Wie führen wir unsere Kinder zum Herrn (Teil 1-4)
„Siehe Kinder sind eine Gabe des Herrn und Leibesfrucht ist ein Geschenk“ Psalm 127,3
Es ist ein großes Vorrecht, Kinder zu haben und sie zu unserem wunderbaren Herrn Jesus führen zu dürfen. Unseren Gemeinden hat der Herr einen großen Nachwuchs durch viele Kinder geschenkt, und dafür wollen wir dem Herrn danken. Doch sieht man zunehmend, dass viele junge Eltern mit ihren Sprößlingen überfordert sind. Die schnellebige Zeit, der Streß des Alltags und vieles, was heute auf die jungen christlichen Familien hereinbricht, stellt diese vor immer größere Probleme. Ich möchte aber nicht in erster Linie über die Problembewältigung in der Familie sprechen sondern ganz bewußt darüber schreiben, wie wichtig und wie schön es ist, die eigenen Kinder erziehen zu dürfen. Schnell ist die Zeit unseres Einflusses auf unsere Kinder vorbei, darum laßt uns die so wertvolle Zeit, in der die Kinder noch zu Hause sind, so nützen, dass die Kinder etwas mitnehmen dürfen in ihr Leben, was mit Gut und Geld nie aufzuwägen ist. In den folgenden Nummern von Gemeinde und Mission möchte ich mit vielen Beispielen besonders unseren noch jungen Eltern Mut machen zu dieser kostbaren, einmaligen Aufgabe.
Die Elternschaft ist eine große Verantwortung
„Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“ Eph 6,4
Junge Gläubige, die ans Heiraten denken oder noch nicht lange verheiratet sind, sollten unbedingt wissen, dass es nicht leicht ist, ein guter Ehepartner zu sein. Dies gilt besonders in unserer Zeit, in der junge Ehen zerbrechen, weil man sich nicht mehr versteht oder verstehen will und die Sexualität und die Lust eine übergeordnete Rolle spielen. Daher ist es wichtig, die sogenannte „Rosarote Brille“ abzulegen und mit der Hilfe des Herrn zu rechnen.
Wenn ich an meine Jugendzeit denke, sehe ich viele Familien vor mir, welche Kinder in meinem Alter hatten. Durch das Beobachten und Miterleben als Kind erkannte ich sehr bald, in welchen Häusern Gottesfurcht und echte Liebe wohnte und wo nicht. Schon damals erwachte in mir der große Wunsch, dass, wenn ich einmal heiraten dürfte und der Herr uns Kinder schenkte, ich diese in Liebe hinführen möchte zu dem, an dem mein Leben hängt, zu unserem Herrn Jesus Christus.
Wir wollen nicht schweigen, sondern es ganz offen sagen, dass es besonders in unserer verführerischen Zeit schwierig sein kann, ein guter, vorbildlicher Ehepartner zu sein. Viele unserer jungen Ehepaare sind aus der zweiten Generation oder sie haben sich in jugendlichem Alter aus der Welt zu Gott bekehrt. Viele konnten nicht die Vorrechte genießen wie z.B. meine Geschwister und ich.
Denn wir wurden von Kind auf in den Wegen Gottes gelehrt und erzogen. Bei uns galten die biblischen Maßstäbe und unsere Eltern waren große Vorbilder für uns. Bei vielen jungen Eltern in unseren Gemeinden war es anders. Denn ihre Eltern wiederum bekehrten sich, als ihre Kinder vielleicht zwischen 10 und 20 Jahre alt waren. Weil die Eltern selber so manches an weltlichem Denken erst noch ablegen mußten und Schritt für Schritt lernten, in den Wegen Gottes zu wandeln, vergingen viele kostbare Jahre. Ich will dies nicht als Entschuldigung hinstellen, wenn es in den Ehen der nächsten Generation nicht gut geht. Denn wir alle haben Gottes Wort als unsere Richtschnur und dürfen nicht das Versagen unserer Eltern als schnelle Entschuldigung ins Feld führen. Gerade darum ist es für mich eines der dringlichsten Anliegen, unseren vielen jungen Familien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und bereit sein zu helfen.
Kindlein sind schnell gezeugt und auch schnell gehen die neun Monate der Schwangerschaft vorüber. Doch was nachher gefragt ist, sind Väter und Mütter, die ihre Elternrolle gut ausfüllen.
