Verhaltensmuster des fruchtbaren Insiders
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Das Leben ist ein Fenster für Gelegenheiten in der ewigen Existenz. Gott erschafft Menschen. Er sammelt sie von überall aus jeder Nation, damit sie an seinem ewigen Reich als Mitglieder seiner Familie teilhaben. Er hat uns berufen, mit ihm in dieser Arbeit zusammenzuarbeiten und hat uns schon in die Lage versetzt, das zu tun. Wir sind Insider mit verschiedensten Beziehungen, und Gott beabsichtigt, daß wir ihn darin verherrlichen, oder ihn offenbaren.
Diese Berufung Gottes zur Mitarbeit mit ihm ist sowohl erhebend als auch Angst einflößend. Hier geht es um ein Ziel, das größer ist als unser Leben. Es reicht in die Ewigkeit. Aber wir zögern. Wir sehen Hindernisse. Das wird uns von unserem Sofa wegführen, weg von den vertrauten Gesichtern unserer kleinen Gruppe von Leuten, die genau so denken wie wir. Das wird zu Beziehungen mit Menschen führen, die anders denken. Ist das wirklich in Ordnung? fragen wir uns. Bin ich dazu bereit?
Wenn wir solche Hindernisse überwunden haben, kommen schnell andere auf uns zu. Wir wissen nicht, was der nächste Schritt ist. Dann kommt die Frage: Wie mache ich das? Praktisch ausgedrückt, wie übertrage ich diese Vision als Insider zu leben in mein Lebensmuster? Wie sieht das Leben eines Insiders aus? Wir werden merken, dass fruchtbare Insider auf bestimmte Weise leben, und dass sie bestimmte Dinge konsequent tun. Wir beten, dass Sie nach jedem Abschnitt, den Sie lesen, sagen: Das ist ja einfach, das kann ich auch. Diese Verhaltensmuster sind einfach. Aber zusammen sind sie sehr wirksam. Warum? Weil Sie dadurch mit Gott selbst zusammenarbeiten, und mit Ihren Geschwistern im Herrn. Das erste Verhaltensmuster eines Insiders:Ergreifen Sie kleine Gelegenheiten
In den Tagen Jesu verstanden die Menschen nicht, was er über das Reich Gottes sagte. Der König war da, brachte sein Reich unter sie, und die Leute beachteten seine Ankunft nicht. Es war nicht, was sie erwartet hatten. Dieses Reich stellte keinen materiellen Reichtum in Aussicht, hatte keine Armeen um seine Macht auszubreiten, keine sichtbaren Mittel um seine Gesetze durchzusetzen. Sie verstanden die Natur dieses Reiches nicht. Die Menschen verstanden nicht, dass das Königreich zwar unscheinbar ist, und doch unvergleichlich viel mehr wert als alle andren Dinge zusammen. Wer das Reich versteht und wie es funktioniert, durchschaut die Vorliebe für das Grandiose. Sie durchschauen die Jagd nach dem Geheimnis zum Erfolg, nach irgendwas Besonderem oder Teurem, wodurch die Welt in wenigen Jahren für den Herrn gewonnen werden könnte. Sie wissen: Das Reich Gottes breitet sich in den Herzen der Menschen aus, wenn die Bürger des Reichs ihr tägliches Leben unter der Regierung des Herrn Jesus führen. Sie verstehen die ewige Auswirkung, wenn man kleine Gelegenheiten nützt. Das Ergreifen von solchen Gelegenheiten gehört zu ihrem Leben dazu.
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In einem seiner Gleichnisse beschrieb Jesus die Kinder des Reiches Gottes als Samen, die in die Welt gesät sind. Damit sagt er uns, daß wir als Bürger des Reiches jetzt unseren Platz in der Welt haben, mitten unter dem Unkraut. Dahin gehören wir, denn Jesus sagte: „Das Reich Gottes ist in Euch.“ 1 Wenn die Menschen das Reich Gottes heute erkennen sollen, dann müssen sie es im Leben der Bürger des Reiches sehen. Es wird sichtbar, indem die Herrschaft Christi sich in unserem Herzen und in Taten ausdrückt. Die Menschen sehen etwas vom Reich Gottes, wenn wir Barmherzigkeit zeigen statt zu verurteilen wenn wir die Wahrheit sagen anstatt zu lügen, oder dienen, wenn es nicht erwartet oder verdient wird.
