Salzkraft ist mehr als ein Reisebusunternehmen
„Salzkraft“ ist unterwegs in der Mozartstadt. Reisebusse des gleichnamigen Busunternehmens werden mit „Salzkraft“ beschriftet. Aber für die Christen dieser Stadt ist dieser Begriff mit einem viel tieferen Sinn belegt. Denn so beschrieb der Herr Jesus den Einfluss der Jünger Jesu auf ihre Umgebung.Die roten Busse haben mich oft an den Vers aus der Bergpredigt erinnert: „…wenn aber das Salz kraftlos geworden ist…“ Und wiederholt lenkt dieses Jesuwort meine Gedanken zu meiner geliebten Heimat zurück.
Die Vereinigten Staaten sollen ein christliches Land sein. Es stimmt, dass wir Tausende in die Heidenmission aussandten, und dass überzeugte Christen eine große Rolle in unserer Geschichte spielten. Unsere berühmten Universitäten Harvard, Princeton, Stanford und dergleichen mehr wurden von Gottesmännern gegründet. Heute noch besuchen sechzig Prozent der amerikanischen Wähler ihre Kirche oder Synagoge und unsere Politiker erflehen den Segen Gottes in aller Öffentlichkeit. „God bless America!“ ist oft auf CNN zu hören. Selbst unsere Geldscheine bekennen sich offen zum Gottvertrauen – „In God we trust“. Kein Scherz! Es gibt Millionen von Wiedergeborenen in den Staaten. Halleluja! Aber man merkt recht wenig von ihrem Einfluss (Salzkraft) auf die heidnische amerikanische Gesellschaft.
Die Christen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wollen Einfluss ausüben, und sie stellen eine Vielfalt an Kampagnen auf die Beine. Groß angelegte Evangelisationen, Trainingsprogramme, Männerbewegungen, Fernsehkanäle, MegaChurches, christliche Schulen und bibeltreue Bibelschulen, Seminare und Universitäten florieren. Wieder andere Christen engagieren sich in der Politik, um christliche Werte und Anliegen unter dem Volk zu thematisieren. Trotz aller guten, positiven Aktivität nimmt die Gesellschaft von den Evangelikalen kaum Notiz (ihre Wählerstimmen ausgenommen). Etwas Entscheidendes scheint zu fehlen – die Salzkraft!
Im österreichischen und süddeutschen Raum stellen wir Evangelikale eine winzige Minderheit dar. Was will unsere kleine Schar denn tun? Wie wollen wir unsere Umgebung beeinflussen? Wir können eine Menge vom großen Fallbeispiel jenseits des Atlantiks lernen. Beginnen wir vielleicht mit folgender Feststellung: Wenn wir unsere Umgebung für Gott beeinflussen wollen, ist es nicht so ausschlaggebend, was wir für Gott hier tun, sondern was wir auf dieser Erde für Ihn sind. Der Herr lehrte seine Jünger, „Ihr seid das Salz der Erde…. Ihr seid das Licht der Welt…“.
„Ihr seid…“ Was du bist, nicht dein Dienst, steht hier im Brennpunkt! In unserer oberflächlichen Leistungsgesellschaft bist du erst jemand, wenn du etwas kannst, wenn du eine Menge hast, oder wenn du (an der Oberfläche) schön bist. Was du in deinem Charakter bist, das ist nicht gefragt. In Gottes Königreich ist es aber gerade umgekehrt. Den Herrn interessiert der Arbeiter mehr als seine Arbeit. Einfacher formuliert: was du bist, ist wichtiger als was du tust, denn wenn du das bist, was du sein sollst, wird deine Arbeit für Gott schon in Ordnung sein!
Das Salz lässt den Geschmack einer Speise hervortreten. Daher klagte Hiob: „Wird Fades, Salzloses gegessen?“ (Hiob 6,6). Eine salzarme Diät ist wirklich Armut! Unser Gott will uns dazu verwenden, Menschen auf den Geschmack fürs wirkliche Leben zu bringen. Das Leben auf diesem Planet kann deprimierend werden, weil die Dinge dieser Welt nicht wirklich glücklich machen! Die Menschen trachten nach dem Besitz, opfern alles für die Karriere, unterwerfen sich der Mode und eifern sich um den Sport. Aber dreihunderttausend Geldscheine, dreihundert schöne Kleider und zahlreiche Siege später ist die Gesundheit dahin. Was haben sie davon? Einige undankbare Erben, Kleiderschränke voll von „nichts zu tragen“ und ein ganzes Regal voll sinnlosem Blech. Die Welt braucht Salz! Daher ließ der Herr uns auf diesem Planeten zurück. Wir sind das Salz der Erde! Erfüllen wir unsere Aufgabe? Lesen die Leute an deinem Leben ab, dass ein Leben mit Gott schmeckt?