Meine Mutter und auch Esther sagten oft, es gibt nichts Schöneres und Erfüllenderes auf dieser Erde, als Mutter sein zu dürfen. Und gerade diese Freude an den Kindern wirkt sich bezüglich der Erziehung äußerst segensreich aus. Wenn z.B. eine Mutter sagt, dass sie wenig Zuneigung zu ihren Kindern empfindet, hat sie vielleicht diese eine Tatsache noch nicht begriffen, dass Einer ist, der uns grenzenlos liebt und deswegen alles für uns gab. Joh 3,16
Watchman Nee hat es in seinem Buch „Zur Ehre Gottes leben“ so formuliert: „Die Zukunft der Kinder hängt von den Eltern ab. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, haben Vater und Mutter eine große, aber wunderschöne Verantwortung.“
Welch ein Geschenk, wenn wir bedenken, Gott gibt den Eltern Körper, Seele, Gedanken, Leben und Zukunft der Kinder in ihre Hand.
„Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten. Ps 103,13
Setzen wir uns bezüglich der Erziehung unserer Kinder hohe Ziele
Schon lange vor der Geburt eines Kindes sollten die Eltern das werdende Kind ganz dem Herrn weihen. Er hat uns das werdende Leben geschenkt und wir wissen, dass dieses kostbare Leben vom Allerhöchsten uns für kurze Zeit geliehen ist.
Wie kann es junge Kinderherzen bewegen, wenn sie schon manches begreifen können und von ihren Eltern erfahren dürfen : „Du mein liebster Schatz, ich betete für dich als du noch nicht geboren warst.“
Dann erst recht bei der Geburt des Kindes sollten sich die Eltern ganz bewußt dem Herrn weihen und bereit sein, ein geistliches Niveau für sich selbst, für ihr Familienleben, ihr Benehmen, ihr Urteilsvermögen, ihre Werte und ihr Glaubensleben festzusetzen.
Die wohl zutiefst beeindruckende Geschichte einer Mutter, die sich total dem Herrn geweiht hat angesichts des geschenkten Kindes, ist die von Hanna, der Mutter Samuels. Wir lesen in 1. Sam 1, 27 ff: Um diesen Jungen habe ich gebetet, und der Herr hat mir meine Bitte erfüllt, die ich von ihm erbeten habe. So habe auch ich ihn dem Herrn wiedergegeben. Alle Tage, die er lebt, soll er dem Herrn gehören. Und sie betete dort den Herrn an.
Ebenso ergreifend und zutiefst berührend ist das prophetische Gebet der Hanna in 1. Samuel 3,1 ff.
Wenn wir heute in die Welt hineinschauen, z.B. in unsere unmittelbare Nachbarschaft und darüber hinaus, sehen wir, wieviele Kinder durch ihre eigenen Eltern verdorben werden, weil diese keinen Wertmaßstab haben und weder geistliche Ideale noch Maßstäbe besitzen.
Wir Eltern sollten es nie vergessen und es sollte uns klar sein, dass unsere Kinder später Dinge so beurteilen und werten, wie sie es von Kindesbeinen an bei uns beobachtet haben. Besonders bei den Kleinkindern ist die Beobachtungsgabe sehr stark ausgeprägt. Die ersten fünf Lebensjahre eines Menschen sind oft entscheidend für ihr späteres Leben. Und was in dieser Zeit in Kinderherzen gesät wird, kann kaum mehr herausgenommen werden, seien es schlechte oder gute Eindrücke. Glauben wir nur ja nicht, kleine Kinder würden nichts verstehen und begreifen. Die Seele des Kleinkindes ist so zart besaitet und so empfindsam, wie wir Erwachsene es uns nicht vorstellen können.
Es kann sein, dass ein Kind hört oder auch nicht hört, was die Eltern sagen; was es jedoch bei ihnen gesehen hat, wird es annehmen und nie vergessen.
