Gemeinde & Mission

Wem sind unsere Missionare verantwortlich?

von Mac Donald William

Missionare, die mit Versammlungen arbeiten oder solche, die mit CMML in Verbindung stehen, sind im allgemeinen als freie Männer und Frauen Gottes ausgegangen, ohne dass eine Mission oder eine ähnliche kirchliche Organisation sie bestimmen würde. (CMML = Christian Missions in Many Lands, Hilfsorganisation der amerikanischen Brüdergemeinden, A.d.Ü.) Die meisten anderen Missionare dienen in einer Missionsorganisation, die verschiedene Gebiete wie z.B. Finanzen, Dienstbereich, Strategie, Urlaub, Ruhestand usw. beaufsichtigt. Im ersten Fall hat der Diener des Herrn eine beneidenswerte Freiheit, dem zu folgen, was er als Führung des Geistes für sein Leben und seinen Dienst erkennt. Im zweiten Fall werden sofort Probleme auf dem Missionsfeld gelöst, z.B. bei Missionaren, die geführt, beraten, korrigiert oder sogar in extremen Fällen zurückbeordert werden müssen.

Es ist ein wundervolles Privileg, Gottes freier Mann zu sein, der unbehindert durch Vorschriften einer Missionsorganisation dienen kann und dem souveränen Geist Gottes ohne menschliche Beeinträchtigung immer zu Verfügung steht. Aber wo immer diese Freiheit herrscht, wird es einige geben, die sie ausnutzen. Gerade Missionare beklagen sich am lautesten über den Missbrauch. Sie verweisen auf Arbeiter auf dem Missionsfeld, die es wohl gut meinen, aber keinen Anhaltspunkt haben, was oder wie sie arbeiten sollen. Andere, die es besser wissen, sind nicht diszipliniert genug, um einen produktiven Arbeitstag für den Herrn zu erbringen. Wieder andere machen was sie wollen, und engagieren sich in Projekten, die weit entfernt von Evangelisation oder Gemeindebau sind. Schließlich gibt es noch einige wenige, die so aufgerieben und mürrisch werden, dass sie die Arbeit offensichtlich behindern.

Wegen dieser Missstände fragen Missionare oft: „Warum haben seine Ältesten ihn jemals empfohlen? Warum rufen sie ihn nicht wieder zurück? Wenn doch die Empfänger seiner glühenden Gebetsbriefe nur die Wahrheit wüssten! Warum unternimmt niemand etwas?“

Natürlich gibt es auch bei Leuten, die empfohlen sind und im Inland arbeiten, Missstände. Aber man sieht die Fehler eher. Sie dienen nicht in abgelegenen Gebieten, wo die Ältesten nicht wissen, was sie für Gott tun, falls überhaupt etwas geschieht. Der unproduktive Missionar wird relativ wenig beaufsichtigt. Und selbst wenn einer seiner Ältesten ihn besucht, kann eine Vorzeigetour ihn leicht davon überzeugen, dass alles wunderbar ist. Ja, es gibt Missstände. Wenn du die Freiheit des Geistes hast, sind sie fast unvermeidlich. Aber es ist besser, einiges zu tolerieren, als nicht mehr des Herrn freier Diener zu sein. Und es besteht immer die Hoffnung, dass die Ältesten sich verantwortungsvoller und verständnisvoller für die interessieren, die sie aufs Missionsfeld geschickt haben.

Interessant genug ist es, dass das ganze Thema der Verantwortlichkeit heute aufgeworfen wird und zwar nicht von Ältesten oder Christen in Versammlungen in der Heimat oder von Organisationen wie CMML, sondern von den Missionaren selbst. Einer schreibt von Südamerika: „Fast am wichtigsten für das Missionsfeld ist die Verantwortung. In Wirklichkeit sind wir niemand verantwortlich.“ Ein anderer sagt: „Wenn eine Firma eine Person zu einem Dienst aussendet, erwartet sie Verantwortung. Im Neuen Testament erstatteten die Apostel oft Auge in Auge Bericht bei ihrer Heimatgemeinde. Wir müssen als Missionare unseren von Gott eingesetzten Ältesten verantwortlich sein, und wir müssen wissen, dass jemand sich darum kümmert, was wir auf dem Feld tun. Ich sage das von ganzem Herzen, weil wir viele Stunden damit zugebracht haben, Fehler auszubügeln, die schon eher von einer empfehlenden Versammlung hätten entdeckt werden sollen.“

