Seelengewinnen nach der Bibel (Teile 1-12)
Bei CLV erschienen unter dem Titel „…und führte Ihn zu Jesus“ (Art.Nr.: 255408, 1,90€) Eines der größten Vorrechte für den Gläubigen ist, daß er mit Gott gemeinsam an der wichtigen Aufgabe arbeiten kann, Seelen für den Herrn Jesus Christus zu gewinnen (Spr 11,30). Nur weniges, was ein Mensch tun kann, hat so weitreichende Folgen. Der Seelengewinner beeinflußt wirklich die Ewigkeit, und er wird ewigen Lohn erhalten (Dan 12,3).
Gott identifiziert sich so eng mit den Seelengewinnern, daß er ihnen sogar erlaubt, von sich so zu reden, als ob sie selbst in der Lage wären, jemanden zu retten. In Römer 11,14 spricht Paulus davon, einige aus seinem eigenen Volk zu erretten: „Ob ich auf irgend eine Weise … etliche aus ihnen erretten möge.“ Auch in 1. Korinther 9,22 schreibt er: „Ich bin allen alles geworden, auf daß ich auf alle Weise etliche errette.“ Wir wissen alle, daß Paulus selbst niemand retten konnte. Aber Gott erlaubt in seiner Gnade dem Paulus, solche Worte zu benutzen, weil Er sich auf ganz enge Weise mit den menschlichen Werkzeugen verbindet, durch die Er sein Werk ausführt.
Aber diese persönliche Arbeit ist nicht nur ein großes Vorrecht, sondern sie ist auch eine ernste Verpflichtung. Wir führen nur drei der Abschnitte aus dem Neuen Testament an, die die Verantwortung jedes Christen in dieser Aufgabe beschreiben. Sie zeigen auch Gottes Plan, die Weltevangelisation durch das Zeugnis von einzelnen Gläubigen durchzuführen.
Der erste ist der Missionsauftrag, Matthäus 28,19.20. Hier befiehlt der Herr seinen Jüngern:
1. Gehet hin und macht alle Nationen zu Jüngern,
2. tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,
3. lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Es ist nutzlos zu argumentieren, daß dieser Befehl nur für gewisse Leute oder für eine gewisse Zeit bestimmt ist. Es ist der gültige Befehl des auferstandenen Herrn an jeden, den er mit seinem Blut erkauft hat.
Auch der zweite Abschnitt in Epheser 4,11.12 lehrt den wichtigen Grundsatz, daß alle Gläubigen evangelisieren sollen. Der Gedanke in diesen Versen ist:
1. Vers 11. Er, der aufgefahrene Christus gab den Menschen Gaben. Was waren diese Gaben? Es waren Menschen, die Gott mit besonderen Fähigkeiten ausgerüstet hat, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Einige von ihnen waren Apostel, einige Propheten, einige Evangelisten, und einige Hirten und Lehrer.
2. Vers 12. Warum hat der Herr diese begabten Männer gegeben? Die Antwort lautet: Damit durch sie alle Gläubigen aufgebaut werden um das Werk des Dienstes auszuführen, und damit als Folge davon der Leib Christi aufgebaut wird.
Das ist ein entscheidender Punkt. Die Gaben wurden nicht gegeben, damit die Gläubigen sich zurücklehnen, den Gottesdienst genießen und für immer von ihnen abhängig sind. Im Gegenteil haben die Gaben das Ziel, daß alle Gläubigen für das Werk des Dienstes ausgebildet werden. (Das bedeutet natürlich nicht, daß alle Gläubigen von der Kanzel predigen sollen, aber es bedeutet, daß es Gottes Willen für jeden Gläubigen ist, selbst aktiv dabei mitzuarbeiten, Christus bekannt zu machen.)
Deshalb sind die Gaben in gewissem Sinn abkömmlich. Sie dienen dazu, jedes Gotteskind zum aktiven Dienst für Christus auszurüsten. Das schließt einen weltlichen Beruf nicht aus, aber man muß die Interessen Christi an die erste Stelle setzen. Unser Beruf ist nicht das wichtigste, sondern er ermöglicht uns, aktive Zeugen für den Herrn zu sein.
Der letzte Abschnitt ist in 2.Timotheus 2,2. Der Apostel Paulus wendet sich an Timotheus und schreibt: „… was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten an, welche tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.“ Dieser Vers ist wichtig, weil darin Gottes Plan enthalten ist, dem wir in der persönlichen Evangelisation folgen sollten. Jeder von uns sollte die Wahrheit an andere weitergeben und ihnen beibringen dasselbe zu tun, damit die Erkenntnis Christi sich in immer größeren Kreisen ausbreitet, wie die Wellen auf einem Teich.
Jemand hat darauf hingewiesen, daß in diesem einen Vers vier Generationen von Christen vorkommen. Wie schnell eine Familie doch wachsen kann! Wenn man mit einem Mann beginnt, und man die Anzahl der Christen jedes Jahr verdoppeln könnte, so wären es nach 33 Jahren 8.589.934.592 Gläubige.
Dieses Gesetz der Fortpflanzung beobachten wir das ganze Jahr in der Natur. In fünf Jahren entsteht aus einem Weizenkorn oder einem Reiskorn durch Vermehrung eine gewaltige Menge, mehrere Tausend Zentner. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Bibel diesen Prozess des Säens benutzt, um das Evangelisieren zu illustrieren (Psalm 126,6; Prediger 11,6; Matthäus 13,1-23).
Zusammenfassend können wir sagen, daß wir über den persönlichen Dienst folgendes gelernt haben:
1. Er ist ein unvorstellbares Vorrecht und beeinflußt die Ewigkeit.
2. Er ist eine ernste Verantwortung, die jeden Christen einbezieht.
3. Er ist die Methode Gottes, um die größte Zahl von Menschen in der kürzesten Zeit zu erreichen.
Die Frage, der sich jeder von uns stellen muß, ist die: Was werde ich nun tun? Jedem, der mit seiner Antwort zögert, empfehlen wir einfach den folgenden Absatz zu lesen, der von einem Atheisten geschrieben wurde:
Wenn ich wirklich glauben würde, daß die Kenntnis und die Ausübung meiner Religion in diesem Leben das Schicksal im nächsten beeinflußt, wie es Millionen von sich behaupten, dann würde die Religion mir alles, wirklich alles bedeuten. Irdische Freuden würde ich als wertlosen Plunder zur Seite schieben. Irdische Sorgen wären in meinen Augen Narrheiten, irdische Ziele und Pläne wären wertlos. Meine ersten Gedanken am Morgen würden sich um die Religion drehen, und auch meine letzen Gedanken bevor der Schlaf mich überwältigt würden sich damit beschäfitgen. Ich würde nur noch dafür arbeiten. Eine einzige Seele für den Himmel zu gewinnen, wäre mir ein ganzes Leben voller Leiden wert. Irdische Folgen sollten weder meine Hand je zum Ruhen bringen, noch meine Lippen verschließen. Die Erde mit Ihren Freuden und Ihrem Kummer würde meine Gedanken auch nicht einen Moment beschäftigen. Ich würde mich bemühen, nur die Ewigkeit vor Augen zu haben, und die Seelen um mich herum, die bald, sehr bald, ewig glücklich oder ewig verloren wären. Ich würde hingehen in die Welt und ihr zur gelegenen und zur ungelegenen Zeit predigen, und mein Text wäre: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, und dabei seine Seele verliert?“
(Ein Atheist)
2. Die Vorbereitung des Seelengewinners
Der wichtigste Grundsatz für Christen, die anderen mit dem Evangelium weiterhelfen wollen, wird in den Worten unseres Erlösers ausgedrückt: „Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mt 4, 19). Man kann den Vers leichtfertig lesen, ohne die Bedeutung zu erfassen. Wie wir sehen, sagt Er nicht: „Folgt diesen Regeln und ihr werdet zu Menschenfischern werden.“ Wir werden aufgefordert, Christus nachzufolgen. Wenn wir das tun, wird Er uns zu Menschenfischern machen. Mit anderen Worten: Wenn wir nah beim Herren leben, wenn wir in Gemeinschaft mit ihm wandeln, wird er sich darum kümmern, daß wir Menschen erreichen. Unsere Verantwortung ist es, Ihm zu folgen; es ist Seine Verantwortung, uns zu Menschenfischern zu machen.
Fast derselbe Gedanke wird in Johannes 15,4 ausgedrückt: „Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir.“ Die einzige Möglichkeit, wie eine Rebe jemals Frucht hervorbringen kann ist, so eng mit dem Weinstock verbunden zu bleiben, daß sie all ihre Nahrung und all ihre Kraft aus dem Weinstock bezieht. Genauso können wir nur in dem Maße für Gott fruchtbar sein, wie wir zulassen, daß das Leben des Herrn Jesus in unser Leben fließt, und durch uns zu anderen.
Es ist nötig, diese Tatsache zu betonen. Obwohl das kein beliebter Weg ist, so ist es doch der biblische Weg. Wer Menschen für den Herrn gewinnen will, ist heute einer großen Versuchung ausgesetzt. Statt auf seine eigene Beziehung zum Herrn zu achten, kann man einfach auf eine besondere Formel vertrauen, oder auf eine Reihe von Routinefragen, auf Überredungskunst, auf freundliches Verhalten oder gute Argumente. Scheinbar sind Leute dadurch angesprochen und es sieht so aus, als ob man Erfolg hat, aber es gibt keinen Ersatz für geistliches Leben, für echte Heiligkeit. Wir müssen hier beginnen, weil Gott es an den Anfang stellt.
Wenn nun ein Christ dem Herrn folgt oder in Ihm bleibt, wird sein Leben von bestimmten Besonderheiten geprägt sein.
1. Zuerst einmal wird er ein Beter sein. Er wird erleben, was es heißt, jemand durch Gebet zur Errettung zu bringen (Rö 10,1). Er wird jeden Tag damit beginnen, sich dem Herrn im Gebet ganz zur Verfügung zu stellen – Geist, Seele und Leib. Er wird es sich zur täglichen Gewohnheit machen, den Herrn um Gelegenheiten zum Zeugnis zu bitten. Er wird um Führung bitten, mit wem er reden soll. Er könnte beten: „Herr führe mich heute zu jemand, mit dem ich reden kann. Zeig mir, was ich sagen soll. Mach mein Herz weich, und fülle mein Leben. Hilf mir, die Menschen so zu sehen, wie Du sie siehst.“
2. Zum Zweiten wird er demütig sein. Anstatt zu versuchen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen um von anderen gesehen zu werden, wird er danach trachten, daß Christus in ihm gesehen wird. Johannes der Täufer hat dies wunderbar vorgemacht. Als er gefragt wurde, wer er sei, antwortete er: „Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste“ (Joh 1,23). Eine Stimme wird nicht gesehen, nur gehört. Johannes wollte nicht gesehen werden. Er wollte nur, daß die Menschen das Lamm Gottes sehen, das die Sünde der Welt wegnimmt (Joh 1,29).
3. Außerdem wird er freundlich sein (1Kor 13,4). Er wird nach Gelegenheiten Ausschau halten um anderen Gutes zu tun, damit er sie besser mit dem Evangelium erreichen kann. Es ist gewiß ein sehr einseitiges Zeugnis, wenn wir kein Interesse an unseren Bekannten zeigen, außer wenn wir mit ihnen über den Herrn reden. Statt dessen sollten wir ihnen helfen, wo sie Hilfe brauchen, sie in ihren Sorgen trösten, ihre Lasten mittragen und ihnen selbstlos dienen. Dann werden sie viel interessierter sein, etwas von dem Heiland zu erfahren, den wir vertreten.
4. Er wird opferbereit leben, damit das Evangelium verbreitet wird. Der Apostel Paulus spricht davon, daß er gerne alles verwenden will und selbst verwendet werden möchte (2Kor 12,15). Wir sollten auch bereit sein, uns in täglichen Bedürfnissen einzuschränken, ganz zu schweigen vom Verzicht auf Bequemlichkeit und Luxus, damit keine Seelen verlorengehen, weil sie Christus nicht kennen und damit wir eine reiche Ernte erwarten können (Ps 126, 5.6).