Die Liebe meiner Eltern zum Herrn Jesus hat mich schon als kleinstes Kind tief beeindruckt. Bis in die früheste Kindheit zurück kann ich mich noch gut erinnern, wie mein Vater oft am Harmonium saß und die herrlichen Loblieder spielte. Durch den Gesang meiner Mutter und der älteren Geschwister wurde eine wohltuende und unbeschreiblich schöne Stimmung und Harmonie geschaffen. So beeindruckend, dass ich dieses Bild immer wieder vor mir sehe. Mein Leben und Wesen wurde durch vieles, was ich im Elternhaus erlebte, sehr stark geprägt.
Wie recht hat doch Watchman Nee, wenn er schreibt: „Eltern sollten sich immer vor Augen halten, dass ihre eigenen Wege in den Kindern fortgesetzt werden“ Und hier möchte ich mit ganz bewegtem Herzen sagen, dass ich keine größere Freude kenne als diese, wenn ich sehen darf, dass unsere Kinder ganz treu in den Wegen Gottes wandeln und anderen Menschen zum Segen werden.
In der folgenden Nummer von „Gemeinde und Mission“ möchte ich gern zu folgenden Themen schreiben:
n Auf die Kinder achten
n Als Familie mit Gott leben
n Nicht in zwei Welten leben
n Eltern müssen sich in Entscheidungen einigen können
TEIL 2
Das Vorbild gläubiger Eltern
Wie würde es aussehen, wenn Eltern zu Gott sprächen: „Drei Kinder hast du uns gegeben, und zwei davon wollen von dir nichts wissen.“
Eine besondere Aussage meiner Mutter an uns sieben Kinder, als wir noch klein waren, bleibt mir in steter Erinnerung. Sie sagte. „Mir ist es unendlich viel lieber, alle sieben Kinder, die mir der Herr geschenkt hat, im weltweiten Missionsdienst zu wissen, als ein einziges ungerettet im Sarg zu sehen. Alle meine Geschwister sind treue Nachfolger Jesu und setzen sich ein für das Werk des Herrn. Dies ist die Frucht wunderbarer gläubiger Eltern, die uns ein leuchtendes Vorbild waren. Ihre große Liebe zum Herrn prägte ihr Wesen zu einem einzigartigen Vorbild für uns sieben Kinder.
Wenn ich nun zu diesem wichtigen Thema einen Rat weitergeben darf, dann möchte ich als leuchtendes Vorbild das Elternhaus von Pfarrer Wilhelm Busch, des Autors des bekannten Buches „Jesus unser Schicksal“ aufschreiben. Da durch Wilhelm Busch Tausende von Menschen den Herrn Jesus kennenlernen durften, bewegt mich persönlich sehr stark, wo ein solch gesegneter Mensch dazu vorbereitet wurde.
Dieser Bericht wird uns alle sehr bewegen und ich bete zum Herrn, dass wir alle solche gesegnete Eltern werden möchten wie Pfarrer Wilhelm Buschs Eltern es waren.
Die Erzählungen sind dem Buch entnommen: „Johannes Busch – ein Botschafter Jesu Christi“ von Wilhelm Busch.
„Die beherrschende Erscheinung in unserem Hause war natürlich der Vater, von uns stets Papa genannt. Erst viel später habe ich an mir selbst gemerkt, wie sehr wir alle durch ihn geführt und geprägt worden sind. Er war ein gläubiger Jünger Jesu und ein brennender Zeuge für ihn.
Von meinem Vater hatte ich gelernt, dass die, die Jesus angehören, sich freudig und gern in seinen Dienst stellen. Seine ungeheure Arbeitslast ließ ihm nicht viel Zeit für uns Kinder. Aber wenn er bei uns war, dann gehörte er ganz uns.
Der Vater hat uns acht Kinder von früher Jugend an ins Herz gelegt, die verborgene stille Schönheit in Gottes Schöpfung zu entdecken und den Blick dafür zu gewinnen, dass jede Jahreszeit ihren eigenen Schmuck und ihre Pracht hat.
Das Schönste, was uns der Vater im Leben mitgab, war dies: Er war ein Beter. Wir waren ja von klein auf Zeugen, wie er morgens das Schlafzimmer nicht verließ, ohne mit Mutter gebetet zu haben und wie die beiden abends so herzlich zusammen vor dem Einschlafen beteten. Wie bebte mir das Herz, wenn die Eltern, die mich wohl schlafend wähnten, auch für mich namentlich beteten.
