denen, die sich zum Herrn Jesus zählen. Aber darüber werden wir später noch mehr sagen.

Einführende Bemerkungen

Die Einrichtung im Neuen Testament. Wir haben uns schon mit den Begriffen für das Mahl des Herrn auseinandergesetzt und haben festgestellt, dass der Ausdruck Mahl des Herrn wahrscheinlich der verbreitetste ist. Es ist deshalb auch ein guter Ausdruck, weil damit betont wird, dass der Herr der Gastgeber ist, und wir die Gäste sind.

Die Wichtigkeit des Mahls des Herrn. Unter den ersten Christen war das Mahl des Herrn der Höhepunkt des gemeinsamen Gottesdienstes der Gemeinde (vgl. Apg 20,7). Als Paulus sich mit der Gemeinde traf, kamen sie zusammen, „um Brot zu brechen“ (Apg 20,7). Es ist der einzige Teil des Gottesdienstes, für den der Herr konkrete Anweisungen hinterlassen hat. Sogar der Ausdruck Essen (deipnon) unterstreicht die Wichtigkeit dieser Einrichtung, denn damit wurde die Hauptmahlzeit des Tages bezeichnet. G. C. Berkower, der bekannteste reformierte Theologe unserer Tage, hat darauf hingewiesen, dass das Mahl des Herrn von großer Bedeutung ist, weil es „eine von Gott angeordnete Einrichtung ist, mit der Gott unseren Glauben stärkt.“[iv] Außerdem hat er betont, dass die Gemeinde durch die Jahrhunderte mit einer Stimme über das Mahl des Herrn geredet hat. Diese Tatsache wird dadurch erklärt, dass „die Schrift mit großer Deutlichkeit über diese Einrichtung spricht.“[v]

Die Ursprünge des Mahls des Herrn. Die Ursprünge des Mahls des Herrn gehen ins Alte Testament zurück, zum Passahfest. Das ist die damalige Parallele von damals, wie die historische Verbindung in unserem Abschnitt andeutet. Zwischen den beiden Einrichtungen gibt es eine deutliche Parallele. Das Passah war eine Erinnerung an die äußerliche Befreiung aus dem Land Ägypten durch ein stellvertretendes Opfer, nämlich das Passahlamm (2Mo 12,1-36). Das Mahl des Herrn ist eine Erinnerung an die geistliche Befreiung aus der Sklaverei der Sünde und aus der Welt, durch das stellvertretende Opfer des Herrn Jesus Christus, die Erfüllung des Passahlammes (1Kor 5,7). Das Passah war ein Hinweis darauf, was in der Zukunft erfüllt werden würde, wenn der Messias das erste Mal erscheinen sollte. Es sollte gefeiert werden, „bis er kommt“ (vgl. 1Kor 11,26). Auch das Mahl des Herrn ist ein Hinweis auf die zukünftige Erfüllung beim zweiten Kommen des Messias. Auch dieses soll gefeiert werden „bis er kommt“ und sein Reich aufrichtet (vgl. Mk 14,25).

Die Vorbereitungen für das Passah

Die Frage der Jünger (Mk 14,12). In dem Abschnitt gibt es drei Teile. Zuerst die Vorbereitungen für das Passah (Verse 12-16; vgl. Mt 26,17-19). Dann die Feier des Passahs (Verse 17-21; Mt 26,20-25). Schließlich die Einsetzung des Mahls des Herrn (Verse 22-25; Mt 26,26-29). Der Bericht des Markus, den wir hier behandeln, gibt mehr Einzelheiten über dieses Ereignis wieder.

Es gibt keine echte Schwierigkeit mit den Worten in Vers 12, wo die Jünger „am ersten Tag der ungesäuerten Brote“ fragen, wo sie das Passah essen sollen. Das Fest der ungesäuerten Brote folgte direkt im Anschluss an das Passah, aber es gibt Beweise dafür, dass der 14. Nisan, der Tag, an dem die Lämmer geschlachtet wurden, schon als „der erste Tag der ungesäuerten Brote“ bezeichnet wurde.[vi]

Die Anweisung des Herrn (Mk 14,13-15). Nach dem Bericht des Lukas waren Petrus und Johannes die beiden Jünger, die Jesus sandte, um den Raum für das Passah vorzubereiten (Lk 22,8). Sie sollten in der Geburtsnacht von Israel durch die ausgelassene Menge und durch die Zelte der Reisenden in die Stadt gehen, und einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trug. Das Besondere an den Worten unseres Herrn ist der Hinweis auf einen Mann, denn normalerweise trugen Frauen das Wasser in Krügen. Im Gegensatz zu den Behauptungen mancher, war das nichts weiter als ein Beispiel des übernatürlichen Wissens unseres Herrn. Durch die Vorsehung Gottes war dieser Mann, nicht eine Frau, zur rechten Zeit am rechten Ort. Schilder erklärt dazu: „Gott bewegt diesen Mann, den er für diesen Zweck vor dem Beginn der Zeit bestimmt hat, dass er zu einer bestimmten Zeit sein Haus verlässt, und dass er zu einer bestimmten Zeit wieder zurückkehrt. Gott bringt ihn dazu, an einer bestimmten Ecke anzuhalten, wo er Petrus und Johannes begegnet. Gott selbst breitet das Tischtuch auf dem Tisch aus, wo der Sohn des Menschen sich niederlegen wird, um das letzte Abendmahl zu feiern“ (Hervorhebung durch mich).[vii]

Dieses Ereignis kann man dem Ereignis in Kapitel 11,2.3 gegenüberstellen, wo zwei Jünger einen Esel holten, auf dem der Herr in Jerusalem einreiten sollte. Hier bittet er, dort befiehlt er. Einmal handelt er als König, einmal als Mittler. Dort zeigt er seinen Reichtum, hier seine Armut. Einmal beansprucht er das Recht auf die königliche Stadt, das andere Mal bekennt er, dass er keinen Platz hat, wo er sein Haupt hinlegt. Dort ist er der Sohn Davids, aber hier ist er der Sohn des Menschen. Zwischen diesen beiden Extremen musste er sein Leben führen. Als er in unsere Welt eintrat, mussten seine Eltern einen Ort suchen, wo er geboren werden konnte, weil das Haus Davids nur noch eine Ruine war. Jetzt, in der Stunde seines Todes bittet er seine Freunde um einen Gefallen. Oder ist es doch eine Forderung, denn er lässt dem Herrn des Hauses ja ausrichten: „der Lehrer sagt“?

Edersheim macht darauf aufmerksam, dass der Herr nur um ein Gastzimmer (kataluma) bat. Das war ein Raum für Gäste, wo die Tiere ihrer Last enthoben wurden, wo die staubigen Kleider und das Gepäck abgelegt wurden (vgl. Lk 2,7). Der Eigentümer würde ihnen aber ein großes Obergemach zeigen (anagaion). Damit bezeichnete man den besten Raum des Hauses. Er fügte hinzu, dass der Raum „mit Polstern belegt und fertig“ sei. So war der große Obersaal für den Gebrauch eines Königs geeignet.[viii] Das Wort „mein“ in Vers 14 (Elberfelder) deutet an, dass der Herr schon vorher etwas mit dem Eigentümer ausgemacht hatte. Die Tradition meint, dass es sich um den Vater von Markus handelte, aber dafür gibt es keine Beweise.

Die Ausführung des Auftrags (Mk 14,16). Dieser kurze Vers enthält den Besuch des Hauses, den Besuch des Tempels um das Lamm zu schlachten und die Rückkehr zum Haus um es dort zuzubereiten.

[1] R. V. G. Tasker, The Gospel according to St. Matthew, Seite 244

[1] I. Howard Marshall, Professor für Neues Testament an der Universität von Aberdeen, Schotland, Last Supper and Lord’s Supper, Grand Rapids 1980, Seite 75.

[1] David Hill, The Gospel ofMatthew, (London, 1972), Seiten 335-337.