Missionare sollten sich wünschen, jemandem verantwortlich zu sein. Als ein bekannter evangelikaler Leiter gefragt wurde, wie es soweit gekommen ist, daß er in einen Skandal verwickelt wurde, antwortete er: „Ich war niemandem verantwortlich.“

Da erhebt sich die Frage: „Wem sind unsere Missionare verantwortlich?“ Als Antwort werden wir das Wort Rechenschaft schulden für die Beziehung mit Gott verwenden und das Wort Verantwortlichkeit auf allen anderen Gebieten. Tatsächlich bedeuten die beiden Worte das gleiche, und man kann uns beschuldigen, Wortspiele zu machen. Aber es ist etwas Einzigartiges mit der Verantwortung eines Menschen vor Gott, warum sollten wir da kein eigenes Wort benutzen?

Dem Herrn Rechenschaft geben

Das wichtigste ist, dass wir dem Herrn Rechenschaft geben müssen. Als erkaufte Sklaven sind wir unserem Besitzer Rechenschaft schuldig „als Knechte Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut! (Eph.6,6).“ Als Hausknechte sind wir unserem Herrn Rechenschaft schuldig. (Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn, Röm.14,4). Als Verwalter sind wir dem Eigentümer Rechenschaft schuldig. (Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu erfunden werde, 1.Kor.4,2). Wie Soldaten sind wir unserem obersten Befehlshaber Rechenschaft schuldig; damit wir dem gefallen, der uns angeworben hat (2.Tim.2,4). Als Glieder des Leibes sind wir dem Haupt Rechenschaft schuldig; das erfordert Gehorsam und Demut.

Wir werden alle vor dem Richterstuhl Christi stehen. Dort wird unser Dienst beurteilt werden. Treue wird durch Sein Lob „wohl getan“ belohnt. Wenn das fehlt, wird man durch nichts anderes dieses Lob erhalten.

Treue erfordert harte Arbeit. Es bedeutet, einen vollen produktiven Tag im Dienst für den Herrn einzubringen.

Abrahams Knecht sagte: „Ich will nicht essen, bis ich meine Worte geredet habe“ (1.Mose 24,33). Paulus sagte: „den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, auf dass wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen; wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft“ (Kol.1,28.29).

Amy Carmichael schrieb: „Die Gelübde Gottes liegen auf mir. Ich möchte nicht mit Schatten spielen oder irdische Blumen pflücken, bis ich meine Arbeit getan und Rechenschaft abgelegt habe.

War es Spurgeon, der sagte: „Arbeite dich zu Tod und belebe dich wieder durch Gebet?“

Gewiss sollten wir wenigstens härter arbeiten, als wir es für einen weltlichen Arbeitgeber tun würden.

Wir sollten auch unser Bestes geben. Gott möchte das Beste. Er verdient das Beste. „Verflucht sei, wer das Werk des Herrn lässig treibt“ (Jer.48,10).

Wiederum sollten wir mit Dringlichkeit dienen. Der Erlöser sagte: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“ (Joh.9,4).

„Die Arbeit, die in Jahrhunderten hätte getan werden können, muss nun in die Stunden vor Sonnenuntergang gedrängt werden“

(John R. Mott)

Wir dürfen nicht zulassen, dass Haushalt, Einkaufen und Besorgungen uns verschlucken. Die Missionsarbeit kann sich leicht zu einem Existenzkampf entwickeln, wenn wir es zulassen. Und bei manchen Gelegenheiten kann sie dem Sport, der Freizeit oder dem Urlaub zu viel Bedeutung zumessen. Ein Missionar verbrachte mehr Zeit auf dem Tennisplatz als auf den Kampfplatz des Herrn. Ein anderer legte Markus 6,31 so aus, dass er eine Reihe von Urlauben Pausen und Touren damit rechtfertigte.

