Gemeinde & Mission

Völlige Hingabe an Christus

von Strauch Alexander

Auszug aus dem Buch „Reißende Wölfe kommen“, das von der Christlichen Verlagsgesellschaft herausgegeben wurde, mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Es ist eine lebendige Auslegung der Rede des Paulus an die Ältesten in Ephesus, aber wir denken, dass nicht nur Älteste sondern ihr alle Gewinn davon haben werdet.

„Und nun siehe, gebunden im Geist, gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird, außer dass der Heilige Geist mir von Stadt zu Stadt bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.“ (Apg 20,22-24)

Paulus erinnert die Ältesten jetzt nicht mehr an seinen früheren Dienst für den Herrn in Ephesus, sondern teilt ihnen seine Reisepläne mit: „Und nun … gehe ich nach Jerusalem.“ In diesem Abschnitt seiner Rede fällt auf, wie mutig Paulus ist, wie treu er das Evangelium bezeugt, und seine völlige Hingabe an Christus wird sichtbar. Dies sind weitere Merkmale seines Lebens, denen wir nacheifern sollten.

Ein bemerkenswertes Vorbild für Mut

Das Treffen des Paulus mit den Ältesten von Ephesus fand während seiner Reise nach Jerusalem statt. Er hoffte, rechtzeitig zum Pfingstfest im Frühjahr des Jahres 57 n. Chr. dort anzukommen. Er reiste nicht allein. In seiner Begleitung befanden sich Vertreter von Gemeinden aus den Nationen, die Spendengelder überbringen wollten, die sie für die verarmten Christen in Jerusalem gesammelt hatten.

Paulus hatte sich für diese Sache sehr eingesetzt und auch die beschwerliche Reise zurück nach Jerusalem auf sich genommen. Selbst die prophetischen Vorhersagen von „Fesseln und Bedrängnissen“,die ihn in Jerusalem erwarten würden (V. 23), schreckten ihn nicht ab. Erwar ein Mann von außerordentlichem Mut,der sich von Widerstand und Leiden nicht so leicht entmutigen ließ.

Die Warnungen des Geistes vor Verfolgung

Als Paulus und seine Reisegefährten ihren Weg nach Osten fortsetzten, sprach der Heilige Geist wiederholt durch Propheten zu Paulus, dass auf ihn „Fesseln und Bedrängnis“ warteten. Es würde also keine Überraschungen geben, keine unvorhergesehenen Tragödien, kein blindes Schicksal und keine unerklärlichen Unfälle. Er wusste genau, was ihn erwarten würde! Und doch ging er weiter.

Die Führung durch den Heiligen Geist: In der Apostelgeschichte sehen wir ständig, dass der Heilige Geist die Gläubigen bei der Verbreitung der Botschaft des Evangeliums von Jerusalem aus „bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8) leitet. Paulus war empfänglich für die Stimme und die Führung des Heiligen Geistes. Er wünschte, dass auch die Ältesten stets für die Führung und die stärkende Gegenwart des Geistes in ihrem Leben empfänglich wären. In Vers 28 erinnerte Paulus die Ältesten daran, dass es der Heilige Geist selbst war, der sie in der Gemeinde als Aufseher eingesetzt hatte, um Gottes Herde zu hüten. Angesichts der wiederholten Warnungen des Heiligen Geistes vor Leid und Verfolgung hätte Paulus dies als Gelegenheit nützen können, um umzukehren oder den Dienst am Evangelium ganz aufzugeben. Er hätte behaupten können, der Heilige Geist wolle nicht, dass er nach Jerusalem gehe. Aber der Heilige Geist verwehrte ihm nicht, nach Jerusalem zu gehen, und sagte auch nicht seinen Tod voraus. Der Geist sagte die Gefahren voraus, denen Paulus in Jerusalem begegnen würde und bereitete ihn auf die unvermeidlichen Ereignisse vor, die vor ihm lagen.

Trotz dieser bedrohlichen Warnungen vor dem bevorstehenden Leiden war Paulus davon überzeugt, dass es richtig war nach Jerusalem zu gehen.

