Gemeinde & Mission

Stille Zeit – Allein mit Gott (4)

von Arthur Kay

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Horchen … die Art, auf Gott zu hören.

Hast du mal Leute sagen hören: „Der Herr hat mir gesagt…?“ Und hast du dich darüber gewundert, wie Gott es ihnen gesagt hat? Oder warum sie sagen konnten, Gott hätte zu ihnen gesprochen, und du kannst nicht sagen, dass Gott zu dir spricht? Ich verstehe das. Mir ist es so gegangen und auch anderen, lieber Leser, du bist nicht allein. Lügen solche Leute? Sind sie irregeführt? Oder sind das einige wenige Auserwählte, denen Gott Seinen Willen enthüllen will? Nein, lieber Freund, nein! Gott kann und wird zu dir sprechen, wenn du dir nur Zeit nimmst, mit Ihm allein zu sein, und lernst, so zu hören, dass du Seine Stimme wahrnimmst.

Gottes Stimme hören – und wissen, dass es Seine Stimme ist und nicht deine Vorstellung oder eine Täuschung Satans – ist eine geistliche Disziplin, die jedes Kind Gottes erlernen kann, wenn es sich nur die Zeit nehmen will. Und die Schlüssel, die die Türen zu dieser Art Kommunikation aufschließen, sind Zeit und Stille. Wenn wir immerzu herumrasen und der Lärm der Welt sich zu einem Sturm erhebt, wenn wir niemals zur Ruhe kommen oder uns von der Hast der Welt abwenden, ist es sehr schwierig, Gottes Stimme zu hören … oder wahrzunehmen, wenn Er spricht. Erinnere dich an Elia, der von Isebel bedroht wurde und um sein Leben lief (1. Kön.19). Elia ging auf den Berg und stellte sich vor den Herrn. „Da sprach er: Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erdbeben; der HERR aber war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der HERR aber war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Säuselns.“ (1. Kön.19,11-12). Weder ich noch meine Freunde haben Gottes Stimme akustisch gehört; und doch spricht Er zu uns. Wie? Auf verschiedene Art und Weise. Manche spricht Er durch Sein Wort an. Wenn sie beten, ruft ihnen Gott entweder die Schrift ins Gedächtnis, oder Er macht in ihren Herzen einen Vers oder eine Passage lebendig, während sie in der Schrift lesen. Wenn ich die Wendung „Er macht lebendig“ benutze, meine ich, dass ein spezieller Vers ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht oder sie in gewisser Weise aus der Seite heraus „anspringt“. Oder es kommt, während sie in der Bibel lesen, eine stille Bestätigung in ihr Herz, dass dies Gottes Antwort oder Gottes Wort an sie ist. Manchmal spricht Gott in dieser Weise zu mir. Jedoch ist es nicht die übliche Art, wie mein Vater mich leitet. Wenn du mich bittest, in einem Wort zu beschreiben, wie Gott mich gewöhnlich führt, würde ich eins von den folgenden Worten nennen: Eindrücke oder Gedanken. Ich bete und bitte Gott, mir zu zeigen, was ich tun soll, und dann warte ich. Nach einer gewissen Zeit kommt entweder ein Gedanke in meinen Kopf oder ich habe einen starken Eindruck, dass ich „so und so“ handeln soll. Sehr oft schenkt mir Gott nicht sofort einen Gedanken zu meiner Bitte. In so einem Fall bete ich weiter, bis ich den Eindruck habe, dass Gott möglicherweise zu mir in meinen Gedanken gesprochen hat. Aber, wenn da ein Gedanke oder ein Eindruck ist, wie weiß ich, ob er von Gott, von Satan oder einfach aus meinem eigenen Kopf ist? Das ist doch eine berechtigte Frage. Um sie zu beantworten, muss ich immer mehrere Dinge beachten, und du musst es auch. Zuerst, lieber Freund, musst du deinen Gott und Sein Wort kennen. Deshalb muss das Wort Gottes einen wesentlichen Teil deines Lebens einnehmen. Gott