Gemeinde & Mission

Mit dem Wort umgehen (Titus 1,9-16)

von Lennox Gilbert

Über den Titusbrief – Teil 6

übersetzt von Christian Odenwald (Fortsetzung des Kommentars zum Titusbrief)

Älteste müssen die Wahrheit lehren.

In einer Welt voller Lüge, Verdrehung und Täuschung muss ein angehender Ältester Gottes Wort als etwas absolut Vertrauenswürdiges ansehen und ein gefestigtes Verständnis der Kernlehren des Glaubens haben. In seinem Leben sollte sichtbar sein, wie wertvoll diese Lehren für ihn sind: Es sollte sichtbar sein, dass er sich persönlich mit dem Wort beschäftigt, es sollte deutliche Hinweise geben für sein persönliches Wachstum im Glauben und für seine persönliche Reaktion auf die im Wort gestellten Herausforderungen an sein eigenes Leben. Vielleicht ist er nicht einer der hauptverantwortlichen Bibellehrer in der Gemeinde. Trotzdem muss er fähig sein, klare und verständliche Erklärungen in Bezug auf grundlegende und gesunde christliche Lehren zu geben, sei es im persönlichen Gespräch oder in einer Kleingruppe. Er muss auch fähig sein das Wort gut zu verteidigen. Um eine Analogie aus dem Fußball zu benutzen: In Bezug auf das Lehren muss er nicht einer der besten Torjäger sein, aber er sollte gut mit dem Ball umgehen können und zumindest eine solide Verteidigung liefern.

Drei Beobachtungen
Wir finden hier eine interessante Liste von Eigenschaften. Warum gerade diese? Was können wir aus diesen Eigenschaften über das Wesen und die Hauptaufgaben der christlichen Leitung ableiten?
Erstens beschreiben diese Eigenschaften nicht einen außergewöhnlichen „Super-Christen“. Mit Ausnahme der Anforderung lehren zu können beschreiben sie ein „normales“ christliches Leben. Alle Christen sollten so sein.
Zweitens ist in der Familie Gottes der Charakter wichtiger als die Begabung. Die Begabung ist vorübergehend. Der Charakter ist ewig. Die Begabung wird uns gegeben, damit wir sie benutzen können, um christlichen Glauben und Charakter in anderen zu entwickeln. Der Charakter ist, was wir wirklich sind, wenn nur Gott uns sieht, ohne Vortäuschen und Getue. Der Charakter ist entscheidend für die christliche Leiterschaft.
Das ist das Besondere an christlicher Leiterschaft im Gegensatz zu der Leiterschaft, wie sie in der Kultur um uns herum praktiziert wird: Ein Mann kann ein großartiger Geschäftsführer einer Firma sein und gleichzeitig seine Frau betrügen. Jemand kann ein hervorragender Leiter einer Schule oder Universität sein und gleichzeitig arrogant und gierig sein. Im Westen werden im Allgemeinen das Privatleben und der Charakter einer Person für weitgehend irrelevant gehalten in Bezug auf die Fähigkeit der Person ihre Rolle zu erfüllen. (Das unterscheidet sich von Kultur zu Kultur und du wirst wissen, inwiefern es in deinem eigenen Umfeld zutrifft.) Wenn es aber um die Gemeinde geht, ist der Charakter von vorrangiger Bedeutung. Die Aufgabe der Ältestenschaft ist es mit Gott zusammenzuarbeiten, um Menschen mit einem wunderbaren Charakter zu formen – Menschen, die wie Christus sind. Der Älteste muss also ein Vorbild für das sein, was er anderen beibringen will. Ein Ältester muss in seinem Charakter und Verhalten untadelig sein – zu Hause, in der Arbeit, in der Gesellschaft und in der Gemeinde.
Drittens ist für einen Ältesten das Verständnis vom Wort Gottes und die Verpflichtung ihm gegenüber von entscheidender Bedeutung, sowohl für sein eigenes Leben als auch für die Erfüllung seiner Rolle. Der Grund dafür wird deutlich, denn Paulus beschreibt nun das Umfeld, in dem die Ältesten ihre Aufgabe ausüben.

