Wie erreichen wir die vielen jungen Menschen im digitalen Zeitalter mit dem Evangelium? – Teil 2
Gar nicht
Gar nicht. Das meine ich wirklich so: Wenn wir unsere aktuelle Einstellung beibehalten, werden wir die vielen Menschen gar nicht erreichen. Wenn wir, wie die Kirche, zwischen Evangelisten und Laien trennen, werden wir die vielen Menschen gar nicht erreichen. Wir sagen: „Dem Herrn sei Dank, dass er uns ein paar Evangelisten wie den Walter Mauerhofer gegeben hat.“ Das ist wirklich großartig, aber wie sollen wir die vielen Menschen jemals erreichen, wenn wir denken, das sei bloß die Arbeit der „begabten“ Evangelisten?
Wir werden nichts erreichen, wenn wir nicht zunächst radikal umdenken und erkennen: Der Missionsbefehl “Geht hin” richtet sich nicht an ein paar ausgewählte Experten, sondern an dich und mich! Jeder hat die Aufgabe, in der Evangelisation mitzuarbeiten, nicht nur einige Begabte. Die Ernte ist groß, die Arbeiter sind wenige. Aber was für eine Katastrophe wird entstehen, wenn der Großteil der verfügbaren Arbeiter der Meinung ist, er sei nicht begabt genug!
Der Herr gibt niemals einen Auftrag, ohne uns zur nötigen Zeit auch dafür zu befähigen. Allerdings erwartet er, dass wir im Glauben beginnen, auch wenn wir uns nicht fähig fühlen. Er wird uns dabei ausbilden und unterstützen. Zu Mose, der sich für seinen gigantischen Auftrag absolut unfähig fühlte (“Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten herausführen sollte?”), sagte er: “Weil ichmit dir sein werde.” (2. Mose 3,11.12) Wenn unsere Unfähigkeit also kein Problem ist, was können wir tun, um die Menschen zu erreichen?
Der erste Schritt muss eine Erweckung sein. Wir müssen aufwachen und beginnen, dem Ruf des Herrn endlich konsequent zu folgen! Es ist schwierig, alle auf einmal in Bewegung zu setzen, aber du kannst einen Anfang machen und die anderen dann durch dein Vorbild anstecken. John Wesley hat ein einfaches Rezept formuliert, um eine Erweckung zu starten:
- Nimm ein Stück Kreide.
- Zeichne einen Kreis auf den Boden.
- Knie dich hinein.
- Bete um eine Erweckung, die in diesem Kreis beginnen soll.
Tatsächlich hat der Herr erst begonnen, mich wirklich in der Evangelisation zu verwenden, nachdem ich vor 2-3 Jahren angefangen habe, quasi jeden Morgen sinngemäß zu beten: “Lass mich heute nicht das Meine, sondern das Deine suchen. Öffne mir die Augen für Gelegenheiten etwas weiterzugeben, und gib mir den Mut und die Weisheit, sie zu nützen.” Dann lebe ich den Tag auf der Suche nach Gelegenheiten, die ich ergreifen kann.
Forrest Gump
Im gleichnamigen Film wird Forrest Gump gefragt, ob er Jesus denn schon gefunden habe, worauf er entgegnet: “Ich hab´ überhaupt nicht gewusst, dass ich ihn suchen soll!” Die zweitgrößte Herausforderung unserer Zeit ist – meiner Meinung nach – den Menschen das Evangelium so zu präsentieren, dass sie verstehen: “Das ist genau das, was ich brauche!” Alle sind auf der Suche nach irgendetwas: Zufriedenheit, Glück, Spaß, Freiheit. Allerdings denken viele, dass Gott sie genau daran hindern will. Die Bibel sei langweilig, unterdrücke uns und verbiete jeden Spaß. Wie bringen wir die Leute jemals zum Umdenken?
Zunächst einmal: Beweisen wir ihnen durch unser Leben das Gegenteil! Verschwinden wir nicht jeden einzelnen Abend in der Woche im Männerkreis, Frauenkreis, Ü40-Kreis, U40-Kreis, Sportliebhaber-Kreis, Sporthasser-Kreis, sondern nehmen wir uns Zeit für sie und lassen sie sehen, dass der Herr uns nichts Gutes vorenthält! Uns rund um die Uhr nur in christlichen Kreisen aufzuhalten und dabei zu vermitteln, dass das Christenleben nicht weltfremd sei, ist genauso schwierig wie die „Quadratur des Kreises“. Solange es keine Versuchung für uns ist, gehen wir mit unseren ungläubigen Freunden zu Konzerten, trinken ein Glas mit, machen mal ein wenig Unsinn – damit sie sehen, dass auch wir Christen Spaß haben können. Aber dann machen wir klar sichtbar, was sie nicht haben: Hoffnung, Erfüllung, echte Liebe, Ruhe im Sturm. Machen wir unseren Mund auf und lassen sie hören, wie uns der Herr täglich hilft! 1. Petrus 3,15 erklärt uns einen Trick: Wenn die Ungläubigen merken, dass wir uns nicht vor den gleichen Dingen fürchten wie sie, weil wir stattdessen auf den Herrn vertrauen, werden sie unsere Hoffnung sehen und von selber danach fragen. Satan hasst diesen Trick!