5. Er wird darauf vertrauen, daß Gott Seelen retten kann und will. Wie Paulus wird er davon überzeugt sein, daß das Evangelium Gottes Kraft ist, „zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen“ (Röm 1,16). Wie Petrus wird er wissen, daß Gott nicht will, daß irgendeiner verloren gehe (2Petr 3,9).
6. Schließlich wird er sich bemühen, Christus in all seinem Benehmen und Worten zu zeigen. Die Welt braucht heute das Vorbild von einem veränderten Leben und das Bekenntnis von veränderten Lippen. Es sollte unser Wunsch sein, daß Christus durch uns erhoben wird (Phil 1,20).
Dadurch entsteht eine wichtige Frage. Nehmen wir an, ein Christ lebt nicht mit dem Herrn. Er ist zurückgefallen und sein Herz ist kalt. Sollte er die Ungläubigen wissen lassen, daß er ein Christ ist, oder soll er lieber nichts davon sagen? Ist es möglich, daß so jemand dem Evangelium mehr schadet als nützt, wenn er versucht Zeugnis zu geben?
Wir schlagen vor, daß wir auch nur die geringste Möglichkeit, daß der Name des Herrn gelästert wird, vermeiden sollten (Röm 2,24), indem wir täglich, stündlich, jeden Augenblick in enger Gemeinschaft mit dem Herrn leben.
Sicher sollte kein Christ seinen schlechten geistlichen Zustand als Ausrede benutzen, daß er nicht Zeugnis gibt. Seine unausweichliche Pflicht ist es, Sünde zu bekennen und zu lassen, und so wieder zum Herrn zurückzukehren und wieder ein Leben zu führen, daß Er benutzen kann.
Zum Schluß möchten wir nur wiederholen, was das große Geheimnis des Seelengewinnens ist: So nahe beim Herrn zu bleiben und Ihm so ausgeliefert zu sein, daß Er sein Werk durch uns tun kann. Es ist eine Sache, wenn wir beten: „Herr, laß mich Seelen für Dich gewinnen.“ Eine ganz andere Sache ist es zu beten: „Herr, lebe Dein Leben durch mich, und ziehe so Seelen zu Dir.“
3. Die Waffe des Seelengewinners
Es ist fast nicht möglich, die wichtige Rolle der Bibel für die herrliche Aufgabe des Seelengewinners zu stark zu betonen. Sie spielt für den Seelengewinner die selbe Rolle wie das Schwert für den Krieger (Eph 6,17) und die Saat für den Sämann (Lk 8,11).
Kurz gesagt ist die Heilige Schrift das Instrument, daß Gott benutzt, wenn Sünder sich bekehren. „… die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1Petr 1,23). Lies dazu auch Ephesser 5,25.26.
Im Gegensatz zu jedem anderen Buch auf der Welt ist das Wort Gottes „lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens“ (Hebr 4,12). Es kann das bewirken, was menschliche Worte niemals bewirken können.
Wie benutzt Gott sein Wort in der Rettung der Verlorenen? Zuerst hört der Sünder das verkündete Wort, oder er liest es, oder er kommt auf andere Weise damit in Berührung. Der Heilige Geist benutzt dann das Wort und
1. überzeugt den Verlorenen, daß es sich wirklich um die inspirierte, fehlerlose Offenbarung Gottes handelt.
2. überführt ihn, und er merkt, daß er verloren ist und die ewige Verdammnis verdient hat.
3. zeigt ihm, daß Christus der Retter ist, den er braucht. (In einem der folgenden Kapitel werden wir erklären, warum das so ist.)
4. bringt ihn dazu, daß er seine Sünde bekennt, jede andere Hoffnung auf Rettung aufgibt, und ausschließlich auf den Herrn Jesus vertraut. So lesen wir in Römer 10,17: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“
Es ist unnötig zu erklären, warum der Mitarbeiter den Wert von Gottes Wort richtig erkennen muß, um verständig mit Menschen umgehen zu können. Wir möchten aber folgende Vorschläge machen:
1. Zuerst muß er erkennen, daß Gottes Wort nicht nur seine beste, sondern auch seine einzige Waffe ist. Bei verschiedenen Gelegenheiten wird er versucht sein, Philosophie, Vernunft oder Logik zu benutzen, um die Einwände seiner Bekannten zu widerlegen. Damit würde er sein Schwert wegwerfen und sich selbst den gefährlichen Schlägen des Feindes aussetzen. Oft können Menschen aus der Welt besser mit wissenschaftlichen Argumenten umgehen als der Christ (Lk 16,8). Der Seelengewinner muß einsehen, daß „ein einziger Vers der Bibel mehr wert ist als tausend Argumente.“
In diesem Zusammenhang sollten wir uns daran erinnern, daß dem Volk im Alten Testament verboten wurde, ihre Felder mit gemischten Samen zu besähen (5Mo 22,9). Wir sollten daraus lernen, daß wir nur das reine unverfälschte Wort Gottes benutzen sollten, wenn wir die Verlorenen erreichen wollen. Wir sollten das Wort nie mit philosophischen oder wissenschaftlichen Argumenten vermischen. Es ist völlig unnütz, über das Evangelium hinauszugehen und tiefe geistliche Wahrheiten mit den Verlorenen zu erörtern, die sie gar nicht verstehen können (1Kor 2,14). Anstatt über solche tiefe Wahrheiten wie Auserwählung, Dreieinigkeit usw zu streiten, müssen wir dem Sünder zeigen, daß er gerettet werden muß. Die Verlorenen sind geistlich blind (2Kor 4,4) und können den Wert der tiefen Dinge Gottes nicht verstehen. Sie brauchen zuerst geistliches Augenlicht, und das bekommen sie, wenn sie Christus durch den Glauben annehmen.
2. Als Zweites sollte ein Mitarbeiter lernen, das Wort in jeder passenden Gelegenheit zu benutzen. Der weise König Salomon schrieb: „Am Morgen säe deinen Samen und des Abends ziehe deine Hand nicht ab; denn du weißt nicht, welches gedeihen wird: Ob dieses oder jenes oder ob beides zugleich gut werden wird“ (Pred 11,6). Lies dazu auch Jesaja 32,20.
Er sollte nicht zulassen, daß widrige Umstände ihn zurückhalten. „Wer auf den Wind achtet, wird nicht säen, wer auf die Wolken sieht, wird nicht ernten“ (Pred 11,4). Er sollte auch nicht aufhören, Gottes Wort zu zitieren, wenn jemand einwendet: „Ich glaube nicht, daß die Bibel Gottes Wort ist.“ Was sollte ein Soldat tun, wenn der Feind sagt: „Ich glaube nicht, daß Dein Schwert aus echtem Stahl ist.“ Er würde ihn einfach nochmals damit durchbohren und so beweisen, daß es echt ist. Erinnere den Widersprechenden, daß sein Unglaube die Wahrheit der Bibel nicht ändert. Fahre dann fort, das Wort unter der Leitung des Geistes zu benutzen.
3. Außerdem sollte er lernen, daß Wort weise zu benutzen, in Abhängigkeit vom Heiligen Geist. Der Vers, den Gott in einer Situation benutzt hat, kann in einer anderen völlig unpassend sein. Der Geist Gottes sollte uns dazu benutzen können, genau den Abschnitt der Bibel zu zitieren, den Er benutzen will.
Das erinnert uns sehr daran, wie wertvoll es ist, wenn wir Bibelverse auswendig lernen. Der Heilige Geist kann „euch an alles erinnern“ (Joh 14,26), was Ihr vorher gewußt habt, und nur daran. Wie kann ich erwarten, daß der Herr mich benutzt, wenn ich sein Wort nicht in meinem Herzen verwahrt habe? Andererseits ist es wunderbar, wenn man zur richtigen Zeit den passenden Vers zitieren kann, der jemand Leben und Frieden und bleibende Freude bringt.
4. Dann müssen wir noch lernen, Gottes Wort in dem völligem Vertrauen zu benutzen, daß er es segnen wird. Das ist eine der großen Ermutigungen im Dienst für den Herrn: Das Wort Gottes, in der Kraft des Geistes weitergegeben, wird nie ohne Erfolg für Herz und Gewissen bleiben.
Gott hat versprochen, sein Wort zu ehren. „Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel herabfällt und nicht dahin zurückkehrt, er habe denn die Erde getränkt und befruchtet und sie sprossen gemacht, und dem Sämann Samen gegeben und Brot dem Essenden: Also wird mein Wort sein, daß aus meinem Munde hervorgeht; es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe“ (Jes 55, 10.11). Da Sein Wort so unwiderstehlich ist, so unbesiegbar und so erfolgreich wie Regen oder Schnee, laßt es uns doch voller Vertrauen und so viel wie möglich benutzen und uns dabei daran erinnern, daß unseren eigenen Worten kein solcher Erfolg versprochen wird.
Aus all dem ist offensichtlich, daß wir Gottes Wort immer bei uns haben sollten, weil es so unersetzlich ist. Der christliche Soldat sollte nie ohne ein Schwert sein. Eine Taschenausgabe des Neuen Testaments ist so klein und leicht, und doch ist es so wichtig, es zur Hand zu haben, wenn es eine Gelegenheit dazu gibt.
Zuletzt möchten wir sagen, daß man auch gute Traktate dabei haben sollten. Man kann sie weitergeben, wenn eine Unterhaltung unmöglich ist. Die Rolle, die Traktate bei der Bekehrung von heute lebenden Christen gespielt haben, ist unabschätzbar. Verpasse nicht den Segen von diesem wirksamen Dienst.
4. Das Wirken des Heiligen Geistes
Die Rolle des Heiligen Geistes bei der Errettung muß uns deutlich sein, wenn wir vernünftig mit Menschen umgehen wollen. Dieses Bewußtsein wird uns vor zwei Gefahren bewahren. Wir werden keine falschen Bekehrungen erzwingen und wir werden nicht mit den Ergebnissen unserer evangelistischen Arbeit prahlen.
Die Schrift lehrt immer wieder, daß die neue Geburt ein Wunder, ein übernatürliches Wirken von Gott ist (Joh 1,13; 1Kor 3,6), und daß der Heilige Geist sie bewirkt (Joh 3,5).
Der Geist Gottes ist souverän; das heißt Er tut was Er will, und gibt niemand über irgendetwas Rechenschaft (Hiob 33,13). Als der Herr Jesus mit Nikodemus redete, erinnerte Er ihn daran, daß „der Wind weht, wo er will“ (Joh 3,8), und betonte so das souveräne und unvorhersehbare Handeln des Geistes.
Das ist von Gottes Seite aus der Grund, warum oft ein Familienmitglied gerettet ist, und die anderen verloren. Es erklärt, warum ein Mensch wie Paulus von Tarsus dann gerettet wird, wenn er es selbst am wenigsten erwartet (Apg, 9,1-31). Es erklärt, warum ein Bibelvers, der für eine Person nichts bedeuten mag, genau der Vers sein kann, durch den sich ein anderer bekehrt. Es erklärt, warum der Seelengewinner im Vorraus nie sagen kann, welche Seele gerettet werden wird und welche nicht.
Die Souveränität des Geistes bedeutet nicht, daß der Mensch keine Rolle bei seiner Bekehrung spielt. Die Bibel lehrt mit gleicher Deutlichkeit, daß ein Mensch dafür verantwortlich ist, an Christus zu glauben (Apg 16,31). Gott bietet die Errettung jedem an, der Seinen Sohn durch Glauben aufnimmt (Joh 1,12).
Auch wenn wir die Souveränität Gottes und den freien Willen des Menschen in unserem Denken nicht vereinen können, sollten wir doch beide Lehren in vollkommener Ausgewogenheit glauben, weil beide deutlich in der Bibel gelehrt werden.