Die Gegenseite
Auf Kreta gab es viele falsche Lehrer: Schwätzer und Betrüger, die Chaos und Verwirrung säten, die Schwächen des nationalen Charakters ausnutzten und ganze Familien mit ihrem irreführenden Unsinn zerstörten.
Das erste Wort, mit dem Paulus sie beschreibt, ist „rebellisch“ oder „ungehorsam“. Sie haben keine Autorität anerkannt. Sie waren nicht bereit, sich dem Herrn Jesus zu unterwerfen oder seiner Lehre zu gehorchen, die er seinen Aposteln, wie z.B. Paulus, anvertraut hatte. Für diese Schwätzer war Paulus einfach Paulus: Er mochte vielleicht einen brillanten Verstand haben, aber er war nur Paulus. Und seine Lehren waren genau das – seine Lehren: interessant und gelegentlich hilfreich, aber nicht maßgebend in dem Sinne, dass der Herr Jesus mit seiner ganzen Autorität dahintersteht und man gehorchen muss.
Dieses Problem ist heute weit verbreitet. Viele Lehrer und Theologen haben weitgehend diese Einstellung sowohl gegenüber Paulus als auch gegenüber den anderen neutestamentlichen Schreibern angenommen. Sie zeigen damit, dass sie sich als die höchste Autorität sehen, indem sie selbst wählen und aussuchen, was sie für verbindlich halten. Sie kommen zur Schrift, um sie zu beurteilen, anstatt zuzulassen von ihr beurteilt zu werden. Sie werden zum Beispiel dem zustimmen, was das Neue Testament uns über Liebe sagt, oder über Barmherzigkeit gegenüber den Armen oder über Materialismus. Aber sie werden ignorieren, was die Schrift über sexuelle Moral oder die Unterschiede zwischen den Geschlechtern lehrt.
Als Nächstes sagt uns Paulus, dass sie „voll sinnlosen Geschwätzes“ waren. Viele dieser falschen Lehrer waren Juden, die sich zum Christentum bekannten und vorgaben, die Bibel zu studieren und zu lehren. Tatsächlich aber war das, was sie unterrichteten, kaum mehr als Spekulationen, Mythen, Fabeln und fadenscheinige Argumente. Das ist die Art von Lehre, die sehr erfolgreich darin ist Streit zu fördern, die aber nicht hilft die Gottseligkeit zu fördern. Diese falschen Lehrer wollten leere Regeln und Vorschriften erfinden, was die Leute tun oder nicht tun dürfen. Das waren Regeln, die keinen geistlichen Wert hatten, die aber den Stolz der Menschen ansprachen, oder ihren Wunsch ein gutes Gefühl über sich selbst zu haben oder ihr Bedürfnis, sich anderen gegenüber überlegen zu fühlen.
Auch das ist heute weit verbreitet. In jeder Generation gibt es Bibellehrer, die völlig daneben liegen, wenn sie beispielsweise über die Natur und den Zweck von Gottes Gesetz reden. Sie denken, dass das Predigen des Gesetzes der Weg ist, wodurch wahre Gottseligkeit hervorgebracht werden kann. In jeder Generation gibt es diejenigen, die zusätzliche Regeln und Vorschriften erfinden, besonders im Bezug darauf, was wahre Geistlichkeit ausmacht. Beispielsweise bestehen einige auf Rituale, die wesentlich für den geistlichen Fortschritt sein sollen; andere verbieten zu heiraten oder bestimmte Arten von Lebensmitteln zu essen. In jeder Generation gibt es diejenigen, die ein ungesundes Interesse an Engeln und Dämonen haben, oder die sich auf bestimmte Techniken zum Erlangen von „geistlichen“ Erfahrungen, Visionen und Prophezeiungen konzentrieren.
Drittens sagt er uns, dass es sich um „Betrüger“ handelte. Ihre Lehre war trügerisch und schädlich, da sie Dinge lehrten, die sie nicht lehren sollten. Das verursachte Chaos und Verwirrung und brachte ganze Familien durcheinander. Anstatt die nationalen Schwächen zu bekämpfen, fütterten sie sie, sodass diese Schwächen größer wurden. Lügen, die Suche nach Vergnügen und hemmungsloses, brutales Verhalten werden jede Familie zerstören.
Heute sehen wir ähnliche Wellen von irreführender und schädlicher Lehre. Ein Beispiel im Westen, das in Bezug auf Titus sehr wichtig ist, wie wir später sehen werden, ist eine besondere Lehre der Gnade, die die Notwendigkeit der Umkehr leugnet oder herunterspielt und gleichzeitig die Notwendigkeit von Selbstbeherrschung und Veränderung des Lebens abschwächt.
Dann wirft Paulus einen Blick auf das, was hinter ihren Handlungen steht, um ihre Motive und ihren wahren geistlichen Zustand zu betrachten. Sie waren selbstsüchtig und wie bei vielen der reisenden Lehrer damals war das Geldmotiv in ihrem Leben wichtig (siehe Vers 11). Sie behaupteten Gott zu kennen, aber ihr Leben verleugnete ihn. Den Reinen ist alles rein. Aber den Verunreinigten ist nichts rein. Diese falschen Lehrer waren verunreinigt und korrupt, sowohl in ihrem Denken, als auch in ihrem Gewissen. Sie behaupteten, Gott zu kennen, aber ihre Taten straften diese Aussage Lügen. Sie waren keine wahren Gläubigen. Sie ordneten sich Gott nicht unter und waren somit für jedes gute Werk völlig ungeeignet. Sie hatten kein Interesse an Gottes Absicht, Menschen mit einem schönen Charakter hervorzubringen. Sie waren einfach darauf aus, die Menschen so hässlich zu machen wie sie selbst waren.