Und wir müssen unsere Prioritäten streng setzen. Evangelisieren und Gemeindebau stehen im Mittelpunkt. Paulus hatte einen doppelten Dienst: Den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen (das ist das Evangelium) und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei (das ist die Gemeinde) (Eph. 3,8,9). Andere Dienste wie medizinische Versorgung, Bildung, Büroarbeit, Zimmerei, Automechanik usw. dürfen niemals an erster Stelle stehen. Treue Missionsarbeit beinhaltet das Ausüben einer geistlichen Gabe.

Verantwortung gegenüber der Heimatgemeinde

Natürlich haben wir die Verantwortung, unsere Ältesten und alle Gebetspartner regelmäßig, ehrlich und realistisch zu informieren. Um mit Einsicht zu beten, sollten sie unsere geistlichen Nöte, unsere Probleme und den Fortschritt der Arbeit kennen. Gebetsanliegen sind sehr wichtig.

Als Repräsentanten unserer Heimatgemeinde werden wir wohl die gleiche Lehre und Praxis vertreten, wie diese Gemeinde. Wir sollten uns regelmäßig fragen: „Tun wir die Arbeit, für die wir ausgesandt wurden?“ Es ist unmoralisch, als von der Versammlung xy empfohlen auszugehen, und dann mit einer anderen Gemeindegruppe oder Kirche zusammen zu arbeiten und keinen Kontakt mit anderen Arbeitern der Versammlung in diesem Gebiet zu haben.

Paulus unterrichtete am Ende seiner Missionsreisen seine empfehlende Versammlung (Apg.14,26-28; 18,22.23). So sollten wir es auch tun.

Verantwortung denen gegenüber, die uns mit ihren Gaben unterstützen

Freunde, die beten und geben, haben ein Recht darauf, dass wir

  • den Erhalt der Gaben sofort bestätigen und uns bedanken,
  • ihnen berichten, was für Gott geschieht,
  • ihr Vertrauen nicht durch wertlose Arbeit missbrauchen,
  • versuchen, ihnen in unseren Briefen zu dienen, für sie beten und dem Herrn für sie danken.

Verantwortung gegenüber den Gemeinden auf dem Missionsfeld

  • Wir haben eine Verantwortung
  • im Mitteilen des Wortes,           
  • im gemeinsamen Gebet,
  • in der Ausbildung von Leitern,
  • dass wir der Versuchung zu herrschen widerstehen.
  • Sei den Gläubigen ein Beispiel im Gehorsam den Ältesten gegenüber, nicht in Trotz und Widerspenstigkeit. Dieser Gehorsam beschränkt sich auf das Maß, wie die Ältesten Christus nachfolgen (1.Kor.11,1). (Die Ältesten eines Landes wollten die ganze Missionsarbeit unter ihrer Kontrolle und wollten, dass alles Geld, was von den U.S.A. kam, zu ihnen geschickt wurde. Das ist natürlich unannehmbar).
  • Übergieb die Arbeit so bald wie möglich den Einheimischen. Machen wir uns entbehrlich.
  • Bemühe dich, die Einheit im Geist zu bewahren.

Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern auf dem Missionsfeld

Das größte, was wir für unsere Mitarbeiter tun können, ist den Weg des Zerbruchs zu gehen. Immerhin sind zwischenmenschliche Konflikte das Problem Nummer eins. Aber wir können auch:

  • uns für Beratung und Freundschaft offen halten,
  • zentralisierte Autorität vermeiden,
  • vermeiden, die Arbeit anderer offenkundig zu kritisieren (es gibt immer andere Gebiete, die Hilfe brauchen, wenn man nicht miteinander auskommt),
  • ältere Arbeiter sollten den jüngeren ein gutes Beispiel sein und sie dadurch Eifer, Integrität, Liebe usw. lehren.
  • Die jüngeren Arbeiter sollten ältere Missionare respektieren und nicht versuchen, das Ergebnis jahrelanger Arbeit bald nach ihrer Ankunft über den Haufen zu werfen.

