Wo fangen wir an zu geben? (2)
(Auszug aus dem Buch „Giving Wisely?“ mit Genehmigung des Autors. Fortsetzung aus dem letzten Heft. )
„Unser Lebensunterhalt besteht aus dem, was wir bekommen. Aber unser Leben besteht aus dem, was wir geben.“ (Winston Churchill)
„Wozu doch Geld in der Hand eines Toren um Weisheit zu kaufen, da ihm doch der Verstand fehlt?“ (Spr 17,16)
Die Geschichte im letzten Heft ist ausgedacht, aber sie zeigt doch die Wirklichkeit. Sie handelt von uns allen, die mit dem reichen Segen Gottes aufgewachsen sind, materiell und geistlich. Sie handelt von denen, die in geistlicher und materieller Armut leben. Einige wurden zufällig in einem Land voller Überfluss geboren, wo sich jede Mühe auszahlt und die Saat hundertfältig einträgt. Andere säen und arbeiten doppelt so viel und ernten nur ein Zehntel. Es geht um die von uns, die das Vorrecht haben, auf der „westlichen“ Seite der Welt zu leben und die zu denen hinüberschauen, die auf der Ostseite leben müssen. Es geht auch um eine Entscheidung: Sollen wir unseren wirtschaftlichen Träumen nachjagen und das Leben genießen, oder sollen wir unseren Nächsten helfen?
Warum solche Ungleichheit? Wir leben auf einem Planeten, den die Sünde gezeichnet hat. Der Mensch hat vieles zerstört. Aber wir müssen uns fragen: Warum lebe ich an einem Ort, wo der Regen des Segens reichlich niederging? Die Antwort liegt vor uns. Gottes Wort ruft sie uns zu: „Wem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt werden.“ (Lk 12,48)
Wirtschaftliche Unterschiede sind nur ein Teil des Ungleichgewichts. Wir im Westen haben Möglichkeiten zur biblischen Ausbildung wie nie zuvor in der Geschichte. Wir haben geistliche Quellen, die in Buchläden auf uns warten und die sich über Radiowellen in unsere Häuser und Autos verbreiten. Wir haben ein riesiges Lagerhaus, gefüllt mit geistlicher und körperlicher Nahrung, das Gott uns anvertraut hat, um die Nationen zu ernähren. Es ist Sünde, diese Nahrung zu horten. Wenn wir nicht großzügig geben, stimmt etwas nicht. Gib! Warte nicht! Beginne jetzt!
Das erste Prinzip ist deutlich: Gib! Gib großzügig!
Aber wie sollen wir geben? Gibt es biblische Prinzipien, die wir auf unser Geben beziehen sollen?
Jesus befahl dem reichen Jüngling seinen ganzen Besitz zu verkaufen und den Erlös den Armen zu geben. Aber er sagte dem Mann nicht, welcher von den Armen die Hilfe am meisten verdiente. Der Herr ordnete auch nicht an, ob der Reiche Bargeld geben sollte oder Lebensmittel oder Möbel. Der Herr sagte auch nicht, durch welche Hilfsorganisation die Gaben weitergeleitet werden sollen. Das Prinzip, das Jesus gab, war klar und bleibt klar: Gib!
„Gib jedem, der dich bittet.“ (Lk 6,30) Mit dieser Aufforderung geht der Herr einen Schritt weiter. So eine undeutliche Aufforderung kann uns zum Kochen bringen. Was soll das bedeuten? Was will der Herr damit? Sollen wir das Geld einem Alkoholiker geben, der uns gerade anbettelt, um sich Schnaps zu kaufen? Kann Jesus das wirklich gemeint haben?
Ich denke, dass der Herr einfach Folgendes will: Er kennt unser Herz und unsere Neigung, jede Ausrede unter der Sonne zu finden, damit wir einer bestimmten Person, Gemeinde oder Gruppe nicht zu geben brauchen. Deswegen sagt er einfach: „Gib!“ Es ist besser, einer schlecht geführten Organisation zu geben, oder einem Betrunkenen, der sich mehr Schnaps kaufen wird, als egoistisch zu sein und gar nicht zu geben.
