Gemeinde & Mission

Was der Mensch sät, wird er auch ernten

von Gschwendtner Günter

Verlassen, verbittert, allein und isoliert, wer kennt solche Menschen nicht? Meine Frau hat einmal im Altersheim gearbeitet, und wir haben viele Gespräche darüber geführt, wie das Altwerden bzw. Altsein wohl für uns einmal sein würde. Ein Mann war besonders arm. Als er noch jünger war, verließ er seine Frau und seine Kinder wegen einer anderen Frau. Er brach den Kontakt völlig zu ihnen ab. Als dann seine Freundin starb und er später ins Altersheim kam, war er völlig allein.Ein anderer älterer Herr über 70, mit dem ich ab und zu Tennis spiele, hat ein außergewöhnliches Familienleben. Noch heute ist sein Haus erfüllt vom Lachen der Kinder und Enkelkinder. Als ich ihn fragte, wie er das „geschafft“ hatte, meinte er: „Weißt du, als die Kinder noch klein waren, habe ich jeden Tag nach der Arbeit 1 Stunde mit ihnen gespielt.“ Beide haben, menschlich gesehen, geerntet, was sie gesät haben! Unweigerlich mußte ich an Gal. 6,7 denken: „Irrt  euch nicht; Gott läßt seiner nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er ernten …“  Was wir säen, das werden wir ernten, in irgendeiner Form, in diesem Leben oder im Hinblick auf die Ewigkeit.  Da ist es besonders wichtig, daß wir ein Lot haben, an dem wir unser Leben ausrichten können und so ein Lot finden wir beispielsweise durch das Leben Lots und Abrahams.

Wie war das damals so im Leben von Lot und Abraham? Abraham war auf Gottes Reden hin von Ur aus aufgebrochen und mit ihm Lot. Nach einem kurzen Zwischenstop in Ägypten gab es ein Wohlstandsproblem zwischen den Beschäftigten der beiden Agraringeneure. „Das Land ertrug es nicht, daß sie beisammen wohnten, denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beisammen wohnen. Und es gab Zank zwischen den Hirten …“ (1.Mos13,5-6).  Zuviel Besitz, zuviel Vierbeiner, zuviel Geblöke rundherum, dafür  zu wenig Futter und zu wenig Wasser. Was tun?

Abraham war ein Friedensstifter. Ihm lag etwas daran, die Beziehung zwischen ihm und seinem Neffen astrein zu erhalten. „Wir sind Brüder …“ (1.Mos.13,8). Deshalb sollten die Kanaaniter und die Perisiter, die damals im Land wohnten,  nicht den Eindruck bekommen, daß  sie nicht miteinander auszukommen vermochten, waren sie doch verwandt, genetisch und geistlich. Abraham war besorgt umd das gute Zeugnis nach außen, um die Ehre Gottes!

In der Situation selbst geht es nicht um Wahrheit oder um Heiligkeit oder was es sonst noch für wichtige Dinge gibt. Hier geht es schlicht und einfach um wirtschaft-liche und finanzielle Dinge, um den persönlichen Vorteil.  Abraham war bereit auf diesen um des Friedens willen zu verzichten! Im Vertrauen auf Gott! Und so überläßt der Ältere dem Jüngeren das Feld „Ist nicht das ganze Land vor Dir? Trenne Dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden, und willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden.“

Es schaut nicht schlecht aus für Lot, er darf die erste Wahl treffen. Nach welchen Kriterien wird er wohl entscheiden?  „Da hob Lot seine Augen auf und besah die ganze Jordanaue; denn sie war allenthalben bewässert, wie ein Garten des HERRN, wie Ägyptenland, bis nach Zoar hinab, ehe der HERR Sodom und Gomorra verderbte. Darum erwählte sich Lot die ganze Jordanaue und zog gegen Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem andern..“

Da schlägt das Herz des Spekulanten höher, bewässert, fruchtbar, ideales Weideland, da kann man expandieren, es gab ideale Absatzmärkte durch die nahelie-genden Städte Sodom und Gomorrha, der Lebensstil würde sich verfeinern, man hätte mehr Kultur, eine bessere Schule für die Kinder und und und.

Ja, Lot entschied nach äußeren Faktoren um seines persönlichen Vorteils willen, obwohl er gerade vorher doch eine Lektion hätte lernen sollen. Er war wahrscheinlich von Abraham zum Herrn geführt worden und hatte das Reden Gottes in Aabrahams Leben immer wieder mitbekommen. (Laut dem Neuen Testament war er ein Gerechter, d.h. ein Gläubiger. 2. Petrus 2, 7)

Gerade vorher zog er mit Abraham entgegen Gottes Willen nach Ägypten hinab. Weswegen? Wegen ungünstigen äußeren Bedingungen! Dabei hatte er gesehen, welche schlimme Folgen das haben kann, wenn man überhaupt nicht nach Gottes Willen fragt, wenn man seinen eigenen Augen und seinem eigenen Herzen  mehr traut.  Seine eigene Tante wurde in den Harem des Pharaos geführt. Hat er daraus nichts gelernt? Scheinbar nicht.

