Gemeinde & Mission
Vorwort

Offenbar und unscheinbar (Vorwort 66)

von Lindner Andreas

Gott wirkt manchmal unscheinbar oder zeigt sich im Hintergrund. Das hat wohl auch den Propheten Elia überrascht.Als Elia ganz „unten“ war, brauchte er eine neue Offenbarung Gottes, um wieder hochzukommen. Als dann der Herr zu Elia kam und zu ihm sprach, brach ein gewaltiger Sturm los. Felsen wurden zerschmettert, Berge wurden verwüstet. Der Wind war erstaunlich, aber der Herr offenbarte sich nicht darin. Danach kam ein Erdbeben, aber der Herr offenbarte sich nicht im Erdbeben, auch nicht in der darauf folgenden Feuersbrunst, sondern ganz unscheinbar.Auf dem Berg Karmel hatte der Herr mit Feuer geantwortet (1. Kö 18,38). Sein Eingreifen war offenbar und deutlich. Es war so eindeutig, dass das ganze Volk schrie: „Der Herr ist der wahre Gott.“ Aber das offenbare Eingreifen Gottes hatte nicht die erwünschte Wirkung gezeigt. Das Volk war nicht zum Herrn umgekehrt, und die Verfolgung der Gläubigen war schlimmer als zuvor.

Es war so hoffnungslos, dass Elia Gott bat, ihn sterben zu lassen (1. Kö 19,4).An Tagen der Oberflächlichkeit und des Unglaubens wünschen wir uns auch, dass Gott eingreift. Wir wollen, dass er sich eindeutig offenbart, für alle sichtbar. Wir erwarten, dass er deutlich wirkt, damit Menschen aus der Oberflächlichkeit gerissen werden. Wenn wir Gottes Eingreifen erleben würden, wie in einem Erdbeben oder in einem gewaltigen (geistlichen) Sturm, wären wir vielleicht ausgerüstet für die Aufgaben, die vor uns liegen. Wir wünschen uns Gottes offenbares Eingreifen: das Feuer einer Erweckung, ein Beben, das die Grundfesten des Unglaubens erschüttert und einen Sturm, dem niemand widerstehen kann.

Wenn wir nur danach Ausschau halten, kann es sein, dass wir in der Zwischenzeit das unscheinbare Wirken Gottes übersehen. Elia hatte gar nicht mitbekommen, dass er nicht allein war. Der Herr hatte weitere 7000 treue Nachfolger in Israel, ganz unbemerkt. Welche Ermutigung wären sie für Elia gewesen!

Elias Nachfolger Elisa hatte doppelt so viel geistliche Kraft wie Elia (2. Kö 2,9). Aber wie hatte er von dem großen Propheten gelernt? Ganz unscheinbar: er hatte ihn begleitet und ihm gedient. Er war bekannt als der Mann, der Elia beim Händewaschen half (2. Kö 3,11). Wie unscheinbar!

Timotheus lernte zweifellos viel von Paulus. Er diente ihm, „wie ein Kind dem Vater“ (Phil 2,22). Bei diesem gemeinsamen Dienst wirkte der Herr an Timotheus, und verwendete ihn auch. Auch das hat keine große Wirkung vor dem Publikum.

Der Herr berief seine Jünger, dass sie „bei ihm“ sein sollten. In dieser unscheinbaren Gemeinschaft erlebten sie Gott, wurden von ihm geprägt und dienten ihm.

Der Herr sprach schließlich zu Elia, aber anders als erwartet. Nicht so offenbar wie in einem Sturm, einem Erdbeben oder einem Feuer, sondern in einem leisen Säuseln: unscheinbar! Manchmal wirkt Gott deutlich, und sein Eingreifen ist offenbar. Aber viele Ermutigungen und Gelegenheiten zum Lernen und Dienen sind ganz unscheinbar. Die sollten wir nicht verpassen!

Andreas Lindner