Auf ihren Grund und Boden – Teil 12
Tom Short ist Straßenevangelist und Autor von „Fragwürdig“. Hier ein Auszug aus seinem neuen Buch, worin er beschreibt, wie man das Evangelium auf die Wellenlänge der Verlorenen bringt. Der Originaltitel ist „Takin´ it to their Turf“. Das Buch wird bei CMV erscheinen.
Übersetzt von Veronika Sattlecker.
Auch wenn du nicht auf der Straße oder an einer Universität predigst, wird es dir Mut machen, was Tom schreibt. Du kannst das verwenden, wo auch immer du über das Evangelium redest. Fortsetzung folgt.
Heute beantworte ich einige persönliche Fragen, die meine Zuhörer mir stellen.
Welche Universität hast du besucht?
Ich habe das College nur ein Semester lang besucht. In meinem ersten Studienjahr wusste ich genau, was ich im Leben machen wollte, und wusste, dass es Zeit war endlich damit zu beginnen. Ich hatte gute Noten und bekam durch akademische Stipendien und Förderungen aufgrund des Todes meines Vaters sogar Geld, während ich das College besuchte. Aber ich brach das Studium ab, nahm einen Teilzeitjob an und widmete mich intensiv dem Bibelstudium, dem Gebet, der Jüngerschaft auf dem Campus und dem Mentoring durch die Pastoren in meiner Gemeinde.
Der Wechsel auf eine Bibelschule war für mich nie eine ernsthafte Option. Ich studierte die Bibel und entdeckte, dass Gott Menschen vor allem durch Training vor Ort zu effektiven Leitern ausbildet. Jesus hat nie eine Bibelschule gegründet. Vielmehr hatte er seine Jünger bei sich, als er sie über Glauben, Liebe, Dienen, Evangelisation, Gebet und andere Aspekte des christlichen Lebens lehrte. Die frühen Apostel waren überzeugt und hatten eine mitreißende Wirkung, obwohl sie „ungelehrte und ungebildete Leute waren.“ Warum? „Weil sie mit Jesus gewesen waren.“ (Apg 4,13). Ich schätze mich sehr glücklich, einen ähnlichen Input von gottesfürchtigen Männern bekommen zu haben. Ich bin froh, dass ich mich verpflichtet habe, ihren Einfluss auf mein Leben voll auszunutzen. Ich habe meine College-Ausbildung also nicht abgeschlossen. Darum finde ich es ironisch, dass Gott mich geführt hat, vorwiegend auf dem Campus zu arbeiten, wo ich mit Menschen mit bedeutenden akademischen Errungenschaften zusammentreffe und debattiere. Ich werde oft durch die Heilige Schrift daran erinnert und ermutigt: „Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt und das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichtemache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.‘“ (1. Kor 1,26-31)
Wenn junge Leute erfahren, dass ich nicht studiert habe, stellen sie manchmal die Frage, ob sie studieren sollen oder nicht. Hier sind einige Ratschläge, die ich als Entscheidungshilfe gebe:
Erstens: Als ich das College verließ, wusste ich ohne jeden Zweifel, was Gott mit meinem Leben machen wollte. Viele Christen haben keine Ahnung, was Gott in ihnen und durch sie tun will. Sie haben keine Gewissheit über die Berufung in ihrem Leben. Mein Rat: Suche Gott und seine Berufung für dein Leben als oberste Priorität, aber solange du nicht weißt, dass Gott dich zu etwas anderem beruft, bleibe auf dem Karriereweg auf dem du warst, als Gott dich gerettet hat (lies dazu z.B. 1. Korinther 7,17-24).
Zweitens: Halte dir vor Augen, dass die Universitäten unserem Glauben gegenüber sehr feindselig geworden sind. Ein Teil meiner Motivation das College zu verlassen, war der Wunsch, meinen Geist mit Gottes Wahrheit zu füllen und nicht mit der Weisheit der Welt. Ich rate davon ab auf eine Universität zu gehen nur um dich weiterzubilden. Diese „Bildung“ wird fast sicher eine Indoktrination mit den Lehren des säkularen Humanismus sein. Es ist eine Sache, eine ehrliche Diskussion darüber zu führen, was wir glauben, aber die heutigen Universitäten neigen eher dazu, eine gottzentrierte Weltanschauung zu verspotten, lächerlich zu machen, auszugrenzen und anzugreifen. „Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!“ (Psalm 1,1-2) Vielleicht gibt es eine technische Ausbildung, die du brauchst, um Gottes Plan für dein Leben zu verfolgen, die nur an einer Universität angeboten wird. Wenn das so ist, gehe an die Hochschule und studiere. Aber auf eine Uni zu gehen, nur weil es der nächste Schritt nach dem Abitur ist oder weil alle anderen hingehen, ist für einen jungen Mann oder eine junge Frau gefährlich.
