Mission im Wandel der Zeit
In den letzten Jahren beschäftigte ich mich recht intensiv mit der Entwicklung der letzten Generationen, mit ihrem Denken und Handeln, ihren Stärken und Schwächen und besonders mit den damit einhergehenden Veränderungen in Bezug auf Mission. Dies ist eine Zusammenfassung davon:
Generation Booster (1927-1945)
Die Booster-Generation, die zwischen 1927 und 1945 geboren wurde, wurde in Europa manchmal als Kriegsgeneration bezeichnet. Es handelte sich um eine Generation, die große Härten, wie den Krieg und die Weltwirtschaftskrise, durchstehen musste und davon geprägt wurde. Diese Generation hatte das Streben nach Frieden, Sicherheit und besseren Lebensbedingungen zum Ziel. Booster arbeiteten hart, waren zielbewusst, ausdauernd und genügsam. Sie waren aufgabenorientiert und durch Treue, Loyalität und Stabilität gekennzeichnet, weshalb man unter ihnen Leute fand, die ihr ganzes Leben in derselben Firma gearbeitet hatten. Diese Generation von Missionaren zeichnete sich durch eine große Opferbereitschaft für das Evangelium aus. Als Pioniere waren sie in der Lage, unter harten Lebensbedingungen und in völlig abgeschiedenen Gebieten zurechtzukommen, wobei die Aufgabe, die Verbreitung des Evangeliums, Priorität hatte, noch vor der Familie. Sie gründeten Gemeinden und wurden deren geistliche Väter. Individuelles Arbeiten wurde der Teamarbeit vorgezogen. Aufgeben oder frühzeitige Rückkehr vom Missionsfeld waren undenkbar, auch dort, wo keine sichtbare Frucht entstanden war. Fast die einzigen Gründe für einen Ausstieg aus der Missionsarbeit waren eine schwere Krankheit oder das Erreichen des Pensionsalters.
Die Baby Boomer Generation (1946-1964)
Die „Boomer“, oder vollständiger ausgedrückt, die „Baby Boomer“ bildeten einen bestimmten zeitlichen Abschnitt, denn die Geburtenrate stieg seit 1946 stetig. Seit dem Jahr 1964 sank diese wegen des „Pillenknicks“ bis zur heutigen Zeit. In den deutschsprachigen Ländern bildeten sie die Nachkriegs- und Aufbaugeneration, d.h. die Generation, „die eseinmal besser haben sollte“. Entsprechend dachten sie sehr materiell und waren ausgesprochen erfolgs- und leistungsorientiert, technologiegläubig und zukunftsoptimistisch. Die Familie hatte einen herausragenden Stellenwert und deshalb wurden auch ihre Bedürfnisse sehr ernst genommen. „Backer, der im internationalen Missionswerk „SIM“ arbeitete und sowohl mit Missionaren aus den USA als auch aus Europa in Kontakt kam, stellte fest, dass sich unter dieser Generation von Missionaren die Überzeugung durchgesetzt hatte, dass Gott nie etwas von Eltern erwarten würde, was dem Wohlsein der Familie in irgendeiner Weise schaden könnte.“Die gut ausgebildeten „Boomer“ wollten auf dem Missionsfeld ihre Aufgaben und ihre Ausbildung einbringen und nicht einfach nur arbeiten, wo gerade Not am Mann war. Befriedigung im Beruf war für Missionare dieser Generation ein entscheidendes Kriterium dafür, wie lange sie auf dem Missionsfeld blieben.
Die Generation X (1965-1980)
Die Generation X ist eine antiautoritäre Generation und reagiert allergisch auf offen gezeigte Macht und Autorität. Fast ein Viertel der befragten „X-ler“ vertrauen niemandem. Grundsätzlich neigen „X-ler“ dazu Menschen ganz allgemein zu misstrauen, weil sich viele durch zerrüttete und neu zusammengewürfelte Familien betrogen fühlen. Die Folge ist eine Generation, die sich nicht lange auf etwas konzentrieren kann, d.h. ihre Aufmerksamkeitsphasen sind kürzer geworden. Wer kaufen will, der kauft sofort. Der Kleinkredit und der Leasingvertrag machen es möglich.
