Vorwort 145: „Zorn“
Wer hat schon einmal eine Predigt über Gottes Zorn gehört? Irgendwie erscheint uns die Tatsache vom Zorn Gottes ein wenig unangenehm. Viel lieber reden wir von der Liebe Gottes oder von seiner Fürsorge.
Wenn wir über Gottes Zorn nachdenken, dann dürfen wir nicht an den Wutanfall eines cholerischen Chefs denken oder an das Kind, das sich an der Supermarktkasse vorm Süßwarenregal auf den Boden wirft, weil es den Schokoriegel nicht bekommt. Gottes Zorn ist die natürliche Reaktion eines heiligen Gottes auf alles Unheilige, auf Sünde.
Ein wiederkehrender Satz im Buch Richter ist: „… da entbrannte der Zorn des HERRN.“ Das erste Mal kommt dieser Ausdruck in Ri 2,14 vor. Wenn man die Verse davor liest, kann man nachvollziehen, dass Gottes Eifersucht herausgefordert wird (vgl. 5.Mose 6,14-15): „Sie warfen sich vor ihnen [den fremden Göttern] nieder und reizten den HERRN zum Zorn. Sie verließen den HERRN und dienten dem Baal und den Astarot.“ (Ri.2,12-13)
Gott ist gegenüber Sünde nicht gleichgültig. Es betrübt ihn zutiefst, wenn Menschen ihm den Rücken zukehren.
Interessanterweise sind es die gleichen Menschen, die einen „zornigen Gott“ als schreckliche Vorstellung ablehnen, die bei Leid oder Ungerechtigkeit nach dem Eingreifen Gottes rufen. Gott soll für Gerechtigkeit sorgen. Aber überlege einmal: Gottes Gerechtigkeit ohne seinen heiligen Zorn wäre doch nichts anderes als Theaterdonner. Nein, Gottes Zorn ist real und ebenso eine vollkommene Eigenschaft unseres Gottes wie seine Liebe, seine Treue oder seine Barmherzigkeit.
Zur Verkündigung der Apostel gehört auch das kommende Gericht und der gerechte Zorn Gottes. Das lesen wir in Apostelgeschichte 2,36-40:
„Und mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie, indem er sagte: Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!“ (V. 40)
Den Zuhörern von Petrus war bewusst, dass sie unter Gottes Zorn standen. Petrus teilte ihnen unverblümt mit, dass sie Jesus gekreuzigt hatten. Sie waren schuldig. Als den Zuhörern das bewusst wurde, war es wie ein Stich ins Herz. Das war der Moment, wo sie für die Botschaft des Evangeliums offen wurden.
Wie oft beten wir für Menschen, dass sie Sündenerkenntnis bekommen? Wie sehr wünschen wir uns eine Bereitschaft zur Umkehr, wie sie die Zuhörer des Petrus an den Tag legten? Kann es sein, dass unseren Freunden oft zu wenig bewusst ist, wie groß ihr Problem ist, weil wir es ihnen nicht sagen?
Hier siehst du, wie schlimm es wirklich um uns Menschen steht: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Joh 3,36)
Das bedeutet, dass wir unter Gottes Zorn stehen. Jetzt. Das ist furchtbar. Unsere Sünde verurteilt uns und ein heiliger Gott kann mit nichts anderem als mit seinem gerechten Zorn darauf reagieren. Es geht hier weniger um einzelne Sünden – die Notlüge oder den schlechten Gedanken über den Ehepartner. Hier geht es um ein Leben in Opposition gegenüber der Autorität Gottes. Sünde bedeutet ein Leben im Widerspruch zu den Zielen, Maßstäben und Prioritäten Gottes.
Wenn Gott seine Gerichte über die Erde bringen wird, wird sein Zorn offenbar werden: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns, und wer vermag zu bestehen?“ (Offb 6,15-17) Gottes Zorn und seine Gerichte sind unausweichlich. Die Frage, die sich uns stellt, lautet: „Gibt es eine Chance auf Rettung?“
Je besser wir verstehen wie schlimm Sünde ist und wie furchtbar es ist, unter Gottes Zorn zu stehen, umso heller strahlt das Evangelium. Jesus Christus eröffnet uns eine Möglichkeit vor Gottes Zorn zu fliehen, zum Kreuz von Golgatha. Denn dort lud er den gerechten Zorn Gottes über die Sünde auf sich, damit jeder, der sein Angebot von Rettung und Vergebung annimmt, nicht gerichtet wird, sondern sich des ewigen Lebens sicher sein darf (Joh 5,24). Paulus bringt es auf den Punkt:
„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn gerettet werden vom Zorn.“ (Röm 5,8-9)
Hier treffen Gottes Zorn und die Rettung durch das Blut Jesu unmittelbar zusammen. Gerechtfertigt sein heißt, dass wir vom Zorn Gottes nicht mehr betroffen sind. Durch den Herrn Jesus sind wir frei von Schuld. Er hat alles dafür getan. Wir müssen und können nichts dazu beitragen. Dass wir als Kinder Gottes nicht mehr unter seinem Zorn stehen, ist einzig und allein auf Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz zurückzuführen. Das ist es auch, was Johannes im ersten Teil von Joh 3,36 betont: Jesus zu haben, bedeutet ewiges Leben zu haben und nicht mehr unter Gottes Zorn zu stehen. Wofür hätte Jesus sterben müssen, wenn Gott es mit der Sünde doch nicht so ernst nehmen würde?
Gottes Zorn ist Ausdruck seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit. Nur wenn wir eine Ahnung von der Tragweite und Ernsthaftigkeit des Zornes Gottes haben, können wir das Evangelium wirklich verstehen. Das gilt auch für unsere Freunde, die Jesus noch nicht als Herrn und Heiland angenommen haben. Wir müssen ihnen mitteilen, dass sie unter Gottes Zorn stehen. Aber wie wunderbar ist es, dass wir ihnen auch den Ausweg zeigen können, den Jesus eröffnet hat. Vergiss nicht Gottes Zorn und rede davon, wenn es angebracht ist.