Gemeinde & Mission

Verhaltensmuster eines Insiders

von Petersen Jim

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Beten und reagieren

Der wichtigste Gebrauch vom Namen einer Person ist, wenn wir ihn in Gottes Gegenwart gebrauchen.
Vor einigen Jahren zog unsere Familie in eine neue Siedlung. Viele Familien zogen dort hin. Das bietet bestimmte Vorteile. Weil jeder neu zugezogen ist und noch keine Beziehungen geknüpft hat, sind die Leute besonders offen dafür, Beziehungen zu ihren Nachbarn aufzubauen. Bald nachdem wir eingezogen waren, haben meine Frau Marge und ich, zusammen mit einem anderen Nachbarn die Initiative ergriffen – ein kleiner Schritt. Wir wollten das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit fördern und den Leuten helfen, sich kennen zu lernen. Deshalb organisierten wir eine Gruppe „Nachbar passt auf“ als Schutz vor Einbrüchen.
Das zuständige Polizeirevier wirbt für solche Gruppen und bietet Material und Infoabende dazu an. Wir nahmen Verbindung mit der Polizei auf, und eines Abends kam ein Beamter zu uns nach Hause, wo alle unsere Nachbarn sich dafür versammelt hatten.
Der Polizist unterwies uns. Wir sollten jedem in der Gruppe unsere Namen und Telefonnummern für den Notfall zur Verfügung stellen. Ein Blatt wurde herumgereicht und wir schrieben unsere Namen und Adressen drauf. Ein Nachbar notierte die Namen, und zeichnete eine Karte mit den Straßen und Häusern, mit den Namen von allen, die dort wohnten. Dann schickte er jeder Familie eine Kopie dieser Karte.
Als unsere Kopie ankam, wurde mir klar, dass ich gerade meine Gebetsliste erhalten hatte! Ich begann, die Karte in meiner Stillen Zeit zu benutzen. Ich zeigte mit dem Finger auf ein Haus auf der Karte und betete für die Menschen, die dort wohnten. Ich kann mich nicht lange konzentrieren, wenn ich bete. Deswegen ging ich beim Beten durch die Straßen und als ich an ihrem Haus vorbeikam, betete ich für die Leute. Das half mir, die Gedanken nicht abschweifen zu lassen.
Es ist ganz leicht sich an die Namen zu erinnern, wenn man für die Leute betet. So hat es also nicht lange gedauert, bis ich alle Namen in der Umgebung kannte. Wenn ich nun auf der anderen Straßenseite meinen Nachbarn ins Auto steigen sah, rief ich hinüber: „Morgen, Dan!“
Überrascht, blickte er auf und rief zurück: „Guten Morgen!“
Nachdem wir uns ein paar mal so gegrüßt hatten, hat er offensichtlich seine Kopie der Karte zu Rate gezogen. Er war vorbereitet für die nächste Begegnung. Als ich ihn begrüßte, rief er diesmal zurück: „Guten Morgen, Jim!“
Von da an war es nicht mehr weit, eine gute Bekanntschaft aufzubauen. Er hat sich bemüht, sich meinen Namen zu merken. Wir fühlten uns beide wohl dabei.

