Vorwort 134: „Den Lauf vollenden“
Unsere Bekannte lachte letztens am Telefon: „Jetzt werden alle richtig sportlich. So viele meiner Freunde gehen wieder laufen …“ Auch ich staubte die Turnschuhe ab und drehte eine Runde am Fluss: Herrliches Wetter, optimale Temperatur und – Seitenstechen. Ich hatte zu schnell begonnen und fürchtete die Strecke nicht mehr zu schaffen. Dabei waren mir die Brücken eine entscheidende Hilfe. Ich konnte mit ihnen die restliche Entfernung besser abschätzen und hatte ein klares Ziel vor Augen: den letzten Steg. Ohne ein solches Ziel kann man schnell die Lust am Laufen verlieren und sich etwas weniger Anstrengendem zuwenden.
Der Schreiber des Hebräerbriefes fürchtete, dass die Empfänger seines Briefes das Ziel aus den Augen verlieren würden und ermutigte sie mit den folgenden Worten:
„Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf.“ (Hebr 12,1)
Die Nachfolge wird an verschiedenen Stellen im Neuen Testament als „Wettlauf“ bezeichnet. Alles, was beim Laufen hinderlich ist, lässt ein Athlet gerne zu Hause. Ich denke, dass es keine Regel gibt, die das Tragen von Skioveralls beim Marathonlaufen verbietet. Aber nur ein Verrückter würde über 42 Kilometer in Winterkleidung laufen. Alles, was das Erreichen des Ziels erschwert, wird spätestens an der Startlinie zurückgelassen. Es gilt einen Wettlauf zu vollenden und einen Preis zu gewinnen. In unserem geistlichen Wettlauf – in der Nachfolge unseres Herrn Jesus – gibt es auch Dinge, die das Vollenden schwierig machen. Einige solcher Dinge sind sündig. Der Schreiber erklärt, dass sie uns „umstricken“. Das ist ein richtiger Ballast in der Nachfolge. Wenn wir Sünde in unserem Leben nicht ausräumen, wird der Lauf immer anstrengender und irgendwann verlieren wir völlig die Freude daran. Geistlicher Stillstand ist die Folge. Aber es waren nicht nur sündige Dinge, die die Hebräerchristen ablegen sollten. Sie sollten jede Bürde ablegen. Was war damit wohl gemeint? Ein geistlicher Overall, der uns das Laufen erschwert? Materieller Besitz, Erholung und Ruhe zum Beispiel haben ihren Platz und dürfen als Segnungen und gute Gaben unseres Gottes genossen werden (vgl. 1.Tim 6,17). Wer sein Leben jedoch auf das Horten von materiellen Gütern ausrichtet, wird viel Zeit und Kraft verwenden, um an diesem Ziel anzukommen. Genauso geht es Leuten, die ganz für Erholung und Bequemlichkeit leben.
„Mit Ausharren laufen“ bedeutet, dass man Anstrengungen auf sich nimmt. Die Hebräer wussten nur allzu gut, was das bedeutet. Sie bekehrten sich aus dem Judentum zu Jesus. Deshalb mussten sie Verfolgung erdulden und standen in der Gefahr, den Unannehmlichkeiten der Nachfolge aus dem Weg zu gehen. Sie hätten wieder zum Judentum mit seinem Tempel, den Tieropfern und Priestern zurückkehren können. Dann hätten sie keine Schwierigkeiten mehr erdulden müssen. Der Schreiber des Briefes hat jedoch eine andere Botschaft für sie: Es zahlt sich aus! Es zahlt sich aus auf Jesus zu vertrauen und ihm nachzufolgen. Es zahlt sich aus, sogar wenn man um seinetwillen Verfolgung erleidet.
Die „große Wolke von Zeugen“ bestätigt dies. Die Rede ist von den Glaubenshelden, die im vorhergehenden Kapitel beschrieben werden. Abel, Henoch, Noah, Abraham, Sara, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, Rahab und noch viele mehr. Doch was bezeugen diese Vorbilder? Sie zeigen, dass ein Leben im Vertrauen auf Gott und sein Wort niemals enttäuscht wird.
„Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharaos zu heißen, und wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung.“ (Hebr 11,24-26)
Dieser Mose ließ große Bürden hinter sich: Er wollte nicht angesehen und mächtig werden. Er wollte kein Leben in Bequemlichkeit. Er wollte sich nicht in Sünde verwickeln lassen. Mose wollte lieber zum Volk Gottes gehören, auch wenn das Schwierigkeiten mit sich brachte. Die Schätze Ägyptens achtete er gering, weil er auf eine bessere, eine bleibende Belohnung hinzielte. Das war das Ziel, das er verfolgte.
Doch was ist unser Ziel? Wohin sollen wir laufen und woran können wir uns dabei orientieren? „Hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“ (Hebr 12,2). Schau auf Jesus! Lerne von seinem Vorbild. Sein Lauf führte ihn von Bethlehem nach Gethsemane und Golgatha. Er erduldete die Folter am Kreuz und wurde begraben. Nach drei Tagen ist er auferstanden und setzte sich zur Rechten Gottes. Unser Herr Jesus ist uns ein gewaltiges Vorbild: Er hat das Rennen nicht nur begonnen sondern auch siegreich beendet. Mit ihm können auch wir siegen. Wir können die Schwierigkeiten dieser Welt überwinden, wenn wir uns nur nah an ihn halten. Mach es wie die Glaubenshelden in Hebräer 11: Vertraue auf sein Wort und gehorche ihm. Dann wird es dir nicht schwerfallen Bürden und Sünden abzulegen. Das Laufen wird einfacher und wir werden voll Freude bei unserem Herrn Jesus ankommen und uns von unserer Mühe ausruhen.