Sie sind dran!
Der Herr Jesus hat Gleichnisse benutzt, um das Reich Gottes zu beschreiben. In einigen davon geht es darum, dass das Reich sich durch das Alltagsleben der Bürger des Reiches ausbreitet. Es wird mit Sauerteig, Salz, Samen oder dem Licht eine Lampe verglichen. Sauerteig durchdringt, und das Salz verteilt sich auch. Samen gehen auf und Licht scheint – und das alles geschieht ohne auch nur ein Geräusch! In der Praxis bedeutet es, dass die Bürger des Reiches einfach anders sind als der Rest. Wenn sie merken, dass sie jemandem auf den Fuß getreten sind, so unterbrechen sie, was sie gerade tun – sogar wenn sie bei der Anbetung sind – und machen sich auf und versöhnen sich mit der Person. Sie lassen ihren Zorn nicht einfach heraus fahren. Sie entwürdigen andere nicht mit lustvollen Blicken oder Gedanken. Sie halten ihr Wort und sind großzügig, auch wenn andere sie nur ausnutzen wollen. Sie lieben sogar ihre Feinde. 2
Beachten Sie bitte, dass alle diese Eigenschaften, die das Reich zeigen, eines gemeinsam haben. Keines davon kann von jemand anderem für Sie getan werden! Niemand kann jemanden anstellen, dass er es für ihn ausführt, egal wie reich er sein mag. Jeder Bürger des Reiches Gottes ist dazu berufen, diese kleinen Gelegenheiten täglich selbst zu ergreifen.
Dabei gibt es ein Problem. Jede dieser Reaktionen ist so gegensätzlich zu dem, was wir normalerweise tun würden. Deswegen schließen wir daraus, dass Jesus irgendwie nicht das gemeint haben kann, was er gesagt hat. Nehmen wir mal: Liebe Deine Feinde. Weil wir das nicht einsehen, ignorieren wir es einfach. Aber Jesus meinte, was er sagte. Er verweist auf seinen Vater als Vorbild dafür. Er sagte:
„Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der im Himmel ist; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr eure Brüder allein grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“
Vor kurzem war ich in Afrika und traf mich mit einer kleinen Gruppe, die versucht, das Evangelium in ihrer Gesellschaft zu verbreiten. Mein Mitbewohner war in dieser Woche Chinua. Er hatte drei Wochen vorher seinen Schwager und seinen Neffen verloren, als einige Moslems ihr Haus angegriffen haben. Sie haben das Haus angezündet, und als Vater und Sohn fliehen wollten, haben sie sie mit ihren Macheten niedergemetzelt. Mehrmals fand ich Chinua in unserem Zimmer vor dem Herrn auf dem Boden im Gebet. Er versuchte, mit seinem Schmerz zurechtzukommen.
Eines Morgens, als unser Vortrag anfing, bat Chinua ums Wort. Am Tag vorher hatten wir über diesen Abschnitt aus Matthäus geredet, und Chinua wollte dazu etwas sagen. Sein Kommentar: „Ich empfinde diesen Abschnitt über das Grüßen und Lieben der Feinde als besondere Herausforderung. Was soll ich machen, wenn der erster Mensch, dem ich am Morgen auf der Straße begegne, der Mann ist, der tags zuvor meinen Bruder und meinen Neffen getötet hat? Möchte Gott wirklich, daß ich diese Person freundlich grüße?“ Nach einem Augenblick fuhr er fort: „Ja, ich bin überzeugt, dass es genau das bedeutet. Aber es fällt mir sehr schwer.“
Wenn wir solche Berichte hören wie über Chinua, verstehen wir langsam, wie radikal der Ruf Jesu ist, wie ein Bürger seines Reiches zu leben. Es ist ein Lebensstil, der aus kleinen Schritten besteht, die aber oft sehr bedeutungsvoll sind – weil sie das Gegenteil sind von dem, was in unserer Gesellschaft oder religiösen Kultur üblich ist.