wird dich oder eines Seiner Kinder niemals im Widerspruch zu Seinem Wort oder zu Seinem Charakter führen. Was Er dir ins Gedächtnis ruft, wird niemals im Gegensatz zu Seinem Wesen oder Wort stehen. Gott verändert die Worte nicht, die aus Seinem Mund hervor gegangen sind. Er kann es nicht – erinnere dich daran, dass Er Sein Wort zusammen mit Seinem Namen groß gemacht hat (Ps. 138,2). Gott ist unveränderlich; deshalb ist es Sein Wort auch. Gott ist ewig; deshalb bleibt Sein Wort für immer bestehen (1. Petr. 1,25). Gott ist heilig; deshalb würde Er dich niemals zu etwas verleiten, das Seiner Heiligkeit entgegen steht … oder nicht Seiner Liebe, Seiner Gnade, Seiner Gerechtigkeit oder jeder anderen Seiner Eigenschaften entspricht. Das ist das Erste, was ich tue, um meine Gedanken oder Eindrücke zu prüfen: sie müssen im Einklang mit Seinem Wesen und Seinem Wort stehen. Zweitens musst du neutral sein, wenn du sicher sein willst, ob Gott zu dir spricht. Mit neutral meine ich, dass du gewillt sein musst zu tun, was immer Gott sagt. Du kannst nicht zu Gott kommen und erwarten, dass du weißt, ob Gott zu dir spricht oder nicht, wenn du schon deine eigene Meinung darüber gebildet hast, was du von Ihm annehmen oder nicht annehmen wirst. Oftmals treffen wir unsere eigenen Entscheidungen und bitten Ihn dann, diese zu segnen. Wenn du so vorgehst, wirst du niemals jenes gesegnete Vertrauen und den Frieden haben, den du hast, wenn du wirklich Seinen Willen ausführst. Drittens sage Gott im Gebet, wenn du Ihn bittest, zu dir zu sprechen, dass du nicht vom Feind getäuscht werden willst. Wir müssen daran denken, dass Satan Verse der Schrift aus dem Zusammenhang herausriss und versuchte, damit den Herrn zu verleiten, etwas zu tun, das im Gegensatz zu Gottes Wort stand. Deshalb musst du sehr kritisch sein, wenn du sicher gehen willst, ob es bestimmt Gottes Stimme ist, die du hörst. Und wie kannst du sicher sein, dass Satan sich nicht als Engel des Lichts verkleidet (2. Kor. 11,14)? Wenn du das beherzigst, was ich schon gesagt habe und deine Gedanken sammelst und Gott bittest, dass Er dir Satans Ratschlüsse und Pläne verdeutlicht, wird Er es tun (2.Kor. 2,11). Stelle jeden Gedanken unter den Gehorsam gegenüber Christus (2. Kor. 10,5). Gott wird dich halten und bewirken, dass du Seine Stimme erkennst. Du kannst sicher sein, dass, „wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist, oder ob ich aus mir selbst rede“ (Joh. 7,17). Sehr oft kommen mir verschiedene Gedanken in den Kopf, wenn ich bete und Gottes Führung suche. Wenn ich z.B. hier lehre oder eingeladen bin, auf verschiedenen Konferenzen im Land zu sprechen, frage ich immer unseren Vater, welches Thema oder welches Buch ich behandeln soll. Oft kommt die Antwort nicht sofort. Statt dessen kommen mir verschiedene Möglichkeiten in den Kopf. Wenn ich jedoch weiter bete und auf den Herrn warte, wird mir ein besonderes Thema wieder und wieder in den Kopf kommen, bis ich endlich diese liebliche Gewissheit habe, dass ich Seinen Willen kenne. Gott hat gesprochen. Was für ein Vertrauen gibt mir das, wenn ich Sein Wort erläutere! Es gibt noch eine Möglichkeit, wie ich Gottes Stimme als Antwort auf mein Gebet höre, das ist durch andere Menschen. Oft, wenn ich allein mit Gott bin und Zeit zum Nachdenken habe, kommen verschiedene Ideen oder Gedanken in meinen Kopf – ohne dass ich darum gebeten hätte. Z.B. hatte ich vor ein paar Tagen in meiner Stillen Zeit auf dem Herzen, die Arbeit an diesem Buch zu verschieben und es einen Monat später herauszubringen. Dieser Gedanke kam mir, aber er blieb nicht, er verschwand so schnell, wie er gekommen war. Am nächsten Tag traf ich Steve Froehlich, unseren Manager für die Veröffentlichungen und er sagte: „Weißt du, ich denke, es wäre besser, wenn wir dieses Buch nicht in diesem, sondern im nächsten Monat an unsere Freunde schicken.