[1] G. C. Berouwer, The Sacraments, übersetzt von Hugo Bekker (Grand Rapids, 1969), Seite 188.

[1] Ebenda

[1] C. E. Cranfield, The Gospel according to St. Mark (Cambridge, 1959), Seite 240.

[1] K. Schilder, Christ in His Suffering, übersetzt von Henry Zylstra (Grand Rapids, 1938) Seiten 150-151.

[1] Alfred Edersheim, Teh Life and Tiems of Jesus the Messiah (Grans Rapids, 1953, Neudruck der 3. Auflage von 1886) II, Seite 483-484

Die Feier des Passah

Die Bezeichnung des Verräters (Mk 14,17.18). Hier beginnt der zweite Teil des Berichts. Während unser Passah sich darauf vorbereitet, sein Passah zu essen, sind Jünger und Dämonen an seiner Seite. Judas, von Satan inspiriert, ist direkt neben ihm.

Am Anfang des Matthäusevangeliums hat der Herr erklärt, dass er alle Gerechtigkeit erfüllen muss (Mt 3,15). Das kann man in diesem Abschnitt sehr schön erkennen. Er ist derjenige, der das Gesetz des Mose erfüllt, und so richtet er sich auch in den kleinen Einzelheiten danach. Deswegen muss die Passahfeier in jeder Hinsicht den Vorschriften entsprechen. Alles, was Mose geschrieben hat, muss genau ausgeführt werden, es darf nichts fehlen. „Der Raum, wo das heilige Abendmahl geboren wird, muss ganz rein sein,“ führt Schilder wunderbar aus. Einige Zeilen weiter fährt er fort: „Er darf und will uns den Neuen Bund nicht geben, bis der alte legal erfüllt ist. Dort wo die Weiche gestellt wird, müssen die Schienen ganz genau ausgerichtet sein. Hier darf nichts schief liegen, sonst entsteht an dem Ort eine Katastrophe. Es ist alles richtig. Christus gehorcht dem Gesetz vollkommen. Er bereitet das Passah nach allen Vorschriften, die das Gesetz festgelegt hat. Weder ein ultra genauer Jude noch ein eifriger Engel kann die geringste Abweichung vom Gesetz bei ihm entdecken. Die Geburtsstunde des Evangeliums des Neuen Testaments bricht an. Aber der alte Bund bereitet alles vor.“[ix]

In der Beschreibung der Szene bei Markus finden sich die Worte: „Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen. Und während sie zu Tische lagen und aßen…“ Nach der Sitte legte man sich neben niedrige Tische und aß in dieser Position. Der Tisch war rechteckig, und die Gäste lagen auf ihrer linken Seite um den Tisch herum. Auf der linken Seite auf dem ersten Platz war Johannes, dessen Kopf nahe der Brust der Person auf dem nächsten Platz war, das war der Gastgeber. Auf diesem Platz war natürlich der Herr Jesus, denn Johannes lehnte sich an seine Brust, und der Herr war der Gastgeber. Neben unserem Herrn lag Judas, und der Herr lehnte sich an dessen Brust. Offensichtlich war Petrus auf der rechten Seite des Tisches, gegenüber von Johannes.

Diese Positionen würden erklären, warum nur Johannes hörte, wie der Verräter gekennzeichnet wurde. Wenn Petrus es gehört hätte, wäre Judas vermutlich nicht lebendig aus dem Raum herausgekommen! Das erklärt auch, warum der Herr den Bissen zuerst Judas reichte, denn er war ja auf dem Ehrenplatz am Tisch. Dadurch wird klar, wie Judas fragen konnte, ob er der Verräter ist, und niemand anderes die bestätigende Antwort des Herrn gehört hat.

Es würde auch erklären, warum Petrus den niedrigsten Platz einnahm, nachdem der Streit, wer der Größte sei, vorüber war. Vielleicht hoffte er, durch diese großartige Demonstration seiner Demut später die Position des Größten zu erlangen (vgl. Lk 22,14-30)! Es wäre auch eine Erklärung dafür, wie Petrus über den Tisch Johannes bitten konnte, nach der Identität des Verräters zu fragen (Joh 13,24).

Das Ritual des Passahmahls umfasste vier Teile. Der erste Gang wurde mit einem Segen des Familienoberhaupts eröffnet, das ist in unserem Fall unser Herr. Dieser Segen wurde über dem ersten Kelch gesprochen. Dann wurde als Zweites die Liturgie abgehalten: auf eine Frage des jüngsten Sohnes würde das Familienoberhaupt die Bedeutung der Zeremonie erklären. Wäre es nicht aufregend, die Auslegung unseres Herrn zu hören? Dann folgte ein zweiter Kelch mit Wein. Als dritten Teil nahm man nun die Hauptmahlzeit zu sich, und man dankte über dem ungesäuerten Brot. Wahrscheinlich wurden die Einsetzungsworte zu diesem Zeitpunkt gesprochen. Das Mahl begann nun mit dem Bissen, der dem Ehrengast vom Familienoberhaupt gereicht wurde. Dann verließ Judas den Raum und verschwand in der Finsternis. Zu dieser Zeit wurde nach einem Gebet ein dritter Kelch getrunken. Die Juden nannten ihn den Kelch des Segens, und das ist der Kelch, der für das Mahl des Herrn benutzt wurde (1Kor 10,10). Schließlich beendete man die Passahfeier mit dem Singen der zweiten Hälfte der Halleluja-Psalmen. Die erste Hälfte wurde schon zu Beginn gesungen. Der vierte Kelch wurde von Lobliedern begleitet.

Die Stimmung des Festes wird durch die Worte unseres Herrn zerschmettert. Er sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern, der, welcher mit mir isst“ (Vers 18). Die Parallelstelle zu den Worten „welcher mit mir isst“ finden wir in Psalm 41,9. Das ist ein Hinweis darauf, dass unser Herr in Judas die letztendliche Erfüllung der Worte des Psalms sieht (vgl. Joh 13,18). Unser Herr wurde nicht von dem Verrat überrascht (Apg 2,23.24).

Die Reaktion der Jünger (Mk 14,19). Sie waren bestürzt und fragten nacheinander „Ich bin es doch nicht, Herr?“ Als Judas an der Reihe war, rief er aus: „Ich bin es doch nicht, Rabbi?“ (Mt 26,23.25). Der Unterschied erinnert uns an die Worte des Apostel Paulus, dass „niemand sagen kann: Herr Jesus! außer im Heiligen Geist“ (1Kor 12,3). Das ist eine der vielen Aussagen, die zeigen, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist, und dass die unwiderstehliche Gnade notwendig ist, damit wir gerettet werden. Rettung geht von Gott aus, nicht vom Menschen. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass Judas kein echter Gläubiger war, obwohl er ein Apostel Jesu Christi war. Es zeigt auch, wie nah ein Mensch Jesus Christus sein kann, und trotzdem verloren ist. Es war ihm auch völlig gelungen, den Aposteln etwas vorzumachen. Judas ist eine Botschaft an die Gemeinde Christi, an alle, die äußerlich zum Leib Christi gehören. Ein ernster Gedanke!

Die Antwort des Herrn (Mk 14,20-21). Die Identifikation des Verräters geschieht nach den Worten des Herrn durch den Bissen, den er eintaucht. Es war Brauch, dass der Gastgeber ein Stück Brot nahm und es in die allgemeine Schüssel eintauchte. Mit dem Brot nahm er ein besonderes Stück Fleisch heraus. Das wurde als Zeichen der Verbundenheit dem Ehrengast überreicht. Der Herr sagte, dass er dadurch den Verräter identifizieren würde. Kurz darauf tat der Herr das auch (Joh 13,26), aber sogar dann wurde Judas von den anderen nicht als Verräter erkannt. Diese Tat war voller Gnade, indem der Herr Judas eine letzte Chance zur Umkehr anbot, aber sie wurde nicht wahrgenommen. Anstatt den Retter aufzunehmen, nahm er Satan auf (Joh 13,27). Wie konnte Judas sich nur von Christus abwenden? Wie konnte Adam Gott verlassen (vgl. Röm 3,10-12). Menschen sind Sünder. Vor einigen Jahren sagte der ehemalige US-amerikanische Präsident Ronald Reagan: „Der Mensch ist im Grunde gut, hat aber eine Neigung zum Bösen.“ Diese Aussage widerspricht sich. Der erste Teil stimmt nicht, der zweite schon. Damit zeigt er eigentlich nur, dass Politiker nicht immer gute Theologen sind.