Gott liebt die Menschen, ob sie seine Liebe erwidern oder nicht. Der Bauer, der Gott haßt, bekommt genau soviel Regen auf seine Felder wie sein Nachbar, der Gott liebt. Warum geht es den Bösen so gut? Es geht ihnen gut, weil Gott sie liebt! Jesus sagt, dass wir auch so leben sollen. Lieben Sie die Menschen, mit denen Sie zu tun haben, ohne etwas von ihnen zu erwarten. Lieben Sie sie einfach, weil Gott sie liebt.
Oft wird Mike oder mir die Frage gestellt: Wie lange soll ich eine Bekanntschaft oder Freundschaft aufrecht erhalten? Ich pflege die Bekanntschaft mit dieser Person schon zwei Jahre. Sie ist heute dem Herrn nicht näher als am Anfang. Sollte ich sie einfach abschreiben und mich um jemand anderen kümmern? Die Antwort darauf ist natürlich: Wenn das unser Ziel ist mit einer Freundschaft, wenn wir nur an Menschen interessiert sind, um mit ihnen etwas bestimmtes zu erreichen, dann liegen wir eigentlich voll daneben. Diese Einstellung zeigt, dass wir nicht so lieben wie unser himmlischer Vater. Er liebt bedingungslos.
Die Kraft bei einem Gruß
Dieser Gedanke, dass wir solche kleine Gelegenheiten nicht verpassen sollten, um unsere Liebe anderen gegenüber auszudrücken, ist so fundamental, dass der Herr Jesus sicher stellen wollte, dass wir es richtig verstehen. Er hat uns genau angewiesen, wie wir vorgehen sollen. „Wenn ihr eure Brüder allein grüßt, was tut ihr besonderes?“ Mit anderen Worten: Grüßen Sie die Leute! Er meint damit, dass Sie die Menschen grüßen sollen, denen Sie täglich begegnen, welche Sie normalerweise ignorieren würden. Sie wissen, wie es läuft. Bei den meisten von uns ist der Tagesablauf festgelegt. Wir müssen zu einer bestimmten Zeit aufstehen, denn wir müssen zu einer bestimmten Zeit los, denn wir müssen um acht Uhr im Büro sein. Der Rest des Tages ist genauso vorhersehbar.
Während des Tages begegnen wir immer wieder den selben Leuten, Tag für Tag. (Die meisten leben ihr Leben nach einem gleichbleibenden, vorhersehbaren Ablauf.) Bei manchen nehmen wir uns Zeit und grüßen sie. Wir fragen vielleicht, wie ihr Wochenende war. Wir wünschen ihnen alles Gute zum Geburtstag. Andere grüßen wir mit Namen, weitere nur mit einem Lächeln oder Nicken. Den Rest ignorieren wir einfach. Wir gehen vorbei, als ob da nur ein Schrank steht oder ein Kopierer. Und sie behandeln uns auch so.
„Die meine ich“, sagt der Herr Jesus. „Genau das sind sie, die Du normalerweise übergehst, um die geht es – die sollst Du regelmäßig begrüßen! Wenn Du das machst, gehorchst Du mir!“
Offensichtlich haben die Grenzen, die die Gesellschaft unterteilen, sich seit den Tagen Jesu nicht so sehr verändert. Die Gruppen haben zwar andere Namen, aber es gibt sie noch immer. Jesus sprach zu Leuten, die sich selbst als einen Teil der vorherrschenden religiösen Kultur ansahen. Sie hatten Wände zwischen sich und dem Rest der Gesellschaft aufgebaut und verbrachten ihr ganzes Leben in ihrer Nische. Sie konnten es theologisch rechtfertigen, warum sie so lebten. Jesus sagt: „Brich aus! Überrasche heute mal jemanden. Grüße jemanden, den Du bisher ignoriert hast. Mach weiter. Irgendwann werden sie reagieren und mit Dir in Augenkontakt treten. Später lächeln sie Dich an, und dann werden sie Dich bald zurückgrüßen. Bitte mach das für mich!“
Von Montag bis Freitag stand Marcie früh auf, fuhr zum Bahnhof und von da eine dreiviertel Stunde mit dem Zug nach Boston. Dort stieg sie in die U-Bahn zum Büro. Sie pendelte auf diese Weise ein Jahr lang. Dann gab sie ihre Arbeit auf und machte eine Ausbildung als Arzthelferin. Der U-Bahn Schaffner gab ihr eine Freikarte für die letzten beiden Wochen. Am letzten Tag auf der gewohnten Strecke ließen die Passagiere im Zug eine Abschiedsparty für sie steigen.
