Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 133: „Beten ja – aber wie?“

von Lindner Andreas

„Not lehrt beten“. Das bedeutet, dass sich Menschen in schwierigen Situationen oft mehr zu Gott wenden, als wenn alles glatt läuft. Sowohl Gläubige als auch Menschen, die eigentlich gar nicht an Gott geglaubt haben, kommen Gott in der Not oft näher.

Watchman Nee war ein chinesischer Bibellehrer und Gemeindegründer. 1938 herrschte zwischen Japan und China Krieg. Da kam er für einen Aufenthalt nach England. Auf einer Glaubenskonferenz „leitete er die Versammlung in der Fürbitte für den Fernen Osten mit Worten, die für viele eine Offenbarung bedeuteten. Es war ein Gebet, das wenige, die das Vorrecht hatten, anwesend zu sein, je vergaßen: ‚Der Herr regiert. Das bekennen wir kühn. Unser Herr Jesus Christus regiert, und er ist der Herr aller Dinge. Nichts kann seine Autorität beeinträchtigen. Es sind geistige Kräfte, die darauf aus sind, seine Interessen in China und Japan zu zerstören. Darum beten wir nicht für China, und wir beten nicht für Japan, sondern wir beten für die Interessen deines Sohnes in China und Japan. Wir tadeln nicht Menschen, denn sie sind nur Werkzeuge in der Hand deines Feindes. Wir treten für deinen Willen ein. Zerschmettere, o Herr, das Reich der Finsternis, denn die Verfolgung deiner Kirche verwundet dich. Amen.[i]

Die Gläubigen in England hatten die Not in Fernost erkannt. Sie trafen sich daher zum Gebet, um für diese Region einzustehen. Aber was soll man in so einer Situation beten? Dass China es schafft sich erfolgreich gegen Japan zu verteidigen? Dass die chinesischen Christen überleben? Aber was ist dann mit den japanischen Christen? Watchman Nee hat den Geschwistern gezeigt, wofür sie beten sollen: Für die Interessen Jesu in China und Japan. Gott hat einen Plan mit China und Japan und mit der ganzen Welt. Die Grundeinstellung des Menschen ist, Gott nicht gehorsam zu sein. Watchman Nee hatte jedoch den Wunsch, dass Gottes Wille geschehe. Dieser Gebetsabend blieb den englischen Geschwistern deutlich in Erinnerung.

Als er nach China zurückkam, war der Krieg bereits weiter fortgeschritten. Zudem war der 2. Weltkrieg in Europa ausgebrochen. Diesmal waren es die Chinesen selbst, die beteten. „Am ersten Sonntagmorgen im September 1939 rief Watchman die Kirche zur Fürbitte für Europa auf. Er bat einige Brüder, sich ihm im Gebet anzuschließen, und dann ging er in die Gegenwart Gottes und nahm die Gemeinde mit hinein. Er erbat nichts anderes, als dass Gottes Wille in dieser Krise geschehe. Er beendete diese Stunde mit den Worten: ‚Herr, nun kannst du niemals sagen, deine Gemeinde habe nicht gebetet!‘ Die Gebetsstunde am Montag und die Mahlfeier am Sonntagabend wurden jetzt in verschiedenen Häusern gehalten, und hier begannen die Gläubigen stürmisch darum zu beten, dass dem japanischen Vormarsch ein Ende gesetzt würde. Daraufhin hielt Watchman zu Beginn des Jahres 1940 eine Ansprache ‚nicht an Chinesen (oder Briten oder Amerikaner), sondern an Männer und Frauen in Christus‘, darüber wie Gott die weltlichen Regierungen für seine Zwecke benutzt. ‚Wir müssen deshalb wissen, wie wir beten sollen. Es muss möglich sein, dass deutsche und englische, chinesische und japanische Christen zusammen knien und beten. Im letzten Weltkrieg gab es viel unwürdiges Gebet; lasst uns nicht in denselben Fehler verfallen! Die Gemeinde muss über den nationalen Belangen stehen und sagen können: ‚Wir bitten weder um einen chinesischen noch einen japanischen Sieg, sondern um das, was von Vorteil für das Zeugnis deines Sohnes ist.‘ Das sind keine leeren Worte. Wenn die ganze Kirche auf diese Weise betete, könnte der Krieg bald auf Gottes Weise beigelegt werden.‘“