Er war ein gestandener Mann, ein erfolgreicher Viehzüchter, ein geschäftstüchtiger Businessmann. Sein Farmunternehmen blühte. Vor seinem Zelt stand sein Mittelklassekamel. Er hatte eine Frau, zwei Töchter. Was wollte er noch mehr? Den Segen Gottes, den hatte er erlebt. Oder hatte ihn Gott etwa nur wegen Abraham gesegnet?   In all den Jahren hatte er sich zu einem Mann Gottes gehalten, aber  die Art und Weise wie er hier entscheidet zeigt, daß sein sein Herz anderen Dingen zugetan war. Er war geblendet

Und  so entscheidet er letztlich auch nach wirtschaftlichen, rein rechnerischen Faktoren. Die geistliche Dimension miteinbeziehen, Gott fragen oder A. die Wahl überlassen, das kam ihm nicht in den Sinn.

Bei manchen von uns ist es doch auch so. Gott ist zuständig für die religiösen Feierlichkeiten des Jahres, für den Bibelkreis, für die Versammlung, aber die wichtigen Entscheidungen des Lebens treffen wir selbst! Gott fragen, in den Alltag miteinbezie-hen? So hat Lot vielleicht gedacht. Lot wollte seinen Segen schon hier und jetzt erhalten, Abraham aber erwartete mehr, seine Perspektive war irgendwie anders.!

Nach welchen Kriterien entscheidet Abraham? Abraham überließ die Angelegenheit Gott, er vertraute auf ihn. Und so gab Gott ihm einen viel größeren Segen. Obwohl er sich zurück in die Wüste wendet, weg von dem fruchtbaren und schönen Land,  jenes Land, das ihm der Herr versprochen hat, das er aber zu Lebzeiten nicht in Besitz genommen hat.

Aber er durfte es durchwandern und so eine Vorgeschmack darauf bekommen, wie es einmal sein würde. Von ihm lesen wir im Hebräer 11, daß er eine lebendige Hoffnung auf eine Stadt, auf eine himmlische, hatte. Da nahm er es schon in Kauf, daß er hier auf Erden in einem Zelt wohnen mußte.

Lot meinte vielleicht, er könnte sein Glück, ja ein Zuhause in der Stadt Sodom, dieser äußerst florierenden Stadt, finden. Abraham aber hatte seinen Blick auf eine Heimat ausgerichtet, wo er wirklich zuhause sein würde. Hier auf Erden fühlte er sich wie ein Ausländer, ohne Bürgerrecht, auf dem Weg zu seinem wahren Nachhause. Seine Hoffnung wurde immer wieder aktiviert durch das Reden Gottes. Dies finden wir auch hier.

„Hebe doch deine Augen auf …“ Wie schön, wenn Gott das zu uns sagt, um uns zu segnen, wenn wir wissen, daß das Auto, das ich bekommen habe, da hat der Herr seine Hand im Spiel gehabt, das Haus, das ich genieße, da war Gott dabei, beim Hausbau, da haben wir seine Gnade erfahren.

Als ich mich 1 Jahr nach der Scheidung meiner Eltern bekehrte, war in mir der Entschluß ganz fest geworden, daß ich niemals heiraten würde. Jetzt bin ich schon beinahe 10 Jahre verheiratet. Wie ist dieser Umschwung gekommen? Nicht durch Theologie, sondern durch das beeindruckende Ehe- und Familienleben einer christlichen Familie. Da habe ich einen „Guster“ bekommen und mit eigenen Augen  gesehen, wie es sein könnte, wenn man mit Gott lebt und seinem Wort vertraut, nicht nur an IHN glaubt, sondern IHM vertraut, sich einer Person ANVERTRAUT.

Glaube bedeutet ja nicht, daß man Gottes Verheißungen schon zu Lebzeiten erlebt. Heb. 11:13 „Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht empfangen, sondern sahen sie von ferne und begüßten sie und bekannten, daß sie Fremdlinge und ohne Bürgerschaft auf der Erde seien. … jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist himmlischen. Darum schämt sich Gott nicht, ihr Gott genannt zur werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.“ Sie trachten nach einem besseren!

Lot trachtete auch nach einem Besseren, ja nach einem besseren Hier und Jetzt. Er wollte es sich schon hier und jetzt gemütlich einrichten, sozial abgesichert, mit einem Polster auf der Seite, easy life, einem kleine Häuschen inmitten der Stadt!

Natürlich hat es sein Gewissen immer wieder gequält, wenn er seine Töchter von der Schule abgeholt hat und gemerkt hat, mit welchen Kindern sie spielen, wie es bei denen zuhause umgeht, daß deren Onkel homosexuell war und daß überall in der Stadt Perversitäten praktiziert wurden, aber um des persönlichen Vorteils willen, wegen einem Mangel an geistlicher Schau, hat er das akzeptiert! Manchmal akzeptieren auch wir Dinge um des persönlichen Vorteils willen, weil wir bestimmte Privilegien nicht verlieren wollen. Ich kenne einen Bruder, der nicht in die Versammlung kommt, weil er Angst hat, daß sein Vater ihn dann enterben könnte. Vielleicht meinte Lot auch, der schlechte Einfluß um ihn herum (“ … die Leute von Sodom waren böse und große Sünder vor dem Herrn.“ würde ihm nichts anhaben. Oder er meinte, er könnte die Sodomer zum Besseren beeinflussen. Nahm er doch später sogar eine offizielle Position in der Stadt ein.

