Gemeinde & Mission

Sich der Schwachen annehmen und der Segen des Gebens

von Strauch Alexander

Auszug aus dem Buch „Reißende Wölfe kommen“, das von der Christlichen Verlagsgesellschaft herausgegeben wurde, mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Es ist eine lebendige Auslegung der Rede des Paulus an die Ältesten in Ephesus, aber wir denken, dass nicht nur Älteste, sondern ihr alle Gewinn davon haben werdet.

„Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen und an die Worte des Herrn Jesus denken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen.“ (Apg 20,35)

Wir kommen nun zum letzten Punkt in der Rede des Paulus und zu einem wesentlichen Teil der Aufgabe des Hirten: der Sorge für die „Schwachen“. Paulus war nicht nur nicht geldgierig, sondern vielmehr großherzig, mitfühlend und sehr bemüht den Armen und Bedürftigen zu helfen.

Er wies auf sein eigenes Vorbild hin und sagte den Ältesten: „Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen … müsse.“ (Apg 20,34-35)

Durch sein eigenes beeindruckendes Vorbild gab Paulus für die Gemeinden und ihre Ältesten den Ton an, sich liebevoll um schwache und bedürftige Geschwister zu kümmern:

„Ich habe euch … gezeigt.“

Paulus beendete seine Botschaft genauso, wie er sie begonnen hatte: Er wies die Ältesten auf das Beispiel seines eigenen Lebens hin. Die großen Wahrheiten des Evangeliums müssen durch das Leben gottgefälliger Vorbilder sichtbar gemacht werden, damit andere sie beobachten und nachahmen können. Wir brauchen Menschen, die die Wahrheit vorleben, wenn diese Wahrheit von anderen geglaubt werden soll. Paulus war ein solcher Mensch. Der öffentliche Paulus war derselbe wie der private. Es gab keine Diskrepanz zwischen dem, was er predigte, und dem, wie er lebte. Er war ein Mann von Integrität und christusähnlichem Charakter. Manche nennen das „Führung durch Charakter“.

Hier sagt Paulus: „Mit meiner ganzen Lebensführung habe ich euch gezeigt…“ (V. 35; NeÜ). John Wooden, ein berühmter Basketballtrainer, ist bekannt für die Aussage: „Das wirkungsvollste Führungsinstrument, das du hast, ist dein persönliches Vorbild.“[1] Es gibt bestimmte Dinge im Leben, die wir nicht aus Büchern lernen können. Tatsachlich lernen wir viel mehr als uns bewusst ist, durch die Vorbilder in unserer Umgebung, wie z. B. unsere Eltern, Gleichaltrige und Helden, die wir verehren. Wir kopieren andere Menschen viel mehr als wir zugeben wollen. Das Vorbild des Paulus hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Bleibende Erinnerungen

Lassen Sie mich ein Beispiel erzählen. Während ich dies schreibe, kann ich mich noch gut an einen Zeitpunkt vor 60 Jahren erinnern, als ich wiedergeborener Christ wurde. Vieles aus jener Zeit habe ich vergessen, wie auch die meisten Predigten, die ich damals hörte. Aber ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie es war zum ersten Mal in eine Gemeinde mit bibelgläubigen Menschen zu kommen und Leute kennenzulernen, die den Herrn und sein Wort wirklich liebten.

Ich weiß noch, wie die Leute gekleidet waren, wie sie beteten und sangen, wie sie die Bibel liebten, wie sie mich jeden Sonntagmorgen und -abend zur Gemeinde fuhren, wie sie mich in ihre Hauser einluden und wie liebevoll sie mit mir umgingen. Ich sehe das alles noch deutlich vor mir, selbst viele Jahrzehnte später. Das Vorbild der aufrichtigen Hingabe dieser Gläubigen an Christus und sein Wort hat sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt.

„Werdet Vorbilder der Herde!“ (1. Petr 5,3)

Paulus wusste um die Bedeutung des Vorbilds, das Menschen zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen kann. Als Timotheus in Ephesus war und versuchte eine angespannte Situation zu klären, forderte Paulus ihn auf, „ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit“ zu sein (1. Tim 4,12). Auch Timotheus sollte durch sein Vorbild führen.

