Gemeinde & Mission

Psychologie wider Seelsorge? – Teil 2

von Prock Helmut

Im ersten Teil wurde beschrieben, dass es psychische Erkrankungen gibt, die so schwerwiegend sind, dass man sich in der Akutsituation selber nicht mehr helfen kann und welche Schritte und Hilfen dann notwendig sind. Nun  wird es um psychische Nöte und Krankheiten gehen, die mit der Hilfe des Herrn selber angegangen werden können und müssen. Teil 1 ist unter www.gemeindeundmission.de nachlesbar.

Wenn man sich selbst noch helfen kann

Traurig und irritierend finde ich, dass viele Christen ihr Leben zu wenig aus der Kraft des Herrn meistern und schnell bereit sind, die Ursache und die Lösung ihrer Probleme außerhalb ihrer selbst zu suchen.

Alle Symptome eines Persönlichkeitszusammenbruchs können auch in leichter und mittlerer Form vorkommen, ohne dass es zu einem eigentlichen Zusammenbruch kommt. Man sitzt also sozusagen noch selbst am Drücker und kann noch ungleich mehr als ein akut von einem Zusammenbruch Betroffener sein Leben positiv beeinflussen. Folgendes Bild kann das deutlich machen: Wenn ich einen Schwamm zusammendrücke, so begibt er sich wieder in die ursprüngliche Position. Wenn ich das bei einer Dose mache, so bleibt sie verändert und zusammengedrückt. Der „Schwamm“ kann sich also noch selber helfen und kehrt in seine normale Ausgangsposition zurück. Bei der „Dose“ ist das kurz-, mittel- oder langfristig nicht mehr möglich.

Hier einige Wegweisungen für den Fall, dass ich mir noch selber helfen kann:

1) Die wichtigste Frage ist: Was ist es, das mich belastet und warum ist es in meinem Leben?

Für die richtige Diagnose sollte man das Gespräch mit jemand suchen, der das Gesagte auch richtig einordnen und auswerten kann. Das was wir so einzigartig erleben, ist gar nicht so einzigartig. Eine erfahrene und einfühlsame Person kann das Problem im gemeinsamen Gespräch gut eingrenzen und definieren.

Für diesen nüchternen Diagnosevorgang (und er sollte nüchtern sein) ist es überhaupt kein Fehler auf geschultes Personal – gläubig oder nichtgläubig –  zurückzugreifen. Der begabte Hirte und Seelsorger sollte ein Grundwissen auf dem Gebiet der Psychologie und Psychiatrie haben (Definitionen siehe später), und eine einschlägig ausgebildete, aber nichtgläubige Fachperson muss den gläubigen Hilfesuchenden mit seinem Glauben so annehmen, wie er ist.

2) Wichtig wäre auch die Beantwortung folgender Fragen:

-Ist das Problem in meiner Persönlichkeit begründet? Habe ich Vorfahren oder lebende Verwandte mit ähnlichen Symptomen?

-Kommt das Problem aus Fehlern in der Erziehung oder von Problemen mit meinen Eltern in Kindheit und Jugend?

-Ergibt sich die Not aus den momentanen Umständen, Verhältnissen (Beziehung, Partnerschaft) oder Erlebnissen?

Es geht dabei nicht darum, dass wir unsere Vergangenheit krampfhaft durchleuchten und bewältigen sollen. Es geht nur darum, dass wir das Problem nüchtern sehen und Ansatzpunkte für eine Verbesserung erkennen. Die meisten Menschen leben ein nicht durchdachtes Leben und werden so vom Lauf der Dinge überrollt und getrieben. Eine nüchterne Diagnose ist daher die Voraussetzung für eine Verbesserung.

Probleme im seelischen Bereich hängen oft mit Schuld zusammen: Schuld, die man selbst begangen hat und Schuld, die andere an uns begangen haben. Gerade hier ist das „Angebot“ des christlichen Glaubens so tiefgreifend und wegweisend. Das Evangelium hilft und gebietet uns gleichzeitig, anderen und uns selbst zu vergeben.

3) Zur weiteren Diagnose gehört auch die Beantwortung der Frage, welche falschen Denkschemata oder Verhaltensweisen die seelische Not oder die Symptome mitverursachen oder verstärken. Auch hier wird meistens noch nüchtern und sachlich gearbeitet. Es wird versucht, die Problematik einer Art Nummernskala von Diagnosen zuordnen zu können.