Meine Eltern, schreibt Wilhelm Busch, haben uns die Liebe zum Herrn Jesus still und fröhlich vorgelebt. Was das für uns Kinder zu Hause und für manchen in der Gemeinde bedeutete, dass Vater und Mutter innerlich und äußerlich so ganz eins waren, haben wir an beiden in tief eindrücklicher Weise erlebt.“
Eine Zwischenbemerkung von mir: Gerade dieses Zeugnis von Wilhelm Busch über seine Eltern kann ich so ganz bestätigen und ebenfalls bezeugen, dass auch mich das Vorbild meiner Eltern geprägt hat.
Wilhelm Busch schreibt weiter: „Ja neben meinem Papa stand meine so prächtige Mutter. Als ich zum Pfarrer eingesetzt wurde, fragte mich der damalige Superintendent Niederstein, wer mich bei meiner Theologie am meisten bestimmt und beeindruckt habe; da habe ich ihm ohne Zögern geantwortet: Meine Mutter!
O, diese Mutter! Obwohl sie in einem großen Pfarramt stand, war sie vor allem und in erster Linie Hausfrau und Mutter. Sie ärgerte sich oft an den Frauen, die große Vorträge hielten: „ Das Weib schweige in der Gemeinde!“ – bei denen aber der Haushalt ungepflegt und die Kinder unterversorgt waren. Darum bemühte sie sich um einen gutgeführten Haushalt und pünktliches Essen, obwohl es nie üppig bei uns zuging.
Wie ist sie gerade darin, dass sie nichts anderes als eine gute Mutter sein wollte, für viele eine „Mutter in Christo“ und eine Seelsorgerin geworden.
Damals, als wir noch Kinder waren, da war Mutter jung und rüstig, eine blühende Frau mit leuchtenden lieben Augen. Sie ließ uns viel Freiheit: „Meine Kinder dürfen gern toben, wenn sie nur nicht sündigen. Harte Befehle gab es wenig bei ihr, denn auch zu den etwas ungeliebteren Pflichten wußte sie Liebe zu erwecken.
Sie liebte nicht Märchen und erfundene Geschichten. Darum hielt sie auch Gestalten wie „Nikolaus“ und „Christkindchen“ völlig von uns fern. Sie, die immer so liebevoll war, konnte bei allen Märchengestalten sehr, sehr ärgerlich werden. Sie befürchtete wohl, ihre Kinder könnten eines Tages die biblischen Geschichten auch für Märchen halten. Darum erzählte sie uns nur Geschichten aus der Bibel. Ach, wer nur so erzählen könnte! Dabei hielt sie sich von aller Ausschmückung fern. Sie erzählte möglichst so, wie es in der Bibel steht.
Wie bangten wir mit Daniel in seiner Löwengrube, wie litten wir mit Abraham auf seinem unbegreiflichen Weg zur Opferung seines Sohnes. Und dann der Sturm auf dem Meer! Wie hörten geradezu den Sturm heulen, der das Segel zerriss, die Ruder zerbrach und die Jünger in Todesnot brachte. Aber dann klang es so befreiend, dass alle aufatmeten: „Da hat sich der Heiland aufgerichtet und über das Meer hingerufen: Schweig und verstumme – da ward es ganz still“
Das Beherrschende an Mama war ihre ungeheure Ehrfurcht vor der Bibel und ihr treuer, inniger Umgang mit ihr. Trotz ihrer ungeheuren Arbeitslast las sie täglich vier Kapitel in der Bibel. Mama war zu Hause im Worte Gottes, ja, weil ihr das Reden Gottes eine unentbehrliche Wahrheit war, darum konnte auch sie so freimütig mit dem Herrn reden; sie war eine vollmächtige Beterin. Wir spürten, dass ihr Beten wirkliches Leben war.“
Inzwischen ist der Vater gestorben, schreibt Wilhelm Busch weiter, und die Familie ist durch tiefe Armut hindurchgegangen.