Ein bemerkenswertes Beispiel für Hingabe an eine Aufgabe

Die Warnungen des Heiligen Geistes vor „Fesseln und Bedrängnis“ bilden den Kontext für die nächste Aussage des Paulus, die uns einen bemerkenswerten Einblick in seine Denkweise und eigene Motivation gibt:

„Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.“ (Apg 20,24)

Dies ist eines der herausforderndsten Zeugnisse persönlicher Hingabe an Christus, das im Neuen Testament aufgezeichnet ist. Nichts war für Paulus wichtiger als die treue Erfüllung der Aufgabe, die ihm sein Herr gegeben hatte, „das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.“

Die Ältesten mussten jetzt, in seiner Abwesenheit, ihrer vom Geist übertragenen Aufgabe treu sein, nämlich die Gemeinde Gottes zu hüten (V. 28). Und das gilt auch für Sie! Paulus schätzt den Wert seines Lebens so ein: „Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert.“

Was ist für jeden von uns am wertvollsten? Ist es nicht unser Leben, unsere bewusste Existenz hier auf dieser Erde? Und doch war Paulus bereit sein Leben zu verlieren, um den Weg zu Ende zu gehen, den Gott ihm vorgezeichnet hatte, und um den Dienst zu vollenden, den er direkt vom Herrn Jesus empfangen hatte.

Hier ist ein Mann, der seine von Gott gegebenen Prioritäten klar erkannt hat. Er war bereit, sein Leben zu verlieren, um das Leben zu gewinnen. Er verleugnete sich selbst, nahm sein Kreuz auf sich und folgte Jesus nach (Mk 8,34-37). Paulus erkannte, dass es viel wichtiger war, seine von Gott gegebene Mission am Evangelium zu Ende zu bringen, als an seinem eigenen Leben festzuhalten. Er widmete sich so sehr Christus und dem Evangelium, dass seine eigene Zukunft, sein Ansehen, sein Wohlergehen und seine Sicherheit kaum noch eine Rolle spielten. Christus zu kennen und ihm zu dienen war ihm wichtiger als jedes andere Lebensziel: „Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten; ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne.“ (Phil 3,7-8)

Wir sehen hier das Thema der Selbstaufopferung für Christus und das Evangelium, das sich durch die gesamte Rede zieht.

Ein Lauf, der zu Ende geführt werden muss

Paulus benutzte eine Metapher aus der Welt des Sports, um diese Denkweise zu veranschaulichen. Er sah sich selbst als Läufer, der die vom Herrn vorgegebene Strecke bewältigen muss. Dieses Rennen ist ein Marathon, ein Langstreckenlauf; es ist kein Sprint und kein Kurzstreckenlauf. Es ist ein lebenslanger Wettlauf.

Bei einem Geländelauf gibt es unterwegs unerwartete Steigungen und Gefälle oder Hindernisse wie Bäche und Felsen, die man überwinden muss. Das Leben verläuft ähnlich. Man überwindet Hügel, findet sich plötzlich in Tälern wieder, erlebt einfache und schwere Zeiten, sieht sich vor großen Hindernissen, genießt die Sonnenseiten und gerät in unvorhersehbare Stürme; aber das macht nichts. Der Läufer muss ausharren, weiterlaufen und die Strecke beenden.

Paulus war fest entschlossen den Weg zu vollenden, den Gott für ihn vorbereitet hatte, trotz aller Gefahren und Widrigkeiten. Während er in Rom im Gefängnis saß und dem drohenden Tod ins Auge blickte, schrieb er Timotheus voller Zuversicht, dass er sein Rennen vollendet habe:

Denn ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens steht bevor. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“ (2. Tim 4,6-7)

Ich fordere Sie auf, lieber Leser, sich persönlich das Ziel zu setzen, am Ende ihres Lebens sagen zu können: „Ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“ Alle Leiter in einer Gemeinde sollten sich dieses edle Ziel setzen und sich vornehmen:

Deshalb lasst nun auch uns … mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf… “ (Hebr 12,1).

Setzen Sie sich persönlich das Ziel, am Ende Ihres Lebens sagen zu können: „Ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“