4) Aus der Diagnose ergibt sich dann ein „Fahrplan“ um aufzuarbeiten, Altes zurückzulassen und Neues zu lernen. Hier beginnt die eigentliche Problematik für den Christen, da die Lösungen, die der jeweilige Seelsorger oder Therapeut gibt, sehr eng mit seinen Ausgangspunkten und persönlichen Überzeugungen zusammenhängen. Wie gesagt, ist es nicht von vornherein gegeben, dass alles richtig läuft, nur weil die Begleitung von einem Christen erfolgt. Zum Beispiel kann eine moralisierende alleinige Betonung auf Glaubensgehorsam und Verantwortung die Person in einer akuten Phase völlig überfordern. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt. Es ist nicht alles falsch, nur weil ein Nichtchrist am Werke ist. Folgende Kriterien können helfen:

  • Ist der Helfende verständnisvoll, kann er gut zuhören oder lässt er von vornherein nur seine Meinung gelten und möchte den Betroffenen in diese Richtung beeinflussen?
  • Werden die Glaubensüberzeugungen des Hilfesuchenden respektiert und geachtet?
  • Sind die Therapie und die praktischen Anwendungen, die sich aus ihr ableiten nicht im Widerspruch zu klaren Richtlinien des Wortes Gottes?
  • Kommt es zu Fortschritten, die letztlich auch das Glaubensleben stärken oder ist die glaubensmäßige Entwicklung eher negativ?

5) Manchmal sind aber auch ganz tiefgreifende „Herzensfehler“ und -sünden die Ursache oder eine Mitursache, warum die Beschwerden einfach nicht besser werden wollen. Einige Beispiele dafür:

-Vergleichsdenken, Perfektionismus

-Neid, Habgier, Eifersucht

-ständige Unzufriedenheit, damit einhergehender Frust und Vorwurfshaltung gegenüber der eigenen Umgebung: Die materiellen Wünsche übersteigen bei weitem die Möglichkeiten, der Partner ist nie rücksichtsvoll genug usw.

-Anerkennungs- und Geltungssucht

-Selbstmitleid und mangelnde Bereitschaft Verantwortung für sein Leben zu übernehmen

-mangelnde Bereitschaft zur Vergebung

-Selbsthass (sich selbst nicht vergeben und sich nicht annehmen auf eine ungesunde, zerstörende Art)

-Widerspenstigkeit gegen hilfreiche Ratschläge oder Überführungen aus dem Wort Gottes

-Murren gegen Gott und eine Vorwurfshaltung Ihm gegenüber

Hier scheiden sich natürlich die Geister und die Zuordnungen durch den Berater. Diese hängen ja auch von seinen weltanschaulichen Ausgangspunkten ab. Was die Welt „gesundes Selbstbewusstsein“ nennt, kann in der Schrift durchaus als sündiger Egoismus bezeichnet werden. Es ist meine leider immer wieder gemachte Beobachtung, dass Christen jahrelang und manchmal sogar für immer in ihren psychischen Problemen hängenbleiben, weil sie nicht bereit sind, sich die Herzenssünden, die dahinterstehen, einzugestehen und sie mit Gottes Hilfe anzugehen, nachdem sie bewusst geworden sind.

Folgender Vers hat mich diesbezüglich sehr angesprochen:

                                      „Gott ist es, der Einsame zu Hause wohnen lässt, Gefangene hinausführt ins Glück; Widerspenstige jedoch bleiben in der Dürre.“ (Ps 68,7)

