Vorwort 143: „Gebet verbindet“
„Ich danke meinem Gott bei jeder Erinnerung an euch allezeit in jedem meiner Gebete und bete für euch alle mit Freuden wegen eurer Teilnahme am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt.“
So betet Paulus für die Gemeinde in Philippi. Wir lesen davon in seinem Brief an diese junge Gemeinde in Kapitel 1, Verse 3-5. Naja, magst du dir denken, was ist das Besondere daran? Paulus fängt doch fast alle seiner Briefe so an.
Nun, Paulus schrieb diesen Brief nicht vom Strand in Ephesus oder aus einer schattigen Laube in Antiochien. Paulus war im Gefängnis (Phil.1,13)! Ich würde Paulus nur zu gut verstehen, wenn er angesichts der ungerechtfertigten Inhaftierung in Selbstmitleid verfallen würde. Aber das war nicht der Fall und ich glaube, das Gebet für Geschwister hat dazu beigetragen. Paulus Gedanken kreisten nicht um seine Person, sondern um das Wohlergehen der Gemeinden. Aus der Apostelgeschichte lernen wir, dass Paulus nicht lange in Philippi war und dort auch nicht nur freundlich behandelt wurde (lies am besten die Geschichte in Apg. 16,11 ff. und 1.Thes.2,2). Die Verbundenheit mit den Philippern war nicht das Ergebnis jahrelanger Gemeinschaft, sondern sie wuchs durch das regelmäßige Gebet von Paulus für die Geschwister dort.
Paulus ist ein großes Vorbild, wenn es um das Gebet füreinander geht. In seinem Stakkato für ein lebendiges Christenleben fordert uns Paulus in kürzest möglicher Art auf, es ihm gleich zu tun: „Betet unablässig!“ (1.Thes.5,17).
Unsere Situation ändert nichts an unseren Möglichkeiten diesem Auftrag nachzukommen. Wenn Paulus es geschafft hat, in einem römischen Gefängnis für Geschwister und Gemeinden zu beten, dann schaffen wir das in unseren schönen Wohnungen auf jeden Fall auch! Das Gebet füreinander bewahrt uns vor Selbstmitleid und stärkt die Verbundenheit mit Geschwistern aus Nah und Fern.
Einmal tauchte in unserer Ältestenbesprechung die Frage auf, wie wir den Geschwistern in Italien und Kroatien irgendwie helfen könnten. Sie waren durch Erdbeben und Krankheiten getroffen. Wie können wir diesen Geschwistern helfen, wenn wir selbst nicht hinreisen können? Paulus gibt uns die Antwort: ausdauernd beten und sich bei den Geschwistern melden. Das ist nicht einfach nur eine „Notlösung“ weil man gerade nicht hinfahren und mit anpacken kann. Das ist die effektivste Hilfe, die wir leisten können!
Kurz nachdem wir über die uns bekannten Gemeinden in Italien und Zagreb geredet haben, sind von genau dort zwei Gebetsbriefe gekommen. Wenn du also mithelfen möchtest, den Gemeinden in Italien, Kroatien eine Hilfe zu sein, bete für die Anliegen! Du findest immer wichtige Anliegen in den Frontberichten am Ende des Heftes. Und wenn du möchtest, schreibe den Geschwistern doch ein kurzes E-Mail oder eine Karte. Es kann sein, dass du die Missionare dort nicht oder nur flüchtig kennst. Das macht nichts, Paulus kannte die Philipper auch nicht lange, aber durch das Gebet für sie entwickelte sich eine herzliche Verbundenheit, die das Zeitliche hier auf Erden weit überdauert.