Es ist unmöglich genau zu beschreiben, wie der Heilige Geist die neue Geburt bewirkt. „Du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8). Jedoch können wir allgemein sagen, daß Er zuerst einem Menschen seine Not deutlich macht. (Weil das Thema der Sündenerkenntnis bei der Bekehrung so wichtig ist, und weil es offensichtlich heute vernachlässigt wird, werden wir es in einem weiteren Kapitel behandeln.) Danach macht Er ihm deutlich, wie nutzlos eigene Anstrengungen sind. Und schließlich offenbart Er ihm den Herrn Jesus als Retter, der in seiner Not helfen kann.
Ein Seelengewinner sollte sich immer daran erinnern, daß er das Wirken des Geistes nicht an sich reißen kann. Die Aufgabe des Christen ist, den Samen zu säen und mit Gebet zu bewässern. Die Aufgabe des Geistes ist es, zu überführen und zu bekehren.
In seinem Eifer, dem Herrn zu dienen und seinen Nächsten zu helfen, steht der Christ häufig vor der Versuchung, den Interessierten ein Bekenntnis abzulocken.
So ein Versuch könnte durch diesen Dialog illustriert werden:
Frage: Glaubst Du, daß die Bibel Gottes Wort ist?
Antwort: Ja!
Frage: Ist dir bewußt, daß Du ein Sünder bist?
Antwort: Ja, alle Menschen sind Sünder.
Frage: Glaubst Du, daß Jesus Christus für Sünder gestorben ist?
Antwort: Ja, das glaube ich.
Folgerung: Dann bist Du gerettet. Die Bibel sagt, daß alle, die das glauben, gerettet sind.
Aber ist er wirklich gerettet? Hat der Heilige Geist wirklich in seinem Leben gewirkt? Oder handelt es sich nur um eine Zustimmung zu bestimmten Tatsachen? Ist es nur ein falsches Bekenntnis?
Durch ein falsches Bekenntnis entstehen drei ernste Gefahren:
1. Die Person könnte sich selbstsicher für gerettet halten, obwohl sie noch in der Gefahr steht, ewig in die Hölle zu kommen.
2. Er könnte in die Gemeinschaft der Gemeinde aufgenommen werden und dem Volk Gottes dann unnötige Probleme verursachen.
3. Seine ungläubigen Bekannten erwarten ein verändertes Leben von ihm, aber er hat nicht die Kraft, es zu leben. Durch falsche Bekenner kann viel Schande auf den Namen Christi gebracht werden.
Deswegen sollte der Seelengewinner es vermeiden, jemand unter Druck zu setzen, damit er sich bekehrt. Der große Evangelist Moody schrieb: „Sag niemals jemand, daß er bekehrt ist. Sag ihm niemals, daß er gerettet ist. Der Heilige Geist soll ihm das offenbaren.“ Das gilt besonders, wenn man es mit Kindern zu tun hat. Sie sind sehr empfänglich für emotionale Einladungen oder kräftige Aufforderungen. Im Neuen Testament finden wir kein Beispiel, wo jemand sich längere Zeit bemüht, einem anderen ein Bekenntnis abzuringen. Dort finden wir eher, daß ein Christ das Wort treu vorbringt, mit Gebet, und dann auf den Heiligen Geist blickt, daß er die Wiedergeburt bewirkt.
Leider müssen wir befürchten, daß viele moderne Methoden der Evangelisation aus dem Wunsch entspringen, große Zahlen von Bekehrten aufzuweisen. Das ist sicher ein schlechtes Motiv. Einige Punkte sollte der Seelengewinner sich immer vor Augen halten:
1. Als die Jünger zum Herrn zurückkehrten und sich rühmten, daß sogar die Dämonen ihnen untertan seien, antwortete Er: „Darüber freut euch nicht …; freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind.“ Lk 10,20).
2. Es ist für uns unmöglich, die Ergebnisse unseres Dienstes zu beurteilen. Was nützt es, sich über viele Bekehrte zu rühmen, wenn keiner von ihnen wirklich gerettet ist? Wie jemand gesagt hat: „Der Himmel ist der beste und sicherste Ort, um die Ergebnisse unseres Dienstes zu erfahren.“
3. Sehr wenige werden nur durch einen Seelengewinner gerettet. Meistens gibt es viele Glieder in der Kette, die zur Errettung führt. Einer säht und ein anderer erntet. Manchmal ernten wir, wo wir nicht gearbeitet haben (Joh 4, 37.38).
4. Und schließlich ist die Zahl der Seelen, die durch uns gerettet wurde, nicht der einzige Maßstab unserer Treue. „Den einen ein Geruch vom Tode zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben“ (2Kor 2,16). Mit anderen Worten hören einige das Evangelium aus unserem Mund und werden gerettet. Andere hören die Botschaft, lehnen sie ab, und gehen verloren. Zweifellos beurteilt der Herr unseren Erfolg sowohl durch das erstere wie durch das letztere (obwohl wir das erstere vorziehen).
Zusammenfassend würden wir sagen, daß nur Gottes Heiliger Geist die Neue Geburt bewirken kann; daß man nicht versuchen sollte, Seine Rolle zu übernehmen, indem man zur Bekehrung drängt; daß man sich nicht etwas auf seinen Erfolg einbilden sollte. Wir sollten kein bißchen Eifer verlieren, wenn wir erkennen, welche Schlüsselrolle der Geist bei der Bekehrung spielt, aber wir sollten uns sicherlich mehr bemühen, abhängig von Ihm zu sein, und seiner Führung zu gehorchen.
5. Was wir aus den Evangelien und der Apostelgeschichte lernen.
Eine Abhandlung über persönliche Evangelisation ist unvollständig, wenn sie nicht den Meister der Seelengewinner bei der Arbeit beobachtet. Wenn wir uns zu den Evangelien wenden, können wir mit dem Retter reisen, seine Barmherzigkeit miterleben und von Ihm viel Wertvolles darüber lernen, wie Er mit Seelen umgeht.
Die Apostelgeschichte enthält auch lohnende Unterweisung, wie man Seelen gewinnen kann, denn hier sehen wir den Auferstandenen, wie Er durch Seine Apostel in der Kraft des Heiligen Geistes wirkt. Dieses Kapitel kann natürlich nur wenige der vielen Punkte hervorheben, die man dort findet. Wir hoffen, daß der Leser dadurch angeregt wird, weitere Lektionen selbst zu entdecken.
Zuerst wollen wir einmal die Botschaft studieren, die der Herr Jesus Christus den Menschen gebracht hat. Wir möchten folgende fünf Punkte vorschlagen:
1. Er betonte die Tatsache der Sünde (Joh 4, 16-18). Er berührte das Gewissen der Frau am Brunnen bei Sichar mit der direkten Feststellung, „der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“
2. Er betonte die hoffnungslose Lage des Sünders (Joh 3,6). „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch-“ – „Die aber, welche im Fleische sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“ (Röm 8,8). Deshalb geht der Mensch auf sich allein gestellt verloren.
3. Er betonte die Notwendigkeit der neuen Geburt. Zweimal in Johannes 3 bestätigt der Retter, daß man das Königreich nur durch die neue Geburt betreten kann. (Das Wasser kann in diesem Vers nicht wörtliches Wasser sein. Das würde dem Rest des neuen Testamentes widersprechen.)
4. Er betonte, daß der menschliche Verstand nicht ausreicht (Joh 3,12). Die Wahrheit des Evangeliums kann nur durch den Glauben aufgenommen werden. Sie widerspricht dem Verstand nicht, sondern sie geht über den Verstand hinaus.
5. Er zeigte, wie man die neue Geburt erleben kann (Joh 3, 15.16). Der Herr Jesus hat Nikodemus nicht den Prozess erklärt, wie der Geist die neue Geburt bewirkt, sondern hat ihm vielmehr erklärt, wie er diese herrliche Wahrheit selbst bekommen konnte – nur durch den Glauben an den Sohn Gottes. Er hat immer gesagt, daß der Glaube des Sünders an Ihn sein muß. Es genügt nicht, einfach irgendetwas zu glauben.
Wenn wir die Methoden des guten Hirten studieren, finden wir weitere Hinweise für die, welche Ihm auf der Suche nach verlorenen Schafen folgen wollen. Dazu wollen wir die folgenden fünf Beispiele zitieren.
1. Er war immer höflich und liebenswürdig. Er zerbrach kein geknicktes Rohr (ein bedrückter Mensch), und löschte keinen glimmenden Docht (jemand mit einem Funken Glauben) (Mt 12,20). Es stimmt, daß er die faule Neugier nicht zufrieden stellte, und auch nicht alle Argumente der Heuchler beantwortete, aber Er war für jeden erreichbar, der eine wirkliche Not hat.
2. Er stieg zu den Unangesehenen und Niedrigen hinab (Röm 12,16). Er lies sich von nationalen oder sozialen Grenzen nicht abhalten, den Durst einer Seele zu stillen, denn die Frau in Johannes 4 war sowohl eine Samariterin als auch eine Ausgestoßene. Obwohl er Reichen und Armen gedient hat, sehen wir, daß die Armen einen besonderen Platz in Seinem Herzen hatten. Der Seelengewinner sollte diese Tatsache bedenken, und sich immer an folgendes erinnern:
a) Den Armen wird das Evangelium verkündet (Mt 11,5).
b) Gott hat die Armen dieser Welt auserwählt, um reich zu sein im Glauben (Jak 2,5).
c) Es sind nicht viele Weise, Mächtige und Edle berufen, sondern die Törichten, Schwachen, Unedlen und Verachteten (1Kor 1, 26-29).
3. Er hat den Menschen niemals angedeutet, daß Gott ihr Talent braucht, Ihren Besitz, ihre Persönlichkeit. Es ist verrückt, wenn Christen versuchen Sünder zu gewinnen, weil ihr Prestige oder ihr Einfluß Gott oder die Gemeinde groß herausbringen würde.
4. Er benutzte einfache Gegenstände aus dem täglichen Leben, um geistliche Wahrheiten zu illustrieren. Er sprach über Gras, Wind und Regen, über die Sonne und die Bäume, und brachte mit Freude Himmel und Erde in seinen Worten zusammen.
Genauso sollten wir uns üben, Bilder für das Evangelium in der Schöpfung zu finden und sie zu benutzen, wenn wir anderen das Evangelium erklären.
5. Er verhinderte, daß ein Gespräch sich irgendwohin entwickeln würde. Nikodemus und die Frau am Brunnen wollten beide das Thema wechseln, aber er brachte sie gleich wieder zurück zu der Frage ihres ewigen Heils.
Der Leser wird ohne Zweifel in der Lage sein, diese Liste mit vielen weiteren Beispielen zu ergänzen, und es wird für ihn selbst ein Gewinn sein. Je mehr er sich mit dem Herrn beschäftigt, desto mehr wird er Ihm ähnlich (2Kor 3,18).
Und dann sollte er sich mit der Apostelgeschichte beschäftigen, wie wir vorgeschlagen haben, und den Aposteln zusehen, wie sie vom Herrn Jesus zeugen. In feindlicher Umgebung sprechen sie mit großem Freimut vom Erlöser. In ihrer Botschaft fallen zwei Dinge auf.
1. Sie betonten die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn (Apg 2,24.32; 3,15.26; 4,10; 5,30.31; 10,40; 13,30.33.34; 17,31;). Sie verstanden, daß es durch einen toten Christus keine Erlösung geben kann. Aber sie wußten, daß er lebt, weil sie ihn nach der Auferstehung gesehen hatten. Wir wissen auch, daß er lebt, weil es die Bibel sagt, und weil Er in unseren Herzen lebt.
2. Sie betonten, daß Christus Herr ist (Apg 2,36, 10,36), und riefen Menschen überall dazu auf, sich vor ihm zu beugen, vor dem rechtmäßigen und höchsten Herrscher in ihrem Leben. (Es ist bedeutsam, daß die Schrift die Reihenfolge „Herr und Erlöser“ verwendet (2Pet 1,11; 2,20; 3,2), wogegen wir meist sagen „Erlöser und Herr.“)
Am besten folgen wir dem Beispiel der Apostel und verkünden, daß Christus lebt, daß er Gott und Mensch ist, daß er jetzt im Himmel ist und daß jeder früher oder später sein Knie vor ihm beugen muß.