Ich hatte mal einen Bekannten, der echte Vorbehalte hatte in seiner Gemeinde zu geben, weil er gar nicht damit einverstanden war, wie das Geld verwendet wurde. Bei unserem letzten Treffen sagte er: „Weißt du, ich fühle mich nicht wirklich finanziell frei, bevor ich nicht mindestens eine Million Dollar auf der Bank habe.“
Ich bin nicht sicher, aber ich befürchte, dass die Probleme, die er mit bestimmten Gemeinden oder Missionen sah, einfach eine Ausrede waren, um nichts zu geben. Manche finden schnell Fehler und zögern zu geben. Jesus hat eine Anweisung für sie: „Gib!“
Bedeutet das, dass wir unüberlegt geben sollen und dass es nicht nötig ist gute Verwalter zu sein? Nein, überhaupt nicht. Aber es bedeutet, dass es keine perfekten Möglichkeiten gibt, wie wir geben sollen. Manche Gemeinden gehen besser mit Geld um als andere. Aber keine ist vollkommen. Auch keine Missionsgesellschaft ist vollkommen. Kein Missionar, den du unterstützen kannst, ist vollkommen. Wenn du auf Vollkommenheit wartest bevor du gibst, wirst du niemals geben. Du wirst nie großzügig sein, sondern du wirst für immer in deiner Gier und Habsucht leben. Also, gib großzügig.
Gib weise!
Aber es gibt ein zweites Prinzip aus der Bibel, das genauso wichtig ist. Wenn wir großzügig geben, sind wir auch verantwortlich weise zu geben.
Wo sollen wir denn investieren? In der Heimat oder wo die Not am größten ist? Soll ich meiner Gemeinde den Zehnten geben, bei all dem Überfluss in unserem Land? Oder soll ich in einem anderen Land geben, wo die Leute umkommen?
Ich bin Missionar, ich habe das Herz eines Missionars und auch die unabhängige Einstellung eines Missionars. Ich habe beobachtet, wie wir Christen Geld ausgeben. Ich winde mich manchmal unter Schmerzen, wenn ich höre, wie viel Geld unsere Gemeinde für Anschaffungen ausgibt. Wenn 40.000 Euro für eine Erweiterung der Soundanlage ausgegeben werden, rechne ich in Gedanken aus, wie viele Leben man mit dieser Summe retten könnte. Viele nämlich. Vielleicht machst du das wie ich.
Was ist die Lösung? Soll ich meinen Zehnten ins Ausland senden? Soll ich einfach unserer Gemeinde die Hälfte unserer Gaben nicht geben und direkt in die Mission oder an die Armen geben?
Ich kenne viele, die es genauso machen. Ich machte es auch so. Jawohl. Ich war einmal der Meinung, dass ich erleuchtet bin und die Ältesten und Leiter meiner Gemeinde nicht. Ich war überzeugt vom Prinzip des Zehnten, deswegen gab ich. Aber ich wollte entscheiden, was damit gemacht wurde. Ich war ja schließlich „erleuchtet“.
Eigentlich war ich einfach stolz und wollte mich nicht unterordnen. Ich missachtete ein biblisches Prinzip: „Gehorcht euren Führern und seid ihnen unterwürfig.“ (Hebr 13,17). In meinem Herzen wurde mir klar: Wenn ich verbindlich in eine Gemeinde gehe und dort mitarbeite, aber nicht bereit bin, dieser Gemeinde finanziell zu helfen, dann bin ich ein stolzer, „erleuchteter“ Rebell. Mir wurde klar, dass ich mich der Autorität, die Gott für mein Leben vorgesehen hatte, nicht unterordnete.
In der Apostelgeschichte brachten die Gläubigen ihr Geld den Aposteln und vertrauten ihnen, dass sie das Geld an die verteilten, die Not hatten. Sie lernten also den Leitern zu vertrauen. Wenn wir der Gemeinde hier nicht vertrauen, die wir sehen und wo wir mitarbeiten können, wie können wir dann einer anderen Gemeinde in einem anderen Land vertrauen? Die örtliche Gemeinde ist Gottes Instrument um die Welt zu verändern. Wir sollten dahinterstehen, bei uns und im Ausland.
Ich denke, Gott wollte mir beibringen, wie ich leiten sollte, indem ich denen folgte, die in Verantwortung standen, auch wenn ich nicht mit all ihren finanziellen Entscheidungen übereinstimmte. Wir haben uns entschlossen, die ersten zehn Prozent in die Gemeinde hier zu geben. Gott hat diese Entscheidung gesegnet und uns befähigt, darüber hinaus für andere verzweifelte Nöte rund um die Welt zu geben. Ich bin Gott auch dafür dankbar, dass unsere Gemeinde einen riesigen Teil von dem, was ich gebe, weitergibt. Ungefähr 16 Jahre, nachdem wir die Entscheidung trafen in unserer Gemeinde zehn Prozent zu geben, hat der Herr unsere Gemeinde verwendet, um meine Familie und mich finanziell zu unterstützen, und wir bekamen von ihnen ungefähr 40 Prozent unseres Bedarfs als wir in Asien waren.