“ Wie gut das übereinstimmte – Gott hatte schon zu mir gesprochen. Ich erinnere mich auch daran, wie Dorie Van Stone (aus Dorie, the Girl Nobody Loved, Moody Press) plötzlich verwitwete. Lloyd war zum Joggen gegangen und wie Henoch „war er nicht mehr da“, weil Gott ihn heimrief. Dorie und Lloyd waren enge Freunde von Jack und mir geworden, nachdem Dorie und ich bei einer Moody-Frauenkonferenz Vorträge gehalten hatten. Während eines Studienprogramms wohnten sie zwei Wochen lang bei uns. Als Dorie verwitwet war, beteten wir, was betreff Dorie zu tun wäre, da legte Gott uns unabhängig den Aufruf „für die Witwen zu sorgen“ aufs Herz. Wegen dieses Verses und weil Dorie den Wunsch hatte, hier in unserer Konferenzstätte zu wohnen, wussten wir, dass Gott gesprochen hatte. Wie ich schon sagte, spricht Gott durch andere Menschen. Ein gutes Beispiel ist, dass Gott zu mir oft durch meinen Mann spricht. Wenn ich unsere Vortragseinladungen mit ihm durchgehe, bitte ich Gott, mich durch Jack zu leiten. Gott hat auch auf diese Weise zu mir gesprochen, als ich den Herrn suchte, um zu wissen, welchen Kurs ich als nächstes schreiben sollte. Vor einigen Jahren wollte ich unbedingt den Hebräerbrief behandeln, aber Jack sagte immer nur nein. Ich muss zugeben, dass ich mich damals fragte, ob Jack auf Gott hörte oder nicht. Tatsächlich forderte ich ihn heraus – aber ich sagte auch: „Bete du und ich werde mich fügen.“ Als die Antwort immer noch nein war, wusste ich, dass ich gehorchen musste. Gott hatte durch meinen Mann gesprochen, und schließlich gehorchte ich! Wenn ich jetzt zurück schaue, sehe ich Gottes wunderbare Weisheit in all dem! In diesem Jahr habe ich den Schritt-für-Schritt-Kurs zu Hebräer mit der Erlaubnis meines Mannes geschrieben! Ja, lieber Freund, Gott spricht wirklich, wenn wir nur hören wollen. Aber das Hören braucht Zeit … und Stille. Lass mich dir eine Möglichkeit zu hören mitteilen, die viele Heilige Gottes durch die Jahrhunderte hindurch angewandt haben. Das ist, ein geistliches Tagebuch zu führen. Ich habe nie beständig eins gehabt; aber andere haben das mit großem Erfolg getan. Deshalb möchte ich dir das Konzept sagen. Ich will es auch aus einem anderen Grund tun, den ich dir mitteilen will, weil das wieder eine praktische Illustration dessen ist, wie Gott spricht. Als ich zu Gott wegen Seiner Leitung beim Schreiben dieses Buches gebetet hatte, legte Gott mir aufs Herz, dass ich dir die Gewohnheit, so ein Tagebuch zu führen, erklären sollte. Durch einen Freund machte Er mich darauf aufmerksam und Er bestätigte es gestern, als ich Gordon MacDonalds Buch „Ordering Your Private World“ („Getrieben oder berufen – Ordne dein Leben“; Projektion J) überflog. Die Kapitel, die ich las, hatten zum Thema, wie wichtig es ist, mit Gott allein zu sein und auf Ihn zu hören. In diesen Kapiteln behandelte Gordon auch die Gewohnheit, ein geistliches Tagebuch zu führen. Da er dies seit Jahren selbst tat und das Thema so gut ausführte, gebe ich hier am besten wieder, was er schrieb. Ich führe sein ausgezeichnetes Buch an und möchte deinen Appetit wecken, das ganze Buch zu lesen. Wie führt man ein