Zwölf Möglichkeiten zu motivieren, nicht zu manipulieren
Könnten Sie, wenn Sie müssten, zwischen motivieren (rechtmäßig) und manipulieren (unrechtmäßig) unterscheiden? Wenn nicht, woher wissen Sie, ob Sie „rechtmäßig“ unterrichten?
Nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie es wissen.
Welche Arten von Motivationstechniken gibt es? Wie können wir aus Menschen das Beste herausholen, ohne sie zu manipulieren?
1. Schaffen Sie eine natürliche, freundliche Atmosphäre. Dies ist besonders unter Mitarbeitern wichtig. Wenn es beispielsweise darum geht, jemanden einzustellen, bevorzuge ich „meinen Schlag von Menschen“ – Menschen, die ich motivieren kann. Ich kann nicht jeden Menschen motivieren. Es ist einfacher zu manipulieren als zu motivieren. Ich war noch nie fähig, jemanden, den ich nicht mag, voll und ganz zu motivieren. Bei langfristigen, alltäglichen Beziehungen jedoch brauche ich Menschen, die ich auf ehrliche Weise motivieren kann. Gelingt mir dies, kann ich ihm oder ihr in die Augen sehen und weiß, dass zwischen uns eine ehrliche, freundliche Beziehung herrscht.
2. Freuen Sie sich über die Einmaligkeit der Menschen. Es ist gut, Freunde zu haben; man muss nicht dieselben Vorlieben haben. Bei mir arbeitete einmal eine Frau, die verschiedene Tintenfarben aufeinander abstimmte. Beim Anblick gewisser Blautöne konnten ihr die Tränen kommen. „Passen diese Farbtöne nicht wunderbar zusammen?“ fragte sie dann. Ich konnte mir nicht vorstellen, was in ihrem Kopf vorging, um das Abstimmen von Blautönen zu so einem bemerkenswerten Ereignis werden zu lassen. Aber alles, was ich zum Aufrechterhalten ihrer Motivation tun musste, war Anteil zu nehmen an ihrer Aufregung und ihre Arbeit zu schätzen.
3. Lernen Sie die Fähigkeiten eines Menschen kennen. Es wäre lieblos von mir gewesen, dieser Angestellten zu sagen: „Denken Sie jemals auch an etwas Wichtigeres als an verschiedene Blautöne?“ Sie dachte wirklich kaum an etwas anderes, aber meine Kritik hätte sie auch nicht zu einem besseren Menschen gemacht. Sie trug durch ihre Freude an der Arbeit zu einem angenehmen Betriebsklima bei.
Meine Farbabstimmerin besaß keine umfassenden Fähigkeiten; es wäre unbarmherzig gewesen, sie über dies hinaus motivieren zu wollen. Besitzt ein Musiker begrenztes Talent, ist es verkehrt, über die Freuden, ein Mozart zu sein, zu sprechen. Lernen Sie eine Frau kennen, die mit 55 Jahren noch Single ist, dann sprechen Sie nicht über die Freuden Mutter zu sein. Wenn Sie jemand erfolgreich motivieren möchten, müssen Sie Ihre Wünsche auf die Fähigkeiten der betreffenden Person abstimmen. Konzentrieren Sie sich auf die Vorzüge dieses Menschen, und nicht auf das, was er nicht hat. Es wirkt äußerst demotivierend, zu jemand zu sagen: „Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was aus Ihnen hätte werden können?“ Wie grausam! Motivation richtet sich immer auf die Zukunft.
4. Sie müssen wissen, wie viel Verantwortung ein Mensch übernehmen kann. Manche Menschen trauen sich zu, eine große Portion Verantwortung für eine Sache zu übernehmen. Sie besitzen vielleicht große Fähigkeiten, aber irgendetwas in ihrem Innern sagt ihnen, dass sie nicht die gesamte Last tragen wollen. Sie brauchen jemanden, an den sie sich wenden, bei dem sie sich melden können. Manche Menschen können besser mit Aufgaben als mit Verantwortung umgehen. Übertragen Sie jemand eine Aufgabe, dann erklären Sie, was Sie wollen und wann und wie Sie die Aufgabe erledigt haben möchten. Übertragen Sie jemand Verantwortung, dann muss diese Person die Initiative ergreifen und seine Aufgaben effektiv erledigen, ganz gleich wie.