Er erzählt weiter in liebevoller Erinnerung über seine Mutter:
„Es war ein so fröhlicher, freier Christenstand, den Mama uns vorlebte. „Nur Kinder Gottes können richtig fröhlich sein, die müssen es aber auch sein.“ Als ich zum ersten mal als junger Student von daheim Abschied nahm, da hat sie mir eine kleine Taschenbibel geschenkt. Vorne hatte sie mir zwei Bibelsprüche hineingeschrieben. Einer hieß so : „Freue dich ,Jüngling, in deiner Jugend und laß dein Herz guter Dinge sein!“ Daneben aber stand das andere Wort: „ Gib mir, mein Sohn, dein Herz und laß deinen Augen meine Wege wohlgefallen.“ So war Mama. Als sie mir das Bibelchen gab, sagte sie eindringlich: „Wohin du auch kommst, halt dich immer zu denen, die die Bibel liebhaben.““
Wilhelm Busch schreibt weiter:
„Welch ein priesterliches Herz hatte sie. Dass aus uns Kindern etwas geworden ist, ja, dass unbegreiflicherweise auch alle Schwager und Schwägerinnen und Enkel den gleichen Weg mit Jesus mitziehen, verdanken wir wohl allein ihren unablässigen Gebeten. Das ist nicht eine leere Phrase, sondern ein Geheimnis, das mich mein ganzes Leben begleitet hat. Als ich in Basel studierte, erlebte ich einen sehr ausgelassenen Abend, der nicht schön war. Zwei Tage darauf kam eine Postkarte, die an jenem Abend geschrieben war, eine Karte, wie ich sie sonst nie bekommen habe: „Ich habe so Angst um dich; stehst du innerlich noch richtig?““
Seine Schlußgedanken an die Gartenstraße in Frankfurt:
„Es will mir heute oft seltsam erscheinen: Da sind wir in dieser reichen Großstadt Frankfurt aufgewachsen, aber die Verlockungen dieser Stadt sind uns nie ernstlich zur Gefahr geworden. Wahrhaftig nicht deswegen, weil wir so brav gewesen wären, sondern allein deshalb, weil es daheim halt immer am schönsten war. Mutter sorgte dafür, dass die Gartenstraße 71 ein Paradiesgärtlein, ein Haus voller Freude war.“
TEIL 3
Aufzeichnungen meiner Mutter bezüglich der Erziehung ihrer Kinder:
Leben aus der Vergebung
Mutter schreibt: Viele Leute sagten zu mir: „Du kannst wohl rühmen und loben, denn du hast es leicht, du hast einen gläubigen Mann.“ Ja, da hatten sie recht, denn wenn alle beide, Mann und Frau gläubig sind, so kann dies ein Vorgeschmack himmlischer Freude sein. Mein Mann und ich waren beide sehr temperamentvolle Menschen. Es kam auch vor, dass wir einander mit Worten verletzten. Leider war der Grund dafür, dass es uns an Geld mangelte oder dass die Schuhe für unsere Kinder zu klein wurden.
Vater und ich unterstützten uns gegenseitig und wir hatten einander herzlich lieb. Wenn Vater müde aus der Fabrik nach Hause kam, wurde er nicht mit negativen Nachrichten bezüglich des Ungehorsams der Kinder überhäuft. Wieviele Mütter handeln unweise darin, dass, wenn der Mann aus der Arbeit nach Hause kommt, er gleich die ungehorsamen Kinder zurechtweisen muss. Solche Kinder verlieren den Respekt gegenüber dem eigenen Vater und wenden sich von ihm ab.
Wichtig ist, dass die Kinder schon von klein auf mit ihren Fragen und Nöten auch zum Vater gehen und ihn um Rat bitten. Wir liebten unsere Kinder von ganzem Herzen, obwohl wir in den Erziehungsmethoden sehr konsequent und streng waren. Wir erwarteten von unseren Kindern sofortigen Gehorsam uns gegenüber. Ungehorsam oder böses Widerreden wurde bestraft. Auch was das pünktliche Nachhausekommen von der Schule anbelangt, waren wir sehr streng. Wir wollten nicht, dass sich unsere Kinder irgendwo unnötig herumtrieben.
Meine Frage an Euch, liebe gläubige Mütter: Sind Eure Kinder gern bei Euch und fühlen sie sich wohl in Eurer Nähe? Nehmt Ihr auch Anteil an den Sorgen und Nöten Eurer Kinder?
Leider muss ich sagen, dass man heute wenige wirklich gottesfürchtige Familien findet, die ihren Weg in der Verantwortung vor Gott gehen. Jedes unserer Kinder sollte wissen und es auch spüren, dass es von seinen Eltern herzlich geliebt ist.