Natürlich ist es wirklich ein Problem, wenn eine Gemeinde nichts für Weltmission oder für die furchtbaren Nöte der Armen da draußen tut. Wenn ich zu so einer Gemeinde gehören würde, müsste ich sie warnen und darauf hinarbeiten, diese kalten und unempfindlichen Herzen zu erwärmen und zu erweichen. Warum? „Wer aber der Welt Güter hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Joh 3,17). Eine so unchristliche Einstellung muss geändert werden.
Wir haben so viel bekommen, und wenn wir alles behalten, um unser „fettes Ich“ noch mehr zu füttern, gibt es keine Entschuldigung. Meiner Meinung nach wird Gott sogar zornig auf eine Gemeinde, die sagt, wir können nichts geben und müssen alles für uns verwenden, bis wir die und die Größe erreicht haben. Hier wirkt ein Prinzip. Wenn du eine Gemeinde mit einer egoistischen Einstellung beginnst, kannst du dir nur ausmalen, wo das enden wird.
Ein guter Freund hat vor nur zwei Jahren eine Gemeinde begonnen. In den ersten beiden Wochen wurden alle Gaben komplett an die Armen gegeben.
Hier ist ein Zitat von dem Pastor, der half, diese Gemeinde zu gründen:
„Christus hat seine Prioritäten in Lukas 4,18 bekannt gemacht. Seine wichtigste „Zielgruppe“ für das Evangelium waren die Armen, die Gefangenen, die Blinden und die Unterdrückten. Die Gemeinde sollte ihr Geld so benutzen, dass die Prioritäten Christi gezeigt werden.
Die meisten Leute, die unsere Gemeinde besuchen, sind weder arm, noch blind, gefangen oder unterdrückt. Das bedeutet, dass wir außerhalb der Gemeinde an andere Missionen oder Gruppen geben sollen, die wir bei solchen Aufgaben unterstützen können. Und das sollten wir machen, bevor wir Geld für uns selbst ausgeben.
Pastoren zitieren gern Maleachi 3,10: „Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus.“ Aber dann führen sie das Bild nicht weiter. Ein Vorratshaus ist ein vorübergehender Aufbewahrungsort für Waren oder in diesem Fall für Geld. Stell dir den Geschäftsführer von einem Baumarkt vor, der nicht den Verkauf steigert, sondern 90% der Waren, die angeliefert werden, verwendet um den Baumarkt auszubauen oder zu verschönern. Das macht er Jahr für Jahr. Was für ein fantastisches „Baumarktzentrum“ er da aufbauen würde! Die Idee ist schon lächerlich. Aber es ist genau das, was viele Gemeinden in Amerika machen.“
Wenn irgendjemand das Recht hätte, Geld für sich zu behalten bis sie genug haben, um auch zu geben, dann wäre das eine Gemeindegründungsarbeit. Stimmts? Nein. Der Herr Jesus lobte die Witwe, die in ihrer Armut ihre letzten „Cents“ weggab (Mk 12,41-44).
Der Herr Jesus sagt es klar: Wir sollen die Botschaft des Evangeliums in Wort und Tat zu allen Nationen bringen. Wir sollen das mit unserem Geld unterstützen. Der Herr sagt auch, dass wir den Armen, den Geringsten von ihnen helfen sollen. Unser Geld soll auch für diese Bereiche des Evangeliums verwendet werden. In einem Land, wo wir so viel haben, gibt es viel Verwirrung über finanzielle Hilfe zur Verbreitung des Evangeliums und zur Unterstützung der Armen. Aber zu einer weisen Investition gehören mehr als gute Absichten und ein großzügiges Herz. Es kommt eben darauf an, weise zu investieren, nicht nur eine Summe Geld weiterzugeben.
Der erste Grundsatz ist also: Gib, und gib großzügig! Wenn du an Jesus glaubst, kannst du das nicht aufgeben. Der zweite ist: Gib weise! Wir sollen so investieren, dass es etwas bringt.