Verantwortung gegenüber der Familie, und den Kindern

Hier können alle biblischen Instruktionen betreff Heirat, Kindererziehung und Leben in der Familie angewendet werden. Sozusagen ist die Familie für den Mann das Missionsfeld Nummer eins. Es wäre eine Tragödie, den Weingarten anderer zu betreuen und den eigenen zu vernachlässigen. Die Erziehung von Kindern der Missionare stellt ein ernstes Problem dar; manche Eltern (nicht alle) haben den Groll ihrer Kinder geerntet, weil sie sie in einer Zeit, wo sie nicht mit Einsamkeit (wie sie es betrachteten) umgehen konnten, in ein Internat geschickt haben.

Verantwortung gegenüber Dienstorganisationen

Das schließt kooperatives Arbeiten und Kollegialität ein; Treue in der Korrespondenz; Berichte für Veröffentlichungen schicken; tiefe Dankbarkeit empfinden und ausdrücken für ihre mannigfachen Dienste, die sie so freiwillig und voller Freude tun.

Verantwortung gegenüber der Regierung in der Heimat

Unsere Verantwortung unserer Regierung gegenüber ergibt sich aus Röm.13,1-7 und 1.Petr.2,13-17. Das Leben im Ausland befreit einen Menschen nicht immer von den Steuern fürs eigene Land. Ein gutes Gewissen erfordert ein strenges Einhalten des Gesetzes auf diesem und allen anderen Gebieten.

Verantwortung gegenüber der Regierung des Gastlandes

Die Gesetze sind von Land zu Land verschieden. Der Gehorsam ihnen gegenüber sorgt sicher für ein gutes Zeugnis. Eins verändert sich nicht, nämlich dass der Missionar sich nicht in politische Geschäfte verwickeln lassen soll. Seine Aufgabe vor Gott ist es, aus den Nationen ein Volk zu rufen für Seinen Namen (Apg.15,14). Er hat kein Recht, sich mit der nationalen oder örtlichen Politik zu befassen.

Verantwortung gegenüber uns selbst

Manche glauben, sie müssten sich für Gott verzehren. Das ist ihr Vorrecht; verurteile sie nicht. Andere glauben, sie müssten ihre Kräfte einteilen, um ihr Leben zum Nutzen anderer zu verlängern. Sicherlich sind wir alle verpflichtet, die normalen Regeln für Gesundheit und Sicherheit zu befolgen. Darüber hinaus können wir darauf vertrauen, dass wir nicht sterben, bevor unsere Arbeit getan ist.

Wir alle sollten die Leere eines zu geschäftigen Lebens vermeiden. Wir müssen Zeit mit dem Wort und im Gebet verbringen, wenn wir fruchtbar sein wollen und vor moralischem oder lehrmäßigem Unheil beschützt sein wollen.

Zusammenfassung

Sicherlich ist der Missionar ein freier Mann oder eine freie Frau des Herrn. Es ist eine ehrbare Berufung, ein hervorragendes Vorrecht. Aber diese Freiheit ist beschränkt durch Rechenschaft und Verantwortung. Die höchste Rechenschaft schuldet er dem Herrn. Verantwortung hat er den verschiedensten Menschen gegenüber, mit denen er es zu tun hat. Er ist nicht behindert durch künstliche, menschliche Einschränkungen, aber zur gleichen Zeit ist er nicht ohne Verantwortlichkeit. Er sollte ein Beispiel für persönliche Disziplin, für unermüdlichen Dienst und für geduldiges Ausharren sein. Sein Leben ist voller Liebe für die Ungeliebten, voller Besorgnis um die Undankbaren und voller Tränen für die Verlorenen. Da ist kein Platz für vergeudete Zeit, keine Entschuldigung für ungenutzte Gelegenheiten. Er hat einen Erlöser zu verkündigen, eine Errettung anzubieten, einen Himmel zu versprechen. Er darf nicht von unwichtigen und vergänglichen Dingen abgelenkt werden. Sein Herz ist gefangen von der Liebe Christi und er ist mit stärkeren Fesseln gebunden als durch menschliche Regeln. Mit der Hilfe Gottes wird er dem Ziel entgegen laufen und dem Preis erkämpfen und nur daran interessiert sein, des Erlösers „Wohl getan“ zu hören.