6. Seelengewinnen nach der Bibel
Von Sünde überführt
Bevor jemand gerettet werden kann, muss er wissen, dass
er verloren ist. Das gehört zu den Grundlagen des Evangeliums.
Der Herr Jesus lehrte immer wieder: »Die Gesunden bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur
Buße« (Lk 5,31-32). »Denn der Sohn des Menschen ist gekommen,
zu suchen und zu retten was verloren ist« (Lk19,10). Die Bibel betont, dass jeder ein Sünder ist, dass alle verloren sind, dass jeder einzelne die tödliche Krankheit hat (Röm 3,23). Aber nicht jeder erkennt seinen sündigen Zustand, nicht jeder will zugeben, dass er verloren ist.
Würde der Mensch in Ruhe gelassen, dann würde er seine hoffnungslose Situation niemals bemerken, sich niemals von seiner Sünde lossagen und sie nie zerschlagenen Herzens bekennen. Nur Gottes Heiliger Geist kann einen Menschen über seine geistliche Beschmutzung derart in Unruhe versetzen, dass er zum Retter flieht, um Vergebung zu finden.
Der Heilige Geist überführt in doppeltem Sinne von Sünde.
1. Als erstes überführt schon Seine bloße Gegenwart die
Welt von Sünde (Joh 16,7-11). Eigentlich sollte der Herr Jesus selbst auf der Erde sein und als Herr über alle herrschen. Aber Er wurde abgelehnt und verworfen. In Seiner Abwesenheit hat Er den Geist in die Welt gesandt. Die Tatsache, dass der Heilige Geist hier ist, verurteilt die Welt, indem sie Folgendes aufzeigt:
a) Sünde – weil sie dem Retter nicht glaubten, sondern riefen: »Hinweg mit Ihm.«
b) Gerechtigkeit – weil Christus in den Himmel zurückging und somit bewies, dass Er Recht hatte und die Welt Unrecht.
c) das kommende Gericht – weil Satan, der Fürst dieser Welt, schon gerichtet und verurteilt ist. Wenn der Führer ins Verderben geht, dann gehen auch seine Nachfolger dorthin.
2. Außerdem wirkt der Heilige Geist an den Herzen einzelner Menschen und weckt sie auf, sodass sie ihre geistliche Nacktheit erkennen, ihre Armut und ihre Verlorenheit. In manchen Fällen ist das eine ausgedehnte Zeit mit tiefen Seelenschmerzen. In anderen Fällen ist es ein kürzeres Erlebnis und vielleicht keine große geistliche Erschütterung. Auch wenn die Tiefe und Länge des Überführtseins verschieden ist, so muss doch auf jeden Fall eine Überführung durch Gottes Geist stattfinden, bevor jemand wirklich zum Retter geführt werden kann.
Die Bibel ist voller Beispiele von Menschen, die von Grund auf von ihrer völligen Unwürdigkeit in den Augen des heiligen Gottes überzeugt waren:
1. David war von Sünde überführt und zeigte es in dem kurzen Satz: »Ich habe gegen den Herrn gesündigt« (2Sam 12,13). Siehe auch Psalm 51.
2. Nach einer langen Zeit der Drangsal unterwarf sich Hiob dem Herrn mit den Worten: »Mit dem Gehör des Ohres habe ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche« (Hiob 42,5-6).
3. Als Jesaja den Herrn sah, rief er: »Wehe mir! Denn ich bin verloren, denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen und inmitten eines Volkes von unreinen Lippen wohne ich, denn meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen« (Jes 6,5).
4. Simon Petrus sah den Herrn, fiel zu Seinen Knien nieder und sprach: »Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr« (Lk 5,8).
5. In Lukas 15,17-19 zeigt der verlorene Sohn das Ergebnis des Wirkens des Geistes in seinem Leben mit folgenden Worten: »Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen. Mache mich wie einen deiner Tagelöhner.«
6. Dem Zöllner war deutlich geworden, wie sein Zustand vor Gott aussieht: »O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!« (Lk 18,13).
7. Zu Pfingsten wirkte der Heilige Geist in den Herzen der Menschen. Nach der Predigt von Petrus »drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?« (Apg 2,37). Sie wurden von keinem Menschen gedrängt. Der Geist bewirkte das.
8. Wir haben einen deutlichen Hinweis, dass der Apostel Paulus vor seiner Bekehrung von Sünde überführt war, denn der Herr sagte zu ihm: »Es ist hart für dich, wider den Stachel auszuschlagen« (Apg 26,14). Der Stachel war ein spitzer Stab, den man benutzte, um die Zugtiere anzutreiben. Hier ist damit gemeint, dass Paulus bereits einige Zeit lang vom Heiligen Geist wegen seiner Sünden in Unruhe versetzt worden war.
9. Ein weiterer derartiger Fall ist der Kerkermeister von Philippi. »Er aber forderte Licht und sprang hinein und zitternd fiel er vor Paulus und Silas nieder. Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?« (Apg 16,29).
Jetzt betonen wir nochmals, dass jedem Menschen seine Verlorenheit auf diese Weise verdeutlicht werden muss, bevor er jemals versteht, dass er den Erlöser braucht. Der weise Seelengewinner wird sich immer daran erinnern und wird auf Hinweise für echte Überführung achten. Wir meinen damit nicht, dass die Überführung an sich immer beobachtet werden kann. Manchmal zeigt sie sich in direktem Widersetzen gegen das Evangelium, manchmal sieht sie wie eine körperliche Erkrankung oder eine seelische Störung aus, ein anderes Mal sieht man bitteres Weinen, aber es kann ebenso vorkommen, dass sie gänzlich unbemerkt bleibt.
Der Seelengewinner kann durch die folgenden Zeichen erkennen, ob jemand von Grund auf überführt ist:
1. Er behauptet nicht mehr, gut zu sein oder etwas zu verdienen.
2. Er sagt sich ernsthaft von der Sünde los, will es nicht mehr tun.
3. Er sieht keine Hoffnung mehr in Sakramenten, Ritualen, Organisationen oder Menschen.
4. Er hat eine tiefe Sehnsucht nach Gottes Erlösung (Hiob 23,3).
Es ist unmöglich, jemand zum Herrn zu führen, bevor er vom Heiligen Geist in diesen Zustand versetzt worden ist. Es ist nutzlos, dem Herrn vorauszueilen und den Menschen zu überreden, einer Reihe von Lehraussagen zuzustimmen (wie wahr sie auch sein mögen). Es ist nicht nur unnütz, sondern wirklich gefährlich, ja sogar sündig. In diesem wichtigen Bereich gibt es für den Seelengewinner einen weisen Grundsatz: »Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk« (Jak 1,4). Warum? »Wenn der Herr das Haus nicht baut, vergeblich arbeiten daran die Bauleute; wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, vergeblich wacht der Wächter« (Ps 127,1). Der Seelengewinner soll gewiss sein, dass der Heilige Geist von Sünde überführt. Er soll warten, bis der Geist ein tiefes Werk vollendet hat. (Wenn der Seelengewinner wirklich dem Herrn vertraut, hat er es nicht eilig – Jes 28,16.) Danach kann er dem Sünder den Herrn Jesus zeigen, der die tiefste Not dieser Seele erfüllen kann.
7. Seelengewinnen nach der Bibel
Das wahre Evangelium
Um effektiv zu arbeiten, muß der Seelengewinner die echte Botschaft, das Evangelium kennen, er muß in der Lage sein, Änderungen zu erkennen und er muß auch auf Einwände gegen das Evangelium eingehen können.
In seinem Brief an die Galater bestand Paulus darauf, daß es nur ein wahres Evangelium gibt, und daß der Fluch Gottes auf jedem liegt, der ein anderes predigt (Gal 1,8.9). Das wahre Evangelium besagt natürlich, daß die Rettung nur durch Glauben an Jesus Christus geschieht (Joh 14,6).
Alle anderen Evangelien oder Religionen können unter drei großen Überschriften zusammengefaßt werden:
1. Der Mensch wird durch gute Werke gerettet, durch einen guten Charakter, oder durch irgendeinen eigenen Verdienst. Dazu könnten gehören:
a) Religiöse Riten oder Zeremonien wie Taufe, Konfirmation, Firmung, Abendmahl, Buße, Gebete, usw.
b) Die Zehn Gebote halten, oder andere Lebensregeln.
c) Gute Werke, Almosen geben, sein Bestes tun.
d) Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, oder ein guter Charakter.
2. Ein Mensch wird gerettet durch den Glauben an Jesus und die guten Werke, die oben aufgelistet sind.
3. Ein Mensch wird allein durch den Glauben an Christus gerettet, aber damit er gerettet bleibt, muß er sich selbst bewahren durch gute Werke.
Von allen wird in Römer 4,5 schlüssig gezeigt, daß sie entgegen Gottes Wort sind:
„Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.“
Lies auch Gal 3,3.11; Eph 2,8.9; Tit 3,5.
Das Evangelium ist die gute Nachricht, daß Christus starb um Menschen zu retten, weil sie sich nicht selbst retten können, daß er auferstand, in den Himmel zurückkehrte, und nun allen ewiges Leben gibt, die ihn im Glauben annehmen (1Kor 15,1-4).
Jede Idee, daß der Mensch seine Erlösung irgendwie verdienen kann, oder die Kraft hat, dabei mitzuhelfen, ist ausgeschlossen (Röm 3,27). Gott sieht den Menschen als tot (Eph 2,1), und deshalb als kraftlos (Röm 5,6). Der Gedanke, daß man die Rettung verdienen kann, gefällt dem menschlichen Herz, aber er beraubt Christus seiner Herrlichkeit als der einzige Erlöser (Jes 42,8).
Wenn der Seelengewinner jetzt das Evangelium den Verlorenen bringt, muß er sich über bestimmte Punkte im Klaren sein.
1. Alle Menschen sind Sünder und deshalb verloren. Wenn jemand behauptet, daß er nicht so schlimme Sünden begangen hat wie andere, können wir wahrscheinlich zustimmen. Aber zwei Tatsachen bleiben bestehen:
a) Er ist dazu fähig, all diese Sünden zu begehen. Was er ist, ist viel schlimmer, als was er getan hat.
b) Wenn er den Herrn Jesus ablehnt, wird er die Ewigkeit mit den aller schlimmsten Sündern verbringen.
Deshalb ist es reine Torheit zu denken, daß man gerettet ist, weil man im Vergleich zu anderen gut ist.
2. „Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Heb 9,22). Der Seelengewinner wird sich deshalb bemühen zu erklären, daß Christus sein Blut vergossen hat (1Joh 1,7). Dieses Blut hat unendlichen Wert und deshalb können die schlimmsten Sünden dadurch vergeben werden. Betone den Wert des Blutes.
3. Die Auferstehung und die Verherrlichung Christi sind von unschätzbarer Wichtigkeit. Das Evangelium endet nicht mit Christus am Kreuz. Er ist ein lebendiger Heiland, der bald sein Volk zu sich holen wird; und ein lebendiger Richter, der bald die bestrafen wird, die dem Evangelium nicht gehorchen (2Thess 1, 8).
4. Die Rettung wird von Gott auf der Grundlage der Gnade geschenkt (Eph 2,8). Das bedeutet, daß der Mensch sie nicht verdient, daß er keine Ansprüche bei Gott geltend machen kann, und daß er sie durch nichts verdienen kann. Es bedeutet, daß Gott die Menschen ohne Grund rettet, ohne die Erwartung, daß sie Ihn dafür belohnen, und ohne jede Gegenleistung.
Der Sünder kann deshalb so zu Christus kommen, wie er ist, in allen seinen Sünden, und Vergebung und Frieden erhalten. Gott verlangt nicht, daß er sich zuerst ändert, oder noch einmal von vorne beginnt.
