Vorwort 148: „Denn ich weiß…“
Manchmal kommt alles anders als geplant. Das kann uns total überfordern. Man sagt: „Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen.“ Gemeint ist damit, dass alles ins Wanken gerät, auf das man sich verlassen hat und an das man vielleicht geglaubt hat.
Dem Apostel Paulus ist es auch so gegangen. Aber es hat ihn nicht zum Aufgeben, sondern zum Aufschreiben gebracht. Und deshalb haben wir den 2. Timotheusbrief als großes Vermächtnis eines Mannes, den Gott bis zu seinem Lebensende gebrauchen konnte. Stell dir vor, der Apostel Paulus sitzt im Gefängnis. Er, der so viele Leute kannte, dessen Gebetsliste so lang war, der das Licht des Evangeliums in Städte und Täler im östlichen Mittelmeerraum gebracht hatte, saß nun in einer dunklen Zelle, getrennt und verlassen von seinen Mitstreitern (2. Tim 4,16). Ins Gefängnis hatte ihn kein Verbrechen, sondern sein Dienst für das Evangelium gebracht. Trotz dieser Umstände finden wir keine Mutlosigkeit in seinen Worten:
„Um dieser Ursache willen leide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, mein anvertrautes Gut bis auf jenen Tag zu bewahren.“ (2. Tim 1,12)
Was bleibt, wenn nichts mehr ist, wie wir es kennen? Im Fall von Paulus war es sein Wissen um den Charakter Gottes. Für Gott hatte er sein Leben eingesetzt. Dafür litt er nun im Gefängnis. Aber das änderte nichts daran, dass er sein ganzes Vertrauen weiterhin auf diesen Gott setzte, der ihn errettet und zum „Herold, Apostel und Lehrer“ berufen hatte (2. Tim 1,9.11). Paulus wusste, für wen er lebte und für wen er litt. Und er war überzeugt, dass Gott zu seinen Zusagen stehen und ihn belohnen würde (2. Tim 4,8). Die Umstände – so mühselig und schwer zu tragen sie auch waren – waren für Paulus kein Grund an Gott zu zweifeln.
Durch die unsichere Lage und alle möglichen Folgeerscheinungen (von denen wir einige heute nur erahnen können) werden wir auf unliebsame Art und Weise daran erinnert, dass wir selbst recht wenig in der Hand haben. Dinge, von denen wir geglaubt hatten, dass sie sich nie ändern würden, sind jetzt auf einmal ganz anders. Wir sind weit von der tristen Situation des Apostels Paulus entfernt. Aber gerade deshalb soll uns sein Vorbild eine Hilfe sein. Wir können uns in jedem Fall auf Gott verlassen. Das Wissen über sein Wesen und seine Absichten mit uns als seine Kinder ist der fixe Anker in bewegten Zeiten. Es ist nicht unser Glaube, der uns durch die Krise trägt, sondern der Gott an den wir glauben – ein feiner, aber alles entscheidender Unterschied. Ich möchte deshalb die Frage in den Raum stellen: „Weißt du, wem du glaubst? Kennst du ihn?“
Kommt, nutzen wir jede sich uns bietende Gelegenheit, um mehr über Gott zu erfahren. Bitten wir ihn, dass er uns in der Erkenntnis seiner selbst wachsen lässt. Das Wissen über Gott stärkt den Glauben und lässt Überzeugungen wachsen. Der Glaube ist nicht ein festes Für-Wahr-Halten oder ein angestrengter Wunsch, sondern das bewusste Vertrauen in ein glaubwürdiges Gegenüber. Wir und unsere Umstände sind alles andere als konstant oder verlässlich. Darauf zu vertrauen wäre recht töricht. Vor allem wenn man den kennt, der unwandelbar feststeht und „den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat…“ (2. Tim 1,10).