5. Suchen Sie nach Wegen, die für beide Seiten von Vorteil sind. Es ist eine gewisse Ehrlichkeit erforderlich zwischen dem, der motiviert und dem, der motiviert werden soll. Solange nicht ein gegenseitiges Interesse vorhanden ist, sollte die Zusammenarbeit auch nicht aufgenommen werden. Scheint die Zusammenarbeit jedoch ausbaufähig, könnte man sich folgendermaßen an die Person wenden: „Sie weisen weitaus mehr Begabung auf, als Sie bisher zum Einsatz gebracht haben. Wie viel Mühe sind Sie bereit einzusetzen, wenn wir Ihnen die Gelegenheit bieten, diese Begabung zu entwickeln?“
6. Setzen Sie sich ehrlich gemeinte Ziele. Vor kurzem besuchte mich ein junger Pastor. Er wollte wissen, wie er seine kleine Gemeinde zu einer großen Gemeinde machen könnte.
„Wodurch werden Sie hauptsächlich motiviert?“ fragte ich ihn.
„Ehrlich gesagt, meine Gemeinde ist zu klein, als dass ich von ihrer finanziellen Unterstützung leben könnte“, entgegnete er.
Um ein evangelistisches Programm durchführen zu können, müsste er die Leute manipulieren. Er könnte sich selbst und anderen gegenüber nicht ehrlich sein. Seine Gemeinde wäre imstande gewesen einen Pastor zu unterhalten, wenn er sie hätte überzeugen können, den Zehnten zu geben. Er aber wollte lieber eine größere Gemeinde haben als zu versuchen, die Menschen das Geben des Zehnten zu lehren.
7. Zitieren Sie Menschen als positives Beispiel. Ich habe Ihnen von Menschen erzählt, die sich in gewissen Dingen auszeichnen, vielleicht in einer christlichen Tugend. Diese Menschen haben es gern, wenn sie erwähnt werden – sie legen dann sogar noch mehr positive Charakterzüge an den Tag. Diese Art der Motivation wird nur zur Manipulation, wenn das von Ihnen Gesagte unwahr oder gefärbt ist – oder wenn sie damit drohen, eine Person als schlechtes Beispiel zu benutzen.
Ich habe immer ein paar Notizzettel bei mir. Wenn jemand etwas Ausgefallenes sagt, notiere ich mir das. Ich versuchte jahrelang, mir unvergessliche Aussprüche solange zu merken, bis ich zu Hause war und sie mir aufschreiben konnte. Einmal bekam ich zufällig mit, wie jemand sagte: „Ich wusste gar nicht, dass das, was ich gesagt habe, so gut war. Aber er hat es sich aufgeschrieben!“ Mir wurde klar, dass die Menschen gerne zitiert werden. Das motiviert sie, bessere Gedanken im Kopf zu haben.
8. Schenken Sie den Menschen ein Ansehen, das sie wahren möchten. Einer meiner Chefs besaß eine nette Art sich über seine Arbeiter zu äußern. Es waren wahre, aber freundliche Dinge. Das kam wieder auf ihn zurück. Sie schätzten das und konnten nicht umhin zu versuchen, mehr Dinge zu tun, von denen er erzählen konnte. Die Menschen arbeiteten hart daran einen guten Ruf aufrecht zu erhalten.
9. Fragen Sie sich, was an diesem oder jenem Menschen besonders ist. Manche Menschen sagen selten etwas Negatives. Sie können diese Eigenschaften aufgreifen und als etwas Besonderes hervorheben: „Hier ist ein Mensch, der nach dem Besten in seinen Mitmenschen sucht.“ Selbstverständlich sollen Sie nicht so unehrlich sein und derartiges über einen Zyniker äußern.
Ich habe meine Frau bewusst in ihrem Ansehen als kreative Zuhörerin bestärkt. Ich tat das hautsächlich um sie zu trösten. Nach jedem geselligen Beisammensein sagte sie: „Ich habe nichts beigetragen. Ich habe nur zugehört.“ Trotzdem kann sie das besser als irgendjemand anders, den ich kenne. Mary Alice besitzt die Fähigkeit, auf dynamische Art und Weise zuzuhören und den Leuten das Gefühl zu vermitteln, dass sie etwas Besonderes sind. Und oft entsprechen sie auch diesen Erwartungen!
