Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 111: „Tief betroffen (Neh 1,1-4)“

von Lindner Andreas

Nehemia war nicht gleichgültig. Er war betroffen,

tief besorgt um Gottes Volk und das trieb ihn zu Gott und zum Handeln.
Eigentlich ging es Nehemia gut, sehr gut sogar. Er lebte im persischen Palast, in Sicherheit, war angesehen und hatte eine verantwortungsvolle Stelle als Mundschenk des Königs (Neh 1,11). Aber das hatte Nehemia nicht gleichgültig gemacht.
Als Freunde aus Jerusalem ankamen, befragte er sie (Neh 1,2). Nehemia war sehr interessiert, wie es um das Werk des Herrn stand und wie es seinem Volk ging. Immerhin sollte der Erlöser in der Nähe von Jerusalem geboren werden und dort leben und wirken.
Hanani und die anderen Reisenden aus Juda gaben bereitwillig Auskunft. Sie wussten, wie schlecht es um Gottes Volk stand, wie aussichtslos die Situation war und sie berichteten alles genau (Neh 1,3). Sie wussten es, aber wir lesen nichts davon, dass sie gebetet haben, oder dass sie betroffen waren. Vielleicht waren sie schon zu lange mit dem Gedanken vertraut und waren abgestumpft und apathisch geworden – das kann uns auch passieren, wenn wir uns daran gewöhnen, dass viele verloren gehen, dass unsere Gemeinden kraftlos sind und dass wir Christen Gottes Wort kaum kennen.
Nehemia war durch diese Nachrichten tief betroffen. Und schaut euch an, wie er reagiert: Er explodiert nicht vor Wut wegen der Ungerechtigkeit, er überschätzt sich nicht selbst indem er sofort loslegt, er ist nicht gelähmt durch die furchtbare Lage. Er tritt vor den Herrn. Er leidet tagelang. Er fastet und betet. Er ist offen für Gottes Auftrag und ist bereit auf seinen Luxus und seine Vorrechte zu verzichten.
Ein opferbereiter Dienst wartet auf ihn, in Jerusalem. Später sehen wir, dass fast alle mitarbeiten, um die Stadtmauer wieder aufzubauen (Neh 3). Aber es begann mit einem Mann, der mutig genug war, um nachzufragen, wie es dem Volk Gottes geht. Es begann mit einem Mann, der tief betroffen war. „Herr, reiß uns aus der Gleichgültigkeit und hilf uns, deine Last im Herzen zu tragen.“