Arbeiten Sie mit Gott zusammen

Manchmal begegne ich jemandem, der fest entschlossen ist, seine ganze Nachbarschaft zu evangelisieren. Ein Ehepaar verteilte an alle Nachbarn Bücher. Später schickten sie jedem eine Einladung zu einem evangelistischen Abend in ihrem Wohnzimmer. Manchmal tragen solche Bemühungen Frucht, aber oft geht der Schuss nach hinten los. Ein solcher Schritt ist zu unpersönlich, um unter Nachbarn gut anzukommen. Wenn man versucht, zu schnell zu weit vorzudringen, geht die Beziehung drauf. Und die Evangelisten stellen fest, dass sie von da an irgendwie nicht mehr dazugehören.
Marge und ich sind nicht in der Lage, zu allen unseren Nachbarn Beziehungen zu pflegen. Wir haben weder Kraft noch Zeit dafür. Aber mit einigen können wir etwas machen. Wer sollte das sein? Hier spielt wieder das Gebet eine Rolle.
Wir können davon ausgehen, dass der Herr wirkt, und einige der Menschen ansprechen will, die auf unserer „Nachbar passt auf“ Liste stehen. Wir können auch davon ausgehen, dass er uns zu diesen Leuten führt, wenn wir für sie beten. Wie wir in einem anderen Kapitel sahen, hatte der Apostel Paulus davon gesprochen, dass bestimmte Leute vom Heiligen Geist auf sein Herz geschrieben waren. Die Tatsache, dass bestimmte Leute auf sein Herz geschrieben waren, half ihm, die Führung Gottes zu erkennen und so wusste er, was er tun sollte. Ich habe entdeckt, dass der Herr mit uns ähnlich handelt.
Während ich anhand der Karte für unsere Nachbarn betete, entstand eine bestimmte Vorgehensweise. Ich ging schnell einige Namen durch. Bei anderen verweilte ich länger. Ich blieb bei einigen länger und betete konkreter für sie. Wenn ich jemandem von ihnen begegnete, war ich besonders aufmerksam. Denn der Herr führte mich, wie ich mit ihm unter meinen Nachbarn zusammen arbeiten könnte.
Diese Illustration aus unserer Nachbarschaft sollte unser Denken nicht einschränken. Wenn der Herr vom Nächsten redet, so ist die Bedeutung weiter gefasst als nur die Nachbarn, von denen ich redete. Auf die Frage „Wer ist mein Nächster?“, antwortete der Herr mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Der Samariter begegnete jemandem, der zusammengeschlagen worden war und Hilfe brauchte. Der Samariter war der „Nächste“, der richtig gehandelt hatte, obwohl er ihm vorher nie begegnet war. Diese Art Nächstenhilfe hat nichts damit zu tun, wo unser Haus steht. Ihre „Nächsten“ könnten an Ihrem Arbeitsplatz sein, in Ihrem Wohnheim, unter Ihren Geschäftspartnern, oder in Ihrem Sportverein.
Es ist hilfreich, wenn wir auf den Herrn hören, bevor wir etwas unternehmen. Unsere Tochter Michelle und ihr Mann Glenn waren frisch verheiratet. Sie zogen los, um den Herrn unter ihren Bekannten bekannt zu machen. Die nächsten drei Jahre verbrachten sie dann damit, den Samen auf sehr harten Boden zu streuen. Was war mit der Saat passiert? „Die Vögel kamen und fraßen sie auf“ (Mt 13,4). Sie erlebten kein wachsendes geistliches Interesse bei ihren Freunden und so fragten sie sich, ob Gott sie überhaupt zu irgendwas gebrauchen könnte. Dann zogen sie in eine andere Stadt, wo Glenn sein Studium fortsetzte. Diesmal beteten sie, während sie voran gingen, und der Herr leitete sie in die Fruchtbarkeit.

Beten Sie für einen Schritt auf einmal

Der Herr Jesus hat oft Vergleiche aus der Landwirtschaft benutzt, um zu beschreiben, wie Menschen in das Reich Gottes kommen. Mit diesen Vergleichen hat er vermittelt, dass eine Bekehrung nicht plötzlich aus blauem Himmel geschieht. Wenn sie stattfindet, so wurde vorher Samen gesät, bewässert, gedüngt, gejätet. Zeit zum Keimen und Wachsen war da. Schließlich kommt die Ernte. Evangelisation ist ein Prozess, kein plötzliches Ereignis. Wenn wir als Insider fruchtbar sein wollen, ist es grundlegend, das zu verstehen.
Säen und Ernten sind verschiedene Tätigkeiten mit unterschiedlichen Zielen. Oft ist die allgemeine Vorstellung von Evangelisation fast nur Ernten. Für viele besteht Evangelisation darin, jemanden zur Entscheidung zu führen. Alle Bemühungen zielen auf dieses Ereignis. Diese Sicht macht viele zu Leuten, die wir mit unserem Zeugnis nicht erreichen können. Aber wenn wir verstehen, dass das Evangelium im Herz eines Menschen wachsen muss, bevor es Frucht tragen kann, erweitern sich unsere Möglichkeiten sofort. Plötzlich stellen wir fest, dass wir zu vielen Zugang haben. Und wir üben uns in Geduld, so wie ein Bauer, der auf seine Ernte wartet, bis sie reif ist.
Wir pflegen unser Feld durch Gebet. Gibt es Steine im Boden dieses Herzens? Welche? Ist der Boden hart? Warum? Was kann jetzt gepflanzt werden? Was ist mit dem Unkraut, das die Pflanzen zu ersticken droht? Wie helfe ich den Pflanzen beim Wachsen?
Während wir diese Fragen im Gebet bewegen, wird Gott uns leiten. Gebet ist nicht ein Monolog mit Gott, sondern ein Gespräch. Hören gehört auch dazu. Auch die Bereitschaft, das zu tun, was der Herr mir aufs Herz legt. Gebet führt oft zu Taten. Es ist wirklich keine sitzende Tätigkeit. Jesus sagte: „Wer bittet und immer weiter bittet, wird empfangen; wer sucht und immer weiter sucht, wird finden; wer klopft und nicht damit aufhört, dem wird die Tür geöffnet“ (Lk 11,10).
Manchmal bete ich für jemanden und weiß dabei genau, was ich als nächstes tun sollte. Aber der Gedanke erschreckt mich. Es erfordert mehr Mut, ich fühle mich nicht wohl dabei. Die Versuchung ist, weg zuhören und dort zu bleiben, wo ich bin, vielleicht noch ein wenig zu beten.
Was ich in so einer Situation tun muss ist: Aufstehen, um Mut und für die richtigen Worte bitten, und dann hingehen und tun, was mir der Herr aufgetragen hat. Ich habe oft so gehandelt, meist mit zitternden Knien. Dann fand ich heraus, dass der Herr schon gewirkt hatte, als Antwort auf meine Gebete. Er hatte schon den Weg bereitet für das, was er mir aufgetragen hat.

