Gemeinde & Mission
Vorwort

Mein/Sein (Vorwort 54)

von Lindner Andreas

„Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein…“ (Hl 2,16). Mit diesen Worten beschreibt Sulamith im Hohelied ihre Beziehung zu ihrem Verlobten. Sie ist von ihm begeistert und will ihm unter allen Umständen treu sein. Keiner darf seinen Platz in ihrem Herzen antasten. Das erinnert mich an die tiefe Beziehung zum Herrn Jesus, die jeder Gläubige haben kann. Nichts braucht zwischen uns und ihm zu stehen. Wir dürfen ihn lieben mit unserer ganzen Seele, mit unserem ganzen Verstand, mit ganzen Herzen und mit unserer ganzen Kraft. Auch Paulus vergleicht unsere Beziehung zum Herrn mit einer Verlobung (2 Kor 11,2).

Also, wir sollten in dem Bewusstsein leben, dass der Herr uns gehört, damit wir uns über ihn freuen und unser Leben mit ihm teilen.Später sagt Sulamith: „Ich bin meines Geliebten; und mein Geliebter ist mein…“ (Hl 6,3). In dieser Situation nehmen sein Wunsch und sein Recht mehr Platz in ihren und unseren Gedanken ein. Der erste Gedanke ist jetzt: Ich gehöre ihm! Vielleicht fällt es uns schwer, über den Herrn als Geliebten zu sprechen, aber wenn wir mit ihm reden, sollte uns das erfüllen. Sogar David, der Krieger rief: Ich liebe dich, Herr, meine Stärke (Ps 18,1). Manchmal hinken die Herzen den Worten oder Liedern hinterher. Aber doch, mein Entschluss ist fest: Ich will dich lieben, meine Stärke …

Einen weiteren Aspekt in der Beziehung zeigen die Worte: „Ich bin meines Geliebten und nach mir ist sein Verlangen“ (Hl 7,10). Hier nimmt er den ganzen Platz ein, darin liegt vollkommene Sicherheit, wir ruhen in seiner Liebe. In diesem Moment denkt man nicht daran, wie groß unsere Liebe zu ihm sein mag. Jetzt denkst du nur: Sein Herz schlägt völlig für mich, was fehlt mir noch?

Dem Apostel Johannes war die Liebe des Herrn zu ihm bewusst, und er beschreibt sich oft als „der Jünger, den Jesus liebte“ (Joh 21,20). Unsere Liebe zum Herrn muss sicher noch wachsen, aber seine Liebe zu uns nicht.