Gemeinde & Mission

Wie erkenne ich Gottes Führung?

von Mac Donald William

Den Artikel als PDF herunterladen

Der wichtigste Faktor, um Gottes Führung zu erkennen, ist der eigene geistliche Zustand.Mich hat der Herr geleitet auf den Weg (1. Mo 24,27).

Er leitet die Sanftmütigen im Recht, und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg (Ps 25,9).

Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade (Spr 3,5.6).

Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist (Röm 12,1.2).

Diese Verse betonen auf verschiedene Weise, dass man Gott nahe sein muss, um Ihn zu hören. Der Jünger, der an Jesu Brust lehnte, erhielt die Offenbarung Jesu Christi. Denen, die in Christus bleiben, zeigt Er Seine Gedanken und Seinen Willen.

Gott hat einen Plan für jeden von uns. Wir müssen den Plan nicht entwerfen. Wir müssen ihn heraus finden, und ihm dann folgen. Hier sind einige wichtige Schritte:

1. Du brauchst den ernsten Wunsch, Gottes Willen zu erfahren. Er zeigt ihn nicht geistlichen Amateuren, oder Hudlern, die nur ein oberflächliches Interesse haben.

2. Gib zu, dass du den richtigen Weg nicht weißt. „Ich weiß, Herr, dass nicht beim Menschen sein Weg steht, nicht bei dem Manne, der da wandelt, seinen Gang zu richten“ (Jer 10,23). Wie wir schon in Sprüche 3,5 gesehen haben, soll man sich nicht auf seinen eigenen Verstand verlassen.

3. Vertraue in dieser Angelegenheit völlig auf den Herrn. Er hat versprochen, dass Er Seinen Willen zeigen wird; vertraue nun darauf, dass Er es tun wird. „Wer unter euch fürchtet den Herrn? Wer hört auf die Stimme seines Knechtes? Wer in Finsternis wandelt und welchem kein Licht glänzt, vertraue auf den Namen des Herrn und stütze sich auf seinen Gott“ (Jes 50,10). Gott hat etwas besseres mit dir vor, als du dir vorstellen kannst. Er kennt Möglichkeiten, von denen du nicht mal träumen würdest.

4. Liefere dich Ihm ohne Vorbehalt aus (Röm 12,1.2). Das bedeutet, dass du deinen Eigenwillen aufgibst, dass du dich Ihm völlig übergibst. Jemand hat es so ausgedrückt: „Kein Zurückhalten, kein Zurückweichen, kein Zurückschauen.“ Dann steht man dem Herrn zur Verfügung.

5. Bekenne Sünde, sobald du sie in deinem Leben erkennst (1. Joh 1,9). Dadurch bleibt man rein. Wenn du verfügbar und gereinigt bist, ist es Gottes Verantwortung, dir Seinen Willen zu zeigen.

6. Bete beständig um die Offenbarung Seines Willens. „Lehre mich, Herr, deinen Weg, und leite mich auf ebenem Pfade“ (Ps 27,11). In wichtigen Angelegenheiten bitte ich den Herrn, die Führung durch den Mund von zwei oder drei Zeugen zu bestätigen (Mt 18,16). Wenn er mir zwei oder drei deutliche Hinweise auf Seinen Willen gibt, kann ich ihn klar erkennen.

7. Versetze dich in die Lage, Seine Offenbarung zu empfangen, indem du viel Zeit mit Gottes Wort verbringst. „Dein Wort ist Leuchte meinem Fuße und Licht für meinen Pfad“ (Ps 119,105).

8. Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, so bringe über jede soviel wie möglich in Erfahrung. Es scheint, je mehr Information ich habe, desto leichter ist es für den Herrn, mich zu führen. Stelle eine Liste von Punkten auf, die dafür oder dagegen sprechen. Manchmal werden dadurch Dinge klar.

9. Bitte gottesfürchtige Älteste oder andere reife Gläubige um Rat, deren geistliches Urteil du schätzt. Frage nicht bei denen, die dir wahrscheinlich das sagen, was du hören willst.