Tagebuch? „Wenn ich in der Öffentlichkeit über das Führen eines Stille Zeit Tagebuches sprach, waren viele Leute sehr interessiert und hatten viele Fragen. Ihre anfängliche Wissbegierde neigt dazu, sich mehr als auf alles andere auf Technik zu konzentrieren. Wie sieht dein Notizbuch aus? Wie oft schreibst du was hinein? Welche Dinge schreibst du auf? Ist es nicht nur ein Tagebuch? Lässt du deine Frau die Eintragungen lesen? Obwohl ich auf keinen Fall ein Experte im Führen eines Tagebuches bin, werde ich mich bemühen, diese Fragen zu beantworten, so gut ich kann. Meine eigenen Tagebücher sind spiralgebundene Notizbücher, die ich in einem Schreibwarengeschäft kaufe. Sie sehen ganz unbedeutend aus. In ungefähr drei Monaten ist das Büchlein voll. Der Vorteil der kleineren Größe ist nicht nur, dass man es leichter mitnehmen kann, sondern, falls ich es verliere, hätte ich nicht das Geschriebene eines ganzen Jahres verloren. Fast jeden Tag trage ich etwas ein, aber ich bin nicht sehr beunruhigt, wenn ein Tag gelegentlich ohne Notiz vergeht. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, am Anfang meiner Stillen Zeit zu schreiben, das ist also für mich das Erste, was ich am Morgen tue. Und was ist der Inhalt? Eine Auflistung der Dinge, die ich am Vortag getan habe, Leute, die ich traf, Dinge, die ich gelernt habe, Gefühle, die ich wahrgenommen habe und Eindrücke, von denen ich glaube, dass Gott sie mir gegeben hat. Wie ich schon sagte, schreibe ich auch Gebete auf, wenn mir danach ist und Einsichten, die mir beim Lesen der Bibel und anderer geistlicher Schriften kommen und Anliegen, die ich wegen meiner eigenen Lebensführung habe. Sehr gerne gebe ich Dinge wieder, die ich im Leben meiner Familie sehe. Ich nehme an, dass eines Tages unsere Kinder einige dieser Notizbücher lesen werden, und wenn ich ihnen posthum Dinge bestätigen kann, die ich in ihrem heranwachsenden Leben gesehen habe, wird es für sie ein Schatz sein. All das ist ein Teil von dem, wie man auf Gott hört. Während ich schreibe, denke ich, ich schreibe gerade das, was Gott mir sagen will. Ich wage es anzunehmen, dass Sein Geist oft bei dem, worüber ich nachdenke und was ich wiedergebe, wirkt. Und es wird wichtig, mein Herz zu prüfen, um zu sehen, welche Entscheidungen Er hervorrufen will, woran Er mich erinnern will, welche Schwerpunkte Er in meinem Leben setzen will.“ (1) Es bewegt mein Herz, zu lesen, was Gordon geschrieben hat, und doch denke ich nicht, dass ich ein Heft führen soll. Ich habe jeden Bibelkurs und jedes meiner Bücher (außer einem) in Langschrift geschrieben. So ist ein beständiges Tagebuch für mich ein Ideal, das ich niemals erreicht habe. Wie ich schon sagte, habe ich ein Stille-Zeit-Heft geführt, aber nie beständig. Was ich jedoch in verschiedenen Stille-Zeit-Heften angefangen habe, aufzuschreiben, ist mir sehr wertvoll. Und von Zeit zu Zeit lese ich, was Gott zu mir gesprochen hat, dann wird mein Herz gesegnet, wenn ich sehe, wie Gott zu mir geredet hat, wenn ich mir Zeit nahm, still zu sein und meine Gedanken an Ihn und die Seinen aufzuschreiben. Wenn man seine Gedanken aufschreibt, ist das eine gute Übung zur Konzentration … beim Nachdenken darüber, wie Gott redet und beim Hören auf diese leise Stimme, die dir ins Herz flüstert: „Dies ist der Weg, wandelt darauf“ (Jes. 30,21). Wenn du dich zurückgezogen hast, um eine Stille Zeit allein mit deinem Gott zu haben und du Ihn angebetet hast, Sein Wort gelesen hast, gebetet und gehört hast, dann kannst du in Ruhe und