Wie reagiert Gott auf unsere Gebete?

Gebet ist die Bitte, dass der Heilige Geist in eine Situation eingreift. Dadurch wird Gottes Handeln sich auf die Situation auswirken. Als der Herr Jesus den Jüngern das Kommen des Heiligen Geistes erklärte, sagte er: „Wenn er kommt, wird er die Welt von Sünde überführen, von Gerechtigkeit und Gericht.“ Das ist doch genau, was in den Herzen unserer ungläubigen Freunde geschehen muss! Wie werden sie sich jemals über ihren geistlichen Zustand Gedanken machen, wenn sie nicht erkennen, wie es wirklich mit ihrer Beziehung zu Gott ausschaut?
Der Herr erklärte weiter: Wenn der Heilige Geist kommt, wird er überführen:
• „von Sünde, weil sie nicht an mich glauben.“ (Der Glaube an Christus ist der Angelpunkt unserer Beziehung zu Gott. Unglaube ist die Sünde, die uns unter Gottes Gericht läßt.)
• „von Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht.“ (Während der Herr auf der Erde lebte, war er der Maßstab für Gerechtigkeit. Sein Leben war eine anschauliche Illustration davon. Jetzt, wo der Herr nicht körperlich anwesend ist, setzt der Heilige Geist das fort.)
• „und von Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist“ (Joh 16,8-11). (Diese Welt ist dem Untergang geweiht. Ihr Fürst, Satan, und alle, die zu ihm gehören, werden vernichtet. Setzen Sie Ihr Leben also nicht für etwas ein, das keine Zukunft hat!)

Das ist die ernüchternde Zusammenfassung des Herrn über den Zustand der Ungläubigen. Er beschreibt auch, welche Wirkung wir vom Heiligen Geist in den Herzen derer erwarten können, für die wir beten. Wir können Gott bitten, in diesen Bereichen zu wirken und dabei darauf vertrauen, dass wir nach seinem Willen bitten.
Es ist auch wichtig, dass wir uns an die Arbeitsteilung erinnern, um jemand in eine Beziehung zu Christus zu bringen. Ich kann weder jemanden von Sünde überführen, noch bin ich in der Lage, jemandem zu zeigen, wie echte Gerechtigkeit ausschaut. Ich kann niemand die Erkenntnis vermitteln, dass er sein Leben auf etwas baut, das dem Untergang geweiht ist. Ich habe festgestellt: Wenn ich solche Themen anschneide, geht der Gesprächsstoff schnell aus. Ich höre mich verurteilend an. Es ist besser, mit dem Herrn über sie zu reden und darum zu bitten, dass der Heilige Geist sie überführt.
Alceu war ein Medizinstudent im vierten Semester an der Universidade de Parana in Brasilien. Über etliche Monate hinweg lasen wir einige Kapitel in Johannes und redeten darüber. Obwohl er Atheist war, war er doch fasziniert von der intellektuellen Herausforderung der Lehren Jesu. Aber ich war beunruhigt über unseren Fortschritt, weil unsere Gespräche nur den Verstand betrafen. Ich habe immer wieder versucht, die Gesprächsebene weg von den bloßen Konzepten und Ideen zu Herzensangelegenheiten zu führen. Erfolglos. Dann betete ich, dass der Herr Alceu die Fähigkeit zu studieren und zu schlafen wegnehmen möge, bis er sich bekehrt hat.
Nachdem ich das einige Wochen gebetet hatte, traf ich mich wieder mit Alceu. Bei der Begrüßung fragte ich ihn: „Wie geht’s?“ Er antwortete: „Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Seit einiger Zeit kann ich nicht mehr schlafen oder studieren.“ Wir können einer Person die Möglichkeit verschaffen, ein klares Bild von Christus zu erhalten, aber wir können das Herz nicht anrühren. Das muss Gott machen.

