Weisheit und Torheit
Aus: Das Buch der Sprüche, einem Kommentar von William MacDonald, der bei CLV erscheinen soll
Ein Tipp: Lies doch die Erklärungen am besten zusammen mit dem Bibeltext. Sie sollen helfen, den Text zu verstehen. Ohne den Bibeltext hängen sie in der Luft.
Die Einladung der Weisheit gilt für alle (Kap. 9,1-12)
V. 1 In diesem Kapitel kommen zwei berühmte Frauen vor, die Weisheit in den Versen 1 bis 12 und die Torheit in den Versen 13 bis 18. In diesem ersten Abschnitt tritt die Weisheit als wohlhabende Hausmutter auf. Sie lebt in einer prachtvollen Villa und ihre Tür ist immer offen für diejenigen, die gerne an ihren feinen Köstlichkeiten teilhaben möchten. Die sieben Säulen weisen auf ein sehr großes Haus mit Platz für viele Gäste hin.
V. 2 Alles ist bereit – das gebratene Fleisch und die erlesenen Weine. Der Tisch ist prächtig gedeckt.
V. 3 Nun ist es Zeit für ihre Dienerinnen, die Einladungen zu verteilen. Jeder kann es hören. Die einladenden Worte sind in den Versen 4 bis 12 zu finden.
V. 4 Die Worte sind an die gerichtet, die ihre Not erkennen – die Ungelehrten, die Einfältigen, die Gutgläubigen und die, die keine praktische Erfahrung haben. Die Einladung gilt denen, die nicht schlau sind und die auch bereit sind das zuzugeben (vgl. Jak 1,5). Sie gilt denen, die keine Ahnung oder nicht das „Know-how“ haben, das sie brauchen, um durchs Leben zu kommen. Das sind letztlich wir alle, obwohl einige sich das nicht eingestehen wollen. Erinnere dich daran: Nur Gott allein ist wirklich weise.
V. 5 Die Tür der Weisheit ist offen und ihr Festessen ist aufgetragen. Brot und Wein mögen alltäglich klingen, hier stehen sie jedoch für unschätzbaren Nutzen und Gnade.
V. 6 Die Gäste sollen aufhören, sich wie Dummköpfe zu verhalten und den Weg des wirklichen Lebens wählen. Sie sollten den „Highway“ zur Heiligkeit nehmen.
Diese Verse haben eine direkte Anwendung für die Einladung zum Evangelium. Tatsächlich sagen sie:
Du würdest niemals weitergehn,
Könntest du nur die Tafel sehn,
So reich gedeckt mit Herrlichkeit.
Du kämest heute noch zum Fest,
Des Tür ganz weit geöffnet ist.
Gott selbst sagte dir: Es ist soweit
Du brauchst auch nichts bezahlen mehr,
Den Preis hat schon bezahlt der Herr.
So sei kein Tor, mach dich bereit!
(Autor unbekannt)
V. 7 Die nächsten drei Verse handeln davon, welche Reaktionen Lehrer erwarten können. Spötter werden sich über die Einladung lustig machen. Sie können keinen guten Rat annehmen. Sie sind unbelehrbar. Jeder, der es wagt, einen Spötter zu korrigieren, erntet Schande, genau wie derjenige blaue Flecken bekommt, der einen Sünder zurechtweist. Dafür muss man einen Preis bezahlen, aber es ist notwendig. Moderne Spötter belächeln konservative, „rechte“ Christen. Diese Spötter sind für Abtreibung, für gleichgeschlechtliche Eheschließung, für uneheliche Lebensgemeinschaften, gegen Familienwerte, für jede andere Religion außer für das Christentum und selbstverständlich gegen eine absolute Wahrheit. Sie behaupten törichterweise: „Es gibt nichts Absolutes.“ Diese Aussage ist absolut für sie!
V. 8 Eine weitere Gegenleistung für die Zurechtweisung des Spötters besteht darin, dass man von ihm gehasst wird (12,1b; 13,1b). Das ist bei einem weisen Menschen nicht so; er wird dir für die Zurechtweisung wirklich dankbar sein.