5. Menschen werden durch das Prinzip des Glaubens gerettet (Röm 3, 28). Das bedeutet, das der Mensch Gott beim Wort nimmt. Er tritt auf die Seite Gottes, und verurteilt sich damit selbst. Er wirft sich ganz auf die Barmherzigkeit Gottes und zeigt damit, daß er keine Macht hat sich selbst zu retten oder gerettet zu bleiben. Der Glaube macht den Menschen zu nichts und Gott zu allem.
Daraus erkennt man, daß der Glaube nicht der Retter ist. Nur eine lebende Person kann retten. Aber der Glaube nimmt die Rettung als freies Geschenk von Gott an.
Glaube ist kein gutes Werk oder eine Handlung, wodurch man sich etwas verdient. Wenn ein Mensch nicht an Gott glaubt, ist er ein Narr. Deshalb kann niemand auf seinen Glauben stolz sein. Glaube ist die einzig gesunde, logische, und vernünftige Reaktion auf Gottes Wort.
6. Während gute Werke keine Rolle bei unserer Errettung spielen, spielen sie eine wichtige Rolle, nachdem wir gerettet sind (Tit 2,14). Wir werden nicht durch gute Werke gerettet, aber wir sind zu guten Werken gerettet. Vergleiche in Epheser 2 Vers 9 mit Vers 10. In Gottes Augen können nur Wiedergeborene gute Werke hervorbringen. Sie vollbringen diese Werke nicht, um gerettet zu werden oder gerettet zu bleiben, sondern weil sie gerettet sind. Alle guten Werke, die von Christen getan wurden, werden vor dem Richterstuhl Christi belohnt werden (1Kor 3,12-15).
Jakobus betont in seinem Brief, daß Glaube ohne Werke tot ist (Jak 2,17). Hier sehen wir, das der rettende Glaube der ist, der Werke hervorbringt. Der wahre Glaube vollbringt gute Werke. Sie sind die unvermeidliche Folge der Errettung. Wenn jemand wirklich gerettet ist, wird er gute Werke tun.
7. Wenn ein Mensch gerettet ist, sind alle seine Sünden vergeben, vergangene, gegenwärtige und zukünftige. Sünden, die wir nach der Bekehrung begehen, unterbrechen unsere glückliche Gemeinschaft mit Gott, aber sie ändern nichts an unserer Beziehung zu Gott als Kinder. Diese Sünden müssen bekannt und aufgegeben werden, bevor die Gemeinschaft wieder hergestellt werden kann.
8. In dem Moment der Bekehrung ist ein Mensch so passend für den Himmel, wie Gott ihn nur machen kann. Dieser Mensch ist passend für den Himmel durch das wertvolle Blut Christi. Nichts kann dem Wert dieses Blutes noch etwas hinzufügen.
9. Der Christ hat eine vollkommen Stellung vor Gott, weil Gott ihn in Christus sieht. Sein praktisches, tägliches Leben sollte dieser herausragenden Stellung angepaßt werden.
Wenn wir sagen, daß ein Gläubiger vollkommen ist, heilig und tadellos in Christus, so meinen wir damit nicht, daß Gott die Sünden in seinem Leben nicht bemerkt. Wir meinen damit, daß Gott ihn niemals wegen diesen Sünden verdammen wird, weil der Herr Jesus Christus die Strafe dafür schon bezahlt hat.
Nun gibt es drei große Einwände gegen das Evangelium der Gnade Gottes. Auf die sollte der Seelengewinner alle antworten können. Der erste ist:
1. Wenn man wirklich nur an Christus glauben muß, um gerettet zu werden, dann könnte man ja hingehen und so leben wie man will.
Die Antwort darauf ist, daß jemand, der gerettet ist, ein heiliges Leben führen will, weil er den liebt, der für seine Sünden gestorben ist. Die Liebe ist das stärkste Motiv, das es gibt. Die Menschen werden aus Liebe Dinge tun, die sie unter Gesetz nie getan hätten. „Die Liebe Christi drängt uns“ (2Kor 5,14).
Viele Prediger, die es gut meinen, und die ein heiliges Leben bei den Hörern wünschen, haben gedacht es sei notwendig, daß sie folgendes lehren: Die Rettung der Gläubigen hängt von der Bedingung ab, daß sie ein reines Leben führen. Jedoch der Herr weiß es besser als der Mensch. Er gibt die Rettung als ein freies Geschenk ohne Bedingungen, ohne die Absicht, sie wieder wegzunehmen. Dann bittet er den Menschen, auf diese Liebe mit Reinheit und Hingabe zu reagieren. Christen sind dazu berufen, dem Herrn aus Dank und mit Liebe zu dienen, der starb um sie zu segnen, und der lebt um sie für den Segen zu bewahren.
Dann gibt es einen zweiten Einwand gegen das Evangelium:
2. Wenn man wirklich nur an Christus glauben muß, um gerettet zu werden, wie kann man dann wissen, ob man die Kraft und die Macht dazu hat, so zu leben, wie man leben soll?
Diese Frage übersieht die Tatsache, daß man bei der Rettung den Heiligen Geist empfängt, der dann in der Person wohnt. Der Heilige Geist befähigt ihn, die Befreiung von der innewohnenden Sünde zu erlangen. Der Gläubige schreckt wie niemals zuvor vor der Sünde zurück, und er hat eine neue Liebe für Heiligkeit.
Und dann ist auch der Herr Jesus ständig damit beschäftigt, die Christen in Gemeinschaft mit sich zu halten und sie vom Bösen fernzuhalten.
Der dritte verbreitete Einwand ist:
3. Wenn die Rettung durch Glauben ist, dann sagen sie mit anderen Worten, daß die Zehn Gebote, die Gott gegeben hat, wertlos sind!
Nein, überhaupt nicht! Das Gesetz hat Leben versprochen, wenn man gehorcht, und Tod für Ungehorsam. Wir haben alle das Gesetz gebrochen, und sind deshalb unter dem Todesurteil. Die Forderung des Gesetzes muß erfüllt werden.
Aber der Herr Jesus ging ans Kreuz und hat die Strafe bezahlt, die wir durch das Brechen des Gesetzes verdient hatten. Wenn wir Ihn im Glauben annehmen, kann das Gesetz uns nicht länger verurteilen, denn die Forderungen wurden von unserem Stellvertreter bezahlt.
Deshalb schreibt Georg Cutting: „Das Evangelium berichtet nicht von einem Gott, der aus Liebe beide Augen zudrückt, sondern von einem Gott, der seine Liebe zu den Sünder nur zeigen kann, wenn seine heiligen Forderungen gegen die Sünde auf gerechte Weise erfüllt werden, und die Strafe völlig erlitten wurde.“
Heute, wo so viel wirres Zeug gepredigt wird, ist es wichtig, daß der Seelengewinner die Lehre des Evangeliums der Gnade gründlich versteht. Er kann junge Bekehrte nur dann im Glauben festigen, wenn er deutlich erklären kann, was das Evangelium der Gande ist.
8. Glaube und Bekenntnis
Normalerweise ist jemand nicht weit weg vom Reich Gottes, wenn er seine eigene Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit erkennt. Dann ist es die Aufgabe des Seelengewinners, dieser Person den Herrn Jesus zu zeigen: Der Herr ist in der Lage Dich zu retten, und Er will Dich retten, und Du solltest an Ihn glauben.
Was bedeutet es, an den Herrn Jesus zu glauben? Es bedeutet, ihn aufzunehmen durch einen deutlichen, bewußten Glaubensakt als eigenen Herrn und Retter. Dieser Glaubensschritt muß nicht laut geschehen oder öffentlich, aber er muß von Herzen kommen und ernst gemeint sein.
Die Bibel benutzt viele verschiedene Illustrationen und Beispiele um zu zeigen, was Glauben bedeutet.
1. Glauben bedeutet anschauen, nach Jesaja 45,22. Siehe auch Joh 3,14.
2. In Lukas 8,44 hat eine Frau das Gewand des Herrn Jesus angerührt, und hat so gezeigt, daß sie den rettenden Glauben an Ihn hat.
3. In Johannes 1,12 ist er gleichbedeutend mit aufnehmen. Die Rettung wird mit einem Geschenk verglichen, das Menschen im Glauben annehmen (Röm 6,23).
4. In Johannes 4,14 wird die Rettung mit Wasser verglichen, daß man im Glauben trinken muß.
5. Johannes 6,35 spricht in ähnlicher Weise von Christus als dem Brot des Lebens, das hungrige Seelen essen müssen.
6. Der Herr Jesus spricht in Johannes 10,9 von sich selbst als Tür, durch die man eingehen kann um Rettung zu finden.
Es ist hilfreich, wenn der Seelengewinner diese und andere Beispiele für Glauben vorbereitet hat, um sie zu benutzen, wie es die Gelegenheit erfordert.
Der Heilige Geist benutzt in verschiedenen Fällen verschiedene Erklärungen oder Bilder, um eine Person zu Christus zu bringen. Keine zwei Zeugnisse über Bekehrung sind genau gleich. Wenn wir die Erfahrungen von Personen in der Bibel studieren würden, würden wir entdecken, wie unterschiedlich sie sind. Deshalb kann die Bekehrung folgendermaßen beschrieben werden:
1. Jakob – ein Kampf gegen Gott, bis Gott als Sieger hervorgeht (1Mo 32,24-32). In solchen Fällen ist Glauben dasselbe wie eine bedingungslose Übergabe.
2. Ruth – in einer Person Zufriedenheit finden (Ruth 3). Hier könnte man Glaube vergleichen mit dem Ja-Wort bei der Hochzeit.
3. Naaman – einem Gebot gehorchen, das unsinnig erscheint (2Könige 5). Der wahre Glaube an Christus lacht über Unmöglichkeiten und ruht vertrauensvoll in Ihm. Wahrer Glaube und Gehorsam sind untrennbar.
4. Hiob – in die Tiefen der Verzweiflung fallen und dann zu Gott um Befreiung schreien (Hiob 42,1-6).
5. Jona – von Gott weglaufen bis Gott ihn einfängt (Jona 2). Nur nach bitteren Erfahrungen hat Jona bekannt: „Die Rettung ist des Herrn“ (Jona 2,9).
6. Lazarus – von den Toten auferweckt werden (Joh 11,43). Für viele bedeutet Glauben einfach, dem lebenspendenden Wort von Christus zu gehorchen, wenn er ruft: „Komm heraus!“
7. Der verlorene Sohn – nach Hause zum Vater gehen, wo man hingehört (Lk 15,11-24). Zweifellos trifft diese Beschreibung auf die Erfahrung von vielen suchenden Seelen zu, die Buße getan haben, aber auch auf Rückfällige.
8. Saulus von Tarsus – plötzlich angehalten und auf dem Boden geschleudert werden (Apg 9,3.4). Hier wird Gottes souveränes Handeln mit Menschen betont. Der Glaube von Saulus zeigte sich in seinem Bekenntnis, daß Jesus Herr ist (Vers 5 und 6).
Welche Ausdrücke auch verwendet werden, oder wie der Glaube in den verschiedenen Situationen auch aussehen mag, so können wir doch sagen: Glaube beinhaltet ein Eingeständnis seiner Not, ein Bekenntnis der Unfähigkeit, sich aus dieser Not selbst zu retten, und ein vollständiges Vertrauen auf den Retter, das zu tun, was Er versprochen hat.
In Verbindung mit diesem Thema Glauben werden oft zwei Fragen gestellt.
1. Ist der Glaube an Christus eine bestimmte Handlung oder ist es ein längerer Prozess? Die Antwort lautet: Während die Schritte, die zur Bekehrung führen sich über längere Zeit ausdehnen können, so muß es doch eine Zeit geben, wann man die große Entscheidung trifft.