Die abschließende Aussage unseres Herrn ist eine Zusammenfassung von gesunder Theologie. Sie lehrt die Souveränität Gottes, die Verantwortung des Menschen und die Realität der ewigen Verdammnis.

Im ersten Ausdruck wird die Souveränität Gottes gelehrt: „Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht.“ Der souveräne Plan Gottes beinhaltete den Verrat und den Tod, und die Ausführung dieses Ratschlusses konnte nicht verhindert werden (vgl. Apg 2,23).

Dann folgen die Worte: „Wehe aber jenem Menschen, DURCH (Judas ist nicht der Ursprung, sondern nur der Ausführende des Verrats.) den der Sohn des Menschen überliefert wird.“ Das zeigt sehr deutlich, dass Gottes souveränes Wirken nicht die Verantwortung des Menschen für seine Sünde mindert oder auslöscht. Judas ist für die Ausführung verantwortlich, auch wenn es sich um eine Tat handelt, die nach dem souveränen Ratschluss Gottes ausgeführt wird. Er hat den Sohn absichtlich und bewusst um schmutziges Geld verkauft. Der letzte Ausdruck „Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre“ ist einer der eindringlichsten Sätze im Neuen Testament. Dadurch wird auch deutlich, dass der Herr nicht die moderne Lehre der Allversöhnung vertrat, dass irgendwann alle Menschen gerettet werden. Er war im Gegenteil davon überzeugt, dass die Ungläubigen, die niemals umkehren, die Ewigkeit in bewusster, ewiger Qual zubringen. Wenn am Ende alle Menschen gerettet werden und in die Gegenwart Gottes kommen, könnte man diese Aussage niemals machen – dass es für einen Menschen besser gewesen wäre, wenn er nie geboren worden wäre. Wie ein Dichter es ausdrückte: „Wer zählt die Wellen, wenn man endlich die Küste erreicht?“

In meinen Aufzeichnungen habe ich einige Worte gefunden, deren Quelle ich leider nicht mehr weiß. Der Abschnitt zeigt die Ernsthaftigkeit der ewigen Verdammnis. „Die ewige Strafe der Bösen, die ewige Glückseligkeit der Gerechten und die Ewigkeit Gottes bilden nach dem, was Gott uns mitgeteilt hat, eine Einheit, ein Gebäude. Der Allversöhner drückt mit seinen Schultern an die Säulen des Baus. Wenn er Erfolg hätte, würde das ganze Bauwerk zusammenbrechen. Aber er und seine Mitarbeiter mögen sich noch so anstrengen und schließlich neben den Säulen verrotten, aber Gott wird weiterleben. Das werden die Gerechten mit Lob in alle Ewigkeit bezeugen, und die Ungerechten unter Seufzen. O die Ewigkeit!“ Das ist eine ernste Tatsache. Der Leser soll sein Herz jetzt und für immer auf das rettende Werk des Herrn Jesus richten.

Das erste Abendmahl
Bibeltext: Markus 14,22-25

Einführung

Wir haben schon früher einmal gesagt, dass Sühnung das wichtigste Wort in der christlichen Theologie sein könnte. Durch die Sühnung hat Jesus Christus die zerstörte Beziehung zwischen Sündern und dem heiligen Gott wiederhergestellt. Das hat er durch seinen Tod erreicht; er hat einen hohen Preis bezahlt. Also ist der Tod des Retters als Opfer die Grundlage des Christentums.

Das liberale Christentum hat sich dagegen gesträubt. Es hat zwar versucht die Worte Christentum und Sühnung zu erhalten, ihnen aber die eigentliche Bedeutung zu nehmen: Dass Jesus Christus, der Sohn Gottes durch seinen Opfertod am Kreuz Gott und die Menschen miteinander versöhnt hat. Es hat den Glauben an einen gekreuzigten Erlöser aufgegeben, der sein Leben als Lösegeld für Sünder gab. Dieser Glaube wurde durch eine christliche Einstellung, ein religiöses Gefühl oder durch bloße Zugehörigkeit zu den „Erlösten“ ersetzt. Jemand hat gemeint, dass liberales Christentum keine Kraft hat um eine Gemeinde zu gründen und nur als Parasit existieren kann, der sich von einem stabileren Körper ernährt.[1] Ich halte das für wahr. Aber ob das nun stimmt oder nicht, gibt es doch keinen Zweifel daran, dass das liberale Christentum eigentlich gar kein Christentum ist. Der Mensch, der glaubt, dass er durch das Blut des Rettergottes erlöst wird, der für ihn am Kreuz starb, ist ganz anders als der Mensch, der denkt, dass er sich selbst erlösen kann, wenn er aus seinem eigenen guten Herzen einen christlichen Charakter hervorbringt. Professor Warfield schrieb: „Es gibt eigentlich keine Alternative. Die durch Christi Blut Erlösten sind wirklich ein abgesondertes Volk. Mag man sie Christen nennen oder anders, sie sind jedenfalls von Grund auf anders als diejenigen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben.“[2]

Es gibt einige Abschnitte, die deutlich zeigen, was Christus selbst über seinen Tod gelehrt hat, wie z.B. Matthäus 20,28 (vgl. Mk 10,45). Aber keiner ist deutlicher als der Abschnitt, den wir nun über das Mahl des Herrn studieren werden (Mk 14,22-25; Mt 26,26-29). In Markus 10,45 lehrt der Herr, dass sein Tod ein freiwilliges Sühneopfer ist, das er für die Sünden der Schuldigen zahlt, die unter Gottes Gericht stehen. Mit dieser Aussage entkräftete er alle Aussagen, die seinen Tod nur als moralisches Vorbild darstellen wollten. In unserem Abschnitt betont er, dass sein Tod das freiwillige Opfer für Sünden ist, wodurch ein Bund aufgerichtet wird. In diesem Bund empfangen wir die Vergebung der Sünden (Mt 26,28). In diesen wichtigen Wahrheiten steckt Kraft um die Gemeinde zu gründen und aufzubauen.

Die Einsetzung des Abendmahls fand statt, als der Herr mit seinen Aposteln das letzte Passah feierte. Zum Ritual der Passahfeier gehörte eine Vorspeise, bei der das Familienoberhaupt einen Segen über den ersten Kelch sprach. Dieser erste Gang bestand aus grünen Kräutern, bitteren Kräutern, und einer Soße aus Fruchtfleisch. Das wurde auf einem Tisch mit einer Schüssel Salzwasser angerichtet. Es sollte sie an die Tränen erinnern, die sie als Sklaven in Ägypten vergossen hatten. Dann wurde das eigentliche Mahl serviert, aber noch nicht gegessen. Ein zweiter Kelch mit Wein wurde auf den Tisch gestellt, während das Familienoberhaupt im zweiten Teil des Rituals die Bedeutung des Passahmahls erklärte. Dabei wurde auch der erste Teil des großen Hallelujahs gesungen, Psalm 113 und 114. Dann kam der dritte Teil der Zeremonie, das Essen des Mahles. Der Familienvater dankte für das ungesäuerte Brot, das Aphikomen (ein halber Laib ungesäuerten Brotes). Wahrscheinlich setzte der Herr an diesem Punkt das Abendmahl ein. Das Mahl bestand aus dem Passahlamm, dem Brot, den bitteren Kräutern mit Soße, genannt Charoseth. Nach dem Gebet wurde ein dritter Kelch mit Wein getrunken. Dieser dritte Kelch ist wohl am ehesten der Kelch des Abendmahls, denn die Juden nannten ihn den Kelch der Segnung. Paulus nannte den christlichen Kelch genauso (1. Kor 10,10). Schließlich wurde die Zeremonie mit einem vierten Kelch beendet, unter Lob und mit dem Singen der verbleibenden Psalmen des großen Hallelujahs, Psalm 115-118. Mit diesem Hintergrund gibt Markus seinen Bericht über das letzte Passah und das erste Abendmahl, dem wir uns nun zuwenden.[3]