Es ist ein eisernes Gesetz des geistlichen Lebens, dass Gott dem Hochmütigen und dem Widerspenstigen widersteht. Andererseits sehen wir in diesem Vers die – gegenüber dem Nichtglaubenden – fast unendlichen Möglichkeiten, die wir Gläubigen haben: Gott kann in die tiefsten Tiefen unserer Seele eingreifen, wenn wir uns dafür entscheiden (prinzipiell und immer wieder) und wenn wir es zulassen. Berechtigter Zorn ist trotzdem Zorn und muss als solcher als sündig eingestuft werden. Das Leben im Heiligen Geist und aus dem Heiligen Geist heraus bedeutet genau das, dass wir uns nicht von negativen Gefühlen oder inneren Haltungen leiten lassen, auch wenn wir immer wieder damit kämpfen. Der natürliche Mensch kommt aus diesem Gefängnis in den seltensten Fällen heraus, ebenso der nicht einsichtige Gläubige. Er bleibt darin hängen. Der geistliche Gläubige verbietet sich das Recht auf die oben angeführten Herzenssünden. Er bittet Gott, in diese Tiefen einzugreifen und – wenn die Gefühle nicht weggehen wollen – trotzdem die richtigen Taten setzen zu können. Sein Empfinden und sein Lebensstil sind also nicht dauerhaft von diesen negativen Gefühlen geprägt, obwohl Kampf und Niederlagen mehr oder weniger oft vorkommen. Buße und Korrekturbereitschaft führen dazu, dass das Richtige stärker ist als das Falsche und dass man nicht überwiegend von der Sünde regiert wird.

Letztlich – und das muss ich auch mir selber immer wieder sagen – ist allein die Gnade der Ausgangspunkt für unser Leben. Gott hat uns geliebt als wir ihn lästerten, als wir Sünden aller Art trieben, als wir – kurz gesagt – seine Feinde waren. Wie viel mehr wird Er jetzt zu uns stehen, uns helfen, uns annehmen, da wir nunmehr Seine Söhne und Töchter geworden sind. Der neue Bund schließt all unser Versagen mit ein, das Blut Jesu sichert uns die völlige und immerwährende bedingungslose Annahme durch Gott zu. Er ist unser Abba, unser liebender Vater. Auf dieser Basis entscheiden wir uns wieder aufzustehen, unsere Sünden zu bekennen und den Heiligen Geist das Werk der Erneuerung in uns vollbringen zu lassen.

Spannungen zwischen geistlicher und geläufiger weltlicher Hilfe

Ich darf zuerst ganz kurz drei Grundbegriffe auseinanderhalten, wobei ich wieder auf das wertvolle Buch von Samuel Pfeifer hinweisen will.

Psychologie: Dieser Begriff beschreibt ganz allgemein, was an innerem Erleben, Denken und Verhalten beim Menschen zu finden ist. Viele wertvolle Ergebnisse und Erkenntnisse sind dabei erarbeitet worden, an denen man heutzutage überhaupt nicht mehr vorbeigehen kann. Aber Achtung! Die abgeleiteten Modelle und Theorien über den Menschen sind natürlich nicht wertfrei und hängen von der jeweiligen Weltanschauung ab. Die Spannweite reicht vom Menschen als dem Ebenbild Gottes bis zum Menschen als einem besseren Affen ohne freien Willen. Trotzdem ist die Psychologie in der Diagnosefindung eine unerlässliche Hilfe!

Psychotherapie: Hier geht es um die Behandlungstechniken, die zur Linderung oder Heilung psychischer Krankheiten und Störungen beitragen sollen. Dies ist vom christlichen Standpunkt aus wahrscheinlich das umstrittenste Gebiet, da die Vorschläge und Anwendungen direkt in das Leben des Betroffenen eingreifen. Daher ist es entscheidend wichtig, dass sie vom biblischen Standpunkt gesehen auch richtig sind und den Gläubigen nicht in eine für sein Leben falsche Richtung lenken. Die Erfahrungen können durchaus positiv sein. Es kann aber auch passieren, dass der Gläubige sein Leben auf falsche Art neu ausrichtet und so im Glaubensleben Schaden erleidet. Obige Kriterien sind unbedingt zu beherzigen!

Psychiatrie: ist „ … ein Teilgebiet der medizinischen Wissenschaft, das sich mit Diagnose, Behandlung und Maßnahmen zur Vorbeugung von Geisteskrankheiten und anderen psychischen Störungen befasst.“ (Definition von Samuel Pfeifer). Ein Psychiater ist also ein ausgebildeter Arzt mit einer jahrelangen Fachausbildung. Die nüchternen Diagnosen und das Festhalten des Krankheits- oder Störungsbildes sind im Bedarfsfall unablässig und unbedingt erforderlich, ebenso die Verschreibung von Medikamenten in Fällen, in denen es notwendig ist. Davon aus einem falschen Misstrauen heraus abzuraten, wie es oft noch in christlichen Kreisen passiert, grenzt meiner Meinung nach an Fahrlässigkeit!