10. Widerstehe der Versuchung, deine Führung selbst zu konstruieren. „Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet, mit Brandpfeilen euch rüstet: Hinweg in die Glut eures Feuers und in die Brandpfeile, die ihr angesteckt habt! Solches geschieht euch von meiner Hand; in Herzeleid sollt ihr daliegen“ (Jes 50,11).

11. Sei bereit, zu warten. Das ist oft der schwierigste Schritt. Warte, bis die Führung so deutlich ist, dass es wirklich Ungehorsam wäre, wenn du ihr nicht folgst. Wenn du ungeduldig wirst, erinnere dich daran, dass der Herr Jesus 30 Jahre in Nazareth verbracht hat. „… wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen“ (Jes 28,16). Gott hat es selten eilig. Wenn du Ihm vertraust, brauchst du auch nicht hastig zu sein. C. I. Scofield sagte: „Gott kann laut genug reden, dass ein wartendes Kind Ihn hört. Unsere Aufgabe ist es, geduldig zu warten, bis wir sicher sind.“

Wenn du um Führung betest und du keine Führung bekommst, so ist es Gottes Führung für dich, dort zu bleiben, wo du bist. Unklarheit über den Weg ist Klarheit zum Bleiben. Erinnere dich an die Wolkensäule in 2. Mo 40,36. Gehe nur voran, wenn die Wolke voran geht.

Während du auf die Führung wartest, solltest du dich für den Herrn einsetzen. „Alles, was deine Hand zu tun findet, das tue in deiner Kraft“ (Pred. 9,10; rev. Elb.). „Es ist unsere Pflicht, unsere Pflicht zu tun. Diese einfache Tatsache löst viele Fragen in einem großen Bereich unseres Lebens, wo wir keine weitere Führung brauchen“ (Oswald Sanders).

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und stellen uns der Frage: WIE führt Gott?

1. Er führt durch die Bibel. Sein Wille ist in allgemeiner Weise in der Heiligen Schrift offenbart. Er wird niemals so führen, dass es dem Wort widerspricht. Aber oft spricht Er durch einen bestimmten Abschnitt oder Vers der Schrift. Wenn man die Schrift liest, kann ein Vers herausstehen, als ob Gott hörbar zu dir spricht. Es kann sein, dass es für andere nicht nachvollziehbar ist, aber für dich ist es ein deutlicher Hinweis auf Gottes Willen.

2. Gott führt auch durch Rat. „Höre auf Rat und nimm Unterweisung an, damit du weise seiest in der Zukunft“ (Spr 19,20). Normalerweise kommt der beste Rat von Geschwistern mit geistlicher Reife. Aber verbiete nicht die Möglichkeit, dass ein Ungläubiger, der nicht weiß, dass du um Führung betest, ganz unbewusst genau das richtige Wort sagt, das deine Schwierigkeit löst.

Ich möchte dich an dieser Stelle auch warnen. Wenn Gott einen Menschen ruft, gibt es auch oft Stimmen, die etwas entmutigendes sagen. Als Gott den englischen Kricketchampion C.T. Studd rief, jammerten einige seiner Freunde: „Du bist verrückt! Du willst den Sport verlassen und Missionar werden! Kannst du nicht warten, bis deine Sportkarriere vorbei ist? Kannst du als Sportler nicht mehr für Gott erreichen? Warum willst du als Missionar in ein Land gehen, wo man nicht mal weiß, was Kricket ist?“ Wenn Gott wirklich zu dir redet, wirst du solche Worte als Faselei übergehen.

3. Manchmal spricht Gott durch wundersames Zusammentreffen von Umständen, zum Beispiel der Zeitpunkt eines Briefes oder eines Anrufes.