Das Brot

Seinen Bericht über das Mahl beginnt Markus so: „Und während sie aßen, nahm Jesus Brot, segnete und brach und gab es ihnen und sprach: Nehmet; dieses ist mein Leib“(Mk 14,22). Dazu erklärt Schilder: „In dem Gastzimmer, in dem der Herr sitzt kreuzen sich zwei große Linien, die des Alten und die des Neuen Testaments. Jetzt wird der Schalter umgelegt. Das fleischliche Israel wird nicht länger hinaufziehen, um das Passah nach dem alten Gesetz zu feiern. Stattdessen wird das geistliche Israel gleich vom Tisch aufstehen und hinausgehen, und ein besseres Passah feiern, ein Heiliges Mahl, das sich nun erfüllt.“[4] Die Altäre des Rituals aus dem Alten Testament werden nun durch den Tisch des Neuen Testaments ersetzt. Es werden nicht länger Blutopfer dargebracht, denn das Blut des Lammes Gottes wird ein für alle Mal vergossen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sehnte sich jeder Gläubige nach dem Kommen des Lammes. Von jetzt an werden die Gläubigen sich über das Sühnewerk freuen, das in Kürze vollbracht werden soll.

Halten wir uns kurz die Gedanken vor Augen, die den Anwesenden durch den Kopf gegangen sind. Als die Apostel das Lamm aßen, dachten sie über die Befreiung aus der Sklaverei Pharaos in Ägypten nach, die Israel erlebt hatte. Vielleicht dachten sie auch an die Sklaverei der Sünde und an die Befreiung von der Strafe, die sie durch das echte Lamm Gottes erfahren würden. Aber es gibt keine klaren Beweise, dass sie schon verstanden, was der Herr für sie tun würde. Auf jeden Fall dachten sie an Befreiung von Unterdrückung. Beim Herrn war das ganz anders. Als er das Lamm aß, wusste er, dass es auf seinen baldigen Tod hinwies. Eigentlich verurteilte das Lamm ihn zum Tod. Das ist die Bedingung um ihre Freiheit zu erkaufen. Sie dachten über Freiheit und Leben nach, er über die Sklaverei durch ihre Sünde und über seinen Tod für sie.

„Jesus nahm das Brot.“ Diese Anfangsworte sind voller Bedeutung. Zuerst nimmt er das Brot, weil das Brot den Leib Christi repräsentiert. Der Leib war notwendig um Mensch zu werden und um das Werk auszuführen, zu dem er gekommen war (Hebr 10,5). Das Brot wird gewöhnlich gebrochen bevor man es isst, und das Brechen des Brotes ist ein Hinweis auf seinen Tod.

Nachdem er das Brot genommen hatte, segnete er es und gab es den Jüngern. Diese Handlung des Herrn deutet schon auf die Initiative Gottes in der ganzen Rettung. Er „gab es ihnen.“ Ein guter Vermesser muss bei einem festen Bezugspunkt beginnen, sonst werden all seine Messungen falsch sein. Genauso müssen wir in allen geistlichen Fragen bei Gott beginnen. Die Sünde hat Durcheinander und Chaos in die Welt gebracht. Wenn wir in der Frage der Rettung richtig beginnen wollen, müssen wir mit Gott beginnen. Sogar H.G. Wells sagte: „Wenn der Mensch Gott nicht findet und von Gott nicht gefunden wird, beginnt er, wo man nicht anfangen kann und kommt nie zum Ziel.“ In der Bibel beginnt Theologie mit Gott und Rettung beginnt mit seiner Initiative. Er führt die Sühnung durch und wendet sie auf erwählte Sünder an. Jesus nahm das Brot, und Jesus gab es ihnen. Wir werden nicht gerettet, weil wir Gott wollen, sondern wir werden gerettet, weil er uns will und durch seinen Sohn und in seinem Geist zu uns kommt.

In dem Ausdruck „dies ist mein Leib“ haben wir ein theologisches „Schlachtfeld“, wie jeder weiß, der sich mit der Reformation beschäftigt hat. Wir haben jetzt keine Zeit, die Lehren der Transsubstantiation, der Konsubstantiation und der geistlichen Gegenwart Christi in den Symbolen zu diskutieren. Es kann viel darüber gesagt werden, dass Christus geistlich in den Symbolen anwesend ist, aber die Betonung in den Worten unseres Herrn an Paulus liegt eindeutig darauf, dass wir uns im Mahl an ihn erinnern. Die Ansicht, dass wir uns an den Herrn und sein Werk erinnern, passt am besten zur Lehre des Alten Testaments und zur Auslegung von Paulus im Neuen Testament. Dabei ist klar, dass der Segen des Abendmahls nicht durch unser Werk der Erinnerung verdient wird, unabhängig vom göttlichen Handeln, dass uns zum Gedächtnis und zum Empfang des Segens befähigt. Eines ist sicher, unser Herr hat nicht gelehrt, dass das Brot wörtlich sein Leib ist. Im Konzil von Trient wird jedoch gesagt: „Wer sagt, im hochheiligen Sakrament der Eucharistie bleibe die Substanz von Brot und Wein zugleich mit dem Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus bestehen, und wer jene wunderbare und einzigartige Wandlung der ganzen Brotsubstanz in den Leib und der ganzen Weinsubstanz in das Blut leugnet, wobei nur die Gestalten von Brot und Wein bleiben – diese Wandlung nennt die katholische Kirche sehr treffend Wesensverwandlung (Transsubstantiation) – der sei ausgeschlossen.“[5] Die römisch-katholische Kirche ist davon überzeugt, dass nur das Aussehen oder die Gestalt (um den Fachbegriff zu benutzen) des Brotes erhalten bleibt, also Form, Farbe und Geschmack. Aber unsere Wahrnehmung soll uns nicht täuschen. „Urteile nicht nach dem Geschmack, sondern nach dem Glauben“, sagte Cyril von Jerusalem.

Das Wort „ist“ zeigt nicht das Wesen an sondern eine symbolische Beziehung. Das ist im Deutschen wie im Griechischen weit verbreitet. Wir finden es in Matthäus 13,38: „Der Acker aber ist die Welt“. Das heißt, „ist“ wird in der Bedeutung „repräsentiert“ benutzt (vgl. Joh 8,12; 10,9; 1. Kor 10,4; Offb 1,20). „Wie kann es etwas anderes bedeuten, wo doch Christus in seinem Leib dort saß, und sein Blut in seinen Adern floß?“[6] fragt MacLaren.

Durch die Lehre der Transsubstantiation entstanden sehr interessante Fragen. Einige hängen mit der Tatsache zusammen, dass das Sakrament der Eucharistie oft in alten Kathedralen gefeiert wurde, wo es Unmengen von Mäusen und Ratten gab. So erhob sich unvermeidlich die Frage: „Wenn eine Maus während der Eucharistie herauskommt und von dem Brot frisst, frisst sie dann den Leib Christi?“ Thomas von Aquin, der Theologe der katholischen Kirche, war sehr konsequent. Er sagte, die Maus fresse tatsächlich Christi Leib!