Der Apostel Petrus forderte die Ältesten auf, „Vorbilder der Herde“ zu werden (1. Petr 5,3). Vielleicht lautet Ihre Berufsbezeichnung sogar „Pastor“ oder Sie tragen ein Namensschild, das Sie als „Ältesten“ oder „Diakon“ ausweist. Aber es ist nicht Ihr Titel, der die Menschen für Gott gewinnen wird; es ist Ihr gottgefälliger Charakter, Ihr liebevolles Handeln, das Ihnen Glaubwürdigkeit verleiht und die Menschen zum Guten inspirieren wird.

Jede Gelegenheit zum Lehren nutzen

Paulus nutzte jede Gelegenheit[2], um ein Beispiel zu geben, und lehrte die Ältesten von Ephesus nachdrücklich den Wert harter Arbeit und die Pflicht barmherziger Fürsorge für die Bedürftigen:

„Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen … müsse“ (V. 35).

Harte Arbeit

Das griechische Verb für „arbeitend“ ist ein markanter Begriff, der eine körperliche Anstrengung bis hin zur Erschöpfung beschreibt.[3] Christen sollen nicht untätig oder faul sein und darauf hoffen von anderen versorgt zu werden. Faulheit ist ein moralisches Problem und ein miserables Zeugnis für die verwandelnde Kraft des Evangeliums vor einer skeptischen, ungläubigen Welt. Paulus weist die Neubekehrten in Thessalonich mit Nachdruck auf diesen Punkt hin:

„Und im Namen unseres Herrn Jesus Christus ordnen wir an: Zieht euch von jedem Bruder zurück, der unordentlich lebt und sich nicht an das hält, was wir bei euch gelehrt und weitergegeben haben. Ihr wisst ja, wie ihr unserem Beispiel folgen müsst, denn wir haben weder unsere Pflichten bei euch vernachlässigt noch je auf Kosten anderer gelebt.

Im Gegenteil: Wir haben mit Mühe und Anstrengung Tag und Nacht gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht dass wir kein Recht auf eure Hilfe gehabt hätten, nein, wir wollten euch ein Vorbild sein, dem ihr nacheifern könnt. Denn schon als wir bei euch waren, haben wir ausdrücklich gesagt: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ Nun hören wir, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen: Sie arbeiten nicht, sondern treiben sich nur herum. Solchen Leuten befehlen wir im Namen des Herrn Jesus Christus mit allem Nachdruck: Sie sollen einer geregelten Arbeit nachgehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen“  (2. Thes 3,6-12; NeÜ; auch 1. Thes 4,11-12; Eph 6,5-8)

Eine Schöpfungsordnung: Paulus folgt in seiner Lehre der ursprünglichen Schöpfungsordnung für die Menschheit. Von Anfang an hat Gott Mann und Frau dazu geschaffen zu arbeiten. Es war seine gute Absicht, dass sie arbeiten und kreativ und produktiv

sein sollten. Arbeit ist ein Segen Gottes! Doch als die Sünde in die Welt kam, kamen auch die menschliche Faulheit (insbesondere die geistige Faulheit) und die Disziplinlosigkeit hinzu, was zu vergeudeten Leben, verschwendeten Talenten und menschlicher Armut führte.

Jede Arbeit für Christus: Für Gläubige, in denen der Geist Gottes wohnt, bekommt Arbeit eine neue Bedeutung. Auch in allen beruflichen Angelegenheiten dienen wir dem Herrn Christus selbst, nicht nur einem Arbeitgeber: „Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn als Vergeltung das Erbe empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.“ (Kol 3,23-24). Als Arbeitnehmer sollen Sie mit folgender Haltung ihre Aufgaben verrichten:

„…in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Sklaven Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut! Dient mit Gutwilligkeit als dem Herrn und nicht den Menschen!“ (Eph 6,5-7)

Paulus stellte sich auch hier bewusst als Vorbild dar, als jemand, der hart arbeitet. Dem sollen die neuen Gläubigen nacheifern. Die Formulierung „so arbeitend“ (Apg 20,35) schließt die Arbeit in seinem Beruf als Zeltmacher, seine Pflichten als Hirte und seine Verkündigung des Evangeliums ein. In allem, was er tat, diente Paulus „dem Herrn“ (V. 19) und bot anderen ein hervorragendes Vorbild christlicher Arbeitsethik.