Das kann man durch Rö 8,9 verdeutlichen: „Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.“ In einem bestimmten Augenblick hat ein Mensch entweder den Geist Gottes oder er hat Ihn nicht. Wenn wir in die Welt geboren werden, wohnt der Heilige Geist noch nicht in uns. Er zieht erst in seine Wohnung in uns ein, wenn wir gerettet werden. Also muß es einen bestimmten Zeitpunkt geben, wann das stattfindet. Es ist dumm, wenn Leute sagen: „Ich habe schon immer an Christus geglaubt.“ Das ist dasselbe, als wenn sie sagen würden: „Ich habe schon immer den Heiligen Geist gehabt.“
2. Muß ich daß Datum meiner Bekehrung kennen? Darauf antworten wir mit „Nein“. Viele gehen durch so eine Zeit von geistlichen Aufruhr, Zweifel und Unruhe, daß sie sich nicht daran erinnern können, wann sie sich dem Herrn anvertraut haben. Wenn echter Glaube da war, so kennt Gott das Datum, und darauf kommt es an.
Der Apostel Paulus sagte: „Ich weiß, wem (nicht wann) ich geglaubt habe“ (2Tim 1,12). Es kommt darauf an, daß Du weißt, daß Du jetzt auf den Herrn Jesus vertraust.
Eng mit dem Thema Glauben ist das Bekenntnis verbunden. Das Neue Testament lehrt nicht, daß ein Bekenntnis von Christus wichtig zur Rettung ist, aber es lehrt, daß jemand der gerettet ist, den Herrn bekennen wird.
1. Römer 10,10, „Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit und mit dem Munde wird bekannt zum Heil.“ Das ist die göttliche Reihenfolge. Zuerst glaubt man und wird gerettet. Dann bekennt man die Rettung, die man erhalten hat.
2. Markus 16,16, „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Während wir erkennen, daß es eine große Meinungsverschiedenheit über diesen Vers gibt, wollen wir doch folgende Erklärung vorschlagen. Die Taufe ist hier ein Symbol für das Bekenntnis, das unweigerlich auf die Bekehrung folgt. Da beide eng miteinander verbunden sind, werden sie auch zusammen erwähnt. Der zweite Teil des Verses zeigt, daß Taufe nicht notwendig ist zur Rettung: „Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Die Taufe wird hier ausgelassen. Es kommt auf den Glauben an Christus an.
Der Retter hat seine Jünger immer wieder gedrängt, Ihn vor den Menschen zu bekennen (Mt 10,32). Wenn wir andern helfen wollen, sollten wir ihnen genauso ihre Verantwortung zeigen, den Herrn mutig zu bekennen.
9. Seelengewinnen nach der Bibel
Heilsgefühl oder Heilsgewissheit?
Eines der verbreitetsten Probleme, die dem Seelengewinner begegnen, ist die Schwierigkeit, die so viele Leute mit der Heilsgewissheit haben. »Wie kann ich wissen, ob ich gerettet bin?« Die neue Geburt wird für ein spektakuläres Erlebnis gehalten, eine emotionale, von mysteriösen Gefühlen begleitete Erfahrung. Diese Meinung ist weit verbreitet. Da das menschliche Herz stets nach Zeichen und Wundern Ausschau hält, überrascht es uns nicht, dass man bei der Bekehrung Zeichen und Wunder erwartet. Es stimmt natürlich, dass die Bekehrung in manchen Fällen ein umwälzendes Ereignis ist und dass sie die Gefühle ganz durcheinander schüttelt. So war es bei Saulus von Tarsus. Jedoch ist es ebenso wahr, dass die Bekehrung bei manchen ganz leise stattfindet, fast unbemerkt, ohne sensationelle Erscheinungen. Wir wollen hier betonen, dass Gott nirgends sagt, dass wir unseres Heils gewiss sein können, weil wir eine innere Ekstase erlebt oder weil wir uns im Herzen glücklich gefühlt haben. So viele, die wirklich an den Herrn Jesus Christus glauben, sind enttäuscht oder desillusioniert, wenn sie nicht übernatürliche Zeichen erleben oder spüren. Sie warten auf etwas, das Gott nicht verheißen hat. Das ist ihr Problem.
Im Gegensatz dazu lehrt die Bibel durchweg, dass Heilsgewissheit vor allem durch das Wort Gottes kommt. Das möchten wir illustrieren. Hier ist jemand, der nicht mehr weiter weiß, er sieht sich als verloren an und hat seine totale Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit zugegeben. Er hat den Namen des Herrn angerufen, um gerettet zu werden. Jedoch haben sich seine Gefühle nicht weiter geändert, und er wird von Zweifeln und Ängsten geplagt. Das wirft die Frage auf: »Ist diese Person wiedergeboren?« Die Antwort lautet: »Ja.« Gott sagt in Römer 10,13: »Wer den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.« »Aber wie kann dieser arme, ängstliche Mensch wissen, dass er gerettet ist?« »Einfach indem er Gottes Wort glaubt.« Gott sagt, dass alle, die Seinen Namen anrufen, gerettet werden. Dieser Mann hat das getan. Er sollte deshalb der Verheißung des Herrn glauben, dass er gerettet ist.« »Auch wenn seine Gefühle diese Tatsache nicht bestätigen?« »Ja, trotz seinen Gefühlen sollte er glauben, was Gott sagt.«
Wenn die ängstliche Seele einfach aufhören würde, über ihre Gefühle nachzudenken, so würde sie erkennen, dass es keine höhere Autorität als Gottes Wort gibt. »In Ewigkeit, Herr, steht dein Wort fest in den Himmeln« (Ps 119,89). »Die Summe deines Wortes ist Wahrheit« (Ps 119,160). »Wobei es unmöglich war, dass Gott lügen sollte …« (Hebr 6,18). Würde man stattdessen lieber von einem Menschen erfahren, ob man gerettet ist? Dieser Mensch könnte sich täuschen oder uns absichtlich täuschen wollen. Oder würde man lieber durch freudige Gefühle wissen, dass man gerettet ist? Diese Gefühle könnten sich von Tag zu Tag ändern. Aber das unveränderliche, unfehlbare Wort Gottes steht fest. Es gibt die stärkste Gewissheit, die es überhaupt gibt: Dass alle, die an Christus geglaubt haben, für alle Ewigkeit gerettet sind. Nichts kann deutlicher sein. Man erzählt sich, dass Martin Luther einmal gefragt wurde: Fühlst du, dass deine Sünden vergeben sind?« Er antwortete: »Nein, aber ich weiß es so sicher, wie es einen Gott im Himmel gibt.«
Gefühle kommen, Gefühle geh’n; Man darf nicht auf sie bau’n.
Nur Gottes Wort bleibt fest besteh’n;
Nur Ihm will ich vertrau’n.
Es ist eigentlich eine direkte Beleidigung Gottes, wenn jemand sein Vertrauen und seinen Glauben auf den Herrn Jesus gesetzt hat und dann an seiner Errettung zweifelt. Gott sagt, dass alle, die auf den Herrn Jesus vertrauen, gerettet sind. Wenn man Gott nicht glaubt, dann behauptet man, dass Gott lügt. »Wer Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht« (1Jo 5,10). »Gott aber sei wahrhaftig, jeder Mensch aber ein Lügner« (Röm 3,4).
Wir haben vorhin bereits gesagt, dass wir nicht durch freudige Gefühle Heilsgewissheit bekommen. Trotzdem sollte daraus nicht geschlossen werden, dass die Rettung nichts mit den Gefühlen zu tun habe oder dass jemand, der weiß, dass er gerettet ist, sich nicht darüber freuen sollte. Das stimmt nicht. Wer sein Vertrauen auf den Herrn gesetzt hat, soll sich wirklich freuen (Ps 5,11). Aber der wichtige Punkt dabei ist, dass niemand sich über seine Rettung freuen kann, solange er nicht weiß, dass er gerettet ist. Und er wird nie wissen, dass er gerettet ist, solange er nicht dem Zeugnis von Gottes Wort glaubt. Wenn ein Gläubiger die Bibel liest und annimmt, so bezeugt ihm der Heilige Geist, dass er ein Kind Gottes ist (Röm 8,16; 1Jo 5,10). Wenn ich zum Beispiel Johannes 6,47 lese, so sagt mir der Heilige Geist, dass ich ewiges Leben habe. Ich habe an Christus geglaubt, und deshalb muss auch der Rest des Verses zutreffen – ich habe ewiges Leben. Das füllt mich mit den glücklichsten Gefühlen und dem tiefsten Frieden, weil ich weiß, dass ich gerettet bin. Nachdem jemand gerettet wurde, bekommt er noch andere Beweise des neuen Lebens. Er weiß, dass er vom Tod ins Leben übergegangen ist, weil er die Brüder liebt (1Jo 3,14). Er findet, dass er einen anderen Geschmack hat, neue Wünsche und Ziele. Er hat eine neue Abscheu vor Sünde und eine Furcht, Gott zu missfallen. Aber das ist nicht alles sofort bei der Bekehrung deutlich. Das erste und sofortige Mittel zur Gewissheit ist die Schrift.Wenn der Seelengewinner mit jemandem zu tun hat, der von Zweifeln und Furcht geplagt wird, so sollte er dieser Person die Bibel ans Herz legen. Als der Herr Jesus vom Satan versucht wurde, hat Er die Schrift zitiert – und Satan floh. Wenn also der Feind Zweifel in die Seele des Christen streut, so sollte man einen Vers zitieren, der zusagt, dass jeder, der an Christus glaubt, ewiges Leben hat. Damit sagt der Christ zu Satan: »Gott sagt, dass ich gerettet bin. Es ist mir egal, was du sagst.« Manchmal wird der Seelengewinner Menschen treffen, die es als Zeichen der Demut und Frömmigkeit sehen, wenn sie an ihrer Rettung zweifeln. Er sollte sie daran erinnern, dass sie damit die Herrlichkeit von Christi Thron entehren, weil sie Seiner Verheißung nicht glauben – wenn sie wirklich Christus angenommen haben. Wenn jemand krank ist oder alt wird, so zweifelt er oft an seiner Rettung. Aber das ist eine andere Sache. Der Herr weiß alles darüber und Seine Verheißungen gelten noch, auch wenn wir sie in Krankheit oder Alter nicht mehr fassen können. Seine Verheißungen sind stärker als der zerbrechliche menschliche Körper und Geist.
Viele Leute erleben die Heilsgewissheit wie eine zweite Bekehrung. Eine der großen Belohnungen des Seelengewinners ist, wenn er sieht, welch Freude und Friede jene erleben, die sich auf Gottes Wort verlassen und wissen, dass ihre Sünden vergeben sind. Das ist mehr wert, als die Welt anbieten kann.
Der folgende Vers stammt aus dem Gedicht »Die letzten
Worte Samuel Rutherfords«. Rutherford war ein vorbildlicher Diener Christi, der im 17. Jahrhundert in Schottland in der Ortschaft Anwoth lebte.
Wird eine Seel‘ aus Anwoth steh’n Mit mir vor Gottes Thron,
So wird mein Himmel doppelt schön,bei Dir, Du Gottessohn!
10. Weitere Probleme beim Evangelisieren
In einer Artikelserie über persönliche Evangelisation ist es unmöglich, alle Probleme zu behandeln, die einzelne Seelen plagen mögen. Jedoch die meisten dieser Schwierigkeiten ähneln sich und wenn der Seelengewinner weiß, wie man mit den häufigsten Fragen umgeht, kann er eine wirkliche Hilfe sein für die, die in Not sind.
In diesem Kapitel werden wir einige der verbreiteten Fragen behandeln. Die erste ist:
1. Ich möchte gerne gerettet werden, aber ich bin sicher, daß ich nicht in der Lage bin, wie ein Christ zu leben!
Das ist gewöhnlich die Aussage von einem sehr ernsten, gewissenhaften Menschen, der erkennt: zum echten Glauben an Christus gehört auch ein verändertes Leben.