Drei Fragen an Lehrer
Anhand dieser negativen Beschreibung sollten sich die, die am Lehren beteiligt sind, drei Warnungen zu Herzen nehmen.
Zuerst müssen alle Lehrer sorgfältig darüber nachdenken, was ihre Lehre in anderen bewirkt. Lässt sie die Hörer in der Gottseligkeit wachsen? Macht sie die Menschen liebevoller, freundlicher, mehr wie Jesus oder führt sie zu Streitigkeiten oder Arroganz? Bringt sie die Menschen dazu, dass sie immer nur Recht haben wollen, anstatt recht zu leben? Bibellehre, die nicht zur Schönheit der Gottseligkeit führt, ist leer und betrügerisch. Sogar dort, wo es großes Interesse an der Bibel und an Theologie gibt, kann das Ziel, Menschen mit einem wunderbaren Charakter hervorzubringen, völlig verfehlt werden.

Zweitens müssen wir alle, die wir in der Lehre involviert sind, über uns selbst nachdenken. Ordnen wir uns der Wahrheit unter, die wir lehren? Können die Menschen Anzeichen von Fortschritt in der Gottseligkeit in unserem Leben sehen? Wenn wir ein Leben lehren, das wir nicht leben, so untergraben wir nicht nur die Autorität und die Wahrhaftigkeit von uns selbst als Lehrer, sondern auch die Wahrhaftigkeit der Botschaft, die wir überbringen.

Drittens: Lehren wir die Wahrheit? Oder haben wir subtil oder auch weniger subtil die Wahrheit mit eigenen Theorien und Spekulationen ersetzt, weil wir festgestellt haben, dass dies bei unseren Zuhörern besser ankommt?

In Kreta die Wahrheit lehren
Was war die Antwort auf die Herausforderung der falschen Lehre auf Kreta? In einer Welt voll Täuschung und Lügen ist etwas Vertrauenswürdiges nötig: Gottes Wahrheit.
Darüber hinaus sind Menschen notwendig, die diese Wahrheit weitergeben. Dem Problem der falschen Lehrer wird durch Älteste begegnet. Älteste, die sich verpflichtet haben, für die geistige Gesundheit in der Gemeinde zu sorgen, indem sie die Wahrheit lehren, die sie selbst gelehrt worden sind. Sie sollten nicht neuen Theorien nachjagen oder darüber spekulieren, wie es die falschen Lehrer taten. Vielmehr war es ihre Verantwortung die Wahrheit treu weiterzugeben, die sie vom Herrn Jesus durch seine Apostel erhalten hatten. Dafür müssen die christlichen Lehrer hart arbeiten. Dafür brauchen sie feste Überzeugungen und mutigen Glauben.
Die Aufgabe, die Wahrheit zu lehren wurde durch das Umfeld in Kreta nicht einfacher, aber umso wichtiger. Lüge war ein nationales Charaktermerkmal. Es gab falsche Lehrer, die in die Gemeinde eindrangen und die Gläubigen verwirrten. Zweifellos brachten sie auch die Nichtchristen durcheinander, die zusahen. Und es gab viele verschiedene religiöse Möglichkeiten rundherum – die mit den griechischen Göttern verbundenen Religionen, die Verehrung des Kaisers, die Mysterienreligionen, die ekstatische Erfahrungen versprachen, Religionen, die eine strenge Askese verlangten und andere, die das Gegenteil anboten. Es war für jeden Geschmack etwas dabei und alles war unter der Kontrolle Roms, das in der Regel bezüglich Religion sehr tolerant war. Aber Rom wurde unruhig, als eine bestimmte Gruppe behauptete, dass sie allein die Wahrheit verkündet und damit alles durcheinanderbrachte. Die Christen waren eine kleine Minderheit. Sie waren wie Kinder, die vor kurzem zugezogen waren. Und doch behaupteten sie, dass Jesus der einzige Retter der Welt ist (Apostelgeschichte 4,12) und dass er „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist, wie er es mit seinen eigenen Worten gesagt hatte (Johannes 14,6).

