Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 142: „Eine kleine Weile bis zur Entrückung“

von Loidl Martin

Ein Geologie Professor, der ein paar Zimmer weiter sein Büro hatte, ist kürzlich in Pension gegangen. Schon einige Zeit vor seiner Pensionierung konnte er jederzeit Auskunft darüber geben, wie viele Tage er noch „hatte“. (Was das über seine Arbeitsmoral aussagt, muss hier nicht behandelt werden.) Hin und wieder, wenn ich mit ihm darüber scherzte, erwähnte ich, dass es bei mir noch viel zu lange dauern würde, als dass ich die Tage bis zu meiner Pensionierung zählen könnte. Mit einem Augenzwinkern erwiderte er dann immer: „In geologischen Zeitdimensionen gemessen, ist es trotzdem nur ein Wimpernschlag bis zu deiner Pensionierung.“

Kurz vor seinem Tod bereitet Jesus die Jünger auf die kommenden Ereignisse vor. Die Zeit spielt, wie bei diesem Professor, ebenfalls eine entscheidende Rolle:

„Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen. […] Ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.“ (Joh 16,16.22)

Der Abschnitt scheint auf den ersten Blick ein wenig rätselhaft. Worauf bezieht sich diese „kleine Weile“? Die gleiche Frage stellten sich auch die Jünger (Joh 16,17-18). Nun, Jesus behandelte an diesem Abend verschiedene Themen und interessanterweise passt die Aussage gut auf alle diese Themen.

  • Jesus wurde kurze Zeit nach dieser Unterredung am Kreuz von Golgatha zu Tode gebracht und begraben. Drei Tage später stand er von den Toten auf und erschien seinen Jüngern. Die kleine Weile war hier wirklich klein. Es handelte sich nur um Tage, dass aus der Traurigkeit der Jünger über den vermeintlichen Verlust ihres Meisters große Freude wurde, nachdem sie den Auferstandenen erkannt hatten. 
  • Schon in Joh 14,17-19 erwähnte Jesus die kleine Weile, hier aber im Zusammenhang mit dem Kommen des Heiligen Geistes. Es dauerte eine etwas längere kleine Weile für die Jünger, bis sich dieses Versprechen des Herrn Jesus zu Pfingsten erfüllte. Und wieder traf der oben angeführte Vers ein: Große Freude erfüllte das Herz der Gläubigen, die ihnen auch durch die unmittelbar einsetzende Verfolgung durch den Hohen Rat nicht genommen werden konnte.
  • Ein drittes Thema in diesen Kapiteln macht die kleine Weile für uns relevant. Jesus versprach den Jüngern, dass er wiederkommen und sie zu sich holen würde (Joh 14,3). Die Zeit bis dahin sollte aber keine einfache sein. Daran ließ Jesus keinen Zweifel. Er sprach von Verfolgung (Joh 16,2) und Bedrängnis (Joh 16,33). Diese Zeit dauert nach wie vor an. Auch wir sind noch nicht am Ziel angelangt. Die kleine Weile bis zur Entrückung ist mittlerweile schon ziemlich „groß“. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es bald so weit sein wird, und dass all unsere Traurigkeit in Freude verwandelt werden wird. Paulus macht später klar, dass dann, wenn es so weit sein wird, die Zeit des Wartens und Ausharrens tatsächlich nur wie eine kleine Weile erscheinen wird (Röm 8,18).

Wenn uns die Zeit des Wartens lange und mühsam erscheint, oder wenn sich die Zeit durch Sorgen und Nöte in die Länge zieht, dann dürfen wir uns an das Versprechen des Herrn Jesus erinnern. Er kommt wieder, um uns zu sich zu holen. Unsere Tage hier auf dieser Erde sind begrenzt, die Zeit beim Herrn dagegen nicht. Wir werden „allezeit bei ihm sein“ (1. Thess 4,17). Wenn wir ihn dann sehen werden, wird jede Spur von Traurigkeit weichen und Freude wird unser Herz durchdringen. Mit dieser Aussicht wird die kleine Weile absehbar. Mit diesem Versprechen des Herrn Jesus dürfen und sollen wir uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit ermuntern (1. Thess 4,18).