Vorwort 114: „Die Freude am Herrn (Neh 8,10)“
Die Freude am Herrn fehlte in Jerusalem. Aber warum? Weil Freude durch die Beschäftigung mit dem Herrn kommt, doch das Leben in Jerusalem drehte sich nicht um den Herrn, im Gegenteil. Deswegen hatte Esra sich vorgenommen das Gesetz des Herrn zu erforschen, zu tun und zu lehren (Esra 7,10). Die Mauer Jerusalems wurde unter großer Kraftanstrengung und unter Opfern wiederaufgebaut. Einige Tage nach der Fertigstellung bat das Volk: „Bringe das Buch des Gesetzes.“ Esra las und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Wort Gottes gerichtet (Neh 8,1-3). Und das ganze Volk weinte, als es die Worte hörte (Neh 8,9).
Die Worte trafen die Menschen ins Herz und überführten sie. Sie weinten, weil sie sahen, wie weit sie sich von Gott entfernt hatten. Sie waren traurig, weil sie ihr Leben vergeudet hatten. Sie waren entsetzt, weil sie Gott durch ihren Ungehorsam entehrt hatten. Sie waren betrübt über ihre Sünden, mit denen sie Gott beleidigt hatten.
Vielleicht geht es dir auch manchmal so: Gottes Wort wirkt wie ein Spiegel, in dem wir unsere Fehltritte sehen und unser Herz. Uns wird klar, was aus unserem bösen Herzen alles hervorgekommen ist (Mt 15,19). Wenn der Herr uns überführt, ist es angebracht, umzukehren und Sünden zu bekennen. Diese Art von Betrübnis bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil (2.Kor 7,10). Die Zuhörer von Esra waren überführt und trauerten über ihre Sünden.
Das ist gut, denn Buße und diese Art von Trauer sind von Gottes Verheißungen begleitet (Spr 28,13; Mt 5,4). Aber wir dürfen nicht dabei stehen bleiben. In der Trauer liegt keine Kraft. Die Kraft, die wir zum Leben brauchen, kommt nicht aus der Trauer über Ungehorsam. Die Kraft kommt nicht aus der Zerknirschtheit über unsere Sünden. Die Kraft, die wir brauchen, kommt vom Herrn.
Deswegen sagt Esra seinen Zuhörern: „Betrübt euch nicht! … denn die Freude am Herrn ist eure Kraft“ (Neh 8,9.10). Unser Leben soll sich um den Herrn drehen. Wenn wir auf ihn schauen, werden wir mit Freude erfüllt. Der Herr redet zu uns, damit wir seine Freude völlig haben (Joh 15,11). Johannes schreibt uns, damit wir Gemeinschaft mit dem Herrn haben und völlige Freude (1.Joh 1,4).
Es ist angebracht, dass wir traurig sind und weinen über unseren eigenen Zustand, unsere Sünden. Aber es ist nicht weise sich zu lange damit zu beschäftigen. Wir müssen uns dem Herrn zuwenden. Eine Fülle von Freude ist vor seinem Angesicht. Durch ihn haben wir Kraft, denn die Freude am Herrn ist unsere Kraft!
Das Volk feierte ein großes Freudenfest, denn sie hatten verstanden, was man ihnen erklärt hatte (Neh 8,12). Und du?