Haben Sie eine Vermutung, wie es dazu gekommen ist? Wodurch würde eine Anzahl Pendler motiviert, eine Party für einen anderen Pendler zu organisieren? Normalerweise verstecken sich Pendler entweder hinter ihrer Zeitung, oder sie betäuben sich mit Walkmans, oder sie entfliehen in ihr virtuelles Büro, indem sie den Laptop hochfahren, sobald sie im Zug sitzen. Wie geschah es?
Marcie ist 22 Jahre alt. Sie sagt von sich, dass sie nicht extrovertiert ist. Aber als Nachfolger Christi hat sie sich dazu entschlossen, seine Anweisungen ernst zu nehmen, so wie wir es in diesem Kapitel besprochen haben. Sie hat sich entschlossen, jeden Tag im selben Waggon zu fahren. Weil das die meisten so machen, fuhr sie täglich mit den gleichen Leuten. Sie hat sich auch dazu entschlossen, unter den Mitfahrern anwesend zu sein. Sie begann sie zu grüßen. Sie erfragte die Namen und erfuhr auch etwas über ihre Familien, Sorgen und Interessen. Einige Unterhaltungen wurden auf der nächsten Fahrt fortgesetzt. Die Leute verstanden schließlich: Marcie hat wirklich Interesse an uns! Weil ihr Glaube ein Teil von ihr war, sprach sie auch in den Unterhaltungen ganz natürlich davon. Die spontane Party im Pendlerzug zeigte die Reaktionen, die Marcie auf ihre Art bekam, wie sie die kleinen Gelegenheiten nutzte.
Was liegt schon an einem Namen?
Jeder kann einen anderen grüßen. Man muß nicht extrovertiert zu sein, um das zu machen. Wir grüßen Menschen als Teil unseres Gottesdienstes für Christus. 4 Wie man an Marcies Geschichte sieht, wird ein Schritt zum anderen führen, ganz ungezwungen. Irgendwann werden wir neben jemandem stehen, den wir immer gegrüßt haben, und wir werden uns vorstellen. Wir erfahren seinen Namen. Wenn Sie den erfahren, vergessen Sie ihn nicht. Das ist der Schlüssel für alles weitere.
Sie meinen: Namen sind meine Schwäche. Das gilt für die meisten von uns. Deswegen schlage ich vor, dass Sie den Namen notieren. Dann werden Sie ihn sich merken können. Von da an sollten Sie den Namen bei der Begrüßung benutzen. Die andere Person wird sich wahrscheinlich nicht an Ihren Namen erinnern, aber wenn Sie ihren benutzen, wird sie motiviert sein, auch Ihren Namen zu erfahren. Namen sind wichtig. Vor Jahrzehnten hat Dale Carnegie entdeckt, wie wichtig es ist, im Beruf Namen zu benutzen. Er sagte: „Vergessen Sie nicht, dass der Namen eines Menschen der schönste und wichtigste Laut in jeder Sprache ist.“ 5 Wenn Sie den Namen von jemandem benutzen, erregen Sie die Aufmerksamkeit der Person.
Wohin soll das führen? Bis hierher, das reicht eigentlich schon. Wir sind jetzt soweit, daß wir über das zweite Verhaltensmuster eines Insiders sprechen können.
Der wichtigste Gebrauch vom Namen einer Person ist, wenn wir ihn in Gottes Gegenwart gebrauchen. Darüber werden wir in einem weiteren Kapitel sprechen.