Das „dies“ in „dies ist mein Leib“ schließt den Gedanken des Brechens des Brotes ein. Mit anderen Worten, die volle Bedeutung von „dies“ ist „dies (gebrochene Brot) ist mein Leib“. Deswegen ist hier ein Hinweis auf das Leid und den Tod des Herrn enthalten, wie M’Neile sagt: „Es beinhaltet: Mein Leib, der für euch ist..“[7]

Im Bericht des Lukas fügt der Herr hinzu: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). Meiner Meinung nach wird das bei den anderen Evangelisten angedeutet. Er sagt: „Dies ist mein Leib“. Das Bemerkenswerteste an diesen Worten ist die Tatsache, dass er damit diesen jungen Juden mitteilte, sie sollten nicht länger das von Gott vorgeschriebene Passahfest feiern. Sie sollten stattdessen eine Gedächtnisfeier für ihn halten! „Denkt nicht an Moses, denkt an mich!“ Es muss für sie erstaunlich gewesen sein, wenn sie an die Veränderung der Zeremonie vom Passah zum Herrenmahl dachten. Die Tatsache, dass er sie dazu aufforderte und die Tatsache, dass sie die beunruhigende Veränderung akzeptierten, zeigt uns viel über die Autorität und Würde des Königs. Er behauptete damit deutlich, dass er das echte Passahlamm ist, dass sein Tod das Sühneopfer ist und dass sein Blut die echte Sicherheit für den Gläubigen bietet. Das ist wirklich wunderbar!

Der Kelch

Der Hintergrund dieses Teils der Zeremonie ist 2. Mose 24 und die Unterzeichnung des Alten Bundes. In diesem Bund gab es Bedingungen zu erfüllen, das Volk war verantwortlich, dem Gesetz Mose zu gehorchen. Der Bund wurde durch ein Blutopfer geschlossen. Als Mose das Blut des Opfers nahm und es auf das Volk sprengte, sagte er: „Siehe, das Blut des Bundes, den der Herr mit euch gemacht hat über alle diese Worte“ (2Mo 24,8). Auf diese Aussage bezieht sich der Herr beim Einsetzen des Neuen Bundes.

Die wahrscheinlich wichtigste Aussage dieses Abschnittes über die Lehre der Rettung finden wir in Vers 24: „Dies ist mein Blut, das des Bundes.“ Das Wort Blut ist wichtig und betont die Tatsache des gewaltsamen Todes eines Opfers (vgl. 4Mo 35,33). „Blut“ bedeutet mehr als nur Tod, es bedeutet einen gewaltsamen Tod. Diese Art von Tod musste Jesus sterben. Es musste ein Opfertod sein.[8]

Der Ausdruck „Bund“ (vgl. 1Kor 11,25: neuer Bund) ist natürlich ein Hinweis auf Jeremia 31,31-34. Dort verspricht der Herr dem Haus Israel und dem Haus Juda die Vergebung der Sünden. Das war ein Bund ohne Bedingungen, das heißt die Versprechen darin werden alle einseitig vom Herrn erfüllt. Sie mussten nichts erfüllen, um die Verheißung zu erlangen, sie erhielten sie ausschließlich aus Gnade. Dieser Bund enthielt nicht nur die wahren Gläubigen von den Nachkommen Abrahams, dem Überrest nach der Wahl der Gnade, sondern auch alle Gläubigen, die Nachkommen Abrahams aus den Nationen. Denn diese waren auch in den Bündnissen eingeschlossen (vgl. 1Mo 12,1-3; Röm 4,9-25; Röm 11,1-36; Gal 3,1-29 u.a.).

Bündnisse werden bei einem Opfer geschlossen. Deswegen sollten wir die Aussage unseres Herrn auch so verstehen: Er spricht über einen neuen Bund der auf ein neues und endgültiges Opfer gegründet ist.

Auch der Ausdruck „vergossen“ ist bedeutungsvoll. Beachten Sie als Erstes, dass das Blut „vergossen“, nicht verschüttet wird. Das bezieht sich auf das Vergießen des Blutes eines Opfers, auf einen gewaltsamen Tod. Wir können nicht genug betonen, dass es ohne das sühnende, stellvertretende Vergießen des Blutes eines Opfers keine Beziehung zwischen Gott und seinem erwählten Volk geben kann (vgl. Heb 9,22). In diesem Fall ist der Preis für unsere Erlösung der höchste Preis, der jemals für Etwas im Universum bezahlt wurde.

Die Worte „für viele“ sind aus Jesaja 53,12-13 entnommen und schließen alle Auserwählten ein. Dazu gehören die Erwählten aus Israel und alle, die zum Bund Abrahams gehören. Wie der Apostel Paulus in Römer 11 zeigt, nehmen die Erwählten aus den Nationen durch die Gnade an den Verheißungen des Bundes teil. Die Worte beziehen sich deswegen auf die bestimmte Gruppe von Gottes Erwählten, aber wir sollen beachten, dass er „viele“ sagt (Mk 14,24). Wir sollten nicht denken, dass die Erwählten nur eine kleine Gruppe sind, als ob unser Gott ein kleiner Gott wäre. Die Zahl der Erlösten kann nicht gezählt werden (Offb 7,9-17). Viele vertreten die Ansicht, dass das Wort „viele“ hier ein hebräischer Ausdruck für „alle“ ist, und dafür gibt es gute Gründe. Dabei ist natürlich klar, dass es sich um alle Arten von Menschen handelt, nicht um alle Menschen ohne Ausnahme.

Die Präposition „für“ deutet wohl auf die Stellvertretung hin. Die Bedeutung des Abschnitts legt das nahe (vgl. Mt 26,28).[9]

Den Ausdruck „zur Vergebung der Sünden“ finden wir in Mt 26,28, aber er ist hier weggelassen. Er bezieht sich auf das Ziel des Opfers. Das Blut des Bundes wird zur Tilgung der Sünden seines Volkes vergossen. Das Ziel des Todes ist Vergebung, die auf der Grundlage des Todes ausgesprochen wird. Vergebung ist ein juristischer Ausdruck, weil er bedeutet, dass die verdiente Strafe nicht ausgeführt wird. Sein Tod ist ein Opfer, das die Strafe trägt. Das Lösegeld wird bezahlt. Die „vielen“ werden in ihrem Stellvertreter bestraft und sind frei. Wie in Mt 20,28 und Mk 10,45 geht es hier um den freiwilligen Tod des Lammes, das stellvertretend die Strafe auf sich nahm.

Das Mahl des Herrn und das große Abendmahl

Die Erhöhung Christi (Mk 14,25). Dieser Ausspruch bestätigt das Kommen des messianischen Reiches. Der neue Bund führt zu einem neuen Zeitalter. Das bedeutet natürlich zuerst einmal, dass er seinen Tod überleben und durch Auferstehung und Erhöhung auf den Königthron kommen wird (vgl. Lk 22,16.18.19; Mk 14,9).

Die Erfüllung im Reich Gottes (14,25). Lukas benutzt den Ausdruck „erfüllt“ (22,16) und betont damit, dass das Programm der Erlösung in einem Fest im Königreich seinen Höhepunkt findet. sollten seinen Tod niemals vergessen; damit deutet er an, dass sein Tod eine ewige Bedeutung und Auswirkung hat. Wenn das Abendmahl nicht wirklich im Leben jenseits des Grabes erfüllt würde, würde es uns nur daran erinnern, dass der Herr sich selbst und sein Werk falsch eingeschätzt hat.