Vertrauen in die Welt hinausgehen mit all ihrem Geschrei, ihren Bedrängnissen und Versuchungen, weil du Gemeinschaft mit deinem Gott hattest. Du hast die Beziehung zu deinem Vater zu einer Priorität gemacht, und so sollte es sein. Was kommt in meiner Stillen Zeit als Erstes: Anbetung, Gebet, das Wort oder das Hören? Wir haben über Anbetung, Gebet, das Wort und das Hören gesprochen, aber wir haben noch nicht besprochen, wie die Reihenfolge sein soll, wenn du Zeit allein mit deinem Gott verbringst. Da diese Zeit auf einer Beziehung mit deinem Vater beruht und nicht auf einer starren, gesetzlichen religiösen Pflicht vor einem strengen, fordernden Richter, denke ich, dass die Reihenfolge dieser Disziplinen entsprechend deiner Persönlichkeit und deinen Bedürfnissen wechselt. Ich persönlich fange am liebsten mit dem Lesen in Gottes Wort an. Aus dem Wort nehme ich die Grundlage meiner Anbetung und meiner Ermutigung im Gebet. Das Wort ist die Anregung, die Gott benutzt, um mich in die anderen Disziplinen zu leiten; wenn ich dann anfange, führt mich der Herr in die Anbetung, ins Gebet, ins Nachdenken oder Hören. Vor langer Zeit las ich ein kleines Traktat, das den Schriften Georg Müllers entnommen war, des Mannes, der für 5000 Waisen sorgte und sie nur durch Gebet ernährte. Ich möchte einen Teil davon hier wiedergeben, weil ich es für einen Segen halte. „Der Unterschied zwischen meiner früheren und jetzigen Praxis ist folgender: Früher begann ich, so bald wie möglich nach dem Aufstehen am Morgen zu beten. Gewöhnlich verbrachte ich meine ganze Zeit oder fast die ganze Zeit bis zum Frühstück im Gebet. Fast immer fing ich mit Gebet an, außer, wenn meine Seele trockener als gewöhnlich war. In diesem Fall las ich das Wort Gottes, um Nahrung, Erfrischung, Wiederbelebung oder Erneuerung meines inneren Menschen zu bekommen, bevor ich betete. Aber was war das Ergebnis? Ich verbrachte eine Viertelstunde, eine halbe Stunde oder gar eine ganze Stunde auf meinen Knien, bevor mir bewusst wurde, dass ich Ruhe, Ermutigung, Demut der Seele usw. erhalten hatte; oft, nachdem ich zehn Minuten, eine Viertel- oder halbe Stunde lang zerquält war, weil meine Gedanken herumirrten, konnte ich erst dann anfangen, richtig zu beten. Fast niemals leide ich jetzt auf diese Weise. Weil mein Herz durch die Wahrheit genährt ist und es in eine erfahrene Beziehung mit Gott gebracht worden ist, kann ich mit meinem Vater und Freund über die Dinge sprechen (obwohl ich miserabel und wertlos bin), die Er in Seinem kostbaren Wort vor mich gebracht hat. Ich bin jetzt oft erstaunt, dass ich diesen Punkt nicht eher beachtet habe. Ich habe darüber nie in einem Buch gelesen. Keine öffentliche Predigt brachte die Sache vor mich. Kein privater Austausch mit einem Bruder zeigte mir das auf. Und jetzt, seit Gott mich das gelehrt hat, ist es mir ganz selbstverständlich, dass das Erste, was ein Kind Gottes jeden Morgen tun muss, ist, Nahrung für den inneren Menschen zu bekommen. So wie der äußere Mensch nicht fähig ist, über längere Zeit zu arbeiten, wenn er keine Nahrung aufnimmt und da dies eines der ersten Dinge ist, die wir am Morgen tun, so sollten wir es auch für den inneren Menschen tun. Für ihn sollten wir Nahrung aufnehmen, da wird jeder zustimmen. Was ist nun die Nahrung für den inneren Menschen? Kein Gebet, sondern das Wort Gottes; und hierbei wieder nicht nur das einfache Lesen, sodass das Wort Gottes nur durch unseren Kopf läuft, gerade so wie Wasser durch ein Rohr läuft, sondern wir sollen