Vorwort 103: „So eine Vergeudung!“
Der Vater teilte das Vermögen unter seinen beiden Söhnen auf. Der jüngere Sohn verschwendete seinen Teil total (Lk 15,13f). Was für eine Vergeudung! Wir ärgern uns, wenn die Regierung Geld vergeudet. Wir ärgern uns, wenn Kinder Geld vergeuden. Wir ärgern uns, wenn Christen ihr Geld verschwenden. Wenn wir uns darüber ärgern, zeigt das unsere Einstellung.
Wir denken, dass wir das nie machen würden. Denn wir machen alles richtig, wir arbeiten fleißig. Die schlimmen Leute arbeiten nichts und vergeuden, was sie haben. Die guten Menschen langen hin, packen an und arbeiten hart. Sie wissen, was der Wert der Dinge ist und sind sparsam. Das war die Einstellung des älteren Bruders (Lk 15,28.29). Er hielt sich für besser, deswegen war er zornig, als der jüngere Sohn umkehrte und wieder aufgenommen wurde. Er wollte nicht vergeben, weil der Verschwender die Vergebung nicht verdient hatte. Der furchtbare Verschwender soll nun aufgenommen werden? Nein, das wäre Gnade, das würde ihm nicht passen. Gnade ärgerte den älteren Sohn, weil er nicht merkte, dass er selbst auch Gnade brauchte. Seine Einstellung machte ihn blind dafür.
Wie schade, denn dadurch sieht der ältere Sohn auch nicht, wie liebevoll der Vater seinen Bruder aufnimmt, der es gar nicht verdient hat (Lk 15,20f), und wie freundlich er selbst aufgenommen würde, wenn er seine falsche Einstellung erkennen und umkehren würde.
Wir können wie der ältere Sohn sein und seine falsche Einstellung übernehmen: „Ich bin besser und würde so was nicht machen.“ Unsere Einstellung ist wichtig. Sie kann unsere Familie, unser Team oder unsere Gemeinde aufbauen oder zerstören. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können nicht ändern, wie andere uns behandeln. Wir können nicht ändern, ob sie ihr Geld oder ihr Leben verschwenden. Aber wir können ändern, wie wir darauf reagieren. Wir können unsere Einstellung ändern. Heute. Für diesen Tag.
Der Vater zeigt die richtige Einstellung: Er ist traurig über die Ferne des Sohnes. Er freut sich sehr, als der jüngere Sohn, der Verschwender, zurückkommt. Er sieht ihn von fern, er rennt ihm entgegen und küsst ihn. Er umarmt ihn (Lk 15,20). Der Vater zeigt Gottes Herz. Wir brauchen Gottes Einstellung, sonst vergeuden wir unser Leben! Das wäre schade. Es ist zu wertvoll. Wir sollten nichts vergeuden, was so wertvoll ist.
Andreas Lindner