Das Versammeln der Erlösten (14,25). In Mt 26,29 wird „mit euch“ erwähnt. Das weist darauf hin, dass die Erlösten dabei sein werden und die Erfüllung im Reich Gottes miterleben werden. Das Kreuz und die Gemeinschaft beim Abendmahl führen zu seiner Wiederkunft und dem Reich. Karfreitag führt über Ostern hin zu seiner Erscheinung in Herrlichkeit. Bis dahin treffen wir uns oft und nähren uns mit dem Brot und dem Wein der Erlösung.
Zusammenfassung
Zuerst einmal steht das Herrenmahl eindeutig mit der Lehre von Jesus Christus über seinen Tod in Verbindung. Er möchte, dass wir dankbar an seinen Tod denken und ihn besonders schätzen, mehr als sein Leben, seine Wunder oder seine Ethik. Wir sollen uns daran erinnern, dass er das wahre Passahlamm ist. Sein Blut führt den neuen Bund ein, mit der Vergebung der Sünden. Die Einsetzung des Abendmahls war entweder ein Zeichen des ruhigen Bewusstseins, dass es auf ihn hindeutet oder ein Beweis von extremer Arroganz und Rebellion. Ein echter Christ hat keinen Zweifel, was die richtige Antwort auf diese Frage ist.

Außerdem richtete der Herr sich an Gläubige, die den Wert seines Blutes schätzten, das vergossen werden sollte. Sie sehnten sich nach der vollständigen Sühnung, die vollbracht werden sollte. Wie Sie, lieber gläubiger Leser, haben die Jünger die Gerechtigkeit Gottes bewundert, die die gerechte Bezahlung der Strafe fordert, und sie haben ihn geliebt, weil er in seiner Liebe den hohen Preis bezahlt und das Opfer dargebracht hat. Der Sohn, den Gott liebt, der Herr Jesus Christus, hat sein Leben für uns gegeben. Mögen alle, die von ihm hören oder lesen ihn so bewundern und ihn so lieben.

Paulus und das Mahl des Herrn – Teil 1

Bibeltext: 1. Kor 11, 17-34

Einführung

Wir haben schon erwähnt, dass der Herr der Gemeinde bis zu seiner Wiederkunft zwei Symbole hinterlassen hat. Das ist zum einen die Taufe: Sie betont die Hinzufügung zur Gemeinde, dem Leib Christi (vgl. 1. Kor 12,13). Zum anderen hinterließ er das Abendmahl, welches die beständige Beziehung oder das Leben im Leib symbolisiert.

Es gibt eine deutliche Parallele zwischen dem Mahl des Herrn und dem Passah. Beim Passah erinnerte man sich an eine körperliche Befreiung aus der Tyrannei des Pharao und Ägyptens durch das Blut des Opferlamms. Beim Mahl des Herrn erinnern wir uns an eine geistliche Befreiung von der Macht der Sünde und des Satans durch das Blut des Lammes Gottes, des Herrn Jesus Christus. Die erste Zeremonie sollte bis zu seinem ersten Kommen ausgeführt werden, die zweite soll bis zu seinem zweiten Kommen stattfinden. Bei beiden blickt man also voller Erwartung in die Zukunft.

Wir haben auch erwähnt, dass das Abendmahl der Höhepunkt des gemeinsamen Gottesdienstes der Gemeinde ist. In evangelikalen Gemeinden steht heute meistens die Predigt im Mittelpunkt. Als der Apostel Paulus in Troas war, scheint jedoch das Mahl des Herrn das Wichtigste gewesen zu sein. Lukas beschreibt den Gottesdienst so: „Am ersten Tage der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, indem er am folgenden Tage abreisen wollte; und er verzog das Wort bis Mitternacht“ (Apg 20,7). Die Predigt ist bei diesem Treffen wichtig, denn Paulus sprach sehr lange zu ihnen. Aber der Zweck des Gottesdienstes war „Brot zu brechen.“ Man gewinnt wirklich den Eindruck, dass sie sich aus diesem Grund getroffen hatten. Das wird durch die Tatsache bestätigt, dass das Herrenmahl der einzige Teil des Gottesdienstes ist, wofür der Herr spezielle Anweisungen hinterließ.

In dieser Reihe haben wir schon das erste und das letzte Passah und das erste Abendmahl betrachtet. Nun wollen wir uns ansehen, was der Apostel Paulus zu diesem Thema beizutragen hat. Sein Beitrag ist hauptsächlich in 1. Kor 11,17-34 zu finden.

Der Zorn des Paulus

Im ersten Abschnitt drückt der Apostel Paulus seinen Zorn darüber aus, wie die Korinther sich beim Mahl des Herrn benahmen. In ihrer Gemeindezusammenkunft ging es sehr unordentlich zu. Offensichtlich gab es zwei Gruppen in der Gemeinde, die Reichen und die Armen und außerdem teilten die Reichen bei ihren Liebesmahlen nur einen Teil ihres Essens mit den Armen (vgl. Vers 21). Damals war es üblich, sich bei einer Familie zu treffen und gemeinsam zu essen. Danach wurde das Herrenmahl gefeiert, wie es in 1. Korinther 14 beschrieben wird. Wahrscheinlich gab es teure und billige Speisen, und die Reichen gewöhnten sich an, schon zu essen, bevor die armen Geschwister kamen. So waren sie dann schon satt und oft auch betrunken, während die Armen hungrig und durstig waren. Das war wirklich eine Lieblosigkeit gegen ihre Geschwister.

Der Apostel tadelt die Unordentlichen: „Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Versammlung Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? In diesem lobe ich nicht“ (1. Kor 11,22).

Rückblick auf die vorherige Belehrung

Die Zeremonie des Brotes (1. Kor 11,22-24). Das „denn“ in Vers 23 gibt den Grund für die Zurechtweisung an. Mit anderen Worten sagt der Apostel Paulus: „Ihr habt wohl vergessen, was ich euch über das Mahl des Herrn beigebracht habe? Der Herr selbst hat mir die Anweisung erteilt, wie man sich bei diesem Fest verhalten soll. Ihr müsst seine Worte vergessen haben, denn euer Verhalten widerspricht ihnen völlig.“

Dann bezieht sich Paulus auf das erste Herrenmahl in der Nacht, als der Herr Jesus überliefert wurde. Das Wort überliefert in der Elberfelder Übersetzung bedeutet im Griechischen ausliefern. Es beschreibt wahrscheinlich das Werk des Judas, als er den Herrn verriet. Das Auffällige an diesem Wort ist, dass es auch benutzt wird, um die Handlung des Sohnes und des Vaters beim Tod Christi zu beschreiben. Zum Beispiel wird in Galater 2,20 gesagt, dass der Herr sich hingab. Das bedeutet natürlich an dieser Stelle, dass der Herr Jesus den Tod freiwillig auf sich nahm. Er gab sich in den Tod, wobei er sich dem Willen des Vaters unterstellte. Außerdem lesen wir, dass der Vater ihn hingab. Zum Beispiel lesen wir in Jesaja 53,10: „Doch es gefiel dem Herrn, ihn zu zerschlagen.“ In Psalm 22,15 schrieb David die Worte, die der Herr Jesus an Gott richtet: „… in den Staub des Todes legst du mich.“ Der Vater ist der wirklich Aktive beim Tod Christi, genau wie Petrus das in Apostelgeschichte 2,23 sagt: „… diesen, übergeben nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geheftet und umgebracht.“ In diesem Vers haben wir die angebrachte Vereinigung von Gottes Ratschluss und Vorkenntnis und der menschlichen Verantwortung.

Darüber singen wir oft in unserer Zusammenkunft, in einem Vers, der die Handlung des Vaters beim Tod Christi betont: „Der Herr hat seine Rute erhoben, und Christus, dich hat sie getroffen. Von deinem Gott wurdest du so zerschlagen, kein Schlag blieb mehr für mich. Durch diese Rute floss dein Blut, durch deine Wunden sind wir geheilt.“

Der Tod Christi war das Schlüsselereignis, wodurch der ewige Plan des Vaters vollbracht wurde; sein Name wurde in der Erlösung verherrlicht.

Paulus sagt, dass er in der Nacht, in der er verraten wurde, Brot nahm. Das Brot wurde zuerst genommen, weil es daran erinnert, dass der Herr Mensch wurde, um den Willen Gottes auszuführen. Der Wein erinnert besonders daran, welchen Tod der Herr starb um den Neuen Bund einzuführen.