In der Vorkühlschrankzeit mussten Fleisch, Fisch etc. eingesalzen werden. Das wertvolle Salz verhinderte dabei den Prozess des Verderbens. Ebenso hält die Anwesenheit von salzigen Christen in dieser Welt das Verderben auf. Paulus fordert uns auf, verdorbene Worte zu unterlassen und unser Reden mit Salz zu würzen. So erbauen wir unsere Hörer und regen bei ihnen Durst nach unserer Frohbotschaft an (Kol. 4,6; Eph. 4,29). Wir leben vor den Augen unsere Mitmenschen, und sie ahnen, was wir sind.
„Wenn aber das Salz kraftlos geworden ist…“ Worin besteht seine Salzkraft? Ein Blick auf den Kontext gibt Antwort. Menschen, die ihre eigene geistliche Armut eingestehen, sanftmütig vor Gott und unter den Menschen wandeln, nach Gerechtigkeit hungern und bereit sind für sie zu leiden, reines Herzens sind… etc. (Matt. 5,3-9) besitzen Salzkraft! Die Seligpreisungen erinnern stark an den Charakter unseres Meisters. Diese Jünger sind ihrem Herrn und seiner Sache völlig hingegeben und stehen in einer intakten Lebensgemeinschaft mit Ihm. Nur so ist das fruchtbare Leben zu finden (Joh. 15).
Kraftloses Salz „taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden“. Fade, halbherzige Christen sind hinsichtlich ihrer Mission auf dieser Erde Taugenichtse, und sie ernten nur die Verachtung ihrer Mitmenschen. Unmöglich halten wir das moralische Verderben auf dieser Erde auf, wenn wir selbst Kompromisse im eigenen Leben begehen! Das Gewissen anderer werden wir niemals stechen, wenn wir gegen unser eigenes handeln. Mitnichten können wir den Durst anderer nach Gerechtigkeit anregen, wenn wir unseren eigenen verloren haben. Wir sind machtlos, das Fortschreiten der Sünde aufzuhalten, wenn wir Sünde im eigenen Leben dulden!
Ich lernte die Kraft des Salzes bei einem Amerikaner kennen. Steve Kennedy und ich waren Lastenträger von Jean Gibson. Steve konnte alles! Predigen, Lehren, Führen, Organisieren. Auf einmal wurde sein Gefühlsleben durcheinander geworfen. Die Gewissheit seines Heils kam ihm abhanden und dann seine Fähigkeit, mit seiner Frau zu schlafen. Mein lieber Freund konnte nichts mehr für Gott und seine Ehefrau tun! Seine Erlösung von monatelanger Verzweiflung kam in der Form einer Diagnose: „Gehirntumor“. Er erduldete Chemo und eine Überdosis der Bestrahlung. Brother Steve konnte nicht mehr gehen. Er konnte nicht reden (geschweige predigen), schreiben, nicht einmal schlucken! Seine Bedürfnisse konnte er nur noch mit einem Finger andeuten. Mein Bruder konnte nichts mehr! Er war nur! Und so starb Steve Kennedy.
Jahre später, als die Geschwister die Nachbarstadt evangelisierten, kam eine Frau zur Tür. „Ihr seid Christen?“, stellte sie fest. „Ich habe einmal einen Christen gekannt. Ich erlebte einen wirklichen Christen im Sterben“, ergänzte Kennedys Krankenschwester. Das ist Salzkraft!
Geschwister, G&M berichtet über das herrliche Werk, das Menschen und Gemeinden für ihren Herrn tun. Aber spätestens dann, wenn wir nichts mehr tun können, werden wir hoffentlich lernen, dass das, was wir sind, wichtiger ist als das, was wir tun. „Ihr seid das Salz der Erde…“