Erziehungsgrundsätze
Wichtig ist, dass Vater und Mutter sich in den Erziehungsgrundsätzen einig sind. Unsere Kinder wussten genau, dass die Meinung des Vaters auch dieselbe der Mutter war.
Unsere Kinder versuchten mit allem Fleiß lieb und gehorsam zu sein. Wir waren eine fröhliche, glückliche Familie. Ich fühlte mich geborgen bei meinem Mann und unseren Kindern.
Fragen von meiner Mutter an gläubige Eltern:
„Kommen deine Kinder gern mit zur Versammlung am Sonntag oder mußt du sie drängen und hart auf sie einreden mitzufahren? Spüren die Kinder, dass die Liebe der Eltern zum Herrn eine echte Liebe ist und das Verlangen nach Gemeinschaft mit den Geschwistern für sie ein großes Bedürfnis ist?
Viele Eltern klagen, dass ihre Töchter und Söhne keinen Hunger nach Gottes Wort verspüren. Eher seien sie offen für weltliche Dinge und würden darin Begeisterung finden. Wir sollten uns dessen bewußt sein, dass Kinder schon früh sehr empfindsam hinsichtlich des geistlichen Lebens der Eltern reagieren. Sie spüren und erleben, ob die Eltern ihre persönliche Beziehung zum Herrn in Aufrichtigkeit leben oder ob sie nur fromm reden.
Ein wichtiger Grundsatz für mich als Mutter von sieben Kindern war dieser: Was du ausstreust in die Kinderherzen wirst du später ernten. Die Kinderherzen sind noch offen und empfänglich und die Kinderaugen schauen groß auf uns Eltern! Nie zu früh kann damit begonnen werden, biblische Geschichten zu erzählen. Auch die echte „Nestwärme“, welche die Kinder ins Elternhaus zieht, darf nicht vernachlässigt werden. Auch dann nicht, wenn die Kinder schon längst aus dem Teenageralter draußen sind.
Kinder wollen geführt und geliebt sein. Oft zog ich meine Kinder fest an mich und herzte sie. Söhne und Töchter sollen wissen, dass sie zu Hause ein offenes Ohr finden. Finden sie bei uns keinen Rat für ihre Probleme und Sorgen, fühlen sie sich nicht ernstgenommen mit ihren Anliegen. Sie werden bald andere Menschen finden, welche Zeit für sie haben werden. Eltern sollten niemals eine zweideutige Rede führen, sondern ein „ja“ soll ein „ja“ und ein „nein“ soll ein „nein“ bleiben.
Die durchtragende Treue Gottes
Mein Mann und ich durften in all den Jahren die Gnade des Herrn als durchtragende Hilfe erfahren. Oft zogen wir uns zurück in die Stille zum Gebet. Es war für uns ein besonderes Bedürfnis abseits vom lauten Treiben der Welt und den großen Anforderungen des Alltags, das Angesicht Gottes zu suchen und auf seine Stimme beim Lesen des Wortes Gottes zu hören. In solchen Augenblicken durften wir Wegweisung erfahren bezüglich unserer großen Verantwortung als Eltern. Gottes Wort war für mich unendlich kostbar, ja es war ein Schatz für meine Seele.
(Eine persönliche Einfügung von mir: Selten habe ich Menschen mit einer solch echten und aufrichtigen Liebe zum Herrn erlebt wie meine Eltern. Der Lobpreis und die Anbetung hatte stets einen weiten Raum in ihrem Leben.)
Folgende Worte waren Speise für meine Seele: „Siehe dort, in ewiger, heiliger Herrlichkeit, in der Mitte der ewigen Lobgesänge, auf dem Thron Gottes, Jesus, das geschlachtete Lamm! Siehe den an, der auch dich so liebt, dass er für dich ans Kreuz von Golgatha ging, um dich zu erlösen.“
Von Viebahn
In einem Brief eines unserer Kinder an uns Eltern ist unter anderem auch folgendes zu lesen: „Hauptsächlich Dank, dass Ihr meine lieben Eltern mir die Bibel lieb gemacht und mich beten gelehrt habt. Nie genug kann ich dafür danken, dass Ihr mir den Weg zum Herrn gewiesen habt.“
Viele solche Briefe unserer Kinder mit gleichem Inhalt könnten noch erwähnt werden.