Nun zu den Spannungsfeldern, die sich – wie ich meine – geistlich nicht aufheben lassen. Ich persönlich sehe den Wert aller drei eben beschriebenen Forschungs- und Betätigungsfelder vor allem darin festzustellen, was eigentlich los ist, sowie im Auffangen der Akutphase bei seelischen Zusammenbrüchen verschiedener Art. Weiters brauchen wir das moderne Wissen bei andauernden Neurosen und Psychosen aus denselben zwei Gründen. Was wir aber nicht brauchen, sind unbewiesene weltliche und menschliche Theorien und Ausrichtungen, die sich nicht mit der Bibel vereinbaren lassen, auch wenn dies immer wieder versucht wird.

Denken wir nur an das Alabasterfläschchen mit dem kostbaren Nardenöl darin. Das eine muss zerbrochen werden, damit das andere ausfließen kann. Der Welt und auch weltlichen Christen geht es vor allem um das eigene Wohlergehen, Gott und dem geistlichen Christen geht es vor allem darum, dass das geistliche Werk vorangeht, dass anderen Menschen gedient und dass Gott verherrlicht wird. Das Öl ist ein Bild für das Wirken des Heiligen Geistes, das unseren Zerbruch erfordert! Deshalb kann es nicht sein, dass das, was wir landläufig „glücklich sein“ und „gutgehen“ nennen, das vorrangige Lebensziel eines Christen darstellt. Ganz im Gegenteil benutzt Gott Leiden, widrige Umstände, seelische Zerrissenheit und Kämpfe, ja sogar psychische Zusammenbrüche, um uns immer tiefer und deutlicher auf das eigentlich Wichtige hinzuweisen. Die Kunst dabei ist, dass wir lernen, vermeidbare Probleme, die wir selbst verantwortungsvoll lösen können, von „unvermeidbaren“ Problemen zu unterscheiden, die Gott in unser Leben hineingestellt hat, um uns daran wachsen zu lassen und uns dadurch zu erziehen. Problemlosigkeit und Leidlosigkeit an sich sind keine Werte eines Jüngers Jesu. Genau das aber streben der Weltmensch und der oberflächliche „Lot-Christ“ an. Diese beiden Ausrichtungen sind nicht miteinander vereinbar.

Genauso wenig ist der Humanismus mit seiner Verabsolutierung des Menschen und seinem positiven Menschenbild mit dem biblischen Christentum vereinbar. Jeder Versuch das zu tun zeigt, dass die unaufhebbare Gegensätzlichkeit nicht durchschaut worden ist. Ich kann nur von einem Menschenbild ausgehen, nur einem Herren wirklich dienen. Das andere muss sich unterordnen, wenn sich auch Wertvolles und Verwendbares darin finden lässt.

Biblisches Denken geht von der Verderbtheit des Menschen aus, wenn er auch dadurch, dass er Ebenbild Gottes ist, durchaus zum Guten formbar ist. Sonst wären ja alle Bemühungen, die von Nichtchristen in diese Richtung gemacht werden, völlig sinnlos. Deshalb können richtige Erkenntnisse aus der Psychologie oder richtige Vorschläge in der Therapie zu entscheidenden Fortschritten führen. Aber dann bleiben viele stehen, weil nur Gott und Sein Heiliger Geist uns im Tiefsten berühren und wirkliche Änderung bewirken können. Trotz aller Erkenntnisse der Psychologie bleibt das Leben ohne Gott im Letzten sinnlos, da die Psychologie keine Antworten auf die Grundfragen des Lebens hat. Und selbst das größte Lebensglück wird jäh unterbrochen, wenn der Arzt einen unheilbaren Krebs diagnostiziert. Deshalb kommen viele Menschen trotz aller Hilfe durch Psychologen und Therapeuten mit ihren seelischen Nöten nicht weiter: Weil sie keinen wirklichen Sinn im Leben haben und Sklaven der Todesfurcht sind! Das Leben vieler Psychologen, Therapeuten und Psychiater selbst sieht auch dementsprechend aus!