Für mich ist es sehr beeindruckend, wie sehr sich Watchman Nee danach sehnt, dass Gottes Wille geschehen möge. Ein Krieg ist für Gott kein Hindernis, um zu wirken. Daher können Gläubige von eigentlich verfeindeten Ländern gemeinsam für Gottes Ziele beten. Die Gläubigen hätten leicht den Mut verlieren können. Sie könnten denken: „Die Menschen sind nur kleine Spielbälle für die Interessen der Politik. Was zählt ein Menschenleben schon im Krieg?…“ Aber durch ihr Gebet erinnern sie sich: „Wir sind für Gott bedeutend. Und in seinen Plänen können wir sehr wohl eine Rolle spielen. Es geht nicht um China oder Japan. Es geht um Gottes Reich. Es geht nicht um das Leben hier oder ums Überleben, es gibt ein ewiges Reich, wo wir dabei sind.“

Woher hatte Watchman Nee die Idee so zu beten? Wir lesen davon in Matthäus 6,9-13. Es ist nämlich nicht nur die Not, die beten lehrt. Auch der Herr Jesus lehrt uns, wie wir beten sollen:

„Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde. Unser nötiges Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben; und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.“

Unsere ersten Anliegen sollen Gott betreffen: Seine Ehre, Sein Reich, Sein Wille. Es gibt ohnehin nichts, das Gottes Pläne endgültig zunichtemachen kann. Und das sollen wir mit unserer Einstellung unterstreichen. Gottes Wille geschieht im Himmel, alles läuft dort so perfekt, wie Gott es geplant hat. Das Problem ist, dass Gottes Wille in der Welt nicht geschieht. Da sollen wir Gläubige uns von der Welt unterscheiden. Unser Herz soll zuerst auf Gott gerichtet sein, dann erst auf uns.
Wir befinden uns heute in Österreich oder Deutschland nicht im Krieg. Aber wir stecken mit Corona in einer Situation, die wir uns eigentlich nicht erhofft haben. Was sollen wir nun beten? Dass wir Corona überleben? Dass sich die Wirtschaft bald wieder erholt? Dass wir in unserem Luxus nicht eingeschränkt werden? Dass medizinische Versorgung bald wieder für alle zugänglich ist und nicht nur für Notfälle? Dass du das Schuljahr abschließen kannst?

Dass Corona Gottes Pläne nicht zerstören kann und dass Gott zu seinem Ziel kommt, verstehen wir spätestens im Nachhinein. Bis dahin gebe ich dir ein paar zielführende Anliegen zum Beten:

  • Dass Gott durch das Verhalten von uns Gläubigen geehrt wird
  • Dass Gottes Reich kommen möge, in dem Frieden und Gesundheit herrschen
  • Dass Gottes Wille auf dieser Erde geschehen möge
  • Dass Gott bei DIR, an dir und durch dich anfangen kann, seinen Willen zu vollbringen
  • Dass Gott durch unsere Zuversicht und Hoffnung sichtbar gemacht wird und dass so Ungläubige zu seinem Reich hinzugefügt werden können

Bete auch für unsere Regierung, „damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit“ (1. Tim 2,2). Das ist besser als zu schimpfen oder irgendwelche Verbesserungsvorschläge zu machen, deren Umsetzung nicht in unserer Macht steht.

In Gottes Augen bist du nicht nur ein Spielball, nicht nur einer von 8 Mrd. Menschen auf der Erde, einer von vielen Gläubigen. Gott hat einen Plan mit dir und möchte dich für seine Pläne verwenden. Nimm deine Not und lege sie vor Gott ab. Und stelle dich dann Gottes Plänen zur Verfügung. Warte damit nicht, bis Corona vorbei ist. Das ist etwas, das du heute tun kannst, das macht dein Heute wertvoll!

Gernot Trinker


[i]  Zitiert aus Kapitel 12 und 13 aus dem Buch „Watchman Nee – Ein Leben gegen den Strom“ von Angus Kinnear. Das Buch steht als kostenloser Download zur Verfügung: https://www.leseplatz.de/media/pdf/7e/12/94/255368.pdf