Die „X-ler“ sind nicht stark, was Geduld, Ausdauer und Disziplin anbelangt. Ihre Bereitschaft und Kapazität zu leiden und schwierige Situationen durchzustehen, ist oft nur gering und sie sind anspruchsvoll. „Es muss Spaß machen“ als grundlegendes Motiv erweist sich für ihren Dienst auf dem Missionsfeld auf die Dauer als unzureichend. Die Generation X hat materiellen Reichtum, aber emotionale Armut in der Familie erlebt. Darum kommen aus dieser Generation Missionsbewerber, die oftmals großen Schmerz aus ihrem Leben aufzuarbeiten haben und die im Ausland für emotionale Probleme besonders anfällig und weniger belastbar sind. „X-ler“ brauchen ein Team, um arbeiten zu können.
Die Generation X ist in die Jahre gekommen: „Man wird so schnell alt, die Zeit eilt schnell dahin“, schrieb der kanadischeKultschriftsteller Douglas Copland in seinem Roman„Generation X“. Dort wo „X-ler“ einen Platz finden, wo sie sich angenommen fühlen und ihre Gaben einbringen können, werden sie eine große Hingabe zeigen.
Generation Y (1981 -1996) und Generation Z (1997 -2010)
Diese beiden Generationen gehören dem Informationszeitalter an. Horst W. Opaschowski weist darauf hin, dass für die folgende Generation der Umgang mit Computer und Internet selbstverständlicher wurde, als dies für die Generation X war. Diese neuen Merkmale, die eher der Y- und Z-Generation zugeordnet werden, sind Unabhängigkeit, Offenheit, Toleranz und Unmittelbarkeit. Sie leben im Netz, lieben TV, Video, YouTube usw. genauso wie das Internet und sie sind erlebnisreiche Nomaden, die überall herumsurfen und nirgends zuhause sind. An der Schwelle des neuen Jahrtausends kündigte sich eine dritte Revolution an, die durch die elektronische abgelöst wurde.
Die multimediale Zukunft soll die Welt, die Gesellschaft und unser Leben verändern. Der Konkurrenzkampf der Anbieter um das Zeitbudget der Generation Y wird immer härter. Das Zeitbudget wird in Zukunft mindestens so knapp und kostbar sein wie das Geldbudget. Die 14-bis 29-Jährigen (Generation Z) wollen alles sehen, hören, erleben und vor allem im Leben nichts verpassen. Die Generation Y wächst in einem Computerzeitalter auf und lernt neu zu kommunizieren und in virtuellen Welten zu leben. Die Computerkultur übt eine unterschiedliche Faszination auf die jungen Menschen aus. Mal ist der Computer für sie eine moderne Rechenmaschine und mal ein ganz persönliches Ausdrucksmittel, lebendig, beseelt und empfindungsfähig. Im letzten Fall geht es weniger darum, was der Computer leistet, sondern was er ist. Eine Art Psychologisierung des Computers deutet sich hier an.
Die Generation Y kann sich nur noch kurze Zeit konzentrieren, denn sie schauen sich Inhalte oft nur wenige Sekunden an. Das führt zu Reizüberflutung, Nervosität, Ruhelosigkeit und Aggressivität. In den Familien sind Eltern und Kinder mit diversen Arbeiten, Terminen und Hobbies so beschäftigt, dass das Heim kein Nest mehr ist, sondern nur noch ein Boxenstopp.
Die Generationen Y und Z sind auf dem Weg in ein unbekanntes Land, in eine Landschaft, für die es noch keine Karte und keine Navigatoren gibt. Orientierungslosigkeit wird fast zur Normalität. Die Suche nach Halt und Orientierung nimmt zu, weil es kaum noch allgemeine Wertmaßstäbe gibt.
Die Generation Alpha (2011-2025)
Die Generation Alpha steht vor Herausforderungen, die ihre Vorgänger nicht kannten. Die „Alphas“ müssen sich in einer „neuen Welt“ behaupten. Diese Generation wächst unter anderen Rahmenbedingungen heran als jede Generation vor ihnen. Die Angst vor Kriegen und dem Klimawandel prägt die Generation Alpha besonders intensiv. Ängste um das Wohl des Planeten sind ihnen bereits in die Wiege gelegt worden.