Ein Vorbild sein: Sie sollten anderen Geschwistern ein Vorbild für Fleiß, Selbstdisziplin und Selbstaufopferung sein. Damit ist nicht gemeint, dass Sie Arbeit zu einem Götzen machen oder zum „Workaholic“ werden sollen, weil das ungesund für Körper und Geist ist. Alle Verantwortungsbereiche des Lebens – Familie, Arbeit, Gemeinde – müssen in Balance gehalten werden und das ist nie leicht. Jede Woche gehen meine Frau und ich gemeinsam unsere Terminkalender durch, um unsere Zeitpläne und die vielen Anforderungen, die an uns gestellt werden, in den Griff zu bekommen und unser Bestes zu tun, um die Hektik des Lebens auszugleichen.

„An den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil.“ (Röm 12,13)

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Von der Pflicht, den Schwachen zu helfen

Das Ziel fleißiger Arbeit ist jedoch kein Selbstzweck. Indem wir Geld verdienen, sind wir in der Lage, einen Teil unserer finanziellen Mittel zu teilen, um uns „der Schwachen annehmen“ zu können. Wieder nutzte Paulus die Gelegenheit, um zu zeigen, wie wichtig es ist, seinen Besitz mit den Bedürftigen zu teilen.

Für Paulus war das eine Herzenssache, denn das Geben für Bedürftige ist ein Ausdruck christlicher Liebe. Im Zusammenhang mit wahrer christlicher Liebe (Röm 12,9-21) forderte Paulus die Christen in Rom auf: „Nehmt Anteil an den Nöten der Gläubigen und helft ihnen!“ (12,13; NeÜ).

Die Schwachen: In Apostelgeschichte 20,35 sind mit den „Schwachen“ diejenigen gemeint, die aufgrund von Alter, Krankheit, Behinderung, Armut, sozialem Status oder aus einem anderen legitimen Grund nicht in der Lage sind, ihre körperlichen und materiellen Grundbedürfnisse[4] zu sichern. Paulus bezieht sich nicht auf geistlich schwache Christen, sondern auf diejenigen Geschwister, die finanzielle, medizinische oder persönliche Unterstützung benötigen.

Bei den Schwachen kann es sich um Menschen handeln, die nicht in der Lage sind zu arbeiten und ihre eigenen Lebenshaltungskosten zu decken, geschweige denn eine Gegenleistung für die erhaltene Hilfe zu erbringen. Einige waren Witwen. Im Hinblick auf die Situation der Gemeinde in Ephesus schrieb Paulus an seinen Vertreter Timotheus 14 Verse über die Versorgung von Witwen (1. Tim 5,3-16; siehe auch Apg 6,1-7).

Witwen und Waisen lebten damals in großer Armut; sie wurden oft nicht beachtet oder von skrupellosen Menschen ausgenutzt.

Diesen benachteiligten Menschen müssen die Ältesten helfen, indem sie aus ihren eigenen Mitteln schöpfen. Wie Paulus schrieb:

„Wer stiehlt, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben hat!“ (Eph 4,28).

Wir müssen helfen: Die Versorgung der Armen war für Paulus ein Herzensanliegen. Er kannte die vielen Anweisungen des Alten Testaments sehr gut, dass man nämlich in Gottes Volk für die Witwen und Waisen, die Fremden und Armen sorgen muss. Das war kein Vorschlag, sondern ein göttliches Gebot.

Durch die Verwendung des Wortes „müssen“ und durch das Zitat des Herrn Jesus macht Paulus dies zu einer biblischen und moralischen Verpflichtung, insbesondere für die Ältesten.