das betrachten, was wir lesen, darüber nachdenken und es in unser Herz aufnehmen. Wenn wir beten, sprechen wir mit Gott. Damit das Gebet beliebig lange und nicht in formeller Weise fortgeführt werden kann, erfordert es allgemein gesprochen ein Maß an Kraft oder geistlichem Streben. Die Zeit, in der diese Übung der Seele am wirkungsvollsten durchgeführt werden kann, ist, nachdem der innere Mensch genährt wurde durch Nachdenken über das Wort Gottes, in dem unser Vater zu uns spricht, uns ermutigt, uns tröstet und unterweist, uns demütigt und tadelt. Mit Gottes Segen können wir deshalb erfolgreich nachdenken, obwohl wir geistlich so schwach sind; nein, je schwächer wir sind, desto mehr brauchen wir dieses Nachsinnen für die Stärkung unseres inneren Menschen. Auf diese Weise ist die Gefahr, dass die Gedanken herumirren, viel kleiner, als wenn wir uns zum Gebet anschicken, ohne dass wir uns vorher Zeit zum Nachdenken genommen hätten. Ich lege so viel Wert auf diesen Punkt wegen des immensen geistlichen Nutzens und der Erfrischung, die ich selbst dadurch erfahren habe, und ich bitte alle meine Glaubensgeschwister herzlich und ernsthaft, diese Sache zu erwägen. Durch den Segen Gottes schreibe ich dieser Verhaltensweise die Hilfe und Kraft zu, die ich von Gott bekam, um schwerere Versuchungen verschiedener Art so friedvoll zu überstehen, wie es vorher nie der Fall war. Nachdem ich jetzt vierzehn Jahre so vorgehe, kann ich es mit voller Überzeugung in der Ehrfurcht Gottes empfehlen. Zusätzlich lese ich nach dem Gebet für die Familie große Teile im Wort Gottes. Ich will noch weiterhin das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift fortführen, wie ich es seit über 26 Jahren, manchmal im Alten und manchmal im Neuen Testament, getan habe, was sich als Segen bewiesen hat. Ich nehme mir auch dabei noch besonders Zeit zum Gebet, auch zu anderen Tageszeiten. Wie anders wirken der Dienst, die Versuchungen und Prüfungen des Tages auf mich, wenn die Seele frühmorgens erfrischt und glücklich gemacht wurde, als wenn ich ohne geistliche Vorbereitung anfange. 9.Mai 1841.“ Wie Georg Müller fand ich es besser, mit dem Wort anzufangen, obwohl einige meiner Freunde gesagt haben, wenn sie nicht mit Gebet anfangen, kommen sie nachher nicht mehr dazu. Wie du deine Stille Zeit einteilen sollst, ist ein Gebetsanliegen, bis Gott dir durch Seinen Geist zeigt, was das Beste für dich ist. Es ist nicht wichtig, wie du diese Zeit verbringst, lieber Freund, sondern dass du sie einhältst. So wirst du eine wertvolle Beziehung haben, die du ohne eine Stille Zeit allein mit deinem Gott und Vater niemals hättest. „Allmächtiger Gott, in dieser stillen Stunde suche ich Gemeinschaft mit Dir. Ich möchte die Ruhe Deiner Gegenwart erfahren und mich jetzt abwenden von der aufreibenden Hast des Tages, von dem misstönenden Lärm, dem Lob und Tadel der Menschen, von den wirren Gedanken und eitlen Vorstellungen meines eigenen Herzens. Den ganzen Tag lang habe ich gekämpft und mich abgemüht; aber jetzt möchte ich mit ruhigem Herzen im klaren Licht Deiner Ewigkeit das Muster anschauen, das Du in meinem Leben webst.“ (2) Fußnoten 1. Gordon MacDonald, Ordering Your Private World (New York: Oliver Nelson, A Division of Thomas Nelson Publishing, 1985), Seiten 133-134. Dt. Ausgabe: Getrieben oder berufen – Ordne dein Leben (Projektion J Verlag) 2. John Baillie, A Diary of Private Prayer (New York: Charles Scribner’s Sons, 1949), S.27.

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