Halten Sie durch!

Nicht immer können wir die Wirkung unserer Gebete so direkt miterleben wie ich bei Alceu. Oft gibt es für den Beter gar keine Möglichkeit, die Erhörung seiner Gebete mitzuerleben.
Durch ihre Arbeit mit Sterbepatienten lernte Audrey eine Frau kennen, die wir hier Mary nennen wollen. Mary hatte Krebs im Endstadium. Mary kam über fünf Jahre in die Bastelgruppe einer christlichen Gemeinde, aber sie glaubte selbst nicht.
Als Mary herausfand, dass Audrey gläubig war, bat sie sie, ob sie ihr nicht einige geistliche Fragen beantworten könne. Im Lauf der Zeit wurde es für Audrey deutlich, dass Mary sich bekehrt hatte. In den folgenden Monaten suchte Mary oft Zuspruch bei Audrey.
Mary wurde von ihrer Familie und vielen Freunden während ihrer Krankheit begleitet und unterstützt. Außer von der Familie wurde sie von etlichen Bekannten aus der Bastelgruppe besucht. Auch ein Ehepaar, das sie mit ihrem Mann schon viele Jahre kannte, unterstützte Mary. Aber jetzt lebten sie auf der anderen Seite der Welt. In den letzten Wochen ihres Lebens telefonierte Mary täglich mit dem Ehepaar.
Alle Bekannten kamen zu Marys Begräbnis. Auch das Ehepaar, mit denen sie so lange befreundet waren, kam angereist. Sie hielten eine Rede. Der Mann fing an und sagte, dass sie mit Mary und ihrem Ehemann schon über dreißig Jahre eng befreundet waren. Audrey war überrascht, dann zu hören, dass sie die ganze Zeit dafür gebetet hatten, dass Mary „auch unseren besten Freund kennenlernt, den Herrn Jesus.“ Er beschrieb ihre Freude, als sie in den letzten Monaten feststellten, dass ihre Gebete erhört worden waren.
Audrey fand auch heraus, dass Marys Freunde aus der Bastelgruppe für sie gebetet hatten. Sie beteten dafür, dass Mary Trost und Hoffnung im Herrn Jesus finden möge. Gott hatte verschiedene Leute an verschiedenen Orten dazu gebraucht, um Mary zu sich zu ziehen. Einige pflanzten, andere gossen, und Audrey hatte die Freude des Erntens!
Die Entfernung spielt keine Rolle, sie schränkt Gottes Fähigkeit nicht ein, im Leben eines Menschen zu wirken. Es macht für ihn keinen Unterschied, ob wir neben der Person sitzen, für die wir beten, oder ob wir auf der anderen Seite der Welt sind. Nähe mag eine Stütze für unseren Glauben beim Gebet sein, aber für Gottes Antwort macht es keinen Unterschied!

Zusammenfassung

Beharrt im Gebet und wacht in demselben mit Danksagung (Kol 4,2). Wenn wir beten, sollten wir unsere Augen offen halten, um zu erkennen, wie der Herr als Antwort auf unsere Gebete wirkt. Wir danken ihm schon beim Bitten, denn wir vertrauen ihm, dass er eingreifen wird.

Wir haben uns nun die zwei grundlegendsten Verhaltensweisen eines Insiders betrachtet: Unscheinbare Gelegenheiten ergreifen und beten. Beide sind einfach, weil sie keine ungewöhnliche Gabe oder Fähigkeit voraussetzen. Aber beide sind sehr wirksam. Wenn wir aus dem Buch nur diese beiden Ideen aufgreifen und anfangen, sie zu praktizieren, wird der Herr uns auf eine Weise gebrauchen, die wir uns nie vorstellen konnten.

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