Durch andere retten?
„Jonathan … gab David sein Schwert“, um ihn bei seinen Aufgaben zu unterstützen (1. Sam. 18,4). Es würde den meisten von uns sehr schwer fallen, andere so zu unterstützen.Jonathan hatte erlebt, wie der Herr das Volk durch ihn gerettet hat. Aber wie wird es sein, wenn Gott nicht durch ihn retten würde, sondern durch andere? Welche Rolle wird Jonathan dabei spielen? Wie würdest du reagieren, wenn der Herr nicht durch dich, sondern durch andere wirken will?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neid und Eifersucht sind verbreitete Reaktionen. Als Folge davon sieht man den anderen als Konkurrenten. Man sucht nach einem Haar in der Suppe, das man spalten kann. Das entlarvt den Stolz in unserem Herzen.
Oder reagierst du demütig mit Freude und Dankbarkeit? Demut sagt nicht: „Ich kann nichts“, und „ich bin nichts“, sondern sie entschließt sich: „Ich bau das schönste Haus, das es gibt.“ Wenn aber ein andrer ein schöneres baut zu Gottes Ehre, macht es ihr nichts aus, sondern sie freut sich sehr darüber und dankt dem Herrn für sein Wirken.
Jonathan tat noch mehr: Er unterstützte seinen Konkurrenten mit all seiner Kraft. Ist es euch schon mal aufgefallen, welche Rolle seine Hilfe spielte? Dadurch hatte David Gelingen bei allen Aufgaben, die Saul ihm übertrug und sein Ansehen im Volk und in der Armee wuchs (1. Sam. 18,5). Eigentlich war Jonathan der Sohn des Königs, und mit seinen errungenen Siegen hätte er die besten Chancen gehabt weiterzukommen. Aber Jonathan gab alles, was er hatte, an David – alles was David für seine Laufbahn brauchen konnte. Jonathan zog sein Oberkleid aus, seinen Waffenrock, Schwert und Bogen, und gab alles David. Er stand hinter David, und zeigte es ihm. Welch große Ermutigung musste das für David sein. Er wurde nicht als Eindringling gesehen, sondern er wurde nach besten Kräften unterstützt. Auch später kam es immer wieder vor: Jonathan stärkte Davids Hand in Gott (1. Sam. 23,16).
Warum handelte Jonathan so? Jonathan liebte David wie seine Seele, und sie schlossen einen Bund. Jonathan verpflichtete sich vor David, drückte seinem neuen Freund gegenüber seine Liebe aus und versprach, ihm beizustehen. Was musste das für David bedeutet haben! Er war neu in der Armee, kam ganz frisch von den Schafen an den Königshof. Und dort erlebte er so viel Hilfe, soviel Zuneigung. Liebe ist kein Gefühl, auf das man warten muss, sondern eine Entscheidung, die man trifft. Jonathan entschied, sich hinter David zu stellen und ihn zu unterstützen.
Der Herr rettete sein Volk durch David. Und Jonathan unterstützte David dabei, weil er ihn liebte. Diese Art von Bruderliebe schwebte wohl dem Herrn Jesus vor, als er sagte: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, weil ihr Liebe untereinander habt (Joh. 13,35). Auch der Apostel Paulus hat das ausgelebt. Er kannte die Kolosser gar nicht persönlich, freute sich aber über sie und war dankbar, und half ihnen durch Gebet und Brief mit allen Mitteln. Das könnten wir nachmachen.
Lasst uns nicht lieben mit Worten, … sondern in Tat und Wahrheit (1. Joh. 4,18). Entscheide dich dazu, andere mit Liebe zu unterstützen, auch wenn der Herr dann nicht nur durch dich, sondern auch durch andere rettet.