V. 9 Er weiß, dass das die Art und Weise ist, wie man noch weiser wird und sein Wissen vergrößern kann.
V. 10 Wieder kommen wir zum Schlüsselvers des ganzen Buches. Er kam schon vorher in Kapitel 1, Vers 7 in etwas anderer Formulierung vor. Wenn Salomo hier sagt: „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und die Erkenntnis des Heiligen ist Verstand“, sagt er eigentlich: „Das Schlaueste, was ein Mensch machen kann, ist sein Vertrauen auf den Herrn zu setzen, ihn ab jetzt als Herrn in seinem Leben anzuerkennen.“ Ein Mensch kann nicht eher weise werden, bis er das Geschenk der Rettung aus Glauben angenommen hat. Das ist die vernünftigste, sinnvollste und plausibelste Sache, die er tun kann. Man kann hier alles gewinnen und nichts verlieren. Für die Errettung braucht man kein Geld und sie ist kostenlos.
V. 11 Das Leben des Gläubigen ist meist frei von den Gefahren der Sünde, die zum frühzeitigen Tod führen. Heiligkeit begünstigt normalerweise ein langes Leben.
V. 12 Wir alle müssen eine Entscheidung treffen. Wenn wir uns für die Weisheit entscheiden, profitieren wir zuallererst selbst davon. Wenn wir ein reines Leben verachten, müssen wir die Konsequenzen tragen.
Die umherstreifende Verführerin (Kap. 9,13-18)
V. 13 Wieder begegnen wir einer der größten Versuchungen im Leben eines Gläubigen – sexueller Unmoral, bildhaft dargestellt als eine törichte Frau. In anderen Abschnitten wird sie als böse Frau bezeichnet, als Hure, Ehebrecherin und Verführerin. Sie ist äußerst beharrlich und gar nicht kompetent.
Welche Auswirkungen wird das im Leben haben, wenn jemand Ehebruch begeht?
- Er verletzt das siebente und das zehnte Gebot (2. Mose 20,14.17). In Gottes Augen ist er gleich doppelt todeswürdig.
- Es ist Sünde gegen Gott. Als Potifars Frau versuchte Josef zu verführen, widerstand er der Versuchung, indem er sagte: „Wie sollte ich diese große Bosheit tun und gegen Gott sündigen?“ (1. Mose 39,9).
- Es ist Sünde gegen Christus. Die Sünde brachte ihn zu Tode.
- Es ist Sünde gegen den Heiligen Geist. Der Körper des Gläubigen ist der Tempel des Geistes (1. Kor 6,19).
- Es ist Sünde gegen den Körper, wie keine andere Sünde (1. Kor 6,18).
- Es ist Verschwendung der Zeugungskraft eines Menschen (Spr 5,15-16).
- Es birgt die Gefahr von Geschlechtskrankheiten, von denen einige unheilbar sind (Spr 7,23).
- Es hinterlässt eine Spur von Kummer, Reue, Scham und Schuld (Ps 32,3-4).
- Es liefert den Schuldigen der Erpressung aus.
- Es zerstört Ehen und Familien. Der Schaden an den Kindern ist unermesslich.
- Es liefert den Schuldigen dem mörderischen Zorn des betrogenen Ehemannes aus (Spr 6,34-35).
- Es bringt die Feinde Gottes dazu Gott zu lästern (2. Sam 12,14).
- Obwohl die Sünde vergeben werden kann (2. Sam 12,13), ist es unmöglich den Konsequenzen zu entgehen (2. Sam 12,9-12.14).
All das für einen Augenblick fleischlicher Leidenschaft. Ist es das wirklich wert?
V. 14 Die gottlose Frau stellt sich möglichst gut zur Schau, sei es an ihrer eigenen Tür oder auf den Höhen der Stadt.
V. 15 Sie spricht die Vorübergehenden an, die ihren Geschäften nachgehen.
V. 16 Ihr Aufruf gilt besonders denjenigen, die wie sie selbst dumm sind.
V. 17 Sie macht sich eine Neigung der gefallenen menschlichen Natur zu Nutze; es ist besonders reizvoll Dinge zu tun, die verboten sind. Die gestohlenen Äpfel aus Nachbars Garten scheinen viel besser zu schmecken als die aus dem Supermarkt. Jeder kleine Junge weiß das.
V. 18 Allerdings erkennen sie nicht, dass unerlaubter Sex tödliche Konsequenzen hat. Für einen Moment von gierigem Genuss und Leidenschaft verkauft ein Mann sein Geburtsrecht. Wenn er nicht Buße tut und die Sünde lässt, wird sein Leben zur Hölle werden.
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Titel des englischen Originals: Proverbs, a Devotional Commentary