(Je nach vorhandenem Platz, den weiteren Text reinnehmen oder weglassen. LG, Esther)

Heute die Wahrheit lehren
Unser heutiges Umfeld ist nicht einfacher. Falsche Lehre ist weit verbreitet, sowohl innerhalb als auch außerhalb der christlichen Gemeinde. Es ist möglich, durch einen einzigen Klick von überall auf der Welt darauf zuzugreifen. Falsche geistliche Führer haben sich vervielfacht trotz oder vielleicht gerade wegen des zunehmenden Materialismus und der Abhängigkeit von Wissenschaft und Technik. Die westliche Gesellschaft kümmert sich nicht wirklich, was die einzelnen Menschen glauben, solange niemand behauptet, ein bestimmter Glaube ist die Wahrheit.
Eine neue Form der Toleranz ist der wichtigste Wert der westlichen Kultur geworden. Toleranz bedeutete früher, dass jeder seine Meinung präsentieren und verteidigen kann und dass wir einander mit Respekt behandeln, auch wenn wir nicht miteinander übereinstimmen und die Meinung der anderen als falsch erachten. Heute bedeutet Toleranz, dass wir niemals sagen dürfen, dass irgendetwas falsch ist oder jemand falsch liegt. Alle Standpunkte sind gleichermaßen gültig, wenn es um Fragen der Moral, um Entscheidungen über den Lebensstil und um religiöse Überzeugungen geht.
In den Schulen und Universitäten wurden Generationen von Jugendlichen gelehrt, dass es keine wahre Interpretation irgendeines Textes gibt. Vielmehr könnte es tausend Interpretationen geben, jede so gültig wie die nächste. Solange es für die Person gilt, die es glaubt, ist es wahr. Die Absicht des Autors ist weitgehend irrelevant. Die Autorität hat der Leser (wenn sie überhaupt jemand hat). Das macht die Aufgabe, die Bibel zu lehren, sehr heikel! Anstatt zu akzeptieren, was gelehrt wird, ist es wahrscheinlicher, dass die Leute sagen: „Das ist nur deine Meinung. Ich habe eine andere Meinung.“ Natürlich kann niemand im wirklichen Leben danach leben. Ein Brief von der Bank, der sagt, dass ich ihr 1.000 € schulde, kann nicht von mir in einen Kontoauszug verwandelt werden, der sagt, dass ich 1.000 € auf der Bank habe, egal wie sehr ich auf den Bankmanager einreden mag. Aber das macht es immer schwieriger, die Menschen zu dem Punkt zu bringen auf die Schrift zu hören, geschweige denn, dass sie ihre Autorität als Wahrheit anerkennen.
Dieser Ansatz hat die westliche Kultur in Bezug auf Moral und Lebensstil zutiefst beeinflusst. Es ist in Wirklichkeit ein Freibrief, der jedem von uns erlaubt, alles zu tun, was er möchte (solange wir das Geld und die Macht dazu haben), ohne dass jemand das Recht hat, uns zu sagen, dass wir irren. Jeder kann frei wählen, was für ihn richtig ist und wie er leben will. Alles muss geduldet werden. Bei einem Trainingskurs für Lehrer an Schulen über „positive Verhaltensintervention“ in meinem Land war das wiederholte Motto der Trainer: „Kein Verhalten ist falsch.“
Glücklicherweise leben wenige Leute tatsächlich konsequent nach dieser Überzeugung, zu der sie sich bekennen. Die Wahrheit ist, dass alle von uns wissen, dass bestimmte Dinge falsch sind: Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Rassismus, Lügen vor einem Richter, Kannibalismus. Aber woher wissen wir das?
Manche sagen uns, dass wir es wissen, weil unsere Eltern und Lehrer uns dazu trainiert haben, so zu denken. Hoffentlich haben uns unsere Eltern diese Dinge beigebracht und hoffentlich haben unsere Lehrer uns darin bestärkt. Aber das ist nicht die eigentliche Erklärung dafür, woher wir das wissen. Wir wissen es, weil wir in einem moralischen Universum leben, dessen Schöpfer in uns Menschen von Anfang an ein Grundverständnis von Recht und Unrecht eingebaut hat.