Im dritten Brief des Johannes steht geschrieben. „Eine größere Freude habe ich nicht als dies, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.
Für gläubige Eltern ist und bleibt es ein besonderes Gnadengeschenk, wenn alle Kinder zu Jesus finden dürfen und für IHN leben. Es ist auch Gnade, ein unverdientes Geschenk, dass der Herr Jesus meinen Mann und mich bis heute durchgetragen hat, dass wir an IHM bleiben durften wie eine Rebe am Weinstock. Wir wissen auch, dass ER das gute Werk in uns vollbringen wird und uns durchtragen vermag bis wir IHN sehen werden von Angesicht zu Angesicht.
Mit einem Briefausschnitt eines der Kinder schließt Mutter ihren eindrücklichen Bericht.
„Ganz herzlich danke ich Euch, meine lieben Eltern, dass Ihr so treu für die Familie gesorgt habt, dass wir Kinder uns alle im Leben bewähren können. Besonders aber will ich Euch danken, dass Ihr lieben Eltern, uns in der Gottesfurcht und im Vertrauen zu Gott hin erzogen habt. Ja, Ihr habt uns Gottes Wort und das Beten gelehrt. Mein Gebet zum Herrn ist, dass ER Euch behüten und stärken möge aus dem Heiligtum.“
Diesen Bericht schrieb meine Mutter 1973 in Ihrem 64. Lebensjahr. Wir sieben Geschwister hatten alle das Elternhaus verlassen. Es war das Jahr, als Esther und ich jung verheiratet den ersten Wohnsitz in St. Johann im Pongau nahmen, um mit der Missionsarbeit im Salzburgerland zu beginnen.
Wieviel Frucht durfte aus dem Leben meiner geschätzten Eltern hineinfließen in mein Leben. Vieles, was ich bei meinen Eltern lernen durfte, brachte auch Frucht in der Erziehung unserer Kinder.
TEIL 4
„Liebe und Anleitung zum Gehorsam sind die Grundprinzipien aller erzieherischen Bemühungen“
Liebe
Genauso wie Gott uns Menschen liebt, sollen Eltern den Kindern mit Liebe begegnen. Es geht dabei um eine selbstlose, vorbehaltlose Liebe. Um sich den Kindern liebevoll zuwenden zu können, brauchen Eltern die Hilfe Gottes. Diese gottgeschenkte Liebe zeigt sich in wohlwollendem Verhalten, in Einfühlungsvermögen, in Geduld, in Hilfsbereitschaft und Festigkeit. Diese Liebe wird in 1. Korinther 13, 4 – 7 so beschrieben: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“ Diese Liebe ist nicht mit irgendwelchen Forderungen oder Ansprüchen auf Gegenleistung verknüpft.
Gehorsam
Gehorchen ist nicht etwas, was wir Menschen einfach können, sondern wir haben es zu lernen, auch dann, wenn wir Jesus als persönlichen Retter angenommen haben. Gehorsam fällt uns deshalb oft schwer, weil er meist mit Verzicht, mit dem Opfer des Eigenwillens und mit Selbstüberwindung verbunden ist.
Der Weg zum Gehorsam führt über die Liebe. Andererseits aber führt der Weg zu dieser Liebe über den Gehorsam.
J.J. Toews schreibt: Die Lektion des Gehorsams sollte gleich von Anfang an ( in der Erziehung) ein Hauptprinzip sein. In den meisten Fällen sollte das Kind schon wissen, was Gehorsam bedeutet, ehe es überhaupt sprechen kann. Es geht also beim Gehorsam vorrangig nicht darum, zu tun, was die Eltern befehlen, sondern die Kinder auf den Gehorsam Gott gegenüber vorzubereiten.
Gehorsamserziehung geht von der letzten Autorität eines liebenden Gottes aus und ist deshalb genau das Gegenteil der emanzipatorischen Erziehung, die ja von der Autonomie des Menschen ausgeht. Anleitung zum Gehorsam ist und bleibt für die Erziehung auf biblischer Grundlage immer mit Spannungen verbunden, denn die Aufforderung zum Gehorsam fordert ein Kind jedes Mal neu zu einer Willensentscheidung heraus.