Mein dritter Ratschlag: Vermeide es, einen Studentenkredit aufzunehmen. Es gibt eine Vielzahl von biblischen Warnungen vor Schulden, und es gibt Möglichkeiten zu studieren, ohne einen Schuldenberg anzuhäufen. Einige Abschlüsse können dein zukünftiges Einkommen erhöhen, so dass es sinnvoll sein kann, einige Kredite aufzunehmen, um diese Ausbildung zu erhalten. Aber es gibt viele Abschlüsse, die bei der Höhe deines späteren Einkommens kaum einen Unterschied machen und die es nicht wert sind, sich mit Schulden zu belasten, die erst nach Jahren abbezahlt sind (siehe Sprüche 22,7 und Römer 13,8).
Viertens: Hole guten Rat für deine Zukunft ein. Alle möglichen Leute sind bereit, dir Ratschläge zu geben. Ein guter Rat ist aber derjenige, der in biblischer Weisheit gewurzelt ist und von einer Person kommt, deren Leben und Erfahrung du respektierst. Über weisen Rat sprechen auch Sprüche 12,15; 13,10; 15,22; 19,20 und 20,18.
Zuletzt sei dir bewusst, dass eine gute Ausbildung wichtig ist, aber lass sie nicht zu deinem Götzen werden! Alle Wahrheit kommt letztlich von Gott und wir sollten einen Hunger nach lebenslangem Lernen entwickeln. Weltliche Abschlüsse sind in unserer Gesellschaft zu Götzen geworden. An ihnen werden der Wert und die Bedeutung einer Person gemessen. Höre nie auf zu lernen und zu wachsen, aber ordne die Bildung immer der Herrschaft von Jesus Christus unter.
Woher weißt du so viel?
Normalerweise predige ich fünf Stunden pro Tag. Es gibt kein Thema, das mit Gott, Jesus Christus oder der Bibel zu tun hat, das für Diskussionen und Gespräche tabu ist. Eine Person, die den ganzen Tag zuhört, wird eine ganze Fülle von Themen hören, die mit Theologie, Philosophie, Wissenschaft, anderen Religionen, amerikanischer Geschichte, Weltgeschichte und aktuellen Ereignissen zu tun haben. Darum werde ich oft gefragt, woher ich so viel weiß. Zuallererst gibt Gott denen, die ihn suchen, Weisheit und Erkenntnis: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis…“ (Sprüche 1,7). Sowohl das Alte als auch das Neue Testament sind voll von Beispielen, wie Gott Menschen mit Einsicht und Wahrheit segnet. Vieles von dem, was ich gelernt habe, war einfach ein Geschenk Gottes an mich. Weil ich mich bemüht habe das eine Buch gut zu kennen, hat Gott mir auch in vielen anderen Bereichen Verständnis geschenkt.
Zweitens versuche ich lebenslang zu lernen. Um das zu erreichen, versuche ich ein aufmerksamer Zuhörer und Leser zu sein. Das sind wichtige Fähigkeiten, die man lernen kann und die mir hilfreich waren. Ich möchte in jeder Predigt, die ich höre, in jedem Gespräch, das ich führe, in jedem Artikel oder Buch, die ich lese, in jedem Lied, das ich singe, in jedem Film, den ich sehe oder in jedem Seminar, das ich besuche, etwas lernen. Ich halte mich über aktuelle Ereignisse auf dem Laufenden und versuche sie im Licht größerer, historischer Trends zu verstehen.
Drittens: Ich habe von Gott ein sehr gutes Gedächtnis bekommen. Die Fähigkeit sich an Informationen zu erinnern, besonders wenn man vor Publikum steht, ist eine kostbare Gabe Gottes, die ich hoffentlich nie verlieren werde.
Viertens: Ich habe gelernt, von der biblischen Perspektive her zu denken. Wenn ich mit einem neuen Einwand gegen das Christentum konfrontiert werde, stelle ich gute Fragen, die die Löcher in der Argumentation aufdecken. Anders ausgedrückt: Wenn man weiß, was man glaubt, ist es einfacher, die Irrtümer in gegnerischen Argumenten aufzudecken.
Schließlich tue ich mein Bestes, um nie zweimal bei der gleichen Frage festzustecken. Es ist nicht schlimm, wenn man eine Frage oder ein Argument, das man noch nie gehört hat, nicht beantworten kann. Doch es gibt garantiert Antworten auf die Fragen, die die Leute stellen, und wenn wir bei derselben Frage immer wieder ratlos sind, zeigt das, dass wir uns nicht gut vorbereiten. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen!