Wie man andere Menschen inspiriert
Für die menschliche Entwicklung ist das persönliche Lob ein entscheidender Antriebsfaktor. Leider wird dieses Mittel oft übersehen und nur unzureichend genutzt. Dieser Artikel wird Sie motivieren, andere durch Lob aufzubauen!
Wie können Sie anderen helfen, höchste Leistungen in ihrem Leben zu erreichen? In der Hinterhofszene, dem dritten Akt von William Gibsons Theaterstück The Miracle Worker, versucht die Lehrerin von Helen Keller, Anne Sullivan, ihr immer wieder die Bedeutung von Worten zu lehren. Diese begabte Lehrerin, die sich völlig für ihre Schülerin einsetzt, arbeitet unermüdlich daran, alle Schätze, die tief im Inneren von Helen begraben liegen, ans Tageslicht zu bringen. Durch ihre Willensanstrengung bringt sie Helen dazu, selbst erfolgreich sein zu wollen. Während dieses ausdrucksvollen Theaterstücks erlebt man, wie Helen durch die warme Ausstrahlung von Annes Liebe aufblüht.
Ich habe die Jahre über andere Szenen beobachtet, Szenen aus dem wirklichen Leben. Ich war ergriffen von der mächtigen Wirkung, die Menschen auf Menschen haben. Ich bin überzeugt, dass Gott die ermutigenden Worte, positiven Handlungen und erbaulichen Haltungen, die wir einander entgegenbringen, nutzt, um unsere innere Entschlossenheit zu festigen, Erfolg haben zu wollen.
Lob stärkt die Selbstachtung
Um wirkungsvoll zu sein, sollte Ihr Lob unmittelbar, ausdrücklich und ehrlich gemeint sein. Dr. William Mayo, Mitgründer der Mayo Klinik, ermutigte junge Ärzte durch Lob. Ein junger Arzt erzählte: „Musstest du beispielsweise auf einer Mitarbeiterbesprechung ein Referat halten, und trafst ihn danach im Aufzug oder in der Eingangshalle, schüttelte er dir die Hand oder legte seine Hand auf deine Schulter mit einem stillen ,gut gemacht´ und warf dir einen offenen, herzlichen Blick zu, der dich glauben ließ, dass er es ehrlich meinte. Oder du erhieltest vielleicht ein oder zwei Tage später von ihm eine Notiz, nur eine kurze Notiz, auf der so etwas stand wie: ,Lieber …, ich habe durch Ihr Referat gestern Abend mehr über … gelernt als ich vorher wusste. Das haben Sie gut gemacht.´ Glaubt mir, solche Bemerkungen wurden hoch geschätzt.“
Taten, die aufbauen
Taten, die den Weg zum Erfolg für andere Menschen ebnen, motivieren. Als ich im ersten Semester an der Universität war, wollte ich den anderen von Christus erzählen, wusste aber nicht wie. Chris, meine Bibelkreisleiterin, spürte meinen inneren Kampf und begann mich einzeln zu betreuen. Zuerst half sie mir dabei, mein Zeugnis auszuarbeiten. Dann gab sie mir Schlüsselverse aus der Bibel mit, die ich auswendig lernte und zeigte mir eine einfache Veranschaulichung zur Erklärung des Heilsplans.
Einige Wochen später nahm sie mich zum Kaffeetrinken mit zwei ungläubigen Studentinnen im ersten Semester mit, um die sie sich kümmerte. Während wir unser Eis aßen, lenkte Chris die Unterhaltung geschickt auf geistliche Themen. Als eines der Mädchen fragte, wie man Christ wird, wandte sich Chris zu mir und sagte: „Janet, willst du nicht die Frage beantworten?“
Ich war so aufgeregt, dass ich wie ein Wasserfall redete. Ich erzählte ihnen alles, was sie wissen wollten und vieles, was sie nicht wissen wollten. Aber Chris ließ mich diese ausgezeichnete Gelegenheit bereitwillig verscherzen, weil sie wusste, dass ich es in der Praxis lernen musste. Chris´ beständige Liebe und ihre praktische Hilfe, Schritt für Schritt, stärkte meine Entschlossenheit zu lernen, wie man seinen Glauben mitteilt.
Die Einstellung ist entscheidend
Unsere positive Einstellung hat eine starke Wirkung auf andere, mehr als Worte oder Taten. Die beim Ehebruch ertappte Frau ist ein anschaulicher, einschlägiger Fall (Johannes 8). Aus dem Text geht klar hervor, wie die Pharisäer sie sahen. „Mose hat uns geboten, solche Frauen zu steinigen“, erklärten sie Jesus. Welch unterschiedliche Einstellung hatte Jesus! Er betrachtete sie und sagte: „Frau, wo sind jene? Hat niemand dich verurteilt?“ Sie antwortete: „Niemand, Herr.“ Jesus entgegnete ihr: „So verurteile auch ich dich nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!“ Ich denke, die Frau in dieser Geschichte verbrachte den Rest ihres Lebens damit, dem Urteil gerecht zu werden, das Jesus zu ihrem „Fall“ hatte.
Vor einigen Monaten führte ich eine tiefschürfende Diskussion mit einem engen Freund über einen Bereich meines Lebens, den ich ändern wollte. Ich sagte: „Aber was ist, wenn es zu spät ist? Was ist, wenn dieser Bereich einer Zimmerpflanze gleicht, die total verdorrt und aufgrund von Wassermangel eingegangen ist?“
Mein Freund sah mich mit überraschter Miene und voll tiefen Mitgefühls an. „Aber du bist keine Zimmerpflanze! Du hast eine Seele, und die stirbt niemals!“
Diese mit Überzeugung gesprochenen Worte sickerten in mein Herz wie ein warmer Frühlingsregen. Ich konnte fühlen, wie aus dem Grunde meines Herzens Hoffnung aufstieg. Mein Freund glaubte an meine Fähigkeit eines „Comebacks“, und sein Glaube belebte meinen Glauben neu.
Gegenseitige, tägliche Ermutigung
Der Auftrag, „einander zu ermutigen“, „einander aufzubauen“, „sich gegenseitig zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen“ zieht sich durch das gesamte Neue Testament. Jeder von uns hat schon erlebt, wie bereichernd sich die Bestätigung durch andere auswirken kann. Wie kommt es dann, dass wir manchmal das Lob nicht austeilen, das wir an andere weitergeben sollten oder die praktische Hilfe unterlassen, die wir anderen anbieten könnten, um ihnen zum Erfolg zu verhelfen?
Manchmal liegt das einfach an unserer Faulheit oder unserem Egoismus oder weil wir in die Gewohnheit verfallen, die Menschen als selbstverständlich hinzunehmen. Manchmal ist es einfach leichter, an jemandem etwas auszusetzen. Manchmal unterschätzen wir, wie ermutigend unsere Worte und Handlungen für einen anderen Menschen sein können, oder wir gehen davon aus, unsere Anerkennung sei offensichtlich. Gelegentlich fürchten die Leute auch, dass Lob ein Hindernis sein und in anderen Menschen Stolz hervorrufen könnte. Jesus befürchtete das nicht, als er Nathanael herbeirief: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist“ (Joh 1,47). Was für ein Kompliment!
Warum sollten Sie Gott nicht heute um eine Gelegenheit bitten, jemandem in ihrem Wirkungskreis ein ehrliches Lob auszusprechen? Bitten Sie ihn darum, Sie zu gebrauchen, einen anderen Menschen zu begleiten und ihn auf sein Ziel hin zu ermutigen. Lob, praktische Hilfe, Ermutigung – all dies strömt auf natürliche und aufrichtige Weise aus uns heraus, wenn wir – wie Anne Sullivan – anfangen, das ungenutzte Potential, das in jedem Menschen begraben liegt, zu erkennen.
Mit freundlicher Genehmigung aus: Bruce Wilkinson, „Wie mach ich’s richtig“, S. 90-93, Copyright Christliche Verlagsgesellschaft, 35683 Dillenburg.