Ein Teil der Aufgabe der Ältesten ist es dafür zu sorgen, dass die „schwachen“ Mitglieder der Gemeinde angemessene Unterstützung erhalten: „Wir müssen uns der Schwachen annehmen.“

Als Jakobus, Petrus und Johannes den Apostel Paulus baten, an die vielen armen Gläubigen in der Stadt Jerusalem zu denken, antwortete Paulus, dass er sich dafür „auch immer eingesetzt“ habe (Gal 2,10; NeÜ). Paulus bewies dies dadurch, dass er eine Geldspende der heidenchristlichen Gemeinden für die verarmten Gläubigen in Jerusalem organisierte. Er und andere Gemeindevertreter nahmen sogar eine lange Reise in Kauf, um den Ältesten in Jerusalem die Spendengelder persönlich zu überbringen.

Qualifikation: Eine der biblischen Qualifikationen für einen Aufseher und Ältesten ist, dass er „das Gute liebt“ (Tit 1,8), was sich „nach der Auslegung der frühen Kirche … auf die unermüdliche Ausübung der Liebe bezieht[5]“. Ein griechisches Lexikon definiert das an dieser Stelle verwendete Wort so: „Jemand, der bereitwillig und mit Selbstverleugnung Gutes tut oder freundlich ist“[6].

Ein Ältester, der das Gute liebt, ist jemand, der gute Werke tut.

Er hilft anderen durch seine Güte, Freundlichkeit und Liebe, besonders denen, die „schwach“ sind und materielle Unterstützung benötigen. Er ist der Gemeinde ein Vorbild darin das Gute zu lieben.

Der Segen großzügigen Gebens

Um seine Anweisungen zu unterstreichen, forderte Paulus seine Mitstreiter auf, sich an ein Wort Jesu zu erinnern: „Geben ist seliger denn Nehmen.“ Dieser Ausspruch in Form einer Seligpreisung findet sich in keinem der vier Evangelien. Es handelt sich vielmehr um ein Zitat Jesu, das unter den Christen mündlich überliefert wurde. Das Thema des großzügigen Gebens an Bedürftige war Teil der allgemeinen Lehre Jesu über das Geld, die auch Warnungen vor der korrumpierenden Macht der Gier und dem Problem des Hortens von Vermögen enthielt.

Da Jesus der Herr ist, sind seine Worte maßgebend und müssen beachtet und befolgt werden. Für einen Christen gibt es keine höhere Autoritätsquelle als die Worte unseres Herrn. Die gesamte Einstellung des Paulus zum Thema Geld und Spenden leitet sich direkt von den Lehren Jesu Christi ab. Jesus sagte z. B.:

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (Lk 12,32-34; siehe auch Lk 3,11; 6,38; 10,25-37; 12,13-31; 14,12-14; 16,13; 18,22).

Schätze im Himmel: Jesus gab seiner „kleinen Herde“ den weisesten finanziellen Rat, der jemals gegeben wurde: „Investiert euer Geld (und eure Zeit) in die ewigen Schätze des Himmels, nicht in irdische Schätze, die weder sicher noch ewig sind.“

Außerdem sagte Jesus, dass dort, wo man seinen Schatz hat, auch die wahren Interessen liegen. Wo ist also der Schatz, an dem Ihr Herz hängt?

Außerdem erklärte Jesus, dass es unmöglich ist, zwei Herren – „Gott und dem Mammon“ – gleichzeitig zu dienen (Lk 16,13). Er sagte auch, dass wir uns nicht zu sehr um die materiellen Dinge des Lebens sorgen sollen. Stattdessen gab er folgenden Rat: „Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und dies wird euch hinzugefügt werden“ (Lk 12,31; auch Lk 18,29-30).

Jesus warnte seine Jünger vor allem vor der Sünde der Habgier und einer verkehrten Liebe zu irdischen Besitztümern:

„Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht [Gier]! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.“ (Lk 12,15; siehe auch Lk 11,39; 12,16-21)

Die Tugend der Großzügigkeit: Jesus forderte dazu auf Hilfsbedürftigen zu helfen und warnte vor der verderblichen Macht der Habgier. Dies erklärt, warum die ersten Christen so großzügig waren: „Und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war.“ (Apg 2,45).[7]

Im Brief des Paulus an Timotheus und die Gemeinde in Ephesus greift er die Worte Jesu auf:

 „Den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen – sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss – Gutes zu tun, reich zu sein in guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, indem sie sich selbst eine gute Grundlage auf die Zukunft sammeln, um das wirkliche Leben zu ergreifen. (1. Tim 6,17-19)

