Steine und Anbetung
Manchmal, wenn es ganz leise ist, dann kommt mir vor, als würde ich etwas hören. Ich höre die Steine, Steine, die reden. Was ich damit meine? Ich beginne mal von vorne.
Ich beginne damit, was ich an der Anbetungsstunde liebe. Da sitze ich und höre zu, wie ein Bruder betet, und bete von Herzen mit. Jesus ist im Mittelpunkt, ganz egal, wie die Wortwahl ist, egal, wie lang oder kurz, wie perfekt die Worte gewählt sind. Jesus ist im Mittelpunkt des Gebets und auf einmal auch im Mittelpunkt meiner Anbetung. Ich liebe es einfach zuzuhören, wie andere Menschen ihre Anbetung in Worte fassen.
Ich sitze und höre zu, wie jemand eine Stelle aus dem Alten Testament vorliest oder aus dem Neuen. Jesus wird dabei groß gemacht. Egal, ob ich den Vers schon kenne, ob es ein komplexer Gedanke ist oder ein ganz schlichter, Jesus ist im Mittelpunkt. Und von Herzen kann ich einstimmen in ein stilles Staunen über den Text, oder in ein Gebet oder ein Lied. Das liebe ich.
Ich sitze und höre zu, wie jemand ein Lied vorschlägt. Ich freue mich über das Lied – denn Jesus ist im Mittelpunkt. Egal, ob das Lied zu dem Gedanken vorher passt, ob das Lied alt ist oder neu, oder welche Instrumente es begleiten. Es ist ein Lied, das Gott groß macht und ich singe von ganzem Herzen mit. Das liebe ich.
Ich liebe es Gedanken zu hören, die sich andere Menschen über Gott machen, wie sie ihr Staunen in Worte fassen und ihre Liedvorschläge, ihre Gebete bringen. Das liebe ich an der Anbetungsstunde. Davon kann ich nicht genug bekommen.
Ich sitze und höre zu. Und warte. Warte, was wohl gesagt wird. Diese Pause nutze ich gerne, denn ich habe Zeit mir Gedanken zu machen, selbst zu beten, nachzudenken. Dann warte ich weiter. Was begeistert wohl gerade die, die nichts sagen? Über was denken sie nach? Was lieben sie an Gott? Was lieben sie an Jesus? Und dann frage ich mich: Warum sagen sie nichts?
Lieber Bruder, das ist deine Verantwortung! Hast du nichts, was du Gott sagen willst? Wenn doch, warum willst du es nicht mit uns teilen? Denkst du, deine Worte wären zu schwach? Zu langweilig? Zu oft gesagt?
Es fällt mir ehrlicherweise nicht immer leicht, schweigend in der Gemeinde zu sitzen. Es fällt mir vor allen dann sehr schwer, wenn die Stille erdrückend wird, wenn mein Lob sich in keinem Lied wiederfindet, weil keiner eins vorschlägt, wenn meine Gebete sich in keinem Gebet wiederfinden, weil niemand betet. Es fällt mir leicht zu schweigen, wenn du, lieber Bruder, deine Gedanken mitteilst. Das ist deine Verantwortung!
Wir haben doch eigentlich genug Grund Gott zu loben, IHN groß zu machen mit Worten, Liedern und Gebeten. Wir haben mehr Grund als die Engel, mehr Grund als die Tiere, mehr Grund als ein Stein.
Wäre es nicht peinlich, wenn irgendwann die Steine anfangen würden zu reden?
„Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“ (Lukas 19,40)