Die Folgen von Lots Entscheidung für sich, seine Familie, für Generationen nach ihm, waren verheerend. Er hat sich niemals wieder davon gefangen. Es blieb ihm nur das nackte Leben, alles andere hat er verloren. Zuerst wurde er gekidnappt, er und seine ganze Familie (Kap. 14), ständig wurde sein Gewissen durch seine Umgebung gequält ( 2. Petrus 2:7), seine Töchter hätte er zur Massenvergewaltigung freigegeben (19:8). Wenn ich als Vater von zwei Mädchen so etwas lese, dann kann ich es kaum fassen. Er wäre tatsächlich bereit  gewesen, so etwas Grauenhaftes zu tun! Welch ein zerstörtes Familienleben. Seine Familie war wahrhaft kein Segen, weder für ihn noch für andere. Seine Töchter hatten wenig Respekt vor diesem Mann. Welche Beziehung wird er wohl zu seiner Frau gehabt haben? Wo hing ihr Herz? Am Theater in Sodom, an den sodomitischen Festspielen, den Auslagen und Geschäften? Immerhin hat sie sich am Ende danach umgedreht (19:26). Er wollte gar nicht fliehen (19:16), die Engel mußten ihn fast mitschleppen. Er verlor sein Zeugnis, seine Glaubwürdigkeit, seine Worte wurden nicht mehr ernst genommen (19,14). Würdest du dir solche Schwiegersöhne wünschen, wie Lot sie hatte? Solche, die dich nicht ernst nehmen, die deinen Glauben belächeln? Die letztlich ungläubig sind. Lot hatte seine Töchter dieser Umgebung ausgesetzt ohne sich bewußt zu sein, daß materielle Absicherung kein Ersatz für ein gutes Familienleben ist, in dem der Herr im Mittelpunkt steht. Der sodomitische Riese, den er vielleicht auf den Tisch hinaufziehen wollte, hatte ihn hinuntergezogen. Zuletzt begingen seine Töchter Blutschande mit ihm. Sie ließen sich schwängern und daraus entstanden die Ammoniter und die Moabiter (19,37f.). Zwei Völker, die später dem Volk Israel entgegenstanden.

Ja, wie hatte es begonnen. Zuerst gab es Streit (13,7), er sah (10), er erwählte sich (11), er zeltete bis nach Sodom (12), er wohnte in Sodom (14,12), er saß im Tore Sodoms, der Ort politischer Macht, war ein Beamter Sodoms geworden (19,1).

Das kann mir nicht passieren! Wirklich? So denken wir vielleicht. Das hat sich David auch gedacht, als er in Psalm 30,6 meinte. „Ich zwar sagte in meinem Wohlergehen: ich werde nicht wanken ewiglich.“

David hatte mindestens acht Frauen und vielleicht zehn Frauen im Harem, mit denen er nicht verheiratet war. Er ignorierte Gottes Gebot in dieser Angelegenheit.  Er wußte, daß er sich keine Pferde – das hat er auch eingehalten – und keine zusätzlichen Frauen anschaffen sollte. (5.Mos17,16f.) Doch David hat über all die Jahre schon gesät, indem er seinen Harem beständig erweiterte. Er wurde nicht so ganz plötzlich ein Ehebrecher und Mörder. Ein Freund von mir betet häufig: „Herr, schenke, daß Gelegenheit und Lust nicht zusammenfallen.“ Und das ist dann im Falle von David passiert. Die Folgen? Lies Psalm 51, da liest es sich ganz anders als in Psalm 30!

Lot ist ein Beispiel für das Prinzip, was man sät, das wird man auch ernten! Abraham ist ein Beispiel für das Prinzip, was man sät, das wird man auch ernten! Und wenn schon nicht hier, dann vielleicht in der Ewigkeit. Bin ich beim Treffen meiner Entscheidungen wie Abraham oder wie Lot, der seine Augen aufhob und sah und alles verlor, bis auf sein nacktes Leben?

In Usbekistan hat mir eine alte Babuschka (Großmutter) folgendes erzählt. Als sie noch jung war, haben russische Soldaten die Gläubigen ihres Dorfes aus der Kirche getrieben, viele verhaftet und ihren Spott mit ihnen getrieben. Ein junger Mann trieb es besonders bunt, er stieß Gegenstände um, schmiß alles wild um sich, sprang dabei immer wieder über den Altar und verhöhnte Gott mit den schlimmsten Flüchen. Ein paar Wochen später traten Lähmungserscheinungen auf, die Ärzte waren ratlos, zuletzt mußten sie ihm beide Beine amputieren. Er hatte das Wort kennengelernt: „Irrt Euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten, was der Mensch sät, das wird er auch ernten…“