Gemeinde & Mission
Vorwort

„Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter“

von Lindner Andreas

Wisst ihr, wie diese Prophezeiung beginnt? Genau, sie wird oft in der Weihnachtszeit zitiert und lautet: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter“ (Jes 9,6). Mit dem ersten Aspekt beschäftigen wir uns mehr, obwohl der zweite uns zeitlich näher liegt und wir im Blick darauf leben sollten.Derselbe Herr, der als Kind in die Welt kam, um Frieden in die Herzen zu bringen, wird als Sohn kommen, um sein Friedensreich aufzurichten. Der Herr kam in Niedrigkeit, und er wird in Herrlichkeit kommen. Er kam und erniedrigte sich selbst, diente den Menschen und gab sein Leben für uns. So wird er in den Evangelien gezeichnet. In der Offenbarung sehen wir den Sohn, der kommt um die Erde zu richten und zu regieren. Dann wird die Herrschaft auf seiner Schulter ruhen. Das dürfen wir nicht vergessen.

Bei seinem ersten Kommen sagte der Herr: „Ich bin nicht gekommen, auf dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette“ (Joh 12,47). Aber bei seinem zweiten Kommen wird eine laute Stimme zu hören sein, die sagt: „Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen“ (Offb 14,7). Zuerst sehen wir das Lamm, das die Sünden der Welt wegnimmt und stumm wird vor seinen Scherern. Später sehen wir den Zorn des Lammes, und die Menschen fragen sich, wer am großen Tag seines Zorns bestehen kann (Offb 6,17.18). Werden wir jetzt oder dann in die Anbetung des Richters einstimmen?

Auch in der Kleidung des Herrn wird dieser Unterschied angedeutet. Zuerst sehen wir den Herrn, der sich wie ein Sklave mit einem Leintuch umgürtet, die Füße der Jünger wäscht und sie mit dem Tuch abtrocknet, mit dem er umgürtet war. Dann sehen wir ihn mit dem weißen Gewand und goldenen Gürtel eines Richters bekleidet (Offb 1,13). Auf seinem Gewand trägt er dann einen Namen geschrieben: „König der Könige und Herr der Herren“ (Offb 19,16).

Es ist schade, wenn wir das aus dem Blick verlieren. Denn das beantwortet den aktuellen Vorwurf: „Warum lässt Gott das zu?“ und die Frage: „Warum greift er nicht ein?“ Weil auch wir uns fragen, warum Gott nicht eingreift, wenn ein heiliger und dem Herrn treuer Mann wie Johannes der Täufer so leiden muss, gibt uns Matthäus die Antwort: Gott wird im Gericht eingreifen (Mt 11 und 12). Zuerst lädt der Freund der Sünder die Mühseligen ein, damit sie Ruhe finden. Er wird nicht streiten noch schreien, bis er das Gericht hinausführt zum Sieg (12,20). Bis dahin lässt er alles zusammen wachsen bis zur Ernte (Mt 13,30). Dann werden die Gesetzlosen gerichtet. Jetzt lässt Gott viel Unheil zu, und wartet, dass die Gesetzlosen umkehren. Dann wird er eingreifen und „alle Ärgernisse zusammenlesen, und die das Gesetzlose tun, und sie in den Feuerofen werfen“ (Mt 13,41).

Nur das Lamm ist würdig, diese Gerichte auszuführen. Das Lamm, das für uns das Gericht getragen hat, wird auf dem Thron sein und angebetet werden. Dann wird die Herrschaft auf seiner Schulter ruhen.

Ein weiteres Jahr geht zu Ende und das Kommen des Herrn ist näher gerückt. Wir brauchen eine realistische Vorstellung vom Herrn, um in Ehrfurcht vor ihm zu leben bis er kommt.