10. Machen Sie glaubwürdige Komplimente. Ich lernte von Sarah Jarman, einer liebenswürdigen, intelligenten, tadellosen Frau das Geheimnis Komplimente zu machen. Ihre Komplimente waren nie allgemein, sie waren immer spezifisch. „Dieser Schlips und dieser Anzug passen sehr gut zusammen.“ Von da an trug ich diesen Schlips immer mit diesem Anzug.
Es war offensichtlich, dass ihre Beobachtungen wohl durchdacht, glaubhaft und korrekt waren. Sie versuchte nie, jemand für etwas ein Kompliment auszusprechen, das außerhalb ihrer Sachkenntnis lag. Sie kannte die gesellschaftlichen Umgangsformen. Darin, wo sie sich am besten auskannte, machte sie den Leuten Komplimente. Sie waren glaubwürdig. Komplimente bedeuten am meisten, wenn Sie wissen, wovon Sie reden.
11. Zeigen Sie den Menschen, dass Sie gerne arbeiten. Von meinem ehemaligen Chef, Maxey Jarman, lernte ich, dass Arbeiten Spaß macht. Eines Tages sagte ich zu ihm, mich einerseits beklagend, anderseits nach Lob haschend: „Ich muss ganz schön hart arbeiten.“
Maxey entgegnete: „Was würdest du denn lieber tun?“ „Nichts“, musste ich zugeben. „Dann“, sagte Maxey nüchtern, „ solltest du auch nicht klagen.“
Ich beobachtete ihn bei seiner Arbeit und merkte, wie dankbar er für die ihm auferlegte Verantwortung war. Mir wurde bewusst, dass Arbeiten Spaß macht. In diesen Zeiten erlebte ich die meiste Freude und Zufriedenheit.
Ein Freund erzählte mir einmal: „Erst im zweiten Semester an der Universität Princeton merkte ich, dass das Lernen Freude bereitet. Da wurde das Studium spannend.“ Er hatte Glück gehabt. Viele Studenten merken das erst, wenn es bereits zu spät ist.
Ich habe keine höhere Ausbildung, aber es ist ein Segen, dass ich nie um der Noten willen gelernt habe. Meine Freunde, die eine höhere Ausbildung genossen haben, haben bestätigt, dass diejenigen, die um der Noten willen lernten, oft als Denker zurückblieben und die mittelmäßigen Studenten an den theologischen Hochschulen oft die besten Gemeindeleiter wurden.
12. Suchen Sie nach durstigen Menschen. Motivation und Manipulation unterscheiden sich darin, dass erstere „den Durst von Menschen stillt.“ Deshalb ist es Hauptaufgabe des Leiters, nach „durstigen Menschen“ Ausschau zu halten.
Die Menschen haben auf unterschiedliche Weise „Durst“, und sie zu motivieren, heißt zu wissen, wonach sie durstig sind. Viktor Frankl lehrte uns, dass fast jeder Mensch einen elementaren Durst nach Lebenssinn hat. Es gibt andere Arten von Durst: nach lohnender Leistung, nach Nutzung von Talenten, nach Anerkennung von Gott. Ein starker Durst unter den im christlichen Bereich Tätigen ist der Durst nach Zugehörigkeit, der Wunsch nach Gemeinschaft im Reich Gottes.
Herauszufinden, was jemanden in der Vergangenheit motiviert hat, ist eines der Geheimnisse, den Durst einer Person einordnen zu können. Die Menschen werden selten von ihrem elementaren Durst, den sie bereits als junger Mensch empfanden, frei. Haben sie Durst nach Anerkennung, gelangen sie in ihren Augen nie zu ausreichendem Ruhm. Sind sie durstig nach intellektuellem Wachstum, werden sie – ihrer Meinung nach – nie schlau genug. Wollen sie Geld erwerben, dann verlangen sie bald nach mehr Geld.
Ist es uns gelungen, den Durst der Menschen zu bestimmen, müssen wir uns – um erfolgreich motivieren zu können – fragen, mit welcher Art von Wasser wir diese Art von Durst stillen können.
Wenn wir ausgetrockneten Menschen ehrlich und offen Wasser anbieten, dann manipulieren wir sie nicht. Wir motivieren sie.
Mit freundlicher Genehmigung aus: Bruce Wilkinson, „Wie mach ich’s richtig“, S. 238-242, Copyright Christliche Verlagsgesellschaft, 35683 Dillenburg.