In vielerlei Hinsicht sollte sich das Evangelium auf unseren Umgang mit Geld und Besitz, auf unsere Brieftaschen und Bankkonten auswirken. Wie John Bunyan uns erinnert: „Die Seele des Glaubens ist das Tun.“[8] Die Lehren Christi verknüpfen unseren Glauben mit unseren Finanzen. Als Leiter und Lehrer der Gemeinde des Herrn müssen Sie die finanziellen Lebensprinzipien Jesu lehren und praktizieren. Paulus tat es!

Die Seligpreisung des Gebens

Kleine Kinder denken natürlich, dass es ein größerer Segen ist Geschenke zu bekommen als Geschenke zu geben. Sie lieben Weihnachten, weil sie viele Geschenke erhalten. Aber wenn ein Mensch in Christus reift, beginnt er oder sie, Gefallen und Freude daran zu finden anderen etwas zu geben. Wenn man sieht, wie das eigene Geld Hilfsbedürftige aufrichtet und ihre Herzen glücklich macht, ist das eine Freude für die eigene Seele. Es ist wirklich wahr: „Geben ist seliger als Nehmen.“

Gott liebt einen fröhlichen Geber: Diejenigen, die den Segen des Gebens bereits erfahren haben, sollten sich weiter von Paulus ermutigen lassen, der schreibt: „Denn einen fröhlichen Geber liebt Gott.“ (2. Kor 9,7). Er liebt ihn! Das ist ein unglaublicher Gedanke.

Gott sieht einen Menschen, der gerne gibt, und stimmt seiner Handlung voller Wohlwollen zu. Frohes, freiwilliges Geben kommt aus einem Herzen, das voll von Liebe zu Gott und dem Nächsten ist. Fröhliches Geben kommt auch aus einem Herzen, das voll des Heiligen Geistes ist. Geiz oder Knauserigkeit ist eine unchristliche Haltung und ein Werk des Fleisches. Es steht im Widerspruch zu Gottes „unaussprechlicher Gabe“ in Christus (2. Kor 9,15).

Wenn Sie wollen, dass Ihre Gemeinde für Großzügigkeit und christliche Barmherzigkeit bekannt ist, dann müssen Sie mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie gesegnet das Geben ist. Seien Sie ein Vorbild für Ihre Geschwister und verhalten Sie

sich wie Jesus – barmherzig, großherzig, großzügig und aufopferungsvoll!

Oder – wie ein Autor es treffend formuliert: „Wir müssen Habsucht durch Freigiebigkeit ersetzen.“[9]


[1] Barry Demp, Hrsg., „Powerful Leadership“, The Quotable Coach, 2016, https://www.thequotablecoach. com/powerful-leadership/.

[2] Bauer, s.v. „???????????“, Sp. 1682, „weisen, zeigen … übertr. Weisung geben, nachweisen, beweisen, dartun“. BDAG, s.v. „???????????“, Sp. 1037, „Belehrung oder moralische Anleitung geben, zeigen, Orientierung geben, beweisen, darlegen“.

[3] Bauer, s.v. „??????“, Sp. 901, „müde werden, sich erschöpfen … sich abmühen, sich plagen … von körperl., aber auch von geistiger und seelischer Anstrengung“.

[4] Bauer, s.v. „???????“, Sp. 231, „wirtschaftlich schwach, unvermögend, bedürftig sein“.

[5] Walter Grundmann, „?????????“ [philagathos], in TDNT (Kittel), Bd. 1 (1964), Sp. 18; dt.TWNT (Kittel); Bd. 1, 10–18.

[6] Hermann Cremer, Biblico-Theological Lexicon of New Testament Greek, übers. v. W. Urwick (Edinburgh: T&T Clark, 1895), s. v. „??????????“, Sp. 9

[7] Siehe Apg 2,44-45; 4,32–5,11; 6,1-7.

[8] John Bunyan, Die Pilgerreise, S. 92.

[9] William J. Larkin, Jr., Acts, IVPNTC (Downers Grove, IL: InterVarsity,

1995), S. 299