Dieser Mensch hat aber nicht verstanden, daß mit dem neuen Leben auch neue Kraft kommt. Der Heilige Geist befähigt den Gläubigen dazu, das christliche Leben zu leben. Es ist sogar so, daß kein Mensch, sei er gerettet oder nicht, aus sich die Kraft hat, nach der Lehre des Herrn Jesus Christus zu leben. Dazu braucht man übernatürliche Kraft. Und genau das steht dem Gläubigen zu Verfügung, ab dem Moment, wo er an den Heiland glaubt.
Ein weiteres Problem ist dies:
2. Meine Schwierigkeit ist, daß ich den Hohn meiner Verwandten und Freunde fürchte, wenn ich ihnen sagen muß, daß ich mich bekehrt habe.
Meistens werden diese Probleme von der suchenden Seele nicht ausgesprochen, obwohl das genau die Überlegungen sind, welche die Menschen von Christus abhalten. Der Seelengewinner braucht göttliche Hilfe um das Problem zu diagnostizieren und um das Gegenmittel anzuwenden.
Offenbar hat der Heiland gewußt, daß viele sich über ihn schämen würden. Er hat ja gesagt: „Denn wer irgend sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ Lk 9,26.
Für alle, die sich darüber Sorgen machen, könnte der Seelengewinner folgendes vorschlagen:
a) Es ist wichtiger, was Gott von uns hält als was Menschen über uns denken. In hundert Jahren wird die Meinung Deiner Bekannten total bedeutungslos sein, aber die Zustimmung Gottes wird dann alles bedeuten.
b) Es ist völlig absurd, daß winzige Menschen sich ihres Schöpfers und Erlösers schämen. Er hat sich nicht geschämt, für Sünder zu sterben. Warum sollten Sünder sich schämen, für Ihn zu leben?
c) Das Beste wäre, wenn Du Dich bekehrst und selbst gerettet wirst, und dann mit Gottes Hilfe versuchst, Deine Verwandten und Bekannten zu gewinnen. Oft sind die, deren Spott wir am meisten fürchten, am meisten beeindruckt, wenn wir uns mutig zum Herrn Jesus bekennen.
Eine andere Schwierigkeit ist damit verbunden, ob man richtig glaubt:
3. So weit ich weiß, glaube ich wirklich an Christus. Aber habe ich richtig geglaubt? Habe ich die richtige Art von Glauben? Habe ich genug Glauben?
Diese Befürchtungen kommen daher, weil man zu viel über seinen Glauben nachdenkt als über die Person, auf der unser Glaube ruht.
Jemand kann einen riesigen Glauben haben an irgendetwas, und er wird davon völlig enttäuscht werden. Auf der anderen Seite ist es unmöglich, daß jemand an den Herrn Jesus glaubt und jemals enttäuscht wird.
Deshalb kann der Seelengewinner diese Frage so beantworten: Wenn Deine einzige Hoffnung für den Himmel der Herr Jesus Christus ist, dann hast Du richtig geglaubt. Wenn Du auf Christus vertraust, kannst Du niemals falsch liegen.
George Cutting hat auf diese Frage so geantwortet:
a) „Glaubst Du, das Du wirklich unfähig und absolut hilflos bist in Bezug auf Deine Schuld und Deine Sünde?
b) daß nur Christus Dich retten kann durch Seinen vollkommen Tod?
c) daß Gott gerecht war, als er Ihn für die Sünde richtete, als Er sich selbst gab, um für uns zum Sündopfer zu werden?
d) und daß Gott zeigte, daß er mit diesem Opfer zufrieden ist, indem er Jesus aus den Toten auferweckt und mit himmlischer Herrlichkeit gekrönt hat?
e) Hast Du Ihn angerufen, weil Du ohne Ihn für immer verloren wärst und weil Er bereit ist, Dich zu retten?
f) Dann sei Dir durch Sein zuverlässiges Wort ganz gewiß, daß Du gerettet bist. Zögere nicht, es zu bekennen, und warte nicht länger damit, Ihn zu loben, wie Er es verdient hat.
Ein Neubekehrter ist oft von der Frage beunruhigt:
4. Ich habe mich dem Herrn Jesus anvertraut. Aber würde ich solche inneren Kämpfe haben, wenn ich wirklich gerettet wäre?
Die Antwort ist: Ja. Der innere Kampf fängt eigentlich mit der Rettung an. Denn dann erhältst Du eine neue Natur, die immer mit deiner alten Natur im Krieg liegt. Dieser Kampf wird in Römer 7,15-23 beschrieben. Gott möchte, daß die neue Natur den Sieg davon trägt, und dazu gibt er uns den Heiligen Geist. Wenn wir Ihm gehorchen und Ihm erlauben, Seinen Willen in uns zu tun, Moment für Moment, dann bleibt die alte Natur im Tod, wohin nach Gottes Urteil auch gehört.
Dann kommt die verbreitete Schwierigkeit:
5. Ich befürchte, daß ich die Sünde begangen habe, die nicht vergeben werden kann!
Antwort: Wenn Du die Sünde begangen hättest, die nicht vergeben werden kann, dann würdest Du Dir darüber keine Sorgen machen. Die unvergebbare Sünde ist, wenn man sagt, daß Jesus seine Wunder durch die Kraft des Teufels vollbracht hat, statt mit der Kraft des Heiligen Geistes. Die Sünde, über die Du Dir Gedanken machen solltest, ist, den Herrn Jesus abzulehnen. Wer unbekehrt stirbt ist auf immer verloren.
Neben diesen Problemen gibt es einige Verse in der Schrift, die oft falsch verstanden werden und die suchenden Seelen Unruhe bereiten. Der erste ist in 2 Korinther 5,17:
„Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.
Wenn ein junger Christ merkt, daß all die alten Gewohnheiten, die bösen Gedanken und die sündigen Lüste nicht bei der Bekehrung aufgehört haben, denkt er, daß er vielleicht gar keine neue Schöpfung ist. Die Verwirrung kommt daher, daß man unsere Stellung mit unserm Zustand verwechselt. Der Schlüssel zu dem Vers ist der Ausdruck „in Christus.“ Das ist unsere Stellung. Weil Gott uns in Seinem Sohn sieht, sind die alten Dinge wie Schuld und Verdammnis vergangen, und unsere Stellung in Ihm ist völlig neu. Gott erwartet auch, daß diese alten Dinge in uns vergehen, daß unser Leben auch praktisch verändert wird. Aber das geschieht nicht sofort. Unsere Stellung ist vollkommen, sofort bei der Bekehrung. Unser Zustand sollte mehr und mehr unserer Stellung entsprechen.
Ein zweiter Vers, der junge Geschwister manchmal bedrückt ist 2 Korinther 13,5:
„… so prüfet euch selbst, ob ihr im Glauben seid, untersuchet euch selbst;“
Sie sagen dann: „Genau das ist das Problem. Je mehr ich mich selbst untersuche, desto mehr fürchte ich um meine Rettung.“
Das ist ein Beispiel davon, was geschieht, wenn man einen Vers aus dem Zusammenhang reißt. In Wirklichkeit zweifelten einige der Korinther daran, ob Paulus ein Apostel ist. Sie suchten nach Beweisen, daß Gott durch ihn redet. Deshalb antwortet er ihnen in Vers 3 und 5: „Weil ihr einen Beweis suchet, daß Christus in mir redet … so prüfet euch selbst, ob ihr im Glauben seid.“ Sie wurden selbst durch Paulus zum Herrn geführt, und so waren sie ein Beweis seiner Autorität als Apostel. Paulus bittet sie nicht, nach innen zu schauen, um dort Beweise für Ihre Rettung zu suchen. Dafür hätte er sie gebeten, in die Bibel zu schauen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Leute, die behaupten, gläubig zu sein, und es nicht sind. Diese muß man bitten, die Echtheit ihres Glaubens zu beweisen.
Ein letzter Vers, den wir betrachten wollen, ist Philipper 2,12:
„… bewirket eure eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern;“
Auf den ersten Blick scheint das zu bedeuten, daß wir die Rettung selbst bewirken müssen. Aber es geht hier nicht um die Rettung der Seele vor der Hölle, sondern um die Rettung des Lebens vor der Nutzlosigkeit und Vergeudung. Es ist möglich, daß die Seele gerettet wird, und daß das Leben hier auf der Erde verschwendet wird und verlorengeht. Paulus ermahnt die Philipper, daß sie sich bemühen sollen, daß Ihr Leben gerettet wird, indem sie Gott erlauben, in ihnen seinen Wohlgefallen zu bewirken (Vers 13).
Wie wir schon sagten sind das nur Beispiele für Schwierigkeiten, denen ein Seelengewinner begegnen wird. Seine beste Ausrüstung um zu helfen ist, sich mit der Bibel bestens vertraut zu machen. Außerdem muß er demütig auf den Heiligen Geist vertrauen.
11. Nacharbeit
Nacharbeit ist eine der wichtigsten Phasen vom Dienst des Seelengewinners. Aber es gehört heute zu den am meisten vernachlässigten Bereichen.
Die außerordentlich große Bedeutung dieser Aufgabe kann an folgenden sechs Punkten gemessen werden:
1. Von Gott inspiriert schrieb der Apostel Johannes, daß es seine größte Freude sei, wenn er hörte, daß seine geistlichen Kinder in der Wahrheit wandeln (3.Joh 4). Es ist eine große Freude, Menschen zum Herrn Jesus zu führen. Aber noch größer ist die Freude und Zufriedenheit, wenn sie Ihm dann treu nachfolgen.
2. Der Arbeiter wird am Richterstuhl Christi beschämt werden, wenn seine Bekehrten nicht gewachsen sind. In den Schriften von Johannes finden wir deutliche Hinweise darauf.
„Und nun, Kinder, bleibet in ihm, auf daß wir (die Apostel), wenn er geoffenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft“ (1Joh 2,28).
Und auch in 2Joh 8: „Sehet auf euch selbst, auf daß wir (die Apostel) nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen.“
3. Es ist uns nicht freigestellt, ob wir Nacharbeit durchführen, es ist ein Befehl der Schrift: „Hütet die Herde Gottes“ (1Pet 5,2)
„Erziehe den Knaben seinem Wege gemäß; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“ (Spr 22,6).
4. In Joh 21,15-17 fragte der Herr Jesus den Petrus dreimal, ob er ihn liebt. Als Petrus das dreimal bejaht hatte, befahl der Herr ihm, Seine Lämmer und Seine Schafe zu weiden. Mit anderen Worten: Eine der wunderbarsten Möglichkeiten, wie wir unsere Liebe zum Herrn Jesus zeigen können, ist, uns um die Seinen zu kümmern.
5. Junge Geschwister sind besonders anfällig für die Lehren von Sekten und der Seelengewinner sollte sich bemühen, sie vor diesen Irrlehren zu schützen.
6. Schließlich sollten wir sehr daran interessiert sein, die Junggläubigen davor zu bewahren, wieder in die Welt zurückzugehen. Sie würden sonst viel Schande auf den Namen des Herrn Jesus bringen.
Da wir von der Wichtigkeit der Nacharbeit überzeugt sind, wollen wir die folgenden Schritte vorschlagen, die der Seelengewinner unternehmen sollte:
1. Wo immer es irgendwie möglich ist, versuche die Adresse zu erhalten. Dadurch kannst Du sie später besuchen. Wo Besuchen nicht möglich ist, kann man ihnen durch Briefe weiterhelfen.
2. Sorge dafür, daß jeder Neubekehrte eine Bibel bekommt, zumindest ein Neues Testament. Die reine Milch des Wortes ist absolut notwendig zum Wachsen (1Pet 2,2). (Wir schlagen vor, daß Du die Neubekehrten ermutigst, die Grundbegriffe des Glaubens kennenzulernen, zum Beispiel durch Kurse wie „Was die Bibel lehrt“ oder „Hilfen zum geistlichen Wachstum.“ Du solltest auch gewisse hilfreiche Broschüren zur Hand haben, die man Neubekehrten geben kann, um sie im Glauben zu festigen.)