Erziehung, welche das Kind anleitet, Gott, der höchsten Autorität, zu gehorchen, ist erstaunlicherweise Erziehung zur Freiheit, denn nur in der Bindung an Jesus ist der Mensch frei.
Das Vorbild
Das Vorbild ist die Grundlage aller erzieherischen Bemühungen. Die Eltern sind in der Art, wie sie den Kindern begegnen, in ihrem Verhalten und im Gespräch mit ihnen Vorbilder. Als Vorbilder sind sie zunächst einmal Beispiel. Dadurch kann es im Leben der Kinder zu einem Beobachtungs- und Nachahmungslernen kommen. Durch diese Art von Lernen werden Wissen, Verhaltensweisen und Wertüberzeugungen vermittelt.
Ein vorbildliches Leben ist prinzipiell echt, weil es alle Bereiche des Lebens, das Reden, das Benehmen, das Verhalten im Alltag, sei es in der Ehe, am Arbeitsplatz und die gelebte Beziehung zu Gott umfaßt. Heuchelei wird sofort erkannt.
Das vorbildliche Verhalten der Eltern ist für das Kind, das erzogen wird, auch ein helfender Ansporn, das zu tun, was sie von ihm erwarten. Doch reicht das Vorbild allein nicht aus. Es braucht von den Eltern noch motivierende Maßnahmen wie Ermutigung, Lob, helfende Zurechtweisung, damit das Kind dasselbe tut.
Eltern, die vorbildlich leben, werden in den Kindern ihnen gegenüber Anerkennung und Achtung und damit auch Autorität haben.
Die Belehrung
In Matthäus 28,20 fordert Jesus seine Jünger im Blick auf ihre wichtigste Aufgabe auf, Menschen zu Jüngern zu machen und sie zu lehren. Der Apostel Paulus erwartete von denen, die zur Gemeinde in Kolossä gehörten, dass sie sich gegenseitig lehrten und ermahnten (Kol 3,16). Der Mensch soll durch das Lehren mit dem Inhalt des Wortes Gottes in allen Lebensbereichen vertraut gemacht werden. Die Lehre gibt Hilfen für eine von Christus geprägte Lebensweise.
Aus der Aufforderung Jesu, alle Menschen zu lehren, kann auch abgeleitet werden, dass der Belehrung der Kinder eine besondere Bedeutung zukommt. Psalm 34,12: „Kommt , ihr Söhne, hört mir zu: die Furcht des Herrn will ich euch lehren:“
Im Alltag haben zuerst die Eltern, dann die Verantwortlichen der Gemeinde und schließlich Lehrer und Lehrerinnen in der Schule in Rücksprache mit den Eltern, die Kinder zu lehren.
Durch die Belehrung werden zunächst Hilfen für das alltägliche Leben vermittelt. Später werden den Kindern Hilfen für die Lebensbewältigung in der Schule und in der Gesellschaft mitgegeben.
Ein wichtiger Schwerpunkt in der Belehrung ist die Hinführung des Kindes zu Jesus.
In der Belehrung geht es schließlich darum, dem Kind zu helfen, wie es mit Hilfe des innewohnenden Christus das, was die Bibel lehrt, praktisch umsetzen kann.
Die Ermutigung
Zu der vom Vorbild unterstützten Belehrung gehört auch die Ermutigung.
Besonders Kinder haben die helfende Ermutigung im Alltag immer wieder nötig. Sie brauchen sie, um Bequemlichkeit, persönliche Schwächen und Hindernisse zu überwinden.
Ermutigung fördert den Eifer, den Fleiß und die Ausdauer im Leben des Kindes. Das Kind fühlt sich von den Eltern, die es immer wieder ermutigen, ernst genommen.
Ermutigung zeigt sich in anerkennenden und lobenden Worten. Die Ermutigung knüpft im Leben des Kindes dort an, wo es schon zu leisten vermag. Die Eltern sprechen dem Kind im Blick auf eine neu zu bewältigende Aufgabe Mut zu.
Ermutigung fördert die Bereitschaft, das Gelernte auch in die Tat umzusetzen und hilft den Kindern, Enttäuschungen zu überwinden und nicht zu resignieren.
Die Texte sind dem Buch „Die pädagogischen Prinzipien“ meines Bruders Dr. Armin Mauerhofer entnommen.