Das Brechen des Brotes sollte auf den Tod hinweisen, den er erleiden würde.

Die Worte „dies ist mein Leib“ sind Worte, über die es viele Meinungen gibt. Natürlich ist es nicht möglich, das in so einem kurzen Artikel angemessen zu behandeln, aber ich möchte doch versuchen, die verschiedenen Ansichten darzustellen, die am meisten verbreitet sind:

1. Zuerst einmal gibt es die Ansicht der römisch-katholischen Kirche, dass Christus wirklich im Brot und im Wein anwesend ist. Das wird Transsubstantiation genannt. Dem katholischen Dogma gemäß wird die Substanz von Brot und Wein bei den Worten des Priesters verwandelt. Wenn er sagt: „Hoc est corpus meum“ wird daraus das tatsächliche Fleisch und Blut Christi. Der Anschein oder das Akzidens von Brot und Wein bleibt erhalten (Form, Größe, Farbe, Geschmack usw.). Aber die Substanz verwandelt sich, und die Wahrnehmung muss geleugnet werden. Wie Cyril von Jerusalem sagte: „Urteile nicht nach dem Geschmack, sondern urteile nach dem Glauben.“ Alle, die diese Lehre nicht annehmen, sind laut dem Konzil von Trient verflucht.

Das wichtigste Argument, auf das sich die katholische Kirche dabei stützt, beruht auf dem Wort ist. Es wird so verstanden, dass damit die Identität der Dinge angezeigt wird (vgl. Lk 22,19; 1. Kor 11,24). Das Verb sein bedeutet aber oft steht für, wie jedes Lexikon erklärt. Das ist auch die Bedeutung in diesem Vers. Andere Beispiele für diese Bedeutung finden wir in Joh 8,12; Joh 10,9; Offb 1,20 und Mt 13,38. Außerdem wird es gleich im nächsten Vers so verwendet: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Ist zeigt hier nicht die Identität, wie jede gesunde Auslegung auch verdeutlicht. Wie kann der Herr mit seinem Leib das Brot halten, wenn das Brot sein Leib ist? Das würde ja bedeuten, dass der Leib des Herrn zweimal anwesend war. Schließlich will ich noch feststellen, dass der Herr das Brot auch nach seinen Einsetzungsworten immer noch „Brot“ nennt (vgl. Verse 26-28). Nein, die Worte „dies ist mein Leib“ sind wirklich kein Beweis für eine Transsubstantiation.

Nicht alle Katholiken verstanden das Abendmahl so, wie es vom Konzil von Trient gelehrt wird. Der spanische Priester Maldonado sagte: „Bereite nicht deine Zähne oder deinen Magen darauf vor, sondern glaube an ihn, dann hast du ihn aufgenommen“ (Hervorhebung durch den Autor). Er verstand die Worte symbolisch.

Die Katholiken sind natürlich inkonsequent, weil dem Volk Gottes der Wein vorenthalten wird. Das beruht auf ihrer Auslegung von Joh 6,53. Aber dem begegnen sie mit der Lehre der Konkomittanz, dass nämlich Leib und Blut miteinander verbunden sind. Wenn also jemand das Brot isst, trinkt er damit auch den Wein. Auf diese Weise korrigieren und verbessern sie die Lehre des Herrn, obwohl er ausdrücklich sagte, trinkt alle von dem Wein (Mt 26, 27). Diese Aussage scheint fast eine Vorsorge des Herrn zu sein, um genau diese Erklärung durchzustreichen, die Rom mit dem Trinken des Weins verbindet.

2. Die Lutheraner traten dafür ein, dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi in, mit und unter Brot und Wein gegenwärtig sind. Ihre Ansicht wurde Konsubstantiation genannt. Die menschliche Natur Christi wurde als allgegenwärtig betrachtet, und so wurde angenommen, dass er im Brot und Wein gegenwärtig ist. Der Vorteil dieser Erklärung ist, dass sie in Einklang mit der wörtlichen Bedeutung von Brot und Wein ist, aber keine Veränderung der Substanz durch die Einsetzungsworte nötig macht. Trotzdem beruht diese Ansicht auf einer unbiblischen Lehre, denn der menschliche Körper des Herrn ist nicht allgegenwärtig. Außerdem kann das Wort ist kaum begleiten bedeuten, wie in dieser Ansicht wohl vorausgesetzt wird.

3. Als Drittes vertrat ein Teil der Reformierten die Ansicht, dass Christus im Mahl geistlich anwesend sei, in seiner ganzen Persönlichkeit, in Leib und Blut. Ein belebender und erbauender Einfluss wird auf den ausgeübt, der am Abendmahl im Glauben teilnimmt. Wahrscheinlich gibt es etwas Wahres an dieser Ansicht, obwohl das Gedächtnis an den Herrn meiner Meinung nach zu kurz kommt.

4. Als Viertes und Letztes nun behauptet ein anderer Teil der Reformierten mit den Evangelikalen, dass das Abendmahl ein Gedächtnis an das Erlösungswerk des Herrn ist. Christus ist für den Glauben gegenwärtig und das Wort ist bedeutet einfach symbolisiert. Diese Ansicht wird dem Text viel besser gerecht, vorausgesetzt, dass die menschliche Seite der Zeremonie nicht so sehr betont wird, dass man die göttliche aus den Augen verliert. Wir dürfen nicht vergessen, dass Brot und Wein eine Versicherung davon sind, dass Gott in der Erlösung die Initiative ergriffen hat. Wir erinnern uns dabei an das, was er für uns getan hat, nicht an das, was wir getan haben. Er ist immer der Geber, wir empfangen nur. Wir feiern das Mahl zu seinem Gedächtnis.

Die beiden Symbole sind ein doppeltes Gleichnis für das Erlösungswerk. Beide drücken aus: „Ich muss als Opfer sterben, damit ihr leben könnt.“

Die Worte „für euch gebrochen“ (Schlachter 1951, Luther 1912) sind eigentlich nur „für euch,“ obwohl in manchen Handschriften „für euch gebrochen“ steht. Die Worte „für euch gebrochen“ bedeuten jedenfalls das Sterben des Opfers, und nicht das Brechen der Knochen (vgl. 2. Mo 12,46; Joh 19,31.37).

Die Worte „dieses tut“ stehen in der Gegenwart und zeigen somit, dass dieses Mahl beständig und oft gefeiert werden soll. Sie befehlen uns die Teilnahme und zeigen die Tatsache, dass die Gläubigen das Abendmahl regelmäßig halten sollen (vgl. Apg 2,42.46). Trotzdem ist unsere Pflicht kein Gesetz. Es wird nicht gesagt, dass es Sünde ist, wenn wir einmal das Abendmahl versäumen. Es sollte oft gefeiert werden, als Ausdruck unserer Dankbarkeit und Hingabe an den, der uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat (vgl. Jer 2,32; Jes 49,14; Apg 2,46; „mit Freude“).

Die Worte „zu meinem Gedächtnis“ sind vielleicht eine Anspielung auf Mose und das Passah. Sie sollen Mose vergessen, und sich von nun an an den Herrn Jesus Christus erinnern. „Meinem“ bezieht sich auf den, der für uns gestorben ist (vgl. Vers 26).

Die Zeremonie des Weins (1Kor 11,25-26). In der Zeremonie des Kelches werden einige der Gedanken wiederholt, die auf die göttliche Handlung bei unserer Erlösung hinweisen. So lesen wir zum Beispiel: „Desgleichen nahm er auch den Kelch“ (Luther 1984). Das Verb „nahm“ steht nicht im Original, aber es kann nach dem vorherigen Vers ergänzt werden und zeigt dasselbe wie dort. Der Herr nimmt den Kelch und zeigt damit, dass er freiwillig den Tod auf sich nimmt.

„Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Das ist eine sehr wichtige Aussage. Barclay umschreibt es so: „Dieser Kelch ist der neue Bund und kostet mein Blut.[10]“ Diese Worte nehmen den Leser mit zu der Stelle in Jeremia 31,31-34, wo die Gnade sehr betont wird. Im Gegensatz zu dem mosaischen Bund mit seinen Geboten („du sollst“), ist dieser Bund voll von der Aussage Gottes „Ich will.“ Der eine Bund wird auf Steintafeln geschrieben, aber der andere auf fleischerne Tafeln des Herzens. Die Verheißungen des neuen Bundes beruhen auf der Verheißung der Vergebung der Sünden, wodurch die anderen Verheißungen erst möglich werden.

Im Dienst des Herrn mündete alles in seinen Tod, wodurch die Vergebung der Sünden ermöglicht wurde, die im neuen Bund beschrieben wird. Dieser Bund wurde durch seinen Tod am Kreuz von Golgatha mit Blut unterzeichnet. Die Versöhnung, die der Herr bewirkt hat, ist kein nachträglich gefasster Entschluss, sondern ein gut durchdachter Plan, den er in seinen Ratschlüssen vor langer Zeit gefasst hat. Der Kelch mit dem Wein erinnert an das gewaltsame Vergießen des Blutes eines Opfers. Damit ist es das sichtbare Zeichen, die Garantie und das Siegel der Worte „eurer Sünden und Ungerechtigkeiten werde ich nicht mehr gedenken“ (Jer 31,34). Wer bekommt diesen Segen? Derjenige, der ausruft: „Wehe mir, denn ich bin verloren.“ Er hört aus dem Mund des Erlösers: „Denn dieses ist mein Blut, das des (neuen) Bundes, welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Jes 6,5; Mt 26,28).

„Eurer Sünden und Ungerechtigkeiten will ich nicht mehr gedenken.“ Diese Worte werden durch den Opfertod des Lammes verwirklicht.

Es ist notwendig, dass wir uns daran erinnern, dass der Herr Jesus selbst nicht vom Brot gegessen und vom Wein getrunken hat. Er sagt in Lukas 22,17: „Nehmt diesen und teilt ihn unter euch.“ Das ist im Einklang mit seinem heiligen Wesen: Er braucht kein Gegenmittel für Sünden, denn er hatte keine.

Es ist traurig, dass der Herr uns bitten muss uns auf diese Weise an ihn zu erinnern, aber es ist wirklich notwendig. Wir vergessen die Segnungen so schnell, die wir von unserem großen Gott empfangen haben. Gott fragt durch seinen Propheten Jeremia „Vergisst auch eine Jungfrau ihren Schmuck, eine Braut ihren Gürtel?“ und fügt hinzu: „Aber mein Volk hat mich vergessen“ (Jer 2,32).

In 1. Kor. 11,26 lesen wir den Grund, warum wir uns im Abendmahl an ihn erinnern sollen. So oft wir das Brot essen und den Kelch trinken, verkünden wir den Tod des Herrn bis er kommt. Das Abendmahl ist deswegen eine Predigt an alle, nicht durch Worte sondern durch die Handlung. Eigentlich ist das Mahl des Herrn ein Predigtgottesdienst.[11]

Beim Mahl des Herrn geht es also um Lehren, die sich auf die Vergangenheit (vgl. v. 24.25), auf die Gegenwart (v. 26) und auf die Zukunft (v. 26) beziehen. Durch das Mahl schauen wir zurück und nach vorn.

Die Anwendung für die Korinther

Das „also“ in Vers 27 leitet die Anwendung ein. Nun zieht er die Konsequenz aus der Belehrung. Das Wort „unwürdig“ bezieht sich nicht auf die Person, die beim Abendmahl teilnimmt, sondern auf die Art und Weise der Teilnahme. Alle sind immer unwürdig. Rabbi Duncan, ein berühmter schottischer Prediger sagte zu einer Frau, die beim Abendmahl zögerte: „Nehmen sie es, liebe Frau, nehmen sie es. Es ist für Sünder.“ Wenn man den Leib und das Blut des Herrn missachtet, isst und trinkt man unwürdig. Vers 27 wird in Vers 29 weiter erklärt. „Den Leib nicht unterscheiden“ bedeutet dort wahrscheinlich, dass man „den Leib und das Blut nicht unterscheidet.“ Es geht nicht um die Gemeinde, den Leib Christi. [12]

Die angebrachte Alternative zur Missachtung ist Selbstgericht, worüber Paulus in Vers 28 spricht. Es geht darum, wie man sich auf das Mahl vorbereitet. Beim Abendmahl denken wir über unser Vertrauen auf Christus nach, über unser Leben in Christus und besonders über die Bedeutung von Brot und Wein. Wir haben das Recht, am Mahl teilzunehmen, wenn wir zu Christus gehören. Aber Freude und Genuss dieses Vorrechts hängt von der Kraft unseres geistlichen Lebens ab.

Einige Korinther wurden „deshalb“ schon gerichtet, weil sie das Mahl missbraucht hatten. Es war sogar so weit gekommen, dass einige für ihre Sünde mit dem leiblichen Tod bestraft worden waren. Sie waren in Christus entschlafen. (Wenn das Verb koimao, schlafen, sich auf den Tod bezieht, beschreibt es immer den Tod von Gläubigen; vgl. Joh 11,11.12; Apg 7,60; 1, Kor 15,16.18.20.51 usw.)

Am Ende des Kapitels weist der Apostel darauf hin, dass wir das Gericht verhindern können, wenn wir uns selbst richtig richten (v. 31). Aber auch Gottes Gericht ist hier kein ewiges Gericht, sondern es geht um die Zucht in der Familie, um zu vermeiden, dass man mit der Welt verurteilt wird (v. 31.32). In dieser letzten Aussage benutzt Paulus das starke Wort katakrino. Es bedeutet, dass jemand auf ewig verurteilt wird.

Dann folgt ein praktischer Aufruf an die Korinther, beim Mahl die Einheit des Leibes nicht zu vergessen. Über die anderen Dinge würde Paulus mit ihnen reden, wenn er sie wieder besucht. (Was wird das gewesen sein?)

Zusammenfassung

Ich möchte mit folgenden Beobachtungen schließen:

Zunächst ist das Mahl des Herrn eine Handlung, die von Gott angeordnet ist, die vom Herrn zu einem bestimmten Zeitpunkt eingesetzt wurde und über die wir durch Paulus eine apostolische Unterweisung empfingen. Der Herr richtete die bewegende Bitte an uns: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Wer würde im Licht dieser Worte nicht dem Mahl den Vorrang geben, wo wir ihn anbeten und mit ihm Gemeinschaft haben? Das ist doch wichtiger, als auf die Stimme der Menschen zu hören. Wir singen:

„Gottes Sohn, anbetend schauen wir in dir des Vaters Bild,

Gottes Herrlichkeit und Gnade, seine Liebe unverhüllt. …

Und wir stimmen freudig ein:

Du bist würdig, du allein.“

Zweitens sollten wir über die Tatsache nachdenken, dass er sagte: „Nehmt, esst,“ und „trinkt alle daraus.“ Damit deutet er an, dass wir nicht nur an ihn denken sollen, sondern dass wir durch die Gemeinschaft mit ihm auch geistliche Speise erhalten, während wir über ihn nachdenken.

Eine ältere Dame aus Schottland fragte ihre jüngeren Verwandten, als sie vom Brotbrechen heimkamen: „Seid ihr heute im Gottesdienst jemandem begegnet?“ Darauf wurden verschiedene Nachbarn aufgezählt, die sie getroffen hatten. Dann wiederholte sie sanft, aber bestimmt: „Ja, ich weiß, dass ihr sie getroffen habt. Aber seid ihr noch jemand ganz Bestimmtem begegnet?“ Die ältere Schwester hielt das Mahl des Herrn für eine Gelegenheit, wo man dem Herrn begegnet und seine Gemeinschaft genießt. Wie passend!

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