Meine Frage zum Schluss:
Wie erreichen wir die vielen jungen Menschen im digitalen Zeitalter mit dem Evangelium? Nun bin ich ein alter Mann von 79 Jahren und gehöre der Baby-Boomer Generation an. Meine evangelistischen Methoden waren hauptsächlich den Zeiten vor der digitalen Revolution angepasst. Nun ist die nächste Generation gefordert sich intensiv in Gedanken zu beschäftigen, wie sie die heranwachsende Generation mit dem Evangelium erreichen kann.
„Gehet hin in alle Welt und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!“ (Mt 28, 19)
Verschiedene Brüder werden in den nächsten Ausgaben aus ihrer praktischen Erfahrung in der Evangelisation auf diese Frage antworten:
Was könnte helfen, um Menschen heute zu erreichen? – Teil 1
Von Armin Zikeli
Walter hat die Menschen unserer Zeit schön beschrieben. Wenn ich so darüber nachdenke, fallen mir ein paar Dinge ein, die helfen könnten, um sie für Jesus zu erreichen:
Ein Herz für Verlorene
„Es macht mich innerlich unruhig, wenn ich daran denke, dass Menschen verloren gehen,“ sagt ein erfolgreicher Evangelist in Römer 9,1f.
„Innerlich bin ich ruhig, solange meine Kaffeemaschine und mein Auto funktionieren, meine Familie gesund ist und das Geld rechtzeitig aufs Konto kommt,“ sagen wir vielleicht manchmal.
„Ich will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen,“ sagte der „Retter-Gott“ in 1. Tim 2,3f.
Feindesliebe
Seit 20 Jahrhunderten Evangelisation ist das stärkste Argument für Jesus vielleicht unsere Feindesliebe. Harte Herzen wurden durch sie weich für das Evangelium. „Ich bin immer so garschtig zu euch und ihr seid´s immer so lieb…!“, sagte unsere kürzlich verstorbene Nachbarin in einem hellen Moment. Irgendwann gab sie einem unserer Kinder das Recht, ihr von Jesus zu erzählen. Wie bekomme ich Feindesliebe in mein Herz?
So geht´s:
- Lukas 6,27-35 lesen
- Überzeugt sein, dass es weder für Gott noch für Ungläubige beeindruckend ist, wenn wir nur zu den Netten nett sind.
- Mit Gott im Gespräch darüber bleiben, dass ich darin wachsen will, die zu lieben, die es nicht verdient haben.
- Wachsen.
Interesse zeigen
Alle Generationen erzählen am liebsten von sich selber. Wenn wir Interesse an den Erlebnissen und Nöten der Leute zeigen, sie ermutigen und gerne mal helfen, wird das irgendwann auffallen. Aber ist das dann nicht geheuchelt von unserer Seite? Nein, denn Gott interessiert sich sehr für unsere eigenen Herzensregungen und wir genießen das. Das färbt auf uns ab und wir interessieren uns für Menschen, wir sind Gottes verlängerter Arm, unser Herz schlägt wie seines. Wie kann das helfen? Im besten Fall beginnen sich die Menschen irgendwann für unseren Vater im Himmel zu interessieren (Mt 5,16) und hören die Gute Nachricht, dass er die Sünder liebt.
Beobachtbar sein
„Die sind eine satanische Sekte und opfern ihre Kinder!“ Vor kurzem hat mir ein Freund erzählt, wie bei ihm zuhause vor seiner Bekehrung über die örtliche christliche Gemeinde gesprochen wurde. Lassen wir diese Vorurteile schmelzen, indem die Leute uns beobachten dürfen – mit den Kleinen an der Sandkiste, beim Fußballspielen, beim gemeinsamen Grillen, Wandern, Handwerken, Kochen, Plaudern über Alltägliches,…
Nahe bei Jesus leben
Keine Methode wird helfen, außer wenn wir laufend Kontakt zu Jesus haben. Zum Beispiel können wir mit einem Gespräch über sein Wort und über unser Herz in den Tag starten. Die Rebe bringt dann Frucht (Joh 15,6), vielleicht auch in der Evangelisation.
Lernen, wie man evangelistisch die Bibel liest
Wir schwören darauf, wir machen das seit 22 Jahren. Wenn Menschen sich darauf einlassen, in den evangelistischen Bibelkreis zu kommen, sind die Chancen viel höher, dass sie ihre Verlorenheit sehen und den einzigen Weg der Rettung verstehen. Gottes Wort wirkt, wenn unsere Bekannten es selber lesen und zu zweit oder in der Gruppe besprechen.