Ein gesundes Selbstvertrauen
Mein Bekannter beschwert sich über die Teilnehmer von unserem evangelistischen Bibelkreis. Sein Vorschlag: Die Christen brauchen mehr Selbstvertrauen.
Da fällt mir Petrus ein. Er bewies wirklich ein großes Maß davon. Als der Herr befürchtete, dass alle Jünger Ihn verlassen werden, widersprach Petrus. „Herr, ich bin bereit, mit Dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen (Lk. 22,33). Auch wenn alle sich an Dir ärgern werden, ich aber nicht“ (Mk. 14,29). Vielleicht wollte Petrus den Herrn damit trösten? Oder Ihn beruhigen. Wir sehen jedenfalls, wie Petrus sich einschätzte: Als einen Mann, auf den man zählen kann, ein Freund, auf den man sich auch in Gefahr verlassen kann. Ein Mann mit einem gesunden Selbstvertrauen.Das ist gefährlich. Diese Art von Selbstvertrauen ist so gesund wie Rattengift. Es ist tödlich und kann den Glauben zerstören. Das war auch Satans Ziel (Lk. 22,31). Sein Werkzeug dabei? Einige Gespräche mit unscheinbaren Leuten. Eine Magd, einige Männer. Und Petrus verleugnet den Herrn. Er schwört sogar, dass er ihn nicht kennt! Nicht unter Folter hat Petrus abgeschworen vom Glauben, nicht im Angesicht des Todes, sondern in einer Situation, wo eigentlich keine Gefahr für ihn bestand. Wenn jemand in Verfolgung und Gefängnis den Herrn verleugnet, so ist das zwar nicht nachahmenswert, aber doch verständlich. Aber das war es nicht, es bestand keine Gefahr bei einem Bekenntnis. Andere Jünger waren im Hof, sie waren bekannt, und es passierte ihnen nichts (Joh. 18,15f). Und doch wurde sein Herz schwach. Das hätte Petrus nie von sich geglaubt. Sein Selbstvertrauen ist zerstört. Da kräht der Hahn. Der Herr dreht sich um und schaut Petrus in die Augen.
Jetzt erinnert sich Petrus an die Worte des Herrn. Ihm wird klar: Der Herr hat es gewusst, und trotzdem hat er mich geliebt. Es ist genau so eingetroffen, wie der Herr gesagt hat. Seinen Worten kann man vertrauen. Vielleicht gingen Petrus solche Gedanken durch den Kopf wie: „Das ist das Ende meines Glaubenslebens – Nein, denn Er sagte: Ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre (Lk. 22,32). Aber ich habe den Herrn beleidigt. Wahrscheinlich kann ich nicht mehr umkehren, oder gar mitarbeiten, um die Brüder zu stärken – Nein, denn der Herr hat gesagt: Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder (Lk. 22,32). Also kann ich wirklich weiter mitarbeiten im Reich Gottes? Aber das habe ich doch gar nicht verdient. Ich wollte den Herrn trösten, und Ihm versichern, dass Er mir vertrauen kann. Jetzt bin ich ganz bestürzt über das, was passiert ist. Aber auch das wusste Er, denn Er sagte: Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich (Joh. 14,1). Mann, ich habe ihm nicht geglaubt, als er vorhersagte, zu was ich fähig bin und was ich tun werde. Ich habe auf mich vertraut, an mich geglaubt – aber jetzt will ich Ihm glauben. Er hatte recht. Er sagte sogar: Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen … ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen (Joh. 14,2.3). Der Herr wusste, was ich tun würde, und trotzdem will er mich bei sich im Himmel haben. Das ist gewaltig, Herr! Ich liebe Dich und vertraue Dir! Es ist wunderbar, was Du gesagt hast, und es ist furchtbar, was ich getan habe.“ Als der Hahn gekräht hatte, drehte sich der Herr um und schaute Petrus an (Lk. 22,61). Wie gut, dass Petrus sich jetzt an die Worte des Herrn erinnerte. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich (Lk. 22,62). Das war echte Umkehr, bewirkt durch Jesu Liebe.
In seiner Weisheit hat der Herr seinen Jünger vorbereitet und ihm so geholfen, wieder aufzustehen nach dem Fall. Der Herr kennt uns, und liebt uns trotzdem. Er will uns verändern. Vom Selbstvertrauen zum Gottvertrauen. Satans Ziel war, den Glauben des Petrus zu zerstören. Der Glaube des Petrus an sich war zerstört, und sein Glaube an den Herrn war fester als je zuvor. Wir brauchen kein Selbstvertrauen, sondern Vertrauen auf den Herrn.