3. Stelle sicher, das der Jungbekehrte wirklich gegründet ist in der Frage der Heilsgewißheit. Da wir schon in einem vorherigen Artikel darüber gesprochen haben, werden wir das hier nicht wiederholen. Wir wollen jedoch hinzufügen, daß die Gläubigen „den Juwel der Gewißheit in der Schatzkiste eines demütigen Herzens“ aufbewahren sollen (Thomas Watson). In der anfänglichen Begeisterung und Freude neigen die Neubekehrten dazu, mit ihrer Heilsgewißheit etwas anzugeben. Das ist unweise, weil sie damit unabsichtlich den Eindruck erwecken, daß sie besser sind als andere.
4. Bringe den Kindern im Glauben bei, wie sie dem Herrn in Seinen Anordnungen an die Gemeinde gehorsam sein können, in der Taufe und im Abendmahl.
5. Bringe dem jungen Gläubigen bei, daß er in Christus auf immer sicher ist. Dabei kannst Du solche Abschnitte benutzen wie Joh 10,27-29; Joh 5,24; Joh 3,36; Röm 8,38.39; Jud 24. Aber auch hier ist Ausgewogenheit nötig. Man muß betonen, daß die Sicherheit des Christen nicht eine Erlaubnis ist, so zu leben wie man will. Im Gegenteil, unsere Sicherheit sollte für uns das stärkste Motiv sein, dem Herrn treu zu beleiben.
6. Ermutige ihn, den Herrn vor anderen zu bekennen (Röm 10,9). Dabei ist es weise, wenn der Neubekehrten selbst anderen sagt, daß er sich bekehrt hat, und nicht der Seelengewinner tut. Schließlich kann es ja keinen Fortschritt im geistlichen Leben geben, wenn er nicht bereit ist, Christus vor anderen zu bekennen.
7. Zeige dem Neugeborenen, wie er sich täglich Zeit nehmen kann, um Gottes Wort zu lesen, darüber nachzudenken und zu beten. Vielen jungen Leuten fällt das außerordentlich schwer. Sie werden leicht entmutigt, weil es immer wieder mißgelingt. Aber die tägliche Stille Zeit ist so wichtig, daß der Seelengewinner seine größten Anstrengungen darauf verwenden soll, die Jungbekehrten darin zu festigen.
8. Bringe dem Junggläubigen bei, wie wichtig die Gemeinschaft einer Gemeinde ist. Erinnere ihn daran, daß Gott heute die Gemeinde auserwählt hat, um durch sie in der Welt zu wirken (1Tim 3,15). Zeige ihm, daß die Verkündigung des Evangeliums nur eines von den Zielen des Paulus war. Das andere war, den Neubekehrten beizubringen, was Gemeinde ist (Eph 3,8.9).
Die heutige Gewohnheit, daß man die Neubekehrten auffordert, sich eine Gemeinde ihrer Wahl zu suchen, ist absurd. Ihre Wahl könnte das genaue Gegenteil zur Bibel sein. Man sollte sie lieber zu einer Gemeinde leiten, wo der Herr Jesus als Haupt anerkannt wird, wo das Wort Gottes als die einzige Autorität gilt, und wo der Heilige Geist die Befugnis hat, die Anbetung und den Dienst der Gläubigen zu leiten.
9. Betone die beiden Seiten der Absonderung:
a) Absonderung zu Gott; man lebt für Ihn, strebt nach Seiner Ehre.
b) Absonderung von der Weltlichkeit, von schlechter Gesellschaft, vom ungleichen Joch.
10. Zeige die Wichtigkeit von guten Werken im Leben des Christen. Das Leben eines jungen Menschen, der offensichtlich für andere lebt, ist ein mächtiges Zeugnis für die Verlorenen.
11. Verdeutliche jedem Gläubigen seine Verantwortung, andere für Christus zu gewinnen. Hilf ihm, damit er versteht: Gott wünscht sich das kombinierte Zeugnis von einem hingegebenen Leben und geheiligten Lippen.
Nun ist es offensichtlich, daß es noch viele andere Dinge gibt, die man jungen Christen beibringen sollte. Die ganze Lehre der Bibel ist Inhalt der Nacharbeit. Jedoch sind die obigen Punkte aufgeführt, um dem Seelengewinnner zu zeigen, was er mit den Neubekehrten so früh wie möglich behandeln sollte.
12. Jüngerschaft
Wenn man Seelen für den Herrn Jesus gewinnt, ist es eine große Gefahr, daß die Bekehrten nicht weiterwachsen, anstatt dem Herrn völlig nachzufolgen. Zu viele geben sich damit zufrieden, daß sie Jesus als Retter angenommen haben. Sie sind nicht bereit Ihm leidenschaftlich zu folgen, egal was es kostet. Deshalb sollte der Seelengewinner versuchen, diese gewöhnliche Lücke zwischen Bekehrung und Hingabe zu schließen.
Sogar wenn man die Evangelien nur oberflächlich überfliegt, entdeckt man, daß der Herr die Menschen nicht zu einem Leben in Bequemlichkeit, Beliebtheit und Reichtum ruft. Im Gegenteil, denen die Ihm folgen wollen stellt Er die härtesten Anforderungen. Wir wollen nun einige Kennzeichen der Jüngerschaft beschreiben:
1. Zuerst einmal die Bereitschaft sich selbst zu verleugnen, sein Kreuz aufzunehmen und Ihm nachzufolgen (Mt 16,24).
a) Sich selbst zu verleugnen bedeutet, dem Ego keine Rechte zuzugestehen, den eigenen Willen völlig dem Willen Christi zu unterwerfen.
b) Das Kreuz aufnehmen heißt, daß man stirbt für die Verführung der Sünde, für die Ansprüche des Fleisches und für den Applaus der Welt. Das Kreuz bedeutete für den Herrn Schande, Leid und Tod. Wir sollten in diesem Leben nichts Besseres für uns erwarten.
c) Ihm nachfolgen heißt, dorthin zu gehen, wo Er hingeht – wo es auch sein mag, was immer es kostet.
2. Zweitens gehört dazu, daß man beständig in den Lehren Christi bleibt (Joh 8,31). Zu aller Zeit soll man dem Willen des Herrn völlig gehorsam sein (1Joh 3,24).
3. Als drittes eine Liebe zu Christus, die so heiß brennt, daß unsere Liebe zu anderen Personen im Vergleich dazu wie Haß ausschaut (Lk 14,26).
4. Und dann eine Liebe zu anderen Christen (Joh 13,35). Es ist sinnlos, wenn wir behaupten, Gott zu lieben, aber seine Kinder nicht lieben (1Joh 4,20).
5. Schließlich ein fruchtbares Leben für Gott (Joh 15,8). Das bedeutet nicht nur, daß wir eifrig dem Herrn dienen, sondern vielmehr daß wir in der Gnade wachsen und dem Herrn ähnlicher werden (Gal 5,22.23).
Es ist möglich, daß jemand an den Herrn Jesus glaubt, und doch kein Jünger ist. Die Jüngerschaft ist ein Weg, den man wählen oder ablehnen kann. Dieser Weg beginnt, indem man sich bewußt dem Herrn Jesus ausliefert, und er wird fortgesetzt, indem man sich täglich dem Herrn neu übergibt (Röm 12,1.2).
Jüngerschaft bedeutet den Haß der Welt (Lk 6,22; Joh 15,18-21; 17,14)
Sie bedeutet Verfolgung (Lk 10,3; Joh 16,1-3; 2Tim 3,12).
Sie bedeutet Spott (1Petr 4,4).
Sie bedeutet Einsamkeit, durch die Welt zu gehen als Pilger und Fremde (Joh 17,16; 1Petr 2,11).
Sie bedeutet, auf Dinge zu verzichten, damit das Evangelium verbreitet werden kann (Apg 20,24; Phil 3,8).
Sie könnte Armut bedeuten (2Kor 11,27).
Kurz gesagt bedeutet Jüngerschaft, für den Herrn Jesus zu leben, nur für Ihn (Mt 6,24).
Es gibt drei große Hindernisse für die Jüngerschaft. Sie sind uns in Lk 9,57-62 vor Augen gemalt.
1. Das erste Hindernis ist Besitz und Bequemlichkeit. „Es geschah aber, als sie auf dem Wege dahinzogen, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst, Herr. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege (Verse 57.58).
Dieser Mann war bereit, dem Herrn überall hin zu folgen. Als Antwort erinnert der Herr ihn daran, daß dazu gehören könnte, ärmer als die Füchse und die Vögel zu werden. Wir hören nie wieder von diesem Mann. Er hatte sich nicht überlegt, wieviel Nachfolge kostet.
Den Neubekehrten soll beigebracht werden, daß Jüngerschaft bedeutet: Man ist bereit, auf moderne Geräte zu verzichten, auf bequeme Möbel, ein toll eingerichtetes Haus. Es kann sein, daß sie zusehen müssen, wie es ihren christlichen Freunden materiell gut geht, während sie selbst auf vieles verzichten, um Missionaren Geld zu senden oder um selbst aufs Missionsfeld zu gehen.
2. Das zweite große Hindernis ist Beruf oder Karriere. „Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach. Der aber sprach: Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes“ (Verse 59.60). Dieser Mann hatte eine Aufgabe. Er wollte seinen Vater begraben. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe, aber sie darf uns nicht an der Nachfolge hindern. Der Mann sagte eigentlich: „Herr, … mir … zuerst,“ und zeigte dadurch, daß er nicht in der Lage war, dem Herrn zu folgen.
Die Antwort des Herrn verdeutlicht einiges: „Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes.“ Es gibt also bestimmte Aufgaben, die auch die geistlich Toten erledigen können, wie die Toten zu begraben. Aber es gibt andere Aufgaben, die nur ein Christ tun kann. Dazu gehört das Reich Gottes zu verkündigen. Wir sollten unser Leben nicht dazu verwenden, um das zu tun, was die Verlorenen tun können.
Der Abschnitt bedeutet nicht, daß ein Christ keinen weltlichen Beruf ausüben darf. Jedoch sollte unser Beruf nicht das große Ziel unseres Lebens sein. Wir sollten nicht leben, um zu essen, zu trinken, und einzukaufen. Wir sollten eher dafür leben, Christus bekannt zu machen, und unsere Arbeit sollte nicht wichtiger sein. Gott hat schon längst versprochen, daß er und mit Essen und Kleidung versorgen wird, wenn wir Sein Reich an erste die Stelle setzen (Mt 6,33). William Carrey sagte: „Meine Aufgabe ist, das Evangelium zu verkündigen. Ich repariere Schuhe, um die Kosten zu decken.“
3. Das dritte Hindernis ist Familie oder Beziehungen. „Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reiche Gottes (61.62). Dieser Mann hat angefangen zu pflügen, aber dann hat er sich an seine Freunde erinnert, und ist umgekehrt. Der Herr antwortete sozusagen: „Meine Jünger sind aus einem anderem Stoff gemacht.“
Zu Jüngerschaft gehört also Festigkeit und Beständigkeit. Weinende Mütter und Väter, und vereinnehmende Verwandte haben viele junge Leute davon abgehalten, dem Herrn Jesus zu folgen. Ein törichter Rat von Freunden wie „Du mußt an Deine Zukunft denken!“ hat andere gehindert.
Den jungen Gläubigen muß beigebracht werden, daß die Ansprüche Christi wichtiger sind. Man muß sie bitten, nicht das für echtes Christentum zu halten, was sie um sich her sehen. Statt dessen sollen sie zum Neuen Testament gehen um zu lernen, was es wirklich heißt, dem Herrn Jesus zu folgen. Wir müssen ihnen zeigen: Nur wenn Ihr bereit seid zu sterben, werdet Ihr anderen Leben bringen, und selbst ewigen Gewinn davon haben (Joh 12,24). Wir müssen ihnen beibringen, von ganzen Herzen zu sagen:
„Ich bin nicht mehr mein eigen.
Weil Christus für mich starb,
will Ihm die Knie ich beugen,
der Leben mir erwarb.“