Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 146: „Auf der Anklagebank“

von Moltinger Lukas

„Einspruch, Euer Ehren!“, hallt es durch den Gerichtssaal. Der junge Anwalt springt von seinem Sessel auf und hebt die rechte Hand, um in Richtung Anklage zu deuten. „Die Anklage bezieht sich auf unzulässige Tatbestände. Der Fall vom März 2018 ist bereits geschlossen, mein Mandant wurde freigesprochen. In diesem Fall hat dieser Anklagepunkt nichts zu suchen!“, erklärt er weiter. Mit Selbstbeherrschung rückt er seine dunkelblaue Krawatte ruhig zurecht und setzt sich wieder. Sein Mandant wundert sich über die energische Meldung und kaut auf seiner Unterlippe. „Stattgegeben!“, verkündet der Richter. „Der angeführte Anklagepunkt ist für den vorliegenden Fall nicht relevant.“ 

Solche oder ähnliche Situationen kennst du vielleicht aus Krimis und Fernsehserien. Der junge Anwalt hat Recht. Der Ankläger versuchte den Mandanten in ein schlechtes Licht zu rücken, indem er an seine dubiose Vergangenheit erinnerte. Gut, dass der Anwalt so schnell reagierte und eingriff. Der Richter hält nach dem Einspruch fest, dass der Angeklagte im März 2018 freigesprochen wurde. Er wurde für gerecht erklärt, somit muss er sich keine Sorgen machen, dass ihn deswegen noch eine Strafe treffen könnte.

Womöglich wurdest du auch vor kurzem angeklagt – nicht in einem Gerichtssaal, sondern in deinen Gedanken. Wenn man viel Zeit zum Nachdenken hat, kommen einem leider nicht immer die besten Ideen. „Weißt du noch, wie du deinen Freund letzte Woche angelogen hast?“ „Kannst du dich erinnern, wie du der Nachbarin heute Morgen nachgeschaut hast?“ „Was für ein Christ bist du eigentlich?!“ Du wunderst dich, weil du dem Herrn die beiden Sünden schon bekannt hast. Daraufhin hat er dir gerne vergeben und wird nicht mehr an sie denken. Aber warum kommen sie in Gedanken immer wieder hoch?

Satan, der Feind, wird in der Bibel auch der „Verkläger unserer Brüder“ genannt (Offb 12,10). Er hat nur ein Ziel: Menschen auf seine Seite zu ziehen, um sie zu zerstören. Dazu benutzt er alle nur erdenklichen Mittel. Egal, ob es wahre oder erlogene Anklagen sind, sein Ziel ist es die Gläubigen zu entmutigen. Und wenige Dinge sind so entmutigend, als wenn wir an uns selbst und unsere Vergangenheit denken. 

„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben“, heißt es in Johannes 10,10. Wie wunderbar, dass dies aber nur der erste Teil des Verses ist! „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben. Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“, lesen wir danach (Joh 10,10b-11). Es ist unvorstellbar, aber unser Herr Jesus hatte so großes Mitleid mit uns, dass er sein Leben gab, um uns verstreute Schafe zu sammeln! In ihm werden wir wirklich lebendig und empfangen Leben im Überfluss.

Aber wie sieht dieses „Leben im Überfluss“ aus, das wir von Jesus bekommen? Hierüber gibt es viel zu sagen. Ein wichtiger Punkt ist, dass es ein siegreiches Leben ist. Wir können es wie Jesus selbst machen, als er von Satan versucht wurde (vgl. Mt 4). Unser Herr antwortete mit Gottes Wort auf Satans Versuchungen. „Es steht geschrieben“, entgegnete Jesus seinem Versucher gleich drei Mal. Jesus wusste genau, wie er Gottes Wort – die ewige Wahrheit – richtig einsetzen musste. Daraufhin floh Satan.

Was können wir einer Anklage Satans entgegenhalten? Welche Schriftstelle kommt dir dabei in den Sinn? Ich musste an folgende denken:

„Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“ (Röm 8,33-34)

Das ist unsere wunderbare Hoffnung! Wer auf Jesus vertraut und zu ihm umkehrt, wird für gerecht erklärt. Diese Rechtfertigung ist ewig gültig und kann niemals außer Kraft gesetzt werden. Satan kann uns immer noch anklagen, aber wir haben keine Verdammung zu befürchten. Ganz im Gegenteil, wir haben jemanden, der sich für uns verwendet: der auferstandene Herr Jesus, der zur Rechten Gottes ist. Wenn er für uns ist, was haben wir dann noch zu befürchten?