Schließlich müssen wir lernen auch attraktiv zu reden. Leuten einfach Statements wie: “Lasst euch versöhnen mit Gott!” ins Gesicht zu knallen, kann sie befremden. “Welcher Gott? Warum sollte ich mich versöhnen wollen? Ich habe ihm doch nichts getan!” Niemand braucht das Kreuz, der nicht verloren ist. Niemand will seine Verlorenheit einsehen, der gar nicht in den Himmel will. Ich frage viele Menschen, ob sie ewiges Leben wollen, und für erschreckend viele ist der Gedanke abstoßend! Sie haben eine falsche Vorstellung vom Himmel, weil sie meinen, sie müssten ihren jetzigen Zustand dann auf ewig ertragen. Oder sie finden es furchtbar, für immer mit einer Harfe auf einer Wolke “Halleluja!” singen zu müssen. Wenn Gott ein Spaßverderber ist, wird der Himmel zur Hölle. Zeigen wir ihnen also das Gegenteil: Bei Gott gibt es genau das, was du suchst! Ich frage oft: “Warum macht Jesus auf einer Hochzeit Wasser zu Wein? Warum sagt er nicht: Gut, dass er aus ist – ihr solltet eh lieber Wasser trinken!?” Erzählen wir von der echten Hoffnung, der echten Liebe, der echten Erfüllung. Und zeigen wir ihnen, wie man wirklich nachhaltig lebt: mit einer Perspektive weit über unseren Planeten hinaus!
„Teufelszeug“
Wir müssen dort sein, wo die Leute sind – sonst werden wir sie nicht erreichen. Aber was sollen wir tun, wenn sie nur noch auf TikTok, YouTube & Spotify rumhängen? Können wir solches “Teufelszeug” für Gottes Zwecke verwenden? Ja! Auf der Straße treffen wir hier immer wieder junge Leute, die im Internet – ja sogar auf TikTok – evangelistische Inhalte gesehen haben, was viele Fragen und echtes Interesse an Gott geweckt hat. Auch wenn ich selber kein TikTok nutze, weil es für mich der Gipfel der heutigen Dekadenz ist, bin ich äußerst dankbar für die Geschwister, die auf dieser Plattform Videos veröffentlichen, um die Menschen dort zu erreichen.
Auch wenn wir nicht alle solche Inhalte erstellen werden, können wir sie doch teilen. Egal ob im WhatsApp-Status, auf Instagram oder in persönlichen Nachrichten. Und was sollen wir teilen? Links wie wersglaubt.at, sinndeslebens.at, weltfriede.com, darumostern.de; Bibelverse, Zitate, Zeugnisse (“Um Gottes Wü’n”, Heukelbach) u.v.m. Überfordern wir die Leute dabei jedoch nicht: “Mache deinen Fuß selten im Haus deines Nächsten, damit er deiner nicht satt wird und dich hasst.” (Spr 25,17). Die meisten von uns müssen sich darüber aber keine Sorgen machen, sondern können getrost regelmäßig Ausschau nach passenden Beiträgen halten.
Solche Inputs können exzellente „Appetitmacher“ sein, allerdings bekehren sich die meisten Leute dadurch noch nicht. Deshalb müssen wir unbedingt bereit und mutig genug sein, in Gesprächen ganz natürlich immer wieder über den Glauben zu reden. Wenn wir sie nicht überfallen, sondern Fragen stellen, kann sich eine sehr gute langfristige Gesprächsbasis ergeben. Auch wenn die Leute bewusst oft nicht auf fallengelassene Bemerkungen oder Posts reagieren, werden sie zum Nachdenken gebracht und öffnen sich zu gegebener Zeit für Gespräche.
Goldgrube
Da ich nicht endlos viele Freunde habe, die für das Evangelium offen sind, möchte ich zu guter Letzt noch mein Geheimnis verraten, wo ich beliebig viele Leute treffe: in der Stadt, in der Öffentlichkeit. Sie hat sich als eine richtige Goldgrube herausgestellt, die noch lange nicht erschöpft ist, weil sich nur wenige hineintrauen. Wenn es dir wie mir geht, dass du von Natur aus gar nicht den Mut oder die Fähigkeit zur Straßenevangelisation hast, möchte ich auf den Artikel “Geht nun hin!” (G&M 139, April 2023) verweisen. Wir erleben in letzter Zeit einen enormen Aufschwung von Jung und Alt, die sich überwinden mal einen Einsatz auszuprobieren, und begeistert von den tollen Begegnungen nach Hause fahren. Wer noch nicht das Vorrecht hatte, einen Blick in diese Arbeit zu werfen, ist herzlich eingeladen, mal bei einem unserer Einsätze (weihnachtseinsatz.at, ostereinsatz.at) in Wien oder bei sich in der Nähe teilzunehmen.
Vor allem mithilfe der Umfragen-App WERSGLAUBT/U dürfen wir fast jede Woche gute Gespräche mit unterschiedlichsten Leuten genießen, die sich oft jahre- oder gar lebenslang keine Gedanken über das Evangelium gemacht haben. Anschließend schenken wir Bücher her, laden – wenn möglich – zum Bibelkreis ein oder tauschen Kontakte aus. So werden auch Fremde zu Freunden – vielleicht zu Freunden für die Ewigkeit?
Zusammenfassung
Wir erreichen die vielen Menschen meiner Meinung nach…
- Gar nicht, wenn wir nicht unseren persönlichen Auftrag erkennen und täglich wahrnehmen.
- Nur, wenn wir das Evangelium so präsentieren, dass sie merken: “Das ist genau das, was ich brauche!”
- Dort, wo sie sind – also auch online.
- Auf der Straße. Bist du bereit, diese Goldgrube zu entdecken?