Weltliches, wissenschaftliches Denken schließt übernatürliche Gründe für negative seelische Zustände und Krankheiten kategorisch aus. Das ist aber von der Bibel her undenkbar, da gemäß der Schrift negative und positive geistliche Mächte auf die ganze Welt und den einzelnen Menschen einwirken. Daher muss diese Möglichkeit mit einbezogen werden. Ich habe es mehrmals erlebt, dass Menschen mit okkulter Vergangenheit vor der Bekehrung oder auch danach Begegnungen mit dämonischen Kräften in verschiedener Form erfuhren, da diese nicht so schnell bereit sind, ihre Opfer loszulassen. Ebenso habe ich beobachtet, dass die Weigerung Jesus anzunehmen, besonders bei seelisch bereits angeschlagenen Menschen zu einer massiven Verschlechterung ihres Zustandes bis hin zum Wahnsinn und zur Lebensunfähigkeit geführt hat.

Gläubige in Not nur zu ausgebildeten Spezialisten abzuschieben ist eine unglaubliche Verarmung des Gemeindelebens und gleichzeitig ein totales Armutszeugnis für die Gemeinde Jesu. Wir, die wir das Licht der Welt sein sollen, verweisen unsere Geschwister an weltliche Experten, die ihnen dann ihr Leben erklären und die Lösungen für ihre Probleme geben sollen. Wie gesagt, kann es zum Teil sehr hilfreich sein, im Letzten aber ist Gott die Lösung für alle unsere Probleme. Deshalb müssen die Angeschlagenen zu Ihm hingeführt werden und nicht zu einem Menschen mit menschlichen Lösungen, der selbst für die wirklich wichtigen Dinge blind ist. Statt 50 hochbezahlter Minuten sollte dem Gläubigen immer eine gute und verständnisvolle Gemeinschaft mit Geschwistern und ein weiser, geistbegabter Seelsorgedienst zur Verfügung stehen, ohne Bezahlung (es sei denn, der Seelsorger lebt von seinem Dienst)! Für „normale“ und lösbare Probleme im seelischen Bereich ist seit Sigmund Freud keine neue „Heilszeit“ angebrochen, sondern die Gesellschaft leidet immer mehr darunter. Und die Menschen all die Jahrtausende davor waren nicht nur hilflos ihren Gefühlen und Problemen ausgesetzt, sondern wussten sich sehr wohl auch zu helfen. Gleichzeitig waren die Menschen wesentlich stabiler und nicht so orientierungslos und alleine, wie es heute oft der Fall ist. Die Gemeinde Jesu kann und muss also genau hier eine enorme Hilfe und seelische Stütze sein. Das ist ihr Auftrag!

Im Letzten geht es doch darum, dass wir immer mehr erkennen müssen und dürfen, dass wir ohne Christus nichts sind und dass wir Ihn in allem brauchen. Demgegenüber sagt uns die weltliche Weisheit, dass wir in uns selbst sehr wohl etwas sind und dass jeder die Möglichkeit hat ein glückliches Leben zu leben, wenn er nur die richtigen „Knöpfe“ drückt. Ohne Gott ist das Leben aber hoffnungslos und sinnlos. Dieser Leere kann niemand entrinnen, es sei denn, dass er in Gott die Erfüllung seiner innersten Bedürfnisse findet. Deshalb ist das Vertrauen auf menschliche Weisheit nichts anderes als der Vorzug eines löchrigen Kübels gegenüber einer lebendigen, immer sprudelnden Quelle. Wir finden echte Hilfe nicht darin, dass wir versuchen, die Löcher zu stopfen, sondern indem wir den Kübel fahren lassen und immerfort aus der lebendigen Quelle trinken. Wir halten nicht an unserem Leben fest und versuchen es immer besser zu gestalten, sondern wir geben unser Leben dahin an Christus, um es durch Ihn gestalten zu lassen.

Ein älterer und im Dienst erprobter Diener und Mann Gottes sagte nach dreißig Jahren Dienst: „Die ersten zehn Jahre meines Dienstes war ich Experte. Ich stand am Ufer des Stromes des Lebens und rief den Ertrinkenden Anweisungen zu. Die nächsten 10 Jahre meines Dienstes war ich Experte und Retter. Ich rief nicht nur Anweisungen zu, sondern ich sprang auch ins Wasser, um den Ertrinkenden zu helfen. Aber in den letzten zehn Jahren habe ich erkannt, dass ich weder Experte noch Retter bin, sondern nur einer wie die anderen im Strom des Lebens, einer von vielen, die ihre Arme nach einem Retter, nach einem Experten ausstrecken: Jesus Christus!“