Gemeinde & Mission

Ein brennendes Anliegen für Verlorene

von Lindner Andreas

Den Artikel als PDF herunterladen

Paulus war kein Mann halber Sachen. Als er ein Verfolger der Gemeinde war, verfolgte er sie bis aufs Blut. Als er ein Verfechter des Evangeliums war, war er bereit, sein Blut zu geben. Er hatte ein brennendes Anliegen für Verlorene. „Ich sage die Wahrheit in Christus, … dass ich große Traurigkeit habe und unaufhörlichen Schmerz in meinem Herzen; denn ich selbst, ich habe gewünscht, durch einen Fluch von Christus entfernt zu sein für meine Brüder …..“ (Röm 9,1-3). Wie wirkte sich seine Trauer aus? „Brüder, das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen zu Gott ist, dass sie errettet werden“ (Röm 10,1).

Diese Menschen waren also verloren. Es sah zwar nicht so aus, denn sie hatten Interesse an Gott. Sie hatten Eifer für Gott. Aber der Schein trog. Mehr Schein als Sein ist kein moderner Effekt. So war es schon damals. Doch Paulus ließ sich nicht täuschen. Seine Liebe sah die Wahrheit. Keine rosa Brille, keine beschönigenden Gedanken trübten seinen Blick. Er hatte kein Wunschbild von denen, die er liebte, sondern sah die Realität. Das fällt uns sehr schwer, besonders bei denen, die wir gern haben. Man steckt den Kopf in den Sand. Aber Paulus sah den furchtbaren Tatsachen ins Gesicht. Das ist echte Liebe. Sie sieht die Tatsachen, wenn jemand verloren ist.

Die Liebe von Paulus war so tief, dass sie ihm auch einen tiefen Schmerz bereitete. Liebe ist sowohl bitter als auch süß. Echte Liebe beinhaltet auch tiefen Schmerz. Der Herr Jesus liebte und weinte. Er liebte und seufzte tief. Er liebte und war innerlich bewegt. Paulus liebte und er hatte eine große Trauer und unaufhörlichen Schmerz. Immer, wenn Paulus an sie dachte, erfüllte Trauer sein Herz.

Dadurch entstand bei ihm ein großes Anliegen, ein brennender Eifer. Sein tiefer und ernster Wunsch war, dass sie gerettet werden. Er drückte den Wunsch auch im Gebet aus. Echte Liebe sieht auch die Möglichkeit, etwas gegen das Verloren sein zu tun und ergreift diese Möglichkeit. Es gab Hoffnung, Hoffnung auf Rettung. Er war bereit, alles aufzugeben und zu verlieren, wenn sie dadurch gerettet würden.

Seine Liebe und seine Trauer waren echt und tief. Beides gehört zusammen. Wenn wir Schmerzen empfinden, weil jemand auf dem falschen Weg ist, so sollte das mit Liebe einhergehen, die versucht, die Irrenden zurückzubringen. Die Verbindung von Schmerz und Liebe bringt uns dazu, den Herrn nachzuahmen und Menschen für ihn zu gewinnen.

Die große Gefahr, in der sie schwebten, war Paulus bewusst. Das Unglück, das über sie hereinbrechen sollte, stand ihm vor Augen. Sein großer Wunsch war, dass sie vom Verderben gerettet werden. Es geht um Rettung von Sünde und Unglauben, und von den Folgen davon, nämlich der Hölle. Paulus` Anliegen war so groß, dass er mit Tränen in den Augen vor der Gefahr warnte. Er konnte nicht darüber schweigen, und er konnte nicht leichtfertig darüber sprechen. Wenn er über das Verderben nachdachte oder darüber sprach, war sein Herz voll Trauer und seine Augen voll Tränen. Diese Einstellung brauchen auch wir, wenn wir über die schrecklichsten Tatsachen der Schrift reden. Wir werden sie bekommen, wenn wir diese Tatsachen nicht verdrängen. Wir können auch um diese Einstellung beten. „Herr, gib mir Tränen des Mitgefühls für die Verlorenen!“

Paulus sagte den Israeliten, dass er sie so sehr liebt, dass er bereit wäre, für sie zu sterben und von Christus getrennt zu sein. So eine Liebe kommt nicht von selbst. Sie kommt nur vom Herrn Jesus. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

Müssen wir auf diesen Schmerz und diese Liebe warten, bis wir beginnen, andere zu gewinnen? Nein, im Gegenteil. Ich denke, dass unser Anliegen wächst, wenn wir darum beten; wenn wir für die Verlorenen beten und wenn wir alles tun, was uns möglich ist, um sie zu gewinnen.

Den Artikel als PDF herunterladen