4. Er spricht auch durch das subjektive Zeugnis des Heiligen Geistes. Er kann auf deinen Verstand, auf deine Gefühle und auf deinen Willen einwirken, so dass du überzeugt bist, Seinen Willen zu kennen. Wir müssen besonders vorsichtig sein, wenn die Führung subjektiv ist, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass der Herr manchmal zu uns redet, indem Er uns Gedanken oder Wünsche eingibt, oder uns eine Last aufs Herz legt. „…denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). Jemand sagte darüber: „Es ist töricht, zu handeln, wenn die Friedenstaube dein Herz verlassen hat.“

5. Der Herr kann durch Hindernisse führen. Achte auf Folgendes:

„… als sie aber gegen Mysien hin kamen, versuchten sie nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht“ (Apg 16,7). Wie hat der Herr hier geführt? Durch Hinderung der Weiterreise. Es war Leitung durch ein Verbot. Die Führung wurde klar durch die verschlossene Tür. Der Apostel kam an eine Stelle, wo er vor seinem inneren Auge ein Stoppzeichen sah, wie die Quäker sagen würden. Seine Pläne wurden verhindert und er hatte keine Freiheit. Er merkte, dass sein Vorsatz durch eine unbezwingbare Barriere verhindert wurde. In bestimmte Richtungen fühlte er keine geistliche Freiheit, und so betrachtete er diesen Weg als versperrt. „… der Engel des Herrn stellte sich in den Weg als sein Widersacher“ (4 Mo. 22,22). Ich halte es für sehr wichtig, das zu betonen; der Herr führt uns manchmal durch Verbote. Die verschlossene Tür ist ein Hinweis auf Seinen Willen. Wir versuchen zu gehen, aber der Geist lässt es nicht zu. 2

6. Schließlich kann Er durch das Vorbild Christi führen. Was würde der Herr Jesus tun? „Gott wird uns nie auf einen Weg führen, der nicht der Lehre und dem Charakter Christi entspricht“ (J. O. Sanders).

Einige sind entschieden dagegen, ein Fließ auszulegen wie Gideon (Richter 6,37-40). Es bedeutet, dass wir Gott bitten, dass Er bestimmte Bedingungen erfüllt oder nicht erfüllt, die wir Ihm vorgelegt haben. Dabei gibt es immer die Gefahr, das Fließ so auszulegen, dass praktisch sicher das herauskommt, was wir hören wollen. Wenn jedoch jemand dem Herrn ganz ausgeliefert und bereit ist, unter allen Bedingungen zu gehorchen, so will ich Gott nicht verbieten, ihn dadurch zu führen. Er kann auf unsere Schwächen eingehen. Das hat Er auch bei mir getan.

Ein alter Prediger riet jungen Leuten, „Wasser auf das Opfer zu gießen.“ Er dachte dabei an den Tag, als Elia Feuer vom Himmel erbat, um das Opfer zu verzehren. Davor hatte er befohlen, vier Eimer Wasser auf das Opfer und das Holz zu schütten. Dann befahl er es zum zweiten Mal. Und zum dritten Mal. Elia wollte nicht, dass ein zufälliger Funke von irgendwo das Feuer zum Brennen brachte. Er hat alles so angeordnet, dass es nur brennen würde, wenn der Herr selbst eingreift. Wenn wir Führung suchen, sollten wir die Dinge so einrichten, dass die Führung nur vom Herrn kommen kann.

Manchmal ist Führung sehr deutlich. Manchmal ist sie nicht so deutlich. Gott führt oft nur einen Schritt weiter. Er zeigt nicht den ganzen Wg.

Aber ich bin davon überzeugt: Wenn jemand wirklich und ernsthaft Gottes Führung sucht, wird er sie immer bekommen.

Sein Wille ist gut und annehmbar und vollkommen. Er ist nicht so, wie manche befürchten: gefährlich, unangenehm, irgendetwas, das wir keinesfalls wollen.

Fußnoten:
1. Auszug aus dem Buch „Disciple´s Manual“.
2. Oswald Sanders: On to Maturity, Chicago, IL: Moody Press.

Den Artikel als PDF herunterladen