Um eine Analogie aus der Mathematik zu verwenden: Woher wissen wir, dass zwei plus zwei vier ergibt? Weil unsere Lehrer es uns gesagt haben? Ich hoffe, dass sie das getan haben! Aber es gibt einen tieferen Grund. Als wir aufwuchsen, entdeckten wir eine größere Autorität als unsere Lehrer: die Gesetze der Mathematik. Wenn wir also mit unserem Bankmanager die Menge an Geld besprechen, die wir auf unserem Bankkonto haben sollten, argumentieren wir nicht, dass sechs monatliche Einlagen von 100 Euro 600 Euro sind, nur weil unser Grundschullehrer uns das erzählt hat. Wir haben die Grundgesetze der Mathematik für uns selbst entdeckt. Und wenn unser Bankmanager uns sagt, dass seine Wahrheit anders ist und dass nach seiner Wahrheit sechs Einlagen von 100 Euro gleich 60 Euro sind, so ziehen wir als Autorität nicht unseren Grundschullehrer heran, um zu zeigen, dass er falsch liegt. Wir ziehen die Gesetze der Mathematik heran, die überall gelten und für alle wahr sind.
Das moralische Gesetz ist so real wie die Gesetze der Mathematik. Wir wissen, was Recht und Unrecht ist, weil wir alle von Anfang an ein moralisches Gesetz in unseren Herzen eingeschrieben haben (siehe Römer 2,15.16). Unser Grundverständnis von Recht und Unrecht ist vom Schöpfer in uns eingebaut, genauso wie die Fähigkeit, eine Sprache zu lernen und zu sprechen. Wir alle haben ein angeborenes Gefühl von dem, was gerecht und ungerecht ist – hör einfach streitenden Kindern zu oder Erwachsenen, die gegen das Verhalten anderer Leute protestieren oder ihr eigenes entschuldigen. Warum tun sie das, wenn „kein Verhalten falsch ist“? Sie tun es, weil sie wissen, dass bestimmte Dinge falsch sind: Nicht weil ihre Eltern oder Lehrer oder sogar die Gesellschaft es ihnen erzählt hat, sondern weil ihr angeborener moralischer Sinn es ihnen sagt. Es gibt bestimmte Dinge, die ganz klar falsch sind. Oder anders gesagt, es gibt einige Dinge, von denen jeder weiß, dass sie falsch sind. Es ist unmöglich, das nicht zu wissen.
In den meisten Ländern stimmen die Leute überein, dass die Dinge, von denen wir innerlich wissen, dass sie falsch sind, tatsächlich falsch sind. Aber nimm für einen Augenblick an, dass eine Gesellschaft zu der einheitlichen Meinung gekommen ist oder dass ein Diktator in seiner eigenen Autorität entschieden hat, dass Kannibalismus (oder ethnische Säuberung) richtig ist. Würde das dadurch richtig? Natürlich nicht. Warum bestehen dann so viele Menschen auf der Ansicht, dass es keine absolute Moral gibt sondern nur eine Moral, die daraus besteht, was Einzelne oder die Gesellschaft für das Beste halten?
Wenn man zugibt, dass es ein moralisches Gesetz gibt, das unabhängig von uns existiert, stellt sich die Frage, woher es kam. Ich vermute, dass dies der Grund ist, warum heute wenige Menschen zugeben wollen, dass es eine absolute Moral gibt. Das wäre ein sehr starker Hinweis auf die Existenz eines Schöpfers, der auch der moralische Herrscher des Universums ist. Wenn das stimmt, folgt daraus, dass jeder Mensch ihm gegenüber verantwortlich ist. Und das ist für viele zu beunruhigend, um überhaupt nur darüber nachzudenken. Denn niemand wird vor Gott stehen und zu Recht behaupten können, dass er nicht weiß, dass er Unrecht getan hat und nicht weiß, dass er vor Gott schuldig ist. Wie Paulus in Römer 2 sagt, wird ein Tag kommen, an dem Gott die Geheimnisse der Herzen der Menschen bloßstellen wird, die entweder bestimmte Verhaltensweisen entschuldigt oder verteidigt haben. Das ist nicht nur für Gott, sondern auch für sie selbst ein Beweis für ihr Bewusstsein von Recht und Unrecht und für ihr Bewusstsein für ihre eigene Schuld. Die Menschen stecken ihre Köpfe in den Sand und weigern sich Gott anzuerkennen. Dadurch ändert sich natürlich weder die Tatsache, dass Gott existiert, noch